am naechten morgen klart dann - entgegen der wettervorhersage - der himmel und ian faehrt mich nach dawson fall, den punkt, an dem ich meine bergwanderung beginnen werde. bevor uns der abschied voneinander trennt, wiederholt er seine einladung, jederzeit - nach, vor oder waehrend dem berg - zurueck kommen zu koennen. vielleicht mag ich mich ja danach aufwaermen oder... dieser engel! was fuer eine gnade dieser familie begegnet zu sein!
am berg lasse ich einen teil meiner sachen in einem cafe zurueck. wer braucht schon ein zelt, wenn es berghuetten gibt? oder steckdosenadapter ohne strom?
hier und jetzt beginnt mein weg alleine. durch den wald, auf unwegsamen pfaden. viele tritte sind vom regenwasser ueberflutet, die stufen zum teil verdammt hoch.
nach nicht allzu langer zeit lasse ich die baeume hinter mir: beweg mich nun durch buschlandschaft, ueber die hinweg man die spitze des mt. egmont sieht.
der berg ist wie ein koenig,
die krone ganz aus eis
eine schleppe voller blumen,
jung und doch ein greis
die wolken spielen mit dem schne; wundervolle spiralen kommen und gehen. strahlend blauer himmel, obwohl sie regen angekuendigt haben.
je hoeher ich komme, desto steiler wird es. die vegetation wird weniger. irgendwann weht einzig rauhes, trockenes gras um mich herum, das dem ewigen winter der bergeshoehen trotzt.
der wind weht in boehen, zerrt an mir. immer wieder rutsche ich ab oder verliere das gleichgewicht aufgrund des gewaltigen sturms hier oben. nach und nach fange ich an zu verstehen, warum ausgerechnet dieser so harmlos anmutende berg am meisten menschenleben hier in neuseeland jahr fuer jahr kostet. es ist einfach nur verdammt rauh hier oben. und dabei bin ich noch nicht einmal ganz oben...
irgendwann lasse ich selbst das noch verbliebene gras hinter mir. was bleibt, ist kahles felsgestein. tief schwarz, durchbrochen vom ersten schnee.
es strengt mich an, hier hoch zu steigen, immer gegen den wind zu laufen. immer wieder mache ich kurz halt, um mein gleichgewicht wieder zu finden oder um einen schluck zu trinken.
nach dem aufstieg verlaueft mein weg auf einem grat, wo allerdings noch mehr wind weht. ich habe muehe nicht abzurutschen. der weg ist nass und teilweise tief durchfurcht.
rund um den berg herum: flaches land und die weite des meeres. eine aussicht ins endlose, wo sich himmel und wasser beruehren.
entgegen meinen erwartungen kostet mich vor allem der weg entlang des grats viel zeit. so erreiche ich erst gegen abend die huette am see. einsam, verlassen und allein. ich mache ein feuer in dem ofen an und waerme mich auf. goenne mir den luxus einer waschsession meiner selbst und meiner durchgeschwizten kamotten. nebenbei kocht ein sueppchen auf meinem kleinen kocher.
ich richte mich am fuer ein, mache es mir gemuetlich, geniesse das satt sein, die waerme und die klaenge meiner gitarre. bis tief in die nacht hinein komme ich seit langem endlich dazu ein paar sachen zu flicken.
draussen stuermt es und es tut gut hier drinnen in der huette, statt in meinem kleinen zelt, zu sein. fern aller zivilisation, hoch oben in den bergen...
fuer den rueckweg brauch ich laenger als gedacht. die wege sind unwegsam, ueberflutet und matschitg, fuehren auf und ab, ueber fluesse und durch dichten dschungel. ermuedend. und frustrierend, wenn man ankommen will, es theoretisch auch muesste und doch nicht tut. nach einer halben ewigkeit ist aber dann doch land in sicht; das cafe und die heisse schokolade nur noch ein paar schritte von mir entfernt...
zuruecklehn und geniess! wohlverdient. warm und suess!