weiter fuehrt mein weg richtung sueden, zum mt. egmont oder mt. taranaki. aus irgendwelchen unerfindlichen gruenden hat dieser berg zwei namen. ein wirklicher plan, wie es hier weiter- und losgehen soll fehlt mir.
am fruehen abend komme ich in ingelwood an. das visitorcenter liegt ein dorf weiter. knappe sechs kilometer. ich laufe entlang der strasse, als es anfaengt zu nieseln. so planlos und grau um mich herum, als ein kleines auto mit ian, sally und katey haelt. sie nehmen mich mit bis nach egmont village. was fuer froehliche wesen! vor allem sally, die mag ich. zwoelf jahre alt, mit einem wundervollen lachen, mit dem sie die welt betoerren kann und so bodenlos wie man nur sein kann. fluffig und frei. und ich bin mir sicher, dass sie es war, warum die drei angehalten haben. da ich zwar weiss, dass ich draussen im zelt schlafen will, aber noch nicht weiss wo, laden sie mich zu sich nach hause ein und quasi im gleichen atemzug zu dem konzert in new plymouth, wohin sie grade fahren. da ich keine plaene fuer den abend habe, kann ich ja tun und machen und lassen, was ich will. selbst wenn ich die haette, koennte ich das. in dem moment ein tolles gefuehl. und ich hab lust mich den dreien anzuschliessen. was auch immer mich erwarten wird - mit offenen armen im hier und jetzt.
zuerst halten wir noch an einem supermarkt. gingernuts im angebot. 25 cent pro packung. soviel sie tragen koennen nehmen sie mit. ein goettlicher anblick. bepackt mit tollen sachen.
der naechste laden ist ein schuhgeschaeft. und so schnell habe ich noch keine frau schuhe einkaufen sehen: reinspringen, mitnehmen und bezahlen. ein phaenomen fuer sich.
von nun an kreuz und querr durch die stadt bis katey - sallys schwester und so anders, wie zwei schwestern nur sein koennen - realisiert, dass ian keine ahnung hat, wo er ueberhaupt hinfahren muss. getreulich versucht sie ihm den weg zu weisen, aber er faehrt einfach nach gefuehl mal hier und mal da lang, ohne auf ihre nicht so unpassenden tipps zu achten. arme katey! irgendwann kommen wir dennoch an. ein paar schritte zu fuss und dann stehe ich vor einer freilichtbuehne aehnlich wie der loreley. eine amphitheaterwiese, unten ein see, in der mitte eine halbinsel mit der buhne drauf, im hintergrund dschungel und der sonnenuntergang. eine gigantische atmosphaere UND gigantische musik. drei damen in fuenfziger jahre kostuemchen, pinken peruecken und high heels. Ganz unwesentlich geschminkt und einen tollen dreiklang. die klassiker der vierziger bis heute. und grade denke ich, sie klingen wie abba, als sie ein stueck von abba . nebenbei stelle ich fest, dass ich gluecklich bin.
mit der anbrechenden nacht gibt es ein feuerwerk. musik im hintergrund und es faengt langsam an. wie gluehwuermchen, denke ich. ich liege auf dem ruecken im gras, kann die musik fuehlen. ganz anders als bei uns, das feuerwerk. eintauchen. und ich bin wirklich fasziniert. was fuer ein wunder-, wundervoller abend!
auf dem heimweg im auto schlafe ich fast ein. ich bin ganz muede vom tag. zu hause bei den mitchells, kramen sie unter tausend sachen in einem raum ein weiteres bett hervor. einschlafen. warm und trocken und geborgen. zeit fuer den berg und all das drum herum ist morgen auch noch.
am naechsten morgen im flur lerne ich noch bernice kennen, die mama der beiden maedchen und die frau von ian. bis spaet in die nacht war sie unterwegs. vorgewarnt durch ein paar zeilen sms von katey, faellt sie nicht aus allen wolken. froehlich plappernd unterhalten wir uns ueber dies und das. dankbar ueber einmal mehr ueber ein klares englisch, dass ich gut verstehe. der blick aus dem fenster: regen. regen. und grau. von dem berg, der dort sein sollte keine spur.
neuseelaendische kirche
da sonntag ist und sie eine christliche familie sind steht kirche auf dem programm. nach draussen zieht es mich nicht und da ich auch hier eingeladen bin mich ihnen anzuschliessen, tue ich genau das. katey und sally brechen schon eine stunde frueher auf. sally steht am mischpult und katey ist fuer die musik heute verantwortlich. ich bin sehr gespannt. das klingt alles ein bisschen anders als die kirche, die ich kenne. waehrend die beiden also schon verschollen sind, backe ich mit bernice noch muffins fuer den luck pot nach der kirche. luck pot meint: jeder bringt etwas mit, wirft es sozusagen in den pot und bekommt anschliessend etwas aus dem pot. klingt ein bisschen, wie bei uns ein mitbringsel-brunch.
die kirche als solche dann: ein phaenomen fuer sich! nix wie in europa mit erhabenen, alten, kuehlen und imposanten gebaeuden. ein grosser raum, wie ein saal vielleicht. orange-brauner teppich, wie in den siebziger jahren. statt einem altar vorne, gibt es eine riesige leinwand wie im kino. im chorraum steht alles bereit fuer eine band: pianos, gitarren, mikrophone, bass,... statt stille, nimmt buntes treiben seinen lauf. die leute begruessen sich wild durcheinander, tauschen hier und da die neuigkeiten aus. jeder scheint seine aufgabe zu haben. bernices platz ist hinter dem lap-top. sie blendet die texte zu den liedern ein. mit eben jenen faengt der gottesdienst auch an. poppig, wuerde ich sagen. alle stehen, bewegen sich auf ihre weise dazu mit, sind dabei und singen. ja, es ist froehlich. voller leben. freude, die ansteckt. und ich mag die lieder.
soetwas wie einen pfarrer oder priester gibt es nicht. gestaltet werden die predigten, von den mitgliedern der gemeinde. zustimmung und kommentare aus dem publikum. was zum gesagten gedacht wird, wird ausgesprochen.
das abendmahl. kleine gruppen. miniaturschnappsglaeser stehen auf einer mischung aus bierrondell und buegeleisen, wie sie frueher waren. jeder bekommt eines der glaeser und ein stueck brot und kann der kleinen gruppe erzaehlen, wonach ihm/ihr ist. bitten und dank. das brot benimmt sich halbwegs normal, aber als ich die rote fluessigkeit aus dem schnappsglas probiere, trifft mich fast der schlag. ich hatte mit wein oder traubensaft gerechnet, aber das, was ich da trinke, ist jaemmerlich suess und quiescht nach kuenstlich, chemisch und undefinierbar. irgendein sirup - wie soll man da andaechtige gedanken pflegen? ich schuettel mich.
anschliessend spricht philipp. ein genialer redener, der massen von sich ueberzeugen koennte. allerdings hoffe ich, dass er das, was er sagt nicht wortwoertlich glaubt. schon ziemlich abstrakt, das ganze...
insgesamt eine ziemlich lange messe. sehr eindrucksvoll und musikalisch erfuellend.
mein erster pot luck
nach der kirche regnet es immer noch. damit verabschiede ich mich endgueltig fuer heute von dem berg und seinen hoehen. stattdessen laedt mich bernice ein, mich dem pot luck anzuschliessen. welch wundervolle sache:mini-sandwiches, kuc hen, toertchen, teigtaschen, dipps, salate, fisch, borte aller art,... das beste, was neuseelands hausfrau zu bieten hat, gesammelt auf einer tafel. legga, legga, legga... parallel unterhalt ich mich praechtig. eine alte frau, die kaum noch laufen kann, bittet mich irgendwann mich auch mal zu ihr zu setzen. sie will auch mal mit mir reden. so erzaehle ich von meiner reise und hoere zu, was sie zu erzaehlen hat. wort fuer wort komme ich neuseeland und dem leben hier ein bisschen naeher.
da das wetter seinen eigenen wegen folgt, laden mich die mitchells ein, eine weitere nacht bei ihnen zu verbringen. dankbar fuer ein trockenes dach ueber dem kopf und ihre wundervolle gesellschaft.
ian telefoniert nich ein bisschen fuer meinen berg herum, sodass ich anschliessend eine idee davon habe, wie und wo ich loslaufen kann. die spitze wird dabei wohl fuer mich erstmal unerreichbar bleiben, da sie im moment nur mit eisaexten und crumbels bezwingbar ist. beides dinge, die ich nicht auch noch mit mir rumschleppe. aber ich kann zwischen verschiedenen routen um den berg herum mit huetten dazwischen waehlen. der nebel um mein planloses dasein lichtet sich 