ist es nicht der abschied, der uns leben gibt und uns zu neuen wegen, neuen zielen führt?
so nehme ich sie bei der hand, die zeit zwischen examen und dem leben danach, lasse zurück, was ich einmal hatte, setzte einen fuss vor den anderen und umrunde ihn, unseren globus. mit all meinem mut für eine hand voll augenblick...
das dasein für das hier... streben ohne ziel... treiben in dieser welt... den kopf ab und zu verlieren... mag der verstand auch nicht verstehn, das herz immer...
2.11.2007, 23.05h, waitomo, new zealand
adventure extreme caving, the experience
eine verschlungene welt tief unter der erde. ritzen und spalten, bodenlose schluchten und eiskalte wasserfaelle. felsformationen, mineralien und schlamm.
zu viert brechen wir heute morgen auf, mit dem jeep ueber unwegsames gelaende, auf und ab. in einem improvisierten camp stoppen wir, tauschen unsere klamotten gegen bikini, zwei durchloecherte lange unterhosen mit ringeln und ebensolche hemdchen, einen fleecepulli, blaumann, neopreen-soeckchen und gummistiefel aus. dazu helm, sicherheitsgurt und ein satz neue batterien fuer die lampen. zumindest sehen wir schon mal abenteuerlich aus 
ein spaziergang durch die sonne bis sich die wiese oeffnet und einen spalt ins innere der erde frei gibt. im dunkel der hoehle seilen wir uns ab. viele meter tief. ungewiss, wo der grund ist - genau bis zu dem zeitpunkt, wo ich auf ihn treffe. ich stehe bis zu den knien im wasser, meine gummistiefel laufen ueber. es ist kalt und riecht modrig. vor uns breitet sich ein geaest von gaengen aus. wir zwaengen uns durch felsspalten, klettern auf, ueber und unter felsen entlang, waten durch wasser, ziehen uns an seilen empor. um uns herum ueberall tropfsteine und hauchduenne kalksteinschichten. wir springen ueber tiefe schluchten und abhaenge, laufen auf schmalen graten, hangeln uns an seilen an glatten felswaenden entlang. ein bisschen wie hochseilgarten in dunkel, nass und glitschig.
die meiste zeit sind wir gesichert. einen moment lang versinke ich in gedanken und rutsche ab. das seil, welchem ich zugetraut habe, dass es mich halten wuerde, gibt nach. zehn meter rutsche ich kopfueber auf dem ruecken einen steilen hang hinuter, bis ich mit meinem helm an einem felsen anschlage. alle versprechungen, die das seil nicht gehalten hat, haelt nun der helm. ich bein erstaunt mit welcher leichtigkeit er die wucht des sturzes abfaengt. und so verrueckt das vielleicht klingen mag, ich bin froh, dass ich mit dem kopf aufgeschlagen bin. ist es doch der koerperteil, der grade als einzigstes wirklich und gut geschuetzt ist. mit dem sicherheitsseil, in dem ich immer noch eingehakt bin, ziehen mich die anderen wieder hoch. alles o.k., wuerde ich sagen, und weiter.
irgendwo seilen wir uns ueberhang ab. da ich die erste bin, trifft es mich kalt und unerwartet: der wasserfall. mittendrin. er zieht an meinen haaren, die sich in der abseilung verhaken. das wasser reisst mich mit sich. ich sehe nichts mehr und bin durch und durch nass. landen tue ich in einem wasserbecken, wo ich auf die anderen, die nach mir kommen warte.
nach und nach weicht alles feingefuehl aus meinen fingern und gelenken. die kaelte beisst schmerzhaft. hier unten muessen wir uns nun unseren weg selbst suchen. durch das wasser unter schmalen felsen durchtauchen. irgendwo bleibe ich haengen und reisse ein weiteres loch in den blaumann hinein. die klamotten wiegen schwer von dem wasser und die fuesse schwimmen seit stunden in den stiefeln. manche felsen sind so eng, dass ich mich dazwischen nicht mehr vor und zurueck bewegen kann. immer wieder muessen wir uns gegenseitig hindurch schieben, druecken und zerren. ueber andere schluchten komme ich nur hinweg, in dem ich mich mit haenden und fuessen gegen die felswaende staemme. immer unter mir die tiefen des abgrunds.
nicht immer ist der weg klar - ob jetzt oben oder unten rum weiter. ausprobieren und in manche sackgasse hinein klettern, waten oder tauchen, bis dass es nicht mehr geht. und manchmal geht es doch.
mehr und mehr werden wir zum team und irgendwo zwischen all dem hat es angefangen ein abenteuer zu werden. die grenze vom bekannten hin zum ungewissen.
heisser tee und ein cookie so gross wie meine hand und drei zentimeter dick (goettlich!!!) tragen mich voruebergehend ueber das ende meiner kraefte hinaus. dennoch vermoegen sie nicht meine erschoepfung zu ueberwinden. immer schwerer faellt es mir mich ueberhaupt noch zu bewegen und eigentlich wuensche ich mir jetzt draussen zu sein. irgendwo im warmen... die letzten aufstiege sind hart, eng und nass. ich bin so froh als hinter einer ecke tageslicht erscheint. mehr als vier stunden aeusserste anstrengung, naesse und kaelte sind genug! willkommen sonne und heisse dusche. es braucht ewig bis das die hitze in mein inneres durchdringt. wer haette gedacht, dass die schnell- und kaltduschqueen jemals eine heisse dusche so lange geniessen wuerde? und was fuer ein luxus, dass ich mir in weiser vorraussicht eine weitere nacht im holiday park gegoennt habe, statt jetzt weiter ziehen und zelten zu muessen.
HUNGER! ausruhen und vielleicht die nacht noch einmal gluehwuermchen wandern. wegen denen bin ich ja eigentlich hier..