nach einem langen tag, nach vielen stunden unterwegs, nach kurven, auf und ab und winzigen strassen durch wundervolle huegelhoehen komme ich an: in einer durchwehten landschaft, dort, wo der herr der ringe gedreht wurde. trockenes gras, weiten und bergeshoehen im hintergrund. frierend kalt und schon spaet. die letzen strahlen der sonne verblassen nach und nach. auf gut glueck gen erste huette laufen - ohne karte, ohne plan, ohne ticket - scheint mir etwas gewagt. deshalb der vernunft halber eine nacht auf dem campingplatz, bei dessen preise sich meine nackenhaare straeuben. abends noch einmal auskundschaftten wie es morgen weiter gehen koennte. alle aushaenge am visitor center lesen. dort treffe ich auf matt, der mich fragt, ob ich mich nicht ihm und seinem freund anschliessen moechte. ziemlich genau die strecke, mit der ich geflirtet habe. matt mag ich und david, seinen freund, auch und zusammen auf die gipfel steigen und die weiten geniessen klingt besser als alleine. noch einmal auf die karte schauen und dann ist mein plan besiegelt: der northern circuit mit matt und david aus frankreich. meine einzigen zweifel gelten meinen essensvorraeten, die fuer eine kleine (eintages) tour geplant waren und nicht fuer drei volle tage. immerhin NUR drei tage, die die jungs aus den urspruenglichen oder eigentlichen fuenf tagen, die man fuer diese strecke braucht, gemacht haben.
im dunkeln stelle ich mein zelt neben das der beiden und ueberlege, ob ich nicht einfach schwarz zelten soll. ausser den beiden kreigt hier sowieso keiner mit, dass ich hier bin. letztlich entscheide ich mich dann doch dagegen und zahle ganz brav. aus irgendeinem grund nur die haelfte. prima, so sind wir beide gluecklich - der campingplatz und ich.
nach dem fruehstueck dann: matt laueft erst mal in die falsche richtung los und wir andern beiden wieseln getreulich hinterher, bis dass ich realisiere, dass er keine ahnung hat, wo er lang laeuft. aeh! sach doch wat, junge! ich habe die ein dollar investition einer karte getaetigt. sobald wir den richtigen weg einmal haben, sehe ich nicht mehr viel von den jungs. sie sind mir weit voraus, obwohl ich mein bestes gebe, ihrem schritt stand zu halten. neun stunden reine wanderzeit werden es heute werden. ganz schoen weit. und steil. aber das weiss ich noch nicht. erstmal fuehrt der weg durch eine milde, nur huegelige graslandschaft. ich fuehle mich, wie auf fahrt. den wind in den haaren... geniess! mit der zeit wird die landschaft karger. schwarzes vulkangestein voller wundervoller figuren und formationen, wenn man sie denn darin sehen will. eine quelle, ein fluesschen und danach geht es nur noch steil berg auf.immer wieder bricht der boden unter meinen fuessen weg oder ich rutsche in dem geroell ab. jeden meter hoehe muss ich mir bitter erkaempfen. meine beine sind muede, ich habe hunger und durst. warum bitte bin ich hier? was will ich auf dem berg? was muss ich mir beweisen? buhu! und froehlich quiekend springt ein paaerchen federleicht an mir vorbei. klar, ohne rucksack... an der stelle zerrt er mehr an meinen kraeften als ich mir eingestehen will.
oben am ersten krater warten dann die jungs auf mich. sie sind bereits seit einer halben stunde hier und haben derweil etwas gegessen. neid! aber um sie nicht weiter aufzuhalten laufe ich tapfer weiter. und der krater kommt mir entgegen. durch und durch flach und eine landschaft, wie auf dem mond. doch das glueck waehrt nicht all zu lange: sobald ich durch ihn durch bin, geht es weiter steil berg auf. irgendwo mitten an diesem hang muss ich passen. ich schmeisse meinen rucksack auf den boden und esse etwas. egal was. egal, ob ich irgendwann in den naechsten tagen dann zu wenig haben werde. ich brauche energie und zwar jetzt! ein hartgekochtes ei und eine scheibe brot. das sollte reichen bis nach oben. ich setze einen schritt vor den anderen und noch einen und WOW! leuchtendes, eigenwillig geformtes rot. der red crater. und noch einen schritt weiter die emerald lakes. tuerkisgruen und klar. ein leuchten in der landschaft. in eisiger kaelte, umgeben von schneebedeckten bergen und dem red crater. das hatte ich nicht erwartet. ich bin begeistert und voellig hingerissen. welch eine gnade hier sein zu duerfen! fuer allen mut und anstrengungen reichlich belohnt! mit einem schlag kehren meine energien zurueck. ueberwinden die leere und ich weiss, warum ich hier bin. wie wunder-, wunder-, wundervoll das doch alles ist, hier oben.
von den seen geht es noch einen weiteren krater bergauf, aber von da an nur noch berg ab. in serpentinen, hin zur huette, wo david und matt wieder auf mich warten. es tut gut: etwas warmes trinken, was essen und warm um mich herum. ein neues kartenspiel, das mir die jung beibringen und schlafen.
am naechsten morgen wache ich - wie immer - frueh auf. die sonne strahlt und der morgen ist frisch. es zieht mich hinaus. im eisigen wasser wasche ich mich, lese ein weilchen und fruehstuecke. nachdem die jungs nach einer halben ewigkeit immer noch schlafen, packe ich meine sachen und breche ohne sie auf. gewiss, dass sie mich im laufe des tages einholen werden. aber es tut gut zu wissen, dass der gestrige tag auch an ihnen gezerrt hat...
ausgeschlafen und mit fruehstueck steigt es sich den berg viel leichter hoch. noch einmal an den emerald lakes. hier warte ich auf matt und david. beobachte, wie sich das eis in den tuerkisenen seen spiegelt, und geniesse die sonne. ein bisschen zu sehr vielleicht, weil anschliessend ist mein gesicht von ihr und dem wind verbrannt. empfindlich, beissend und feuerrot. ich summe vor mich hin und schreibe postkarten. von einem der schoensten fleckchen erde dieser welt... mmh, ganz offensichtlich lassen sich die jungs zeit. warum auch nicht - der tag ist lang. aber mir wird kalt und so laufe ich weiter. warum auch nicht - irgendwo werde sie mich schon einholen.
mein weg fuehrt hier nun endgueltig ueber den mond: verwehte krater, lavagestein, sand und staub. endloses nichts, in dem sich winzige, lavendelfarbene blumen mit noch winzigeren blueten tapfer behaupten. wind, sonne und kaelte zum trotz. in kleinen buescheln durchbrechen sie den dunklen boden.
endloser weg, nicht all zu schwer zu laufen. eintauchen in meine gedanken. die landschaft tief einatmen.
leichte huegel und dann wird es lichter. vereinzelt weht nun helles und trockenes gras. wie kleine inseln leuchten sie aus dem meer der steine hervor. eigenwillig steingestalten kommen und gehen, je nachdem, wie man auf die geflossenen und gestauchten steine blickt. ab und zu klirrt der boden unter meinen fuessen. poroeser, zerbrechlicher, feiner lavastein. so karg, so leer, so weit. ich geniesse jeden schritt. immer ferner werdend im rucken: die eiserne spitze des mt. tongario.
gegen mittag erreiche eine huette, wo ich wasser fuer heissen tee aufsetze und mein brot toaste. als ich mich mit meinem mahl raus auf die veranda setze tauchen auch die jungs auf.
heute die strecke ist nicht so weit und so anstrengend, wie die gestrige - so bleibt uns etwas zeit einfach das hier und jetzt zu geniessen.
nach der pause braucht es nicht lange, bis dass die beiden jungs wieder zu winzigen punkten werden, die nach und nach ganz in der ferne verschwinden, die noch vor mir liegt.
langsam steige ich tiefer. die vegetation um mich herum wird wieder mehr und ueppiger. die groesse der pflanzen waechst fuss- auf kniehoehe. mehr und mehr auf und ab. kleine baeche und bergruecken. step stones. von stein zu stein springe ich, um die winzigen fluesschen zu ueberquerren. der mond wird zur heide und irgendwann komme ich zu einem wald. licht und kuehl. schweren herzens lasse ich die von mir so geliebte weite hinter mir und tauche ein in das gruen. mitten im wald dann, am rande eines tosenden flusses, die huette, in der wir die zweite nacht verbringen wollen. im gegensatz zur letzten huette sind wir hier nicht allein. eine hand voll menschen aus aller welt hat sich ausser uns hier eingefunden. leider - ich mag die anderen nicht wirklich. aber was will man machen. sie sind nun mal da. so gut wie moeglich blende ich sie einfach aus aus meinem leben.
die kommende nacht ist bitter kalt. draussen friert es und ich sterbe fast, als ich nachts barfuss zu den toiletten draussen im wald tiger.
wirklich gut schlafe ich in dieser nacht nicht mehr und so breche ich morgens wieder frueh auf. der tau klirrt unter meinen fuessen und die aufgehende sonne glitzert im eis. es tut gut, dass es mit jeder minute wieder waermer wird.
am wegesrand leigt eine alte huette, weit ueber hundert jahre alt. sie erinnert daran, dass das hier der erste nationalpark neuseelands war und ueberhaupt einer der ersten nationalparks weltweit. urig und gemuetlich darin. mit kamin und emaille geschirr und wegweisern, dessen pfade laengst verwachsen sind.
weite felder, waelder, wasserfaelle, bergspitzen und irgendwann das ende des trails.
im visitor center trage ich mich aus, damit niemand auf die idee kommt nach mir zu suchen.