milford track (53,5km)
26.-29.10.2007
te anau down, wharf - clinton hut
nach einem fruehstueck mit peter breche ich auf: per anhalterin hin nach te anau downs, wo die faehre um 14h zum milford track ablegt. um 10h bin ich da. viel zu frueh... in der naehe ist noch ein kleiner wanderweg, den ich aus langeweile laufe und nachdem dann noch immer reichlich zeit ist, werfe ich einen blick in die nahe gelegene lodge. vielleicht hat es ja internet oder einen heissen tee. und tatsaechlich: der tee ist prima, das internet eher langsam und teuer. aber immerhin - besser als im wind frieren.
als es zeit wird, packe ich mein buendel und schlender zur faehre. ausser mir ist immer noch keiner dort. komisch, aber die zeiten auf dem ticket sagen klipp und klar 14h. daran liegt es nicht. und die faehre als solche ist auch da - das beruhigt mich. so lehne ich meinen rucksack an, setze mich auf den boden und warte. drei minuten vor abfahrt schleppt dann ein reisebus einen ganzen pulk von menschen an: ein japaner nach dem anderen, die zum flussufer eilen und und zahlreiche fotos von dem faehrsteg machen. voellig unspektakulaer, aber wenn es sie gluecklich macht...
an haben sie kurze, sexy shorts, mit langen unterhosen darunter. den saum der shorts zierrt der schriftzug: milford track, guided tours. hightec outdoor klamotten und einen alibi-tagesrucksack. essen und gepaeck bekommen sie mit helicoptern hinterhergeflogen. und ich sitzte da, im staub, auf dem boden, mit meinem rucksack. bepackt mit all dem, was frau so zum leben braucht, einschliesslich gitarre, zelt und essen fuer zehn oder elf tage. im gegensatz zu dem der anderen wird mein weg naemlich nach den paar tagen milford track auf dem routeburn und rees-dart-track weiter fuehren. hinter mir liegen bereits viele wochen primaer draussen leben, meine kleidung ist eher aus schnaeppchen zusammengebastelt als das beste vom besten und eine guided tour (fuer 2000 dollar fuer vier tage) habe ich auch nicht gebucht. der kontrast ist so grotesk, dass ich nicht anders kann, als einfach zu lachen. und gleichzeitig denke ich: das werden ein paar verdammt einsame tage, die naechsten. die kluft ist einfach so enorm...
zum glueck kommt, als wir alle bereits laengst auf der faehre sind, noch ein weiterer bus, aus dem ein paar menschen aussteigen, die ebenfalls einen rucksack tragen. ich scanne die reihen und stoppe bei bjoern. der kommt auch direkt auf mich zu - ich wuerde sagen, wir haben uns fuer die naechsten tage gefunden. atme auf! jetzt kann's losgehen: der milford track! ein weiterer great walk in diesem land. beschraenkt auf eine elite von 40 personen pro tag plus ein paar weitere guided walkers (s. beschreibung oben), die in privaten unterkuenften schlafen. normalerweise ist der track jahre vorher ausgebucht und wer mich kennt, weiss, dass es voellig utopisch ist, von mir eine eben solche vorplannung zu erwarten. ich weiss ja nicht einmal, was ich uebermorgen machen werde, geschweige den morgen. ich hab' mich getreulich auf die menschen verlassen, die frueh gebucht haben und dann aus irgendwelchen gruenden doch nicht mit machen wollten. zwei tage vorher, hat prima geklappt (wenn man mal davon absieht, dass das runter trampen in so kurzer zeit ein bisschen stressig war). nur um das kleine vermoegen, dass man fuer diesen track (die uebernachtungen in den huetten und die faehren zum anfang und vom ende des tracks) auf den tisch legen muss, bin ich auch nicht herum gekommen. denn schneller laufen und huetten ueberspringen darf man nicht. vorgegebene bahnen - ein weiterer preis, den man dafuer zahlt zu eben dieser elite von 40 menschen zu gehoeren. aber der track soll es wert sein, so sagt man... und vielleicht tut es mir auch mal ganz gut nicht immer 14 oder 15 stunden am tag durch zu powern, sondern gediegene "zwangs"pausen zu geniessen.
die bahnen der faehre fuehren hinueber ans andere ende des sees. eine stunde, zwei stunden? um uns herum wachsen steil nach oben berge. rauh und hart und doch sanft und huegelig durch ihre runden kuppen zugleich. schneebedeckte haeupter und gruen bewachsen. das wetter: zwischen sonne und regen, ein bisschen nebelgrau und verhangen. einsam und ruhig.
an den ufern: durch desinfizierende wannen hindurch, damit wir kein didymo (?) einschleppen. es beginnt ein weg, gediegene ein bis zwei meter breit, sodass man bedenkenlos einen rollstuhl dort entlang schieben koennte. bei dem gedanken daran hier einen guide zu brauchen, schuettel ich innerlich den kopf. mit bjoern zusammen stiefel ich los: durch moosbewachsenen wald - verwunschen, verwurzelt, geheimnisvoll. eine ganz eigene welt. durch die baeume hindurch schimmert ein fluss. glasklar, blau und tuerkies. man kann die fische darin schwimmen sehen. alles ist so natuerlich. dahinter die puderzuckerberge und... auf seine weise einfach schoen. die verschiedenen farne, die voegel, die pflanzen,... alles, was man sieht, fuehlt sich so unterschiedlich an. nass und kuehl und doch nicht richtig modrig.
eineinhalb stunden - nicht wirklich weit, aber so vorgegeben - und unsere huette fuer die nacht steht vor uns. zwei schlafsaaele und ein aufenthaltsraum mit kamin. grade bin ich dabei meine essenssachen zusammen zu packen, als der ranger einen nature-walk anbietet. ich lass mein zeug einfach stehen und folge ihm und der gruppe barfuss, um mir die ersten paar minuten anzuhoeren und dann zu entscheiden, ob ich mehr will. und er ist gut! ich bin begeistert! neben uns wachsen pfefferbaeume, an denen blaetter wachsen, die wie pfeffer schmecken und manuka, die pflanze von der mein lieblings-honig kommt. was urspruenglich aus eile geschah (dass ich keine schuhe angezogen habe) entpuppt sich als ein kleines wunder.
ich liebe es barfuss durch die waelder zu streifen, all die moose - 75 verschiedene - die hier wachsen auch zu fuehlen. weich und sanft, nass und tief, bunt und verschieden.
abendessen und noch andreas kennen lernen, den goettinger literaturstudenten im wellingtoner exil, der unser du zum trio erweitert. ein ausflug durch die nacht hin zu einer glowworm-kolonie. schlafen und der "grosse schnarch"! aeltere herren, die ihren schlaf allen anderen lautstark ebenfalls zu teil werden lassen. mitten in der nacht kippt eine der frauen, ich glaube es ist seine ehefrau, einem der herren etwas wasser ins gesicht; er wacht auf und fuer ein paar minuten haben wir ruhe...
clinton hut- mintaro hut
frueh morgens, das tal noch im nebel gelegen, geht die sonne auf. unser weg fuehrt weiter durch das tal, hinauf auf halbe hoehe des passes, den wir morgen ersteigen werden. sonnig und klar der tag und die wege werden etwas schmaler. angenehm zu laufen und landschaft zum durchatmen. geniess und wundervoll, picknick irgendwo, wasserfall und vogelwelten.
an der mintaro hut treffen wir auf keas, neuseelands papageien. ziemlich destruktiv und voller charakter. keine gute idee seinen schlafsack draussen liegen zu lassen, waehrend man selbst in der huette verschellt, um einen kaffee zu kochen: zureuckgekehrt steht man in einem meer von federn und einem kea, der voller freude den schlafsack in der luft zerfetzt. wie gut, dass es nicht meiner war... furchtlos, sind sie, und auch die dicken stahlschrauben in den baenken, versuchen sie mit ihren schnaebeln zu erobern. hallo! ihr seid voegel und solltet eigentlich klein und lieb und suessie sein und nicht die welt auseinander nehmen.
mintaro hut - dumplin hut
aufbruch zum sagenumwobenen mackinnon pass (1073m), ueber stock und stein. nach oben hin oeffnet sich die aussicht ueber das zurueck liegende tal. weit und erhaben. der wald lichtet sich und mit jedem schritt wird es weniger gruen. blumen bluehen am wegesrand, wasserfaelle plaetschern, der schnee liegt sanft ueber den spitzen. steine rieseln mild den hang hinunter und teilen das weiss in kleine felder. der pfad wird schmaler und steiler, herausfordernder. in serpentinen nach oben, durch das schneegras hindurch und irgendwann ueber all dem stehen. den blick zu einen seite und zur anderen. wind weht und hier und da geht es steil herunter. die umliegenden berge sind nicht so viel hoeher, sodass die aussicht ist wundervoll ist. im windschatten des gipfelkreuzes ein paar snackies knabbern, dem treiben der keas folgen, die auf meinem rucksack gelandet sind, um ihm im zweifeslfalle eisern zu verteidigen.
der abstieg ueber einen not-track, da es hier in der gegend immer wieder lawinen gibt und unser eigentlicher track gesperrt ist. entlang an gigantischen wasserfaellen, die immer wieder mit aller gewalt in kleinen lagunen halt machen, um von dort in die naechste zu fallen. in eine dieser lagunen springe ich hinein - nass, kuehl und erfrischend! die meisten wuerden wahrseinlich sagen eisig, aber mir war einfach sehr nach wasser zu mute. als ich mich wieder anziehen will, stelle ich fest, dass das wasser meinen bh erobert hat. keine spur mehr davon, so sehr ich auch suche. bei dieser kraft kein wunder, aber... es war doch mein einzigster! buhu! alles, was mir noch bleibt, ist nun mein bikini-oberteil und das ist grade nass. so denn, gute reise! ein schoener ort hier, wenn auch vielleicht nicht der richtige fuer einen bh.
von dem weg ab fuehrt ein pfad zu den sutherland falls, dem hoehsten permanenten wasserfall in neuseeland und einer der hoehsten wasserfaelle weltweit ueberhaupt. ueber das permanent amuesiere ich mich koestlich: und wenn das wasser doch mal ausgehen sollte, steht bestimmt oben ein kiwi mit einer giesskanne und unterhaelt fleissig die zahlenden guided walkers... aber ich bin ueberrascht: es fasziniert mich doch sehr, das wasser, das mehr als einen kilometer in riesigen stroemen herunter klascht. so weit es geht ziehe ich meine sachen aus und lasse sie zusammen mit meinen schuhen zurueck. schon von ziemlich weit weg wird man ziemlich nass. barfuss taste ich mich vorwaehrts, hinter den wasserfaellen entlang. wow! es ist einfach unglaublich diese gewalt und mit welcher wucht und welchen massen das wasser den berg abstuerzt. die sonne scheinthindurch. ich stehe in einem einzigen meer von regenbogen, von farben, da jeder bogen in dem meer verloren geht. die kraft des windes, der durch den aufprall des wassers entsteht, zwingt mich mich ganz nah entlang der felsen weiter zu tasten. laengst bin ich nass bis auf die haut, wie in einem stuermischen regen. ich versuche durch das wasser, durch den wasserfall mitten hindurch zu kommen, aber es geht nicht. es ist einfach zu viel kraft, der ich da gegenueber stehe. einzig an den raendern, den kleinen wasserstrahlen, habe ich eine chance durch das kalt zurueck zum anderen ufer zu kommen. auf der haut trockne ich meine sachen, waehrend ich zurueck laufe. erfuellt von dem eben gesehenen. ich bin froh, dass meine schuhe trocken sind und ich noch ein paar warme sachen habe, die trocken sind. ein bisschen ausgekuehlt bin ich nach der aktion naemlich doch.
dumlin hut- sandfly point - milford sound
regen liegt ueber dem land. es passt zu der moos verhangenen landschaft, zu den kuehlen bergen. in plastik eingepackt ziehen wir los. stunde um stunde, tropfen um tropfen. nass werden, frieren, laufen und hoffen, dass es besser wird. ueber haengebruecken und fluesse, hin zum sandflypoint, den ein alter baum mit ausgesetzten, abgelaufenen schuhen kennzeichnet. aber auch in dem shelter dort ist es nicht wirklich warm. ich bin froh, dass wir die letzten tage so wundervolles wetter hatten und weiss dieses glueck mit einem male um ein vielfaches mehr zu schaetzen. der gedanke an die naechsten tage - weiter draussen und weiter so nass - nicht besonders verlockend. nach einer weile des wartens in der huette kommt die faehre. mir ist einfach nur noch kalt. ich verkrieche mich tief unter deck und versuche dem fahrtwind aus dem weg zu gehen, was nahezu unmoeglich ist. es zieht in allen ecken. von dem zauber an landschaft, der um uns liegt, ist nichts zu sehen. einzig nebelgrau und nass und mein einziger lichtblick ist das cafe am anderen ufer. heisse schokolade, was zu essen, batterien aufladen, gucken, ob mir jemand eine email geschrieben hat und aufwaermen. einfach nur aufwaermen. mich von den anderen verabschieden und wieder meinen eigenen wegen folgen.
hinter mir liegt der milford track - und ich hab' ihn geliebt, es nicht eine minute bereut ihn gebucht zu haben.