ist es nicht der abschied, der uns leben gibt und uns zu neuen wegen, neuen zielen führt?
so nehme ich sie bei der hand, die zeit zwischen examen und dem leben danach, lasse zurück, was ich einmal hatte, setzte einen fuss vor den anderen und umrunde ihn, unseren globus. mit all meinem mut für eine hand voll augenblick...
das dasein für das hier... streben ohne ziel... treiben in dieser welt... den kopf ab und zu verlieren... mag der verstand auch nicht verstehn, das herz immer...
neuseeland...
... beginnt am flughafen. einer der hunde springt die ganze zeit wie wild an mir hoch. was soll das? getreulich leere ich auf die aufforderung der zollbeamtin meine taschen. zettelchen, papierchen und das randstueck einer moehre. bingo! die war's. gemuese darf man hier nicht einfuehren. und das eckchen hatte ich ganz vergessen. als ich es wegwerfen wollte, gab es keine muelleimer und danach ist sie in meinen taschen und gedanken verschollen. mit tausenden von leckerlies wird der hund fuer diesen heldenhaften fund belohnt. das nenn ich mal konditionierung. krass! der moehre folgt die desinfizierung meines zeltes. meine wanderschuhe gehen erstaunlicherweise so durch. neuseeland hat naemlich angst, dass ich irgendwelche pflanzen und zellen einschleppen koennte, die sie hier nicht haben wollen. deswegen nehmen sie mir auch meinen leckeren biohonig weg. vier meter unter der erde auf einer sonderdeponie werden sein neues zu hause. hallo! es ist honig. H-O-N-I-G!!! ich dachte amerika haetten wir hinter uns...
vom flughafen zur autovermietung muessen wir ein stueck laufen. auf dem weg dorthin haelt ungefragter weise gleich mal ein kommerzieller reisebus und bietet uns an uns bis dahin einfach so mit zu nehmen. wenn das mal nicht fein ist? willkommen in neuseeland, dem paradies aller trampenden wesen dieser welt!
im auto schlafe ich ein. jetlag. die stimmung so truebe wie das wetter. wir sind alle ziemlich platt. in amerika haben wir schon ziemlich raubbau mit unseren energien betrieben. irgendwie hatte ich mir das hier anders vorgestellt. ich weiss nicht wie, aber anders.
in ein paar fischerstaedtchen machen wir halt und schlendern durch die laeden und galerien. die glaskunst zieht mich in ihren bann. einen moment lang tut es verdammt weh, dass ich langweilige lehrerin sein soll, anstatt hier in den flammenden gluten solche wunderbaren farben und formen zu zaubern. in gedanken blase, schlage und drehe ich das fluessige glas zu den tollkuehnsten wesen. neid!
viel mehr passiert an diesem ersten tag am anderen ende der welt nicht. Ich frage mich, wo er hin ist - groessten teils an mir vorbeigerauscht. mm auto.
die nacht schluepfen wir mit unseren zelten bei alten aucklaendern unter, die sich fern der statt ein bisschen gruen gepachtet haben, um ihre enkel aus der grossstadt zu locken.
der naechste tag: kueste. ein bisschen sandduenen, cocons in grasfeldern und abends ein erster, riesiger kauri-baum. unser boden unter dem zelt fuer die nacht: auf einer farm, hoch oben auf einem huegel, mitten im zug. um uns herum: neugierige kuehe. die campingkueche sagt yam, sonderbare pinke knollen, die sich ein bisschen wie kartoffeln benehmen. habe ich irgendwo in einem winzigen bioladen aufgetrieben. inklusive mit ein paar ideen, was man daraus machen kann. angebraten sind sie auf jeden fall ziemlich lecker.
dritter tag, immer noch northland. der kauriwald und das kaurimuseum. erstaunlicher weise fasziniert mich das museum mit dem nicht mehr lebendem holz ja mehr als der wald. aufgeschnittene baumstaemme, die 45.000 jahre unter der erde lagen. super gut erhalten und einfach gigantisch gross. was man daraus alles machen koennte... riesige durchmesser und laengen, ungebrochen. kauri-gum und das, was die menschen daraus gemacht haben. das leben der ersten schreiner und kauri-gum-sammler oder -ernter.
abends: am flussufer bei coromandel. und lagerfeuer! freu! eine lange nacht.
coromandel: eine halbinsel. meer und kueste, muscheln sammeln, am strand lang spazieren und in gedanken versinken. kalksteinbruecken und barfuss laufen. leider benimmt sich der weg nicht ganz so sanft, wie er angemutet hat. Immer wieder bohren sich die steinchen tief in meine fuesse, was meine aufmerksamkeit ein bisschen von der landschaft hin zum boden lenkt.
die schilder, dass man entlang des meeres nicht zelten darf, ignorieren wir auf anraten der wenigen wirklichen anwohner. die meisten haeuser hier stehen leer und werden nur im sommer als ferienhaeuser genutzt. einschlafen zu den wellen.
noch mehr strand, kueste und kleine doerfer, bier im pub und langsam den spuren zurueck gen auckland folgen. vor uns liegt der abschied. eine letzte gemeinsame nacht auf dem bauernhof von anne. tolle frau, voller strahlen. wieder ein ort, wo man kuh sein will.
frueh morgens dann: aufbruch zum airport. umpacken und packen. das auto zurueckgeben. noch einen letzten, gemeinsamen lift mit einem alten paaerchen aus holland, weg von der autovermietung. beides rentner und fuer die naechsten 14, 15 monate sind sie mit einem umgebauten feuerwehrauto auf weltreise. von australien zurueck nach europa... die route beachtlich. ueber australien, asien und den nahen osten. hut ab, vor diesen beiden gestalten! und ich freu mich, dass es noch solche ALTEN menschen gibt, die soetwas wagen und einfach tun.
an der autobahnauffahrt dann endgueltig der abschied. dieses mal nicht von irgendwem, von irgendwas oder von irgendwo, sondern von meinen reisegefaehrten. ... ein sonderbares gefuehl. ich frage mich, ob auch dieser abschied mich zu neuen wegen fuehren wird und bin mir doch bereits sicher, dass es so sein wird. so war es immer.
mit dem ersten auto, das haelt, wird er dann real: der abschied. jetzt bin ich allein. irgendwo in diesem riesig grossen land. alle wege stehen mir offen und fuehren mich erst einmal nach waitomo.