Australien-Reisebericht :In knapp zwei Jahren durch Malaysia, Neuseeland und Australien

Westen Australia: Teil 5 – von 15.11 bis 22.11.2016 2190km

Ziel: Vom Overlander Roadhouse geht der Weg in den Kalbarri NP, nach Geraldton und dann weiter über Mullewa, Mt. Magnet, Sandstone und Leonora in die Northern Goldfields bis Laverton.

Wetter: Sonnenschein < 35°, nachts < 25°, teils recht windig.

Wir fahren weiter Richtung Süden, kommen am Billabong Roadhouse vorbei,

helfen mal kurz Papa Emu beim Kinderhüten (ist bei denen echte Männersache)

und biegen dann zum Warribanno Chimney ab, den Überresten einer ehemaligen Bleierzverhüttungsanlage,

die von 1858 bis 1859 ganze zwei Jahre in Betrieb war. Wir erreichen unser Hauptziel für heute, den Kalbarri NP und fahren dort gleich zum Hawks Head Lookout

um einen ersten Blick auf den ‚mighty Murchison River‘ zu werfen, der hier, bereits 700km unterwegs und schon gute 10m breit, über 80km in den tollsten Mäandern sein Bett durch die Sand-und Kalksteinfelsen gegraben hat. Vorbei an solchen bunten Feldern mit Wild Blumen

geht es zum Ross Graham Lookout, wo wir allen Warnungen zum Trotz

den Abstieg runter zum Fluss wagen, (1km bei 100Hm) um Euch dies tollen Bilder von ganz drunten zeigen zu können.

Um den Besuchern das Leben hier nicht ganz einfach zu machen, wurden die letzten 12km der insgesamt 25km zu den nächsten Lookouts einfach ‚naturbelassen‘ = Sand und Wellblech,

ein Alptraum für die vielen PKW Fahrer, die hier alle unterwegs sind. Am Z Bend Lookout

ein weiterer ‘todesmutiger’ Abstieg runter zum Fluss, diesmal sind über 3,5km H/R, ganze 120hm zurückzulegen, bevor man nach durchsteigen dieser engen Schlucht

endlich drunten am Murchison River ankommt, wo gar manche(r) ein kühles Bad geniesst.

Unser vorletztes Ziel für heute in dieser Sektion des Parks der West Loop Lookout,

der einen schönen Ausblick auf seine Flussschleife bietet. Ähnlich wie seine grossen Vorbilder Mississippi und Mosel hat sich auch dieser Fluss eine 9km lange Schleife zugelegt, an deren Ende die beiden Flussbetten gerade mal 100m weit auseinander liegen. Zum Abschluss dann noch der Besuch beim Nature Window,

ein Loch in einem Felsen, durch das man (wenn man endlich an der Reihe ist) den Mighty River fotografieren kann. Wir durchqueren die RV unfreundliche Stadt Kalbarri

und fahren zur Küsten-Sektion des Kalbarri NP. Hier wurde auf etwa 20km die schöne Kliff – und Felsenküste unter den NP Schutz gestellt. Die Red Bluff, knallrote Sandsteinfelsen leuchten im Abendrot -

den Rest schauen wir uns dann Morgen früh an, wir fahren zum Parkausgang und finden dort den versprochenen SP.
Heute Morgen besichtigen und erwandern wir all die restlichen Lookout Points in der Küsten Sektion des Kalbarri NP, all da sind: die Natural Bridge,

Castle Cove,

ein einsamer, freistehender Felsen in Ufernähe,

das Shell House, das einen Fischer an ein Haus in Muschelform erinnerte,

der Grandstand, wie eine Tribüne im Stadion,

die Eagle Gorge, heute ohne Adler,

die Pot Alley mit diesem tollen Abstieg zum Strand,

in dem ein Fischer einst seinen Topf verlor.

Zum Abschluss machen wir noch den 3km Rundweg vom Rainbow Valley zu den Mushroom Rocks,

bei dem wir erneut feststellen, dass dies bisher der mit Abstand am besten gepflegte NP in WA ist. Die Mushroom Rocks selbst, champignon-grosse harte Auswüchse aus dem weichen Sandstein dann eher eine Enttäuschung, über die die schönen Felsformationen am Ufer aber hinwegtrösten.

Wir sind am Ende der Besichtigungsmöglichkeiten in diesem NP angekommen, also fahren wir weiter zur Principality of Hutt River,

einem absoluten Kuriosum hier in Australien. Hat sich doch vor knapp 50 Jahren der Besitzer einer Farm von Australien nach einem Disput mit der Regierung von WA unabhängig erklärt, ein von der Queen toleriertes Fürstentum gegründet mit eigener Verwaltung, eigenem Postamt,

eigener Fahne und Hymne, wird irgendwie weltweit geehrt und ge-(be-)achtet und freut sich mit seinen stolzen 92Jahren immer noch darüber seine Besucher persönlich begrüßen zu dürfen.

Nach Besichtigung der unzähligen Sammelstücke werden wir mit fürstlichen Handdruck verabschiedet und fahren weiter nach Port Gregory, das auf der Meeresseite von einem Riff bewacht wird

und an dessen Landseite sich der Pink Lake befindet,

dessen rote Farbe von Karotin Produzierenden Algen stammt, die wirtschaftlich ausgebeutet / geerntet werden. Unser kurzer Besuch in Horrocks,

einem kleinen netten Strand- Badeort hinterließ keine tiefen Eindrucke und auch in Northhampton beschränken wir uns auf die Besichtigung dieser alten Kirche,

bevor wir etwa 20km weiter südlich unseren heutigen SP finden.
Wir fahren nach Geraldton, finden dort (per Zufall) einen 4WD Shop wo wir sofort freundlichst!!! begrüßt werden und für 13h einen Ölwechsel/Wartungstermin für SL3 bekommen. Irgendwie sind das ganz andere Leute hier, den Touristen gegenüber aufgeschlossen, freundlich. Als wir dann auch noch unser soooo lang vermisstes Telstra WiFi finden, endlich mal stundenlang im Internet verschwinden können, Mails lesen und beantworten, den Reisebericht laden und veröffentlichen, fühlen wir uns wie zu Hause, angekommen. Geraldton ist eine RVFT (RV Friendly Town), stellt drunten am Bootsslip ca. 30 kostenlose Stellplätze für durchreisende WoMos zur Verfügung, von denen heute gerade mal 5 belegt sind, dazu noch eine Trinkwasserzapfstelle, zwei öffentliche (Gas-)Grillplätze, hier kann/muss man sich echt wohlfühlen. Wir bleiben zur Unterstützung der lokalen Wirtschaft noch einen Tag, streifen durch die FuZo, bewundern die alten Gebäude und die zahlreichen Murals,

gehen zum Mittagessen und besichtigen anschliessend die Francis Xavier Cathedral,

eine bunte Mischung aus europäischen Stilelementen der letzten 1000 Jahre,

besuchen das HMAS Sydney II Memorial,

dessen 75ter Jahrestag der Versenkung der Sydney durch die deutsche Kormoran morgen begangen wird, wundern uns im Old Gaol, einst Gefängnis mit Hochsicherheitstrakt, heute Kunsthandwerker Stützpunkt und Galerie,

wie diese depressiv erscheinenden alten Gefängniszellen künstlerisch anregend wirken können. Wir fahren raus zum Point Moore Lighthouse,

dem höchsten Leuchtturm in WA und verbringen noch einen Abend vor dem Grill, eine Nacht auf dem SP am Bootsslip.
Wir fahren nun Richtung Osten, zurück ins Outback, denn wir wollen als nächstes die Northern Goldfield von WA besuchen. Der Weg dahin ist weit, lang, aber wir haben ja keine Eile, machen ein Päuschen in der Eradu Natur Reserve und schauen runter auf den ausgetrockneten Greenough River,

lernen an der Erangy Spring Road wie die Bodenverdichtung der Äcker durch die schweren Maschinen reduziert werden kann

und begeben uns dann auf die Mullewa Northern Loop, 120km mit 12 Stationen durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet, mit Sehenswürdigkeiten wie der alte Stockyard, Reste einer Eisenbahnüberführung,

einer Zwergschule (= altes Schulhaus mit genau einem Klassenzimmer), dem Noondamurra Pool,

leider so veralgt dass er nicht zum Baden einlädt, entlang der Strasse die letzten Überreste der Wildblumen, für die diese Gegend so berühmt ist,

deren Saison aber Ende September bereits zu ausläuft. The Waterfalls,

eine weitere staubtrockene Angelegenheit und in Mullewa selbst, die Kirche ‚Our Lady of Carmel‘,

die John Hawes, Architekt der Kathedrale von Geraldton, während seiner Zeit als Priester hier sich selbst baute ist leider wegen Erkrankung des Führers verschlossen – Pech gehabt. Wir ersparen uns die nächsten 150km auf dem wahrscheinlich genau so interessanten Southern Loop und fahren gleich weiter über Pindar, 20 Ew. nach Yalgoo ca. 100Ew., das an allen 3 Ortseinfahrten seine (durchreisenden) Besucher mit solchen monumentalen Statuen begrüßt.

Nochmals 100km weiter finden wir unseren SP für heute, 2 Womos stehen schon da, stellen wir uns dazu, braten Burger zum Abendessen, noch einen Schluck Rotwein und der Tag wäre auch geschafft.
Nach 20km erreichen wir Mt. Magnet mitten im aktiven Goldabbaugebiet und müssen mal schnell diesem gut 2 Fahrspuren breiten Grubenmonster ausweichen, für dessen Umzug offensichtlich der verkehrsarme Sonntagsmorgen genutzt wird.

Noch schnell ein Bild vom Grand Hotel

und dann geht es weiter, raus aufs Land zum ca. 3000 Jahre alten Dalgaranga Meteorite Crater, mit 21m Durchmesser der kleinste Australiens,

der größte mit 160km Durchmesser ist irgendwo in SA. Der Walga Rock, nach Uluru Australiens zweitgrößter Monolith, ist in einer Höhlung reich mit Rock Art verziert,

wie z.B. mit diesem Dutch Ship.

Der Felsen (Berg??) ist knappe 1,5km lang, 0,5km breit und gut 50m hoch, also packen wir Steigeisen, Kletterseil und Eispickel aus und machen uns an den Aufstieg,

geniessen den Blick ins Tal, runter zur Rock Art Höhle

und finden in einer der unzähligen Mulden in denen sich so es mal regnet, das Wasser sammeln kann, diese noch blühenden Wildblumen.

Auf dieser Staubstrasse fahren wir einmal die gut 5km rundherum,

werden zurück auf der Hauptstrasse von diesem Goanna begrüßt

und erreichen Big Bell, bis um 1950 florierende Goldminenstadt, die aber nach Schliessung der Mine sehr schnell zur Geisterstadt verkam. Ausser ein paar Fundamenten von einstigen Häusern ist nur noch diese Hotelruine erhalten,

in der einst die längste Bar Australiens gewesen sein soll. Wir erreichen Cue, bummeln dort die Main Street entlang,

kommen auch am Old Gaol vorbei, das zuletzt dem nebenan gelegenen Campingplatz als Toilette diente

und fahren raus zum alten Great Fingall Mine Office,

ein von italienischen Steinmetzen geschaffener Prachtbau von 1912, der den Glanz und Reichtum dieser Zeit schön verdeutlicht, heute aber mitten in einem wiedereröffneten Minengebiet liegt und daher nur noch aus der Ferne besichtigt werden kann. Noch mal gut 200km über Land und wir erreichen unseren heutigen SP nahe bei Sandstone.
Wir besichtigen die Highlights von Sandstone, zur Goldrauschblütezeit um 8.000 Ew. heute noch um die 80, erst mal zu Fuss, wundern uns über die mit Schuhen behängten Pfosten vor dem Postamt,

besuchen kurz das altehrwürdige National Hotel,

das von innen noch viel interessanter aussieht als von aussen,

lassen uns im Gold&Wool Interpretive Park über die Hochs und Tiefs der Schafzucht und der Goldsuche aufklären und befahren dann den 18km langen Heritage Drive, der uns am ersten Brunnen von 1908 vorbeibringt,

an einer recht runtergekommen wirkenden, aber trotzdem unter Altertumsschutz stehenden Steinzerkleinerungsanlage (Stamper), uns dann zur größten Attraktion der Gegend bringt, der London Bridge,

ein riesiges Loch in dieser Basaltwand, das eigentlich da kein Wasser durchfliesst Arch genannt werden müsste und zu guter letzt zum Bierkeller einer Brauerei, die von 1907 bis 1910 hier in Betrieb war.

Zurück auf dem Highway geht es weiter nach Agnew, auch so einer Goldsucher Geisterstadt, von der neben diesem kleinen, gut gemachten Freilichtmuseum

auch nur noch das Hotel erhalten geblieben ist.

Wir erreichen Leinster und stossen genau auf das Gegenteil, hier wurde 1976 auf dem Reissbrett eine Stadt aus dem Boden gestampft, die neben Wohnräumen und Häusern

für die Arbeiter einer nahegelegenen Nickelmine auch Schulen, Kindergärten, Einkaufszentren eben die ganze Infrastruktur einer Kleinstadt umfasst. Wir fahren weiter Richtung Süden nach Leonora, werfen dort erst mal einen Blick von oben auf die Stadt, dann noch einen langen Blick nach unten in den Open Cut der Sons of Gwalia Mine,

schauen für eine Weile den Riesen-LKW’s zu, wie sie mit ihrer Erzladung aus diesem Loch nach oben kriechen und verbringen dann die Nacht auf dem SP direkt nebenan.
Gwalia, einst eine aus Wellblechhütten erbaute Boomtown,

hat die letzte vorläufige Schliessung der Mine um 1997 nicht überlebt ist zur Geisterstadt verkommen.

Heute wird dort Open Pit Mining betrieben, das Loche 300m tief, 960m breit und ein 1,6km langer Tunnel führt zu den Goldadern,

die auch schon mal um 1890 ausgebeutet wurden und heute immer noch etwa 52g (=2 oz) Gold pro Tonne Gestein liefern. Droben am Grubenrand der alte Headframe (Schacht – Aufzug) aus den Tagen

als ein Herbert Hoover der Manager der ersten Grube hier war und sich ein standesgemäßes Haus hier erbauen lies,

das auch innen entsprechend eingerichtet war,

bevor er dann ein paar Jahre später (1929-1933) zum 31 Präsident der USA gewählt wurde.
Nach einem Kurzbesuch in Leonora, einer netten Kleinstadt,

folgen wir der Darlot Loop Richtung Norden, erreichen the Top of Terraces und dann The Terraces,

beides Aussichtspunkte auf eine Faltung, die sich hier über 75km weit quer durch die Landschaft zieht. Am Malcolm Dam

nur noch ein bisschen Wasser im Wasserloch, das nicht mehr zum Schwimmen einlädt, am Murrin Murrin Lookout

ein Blick auf eine aktive Nickerlmine und am Windarra Lookout

ein Blick auf die mittlerweile geschlossenen und rückgebaute Nickelmine, deren Entdeckung um 1970 zum ersten .COM ähnlichen Aktienboom führte, als die Aktien der Minengesellschaft innerhalb von 6 Monaten von AUD 1 auf AUD 280 hochschossen. 15km weiter Laverton, eine Kleinstadt, die mit Windarra auf- und verblühte, mal 2.000Ew, heute gerade noch 400, versucht jetzt als Tor zum Outback touristisch zu punkten gelang jedoch zumindest nicht bei uns.

Wir ziehen uns für die Nacht auf einen SP am in der Nähe gelegenen Hawks Nest zurück und versuchen uns nicht mehr über die Steine werfenden Roadtrains zu ärgern, die uns die nächsten Löcher in der Windschutzscheibe verpasst haben – so langsam reicht’s.
Wer genug Zeit mitbringt und sich in die Geschichte der Goldfunde hier vertiefen möchte, dem werden mehrere tausend!! Km an Thematischen und/oder Historischen Rundfahrten angeboten - wir werden uns auf einige Hauptorte am Golden Quest Discovery Trail beschränken, einem ca. 1000km langen Rundkurs, den wir aber nur in N->S Richtung folgen werden und darüber dann im nächsten Kapitel berichten.

© Anja & Wolfgang, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nachdem wir die letzten 2 Jahre auf dem amerikanischen Kontinent verbracht haben, zieht es uns diesmal wieder gegen Osten. In den nächsten 22 Monaten wollen wir Malaysia, Neuseeland und Australien erkunden.
Details:
Aufbruch: 15.10.2015
Dauer: 21 Monate
Heimkehr: 22.07.2017
Reiseziele: Malaysia
Singapur
Neuseeland
Australien
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt. Anja & über sich:
Weltreisende aus Leidenschaft