21.11.2007, 7.38h, nelson
wo, wenn nicht hier: sommer in allen dingen.
52 km sich schlaengelnde pfade entlang der kueste. sandstraende und blauer himmel, strahlender sonnenschein, tuerkisgruenes meer, ebbe und flut. kleine lagunen mit frischem quellwasser und winzige, eiskalte wasserfaelle. neuseelands meist bewanderter track und einer der great walks.
spaet nachmittags komme ich an, nach einem langen vormittag voller zivilisation und kleinen und grossen todos, die noch anstanden. muede vom tag und einer viel zu kurzen vorausgegangenen nacht. wirklich nach sommer fuehle ich mich grade noch gar nicht.
da das hier wieder einer der great walks von neuseeland ist, muss man im voraus alles buchen - wann und wie man wo sein will. natuerlich hab ich das nicht getan - ich leb ja im hier und jetzt und weiss nie wann und wo ich bin und wie lange ich wofuer brauche. am eingang liegt die letzte moeglichkeit das noch nachzuholen vor mir. weiter hinaus zoegern kann ich die entscheidung nicht. leider versteht ausgerechnet dieser mensch hinter der theke nicht, was ich will. einen campingplatz, wo nicht so viele leute sind, wo ich aber auch nicht die einzigste bin. klingt - finde ich - nicht so schwer. und huebsch soll er sein und mit toller aussicht, bitte. er hingegen redet nur irgendwas von ebbe und flut und... guter mann, das werde ich alles dann sehen. warum sollte ich mir darueber jetzt gedanken machen? wenn da wasser ist, durch das ich nicht durchkomme, werde ich eben warten muessen. aber irgendwie kommen wir nicht zusammen, der gute herr und ich. letztlich bucht er mir genau die massencampingplaetze, die ich nicht haben will, und das auch noch fuer viel mehr geld als sie eigentlich kosten. buhu! in dem moment wuensche ich mir, ich haette mich einfach vorher besser darum gekuemmert - dann muesste ich mich jetzt nicht mit diesem bloeden hansel auseinander setzen.
was die campingplaetze angeht, die er mir gebucht hat: ich denke mir, ich werde einfach da bleiben, wo es mir gefaellt. im zweifelsfalle wird mir schon was einfallen, wenn jemand nachfragt, warum ich nicht da bin, wo ich sein sollte (was ich allerdings nicht glaube; bisher bin ich noch nie einem ranger begegnet, der auch nur irgendein ticket kontrolliert hat). bezahlt hab ich schliesslich.
nicht wirklich froehlich laufe ich also los. ein bisschen rettet mich die landschaft und nach einer weile versinke ich in meinen gedanken.
irgendwo zwischen den ganzen eintagstouristen, die auf dem rueckweg zu ihren campervans und hotels sind, kommen mir mark und henrick entgegen. den beiden bin ich auf dem queen charlotte track schon begegnet. irgendwo zwischen meer, weg und ankommen ein paar worte. smalltalk, aber ein netter.
mittendrin mal meinen rucksack stehen lassen und hinaus klettern auf die felsen. faszinierend: direkt unter mir in den baumkronen sitzen die seevoegel in ihren nestern. von ganz nah kann ich sie im abendlicht beobachten. wie gross sie sind...
spaet abends komme ich an, mache mir was zu essen und sing mir ein paar lieder. nach den menschen um mich herum ist mir grade gar nicht; ich bleibe in meiner welt, hoer den wellen zu und guck in die sterne.
am naechsten morgen wach ich mit viel mehr lebenslust auf. am strand entlang schlendern, mich trotz ungeliebten auf und ab fuer den inlandstrail entscheiden, um nicht nur strand zu haben, sondern auch ein bisschen aussicht und tolle lagunen zum baden. ein eiskaltes nass zwischendurch in einem der kleinen pools mit den glatt geschliffenen felsen und den riesigen runden steinen.
wo immer man hinkommt: neue gerueche. suesse fruechte, exotische blumen, wilde kraeuter und pflanzen.
gruen in allen farben, durch das die sonne hindurchleuchtet.
schwingbrucken, die wirklich noch schwingen und nicht nur so heissen.
mittags eine auszeit am meer, an einem einsamen strand. baden und in der sonne liegen. und irgendwann steht phil mit seinem rucksack hinter mir. freu! ein gemeinsamer blick auf die karte, schauen, wohin wir wollen. unserer beide plaene verwerfen, etwas dazwischen neu entwerfen und gemeinsam weiter ziehen. phil ist hier gross geworden, in neuseeland. er ist hier in diesem land alle wege gelaufen, kennt die tiere, baeume und pflanzen; jeden winkel dieses landes. ich hoere die alten geschichten und sagen ueber die gegend hier und probiere den honig der strandbienen. an feinen haaerchen auf der rinde der baeume findet man ihn, in winzigen tropfen. so wundervoll, was es hier alles gibt.
was das planlose in den tag hineinleben angeht, steht mir phil in nichts nach. zwar habe ich die tide (ebbe und flut) zeiten vorher abfotografiert, aber wirklich interessiert haben sie mich bisher nicht. jetzt stehen wir vor dem wasser. ein kleines stueck gefluteter strand, das uns von unserem weiteren weg trennt. aussen rum fuehrt ein anderer weg, aber wer will den schon nehmen? bis zum bauch wird mir das wasser vermutlich reichen, sofern ich das ueberblicken kann. ich fange an meine schuhe auszuziehen, waehrend phil einfach so hindurch spaziert. mit sack und pack und all seinen sachen und schuhen und klamotten. die werden schliesslich wieder trocknen, meint er mit einem laecheln auf den lippen. verrueckter kerl und ich schuettel lachend den kopf. ueber kopf trage ich selbst dann meine schuhe und die gitarre auf die andere seite. tatsaechlich muss ich feststellen, reicht mir das wasser bis zum hals. schritt um schritt, um nicht das gleichgewicht zu verlieren, da die kraft der stroemung von ebbe und flut gar nicht so gering ist. als ich auf der anderen seite ankomme ist phil bereits unterwegs, um den rest meines rucksacks zu holen. wobei rest im grunde meinen ganzen rucksack bis auf die gitarre meint. so ein engel! mit 25kg ueber kopf haette ich keine chance gehabt. ich haette definitiv ein paar mal laufen muessen mit tausend einzelteilen in der hand. danach hat er allerdings respekt vor meinem rucksack: maedchen, was schleppst du alles mit dir rum?
um weiter auf unseren weg zu kommen, muessen wir noch durch ein paar nicht ganz so tiefe fluten hindurch. barfuss und mit meinem rucksack auf dem ruecken und meinen schuhen, die um den hals baumeln, balanciere ich ueber felsen. als wir auf der anderen seite, wieder sicheren boden unter den fuessen erlangen, sind meine beine aufgeschuerft und blutueberstroemt. sie sehen abenteuerlich aus und phil macht sich ernsthaft sorgen darueber. aber ich weiss ja, dass es nur klein kratzer sind, die nur so wild aussehen, weil sich das blut mit dem meerwasser vermischt hat. einer der schuhe ist letztlich doch im wasser gestrandet, aber im grossen und ganzen war es das wert. wir hatten wundervoll viel spass. verwegen, dort wo es nicht wirklich haette sein muessen. leben!
ich komme langsamer voran als ich es geplant hatte, obwohl phil definitiv derjenige von uns beiden ist, der schneller laeuft. einfach viel mehr aussichten, pausen, schnacken hier und da und leben geniessen.
unbedingt muss ich pineapple lumps probieren, weil das neuseeland ist. quietsche elb mit schokolade ueberzogen. sehr suess und eigenwillig. aber nach einer weile lieb ich sie.
einen tollen ort haben wir uns ausgesucht zum uebernachten. direkt am meer und mit vielen sternen am himmel. eine geteilte flasche wein un zeit zum gluecklich sein.
so gehen die tage dahin. aus den geplanten zwei werden drei. bei der der naechsten stelle mit ebbe und flut schauen wir, dass wir die low tide time halten. hier ist der weg zu weit als dass man sie auch bei flut passieren koennte.
mit den zehen einsinken im sand, ueber muscheln laufen. es klirrt und bitzelt und ist auf seine weise aufregend land zu ueberquerren, das manchmal auch meer ist.
viele einsame straende, viel sonne, viel zeit zusammen.
und ich weiss, dass er weiss, und er weiss, dass ich weiss, dass die naechste kreuzung, diejenige sein wird, wo sich unsere wege erstmal wieder trennen werden. mein weg fuehrt weiter entlang der kueste, waehrend seiner durch das landesinnere fuehrt. good bye, phil! wir sehen uns wieder - dezember in christchurch.
von der kueste trampe ich zurueck nach nelson. hier und da noch einmal wasser und meer, baden und geniessen. ein tag stadt und dann weiter gen sueden.