ist es nicht der abschied, der uns leben gibt und uns zu neuen wegen, neuen zielen führt?
so nehme ich sie bei der hand, die zeit zwischen examen und dem leben danach, lasse zurück, was ich einmal hatte, setzte einen fuss vor den anderen und umrunde ihn, unseren globus. mit all meinem mut für eine hand voll augenblick...
das dasein für das hier... streben ohne ziel... treiben in dieser welt... den kopf ab und zu verlieren... mag der verstand auch nicht verstehn, das herz immer...
routeburn track (32,1km)29.10.-31.10.2007
divide shelter - lake mackinzie hutleicht angetrocknet (vom zustand des voelligen nasses)und ein bisschen aufgewaermt durch den kakao in dem cafe, ist der himmel gegen abend nach dem milfordtrack ein bisschen aufgeklart. es ist spaet geworden - sieben uhr - als ich am divide shelter, dem startpunkt des routeburn tracks, ankomme. mein urspruenglicher plan war in dem shelter zu uebernachten, obwohl das offiziell nicht erlaubt ist. von dieser tatsache haette ich mich nicht abhalten lassen, aber dafuer von den keas. scharren von diesen destruktiven papageien kreisen um mich und gnadenlos attakieren sie das auto, das mich mit bis hier hin genommen hat. sie zerren an scheibenwischern und seitenspiegeln, selbst als sich dieses weiter in bewegung setzt. crazy birds! der shelter ist offen und zugig und ich fuehl mich gar nicht wohl darin. die keas behagen mir nich und ebensowenig die tatsache, dass sie mich, meinen rucksack oder meinen schlafsack ueber nacht auseinander nehmen koennten. ein blick auf die karte: hoch zuer ersten huette und zum campingplatz auf dem angrenzenden track ist es nicht all zu weit. dunkel wird es gegen zehn. meine klamotten sind noch nicht wirklich trocken - ich koennte ebensogut weiter laufen, um warm zu werden, um mich nicht zu langweilen und um einfach nicht an diesem ort zu sein, an dem ich nicht sein will. so breche ich auf, immer den berg hoch. an der ersten huette werfe ich einen blick ins innere: da sitzt ein junges paaerchen mit dem hutwarden am feuer. ohh, ist das gemuetlich... wie gerne wuerde ich jetzt hier sein. allerdings ist das einer der great walks, auf denen die huetten verdammt teuer sind. ich bin mir sicher, dass es kein ding waere spontan noch hier zu bleiben, nur muesste ich dann zahlen. und danach ist mir gar nicht. zwei moeglichkeiten: weiter zur naechsten huette und zum campingplatz, den ich eigentlich fuer morgen nacht gebucht habe, oder zu dem campingplatz ein paar kilometer weiter an diesem see. hmmm... drei stunden sind es noch bis nach oben. wenn ich fit bin, koennte ich das durchaus noch machen. es wird zwar gegen ende dunkel werden, aber... hin und her gerissen - denn schliesslich habe ich heute schon ein gutes stueckchen weg hinter mich gebracht, auf dem milford track. andererseits... wenn ich morgen schon dort waere, haette ich einen ganzen tag mehr zeit fuer die anderen tracks. das klingt verlockend, weil ich super knapp geplant habe. so denn: ich ziehe weiter. bergauf: durch abendrot und nieselregen, in die nacht hinein. durch waelder und an wasserfaellen entlang, auf pfaden und geroellfeldern. aussicht, die sich ab und an in nebel einhuellt und dann wieder zeigt. am ende ist es so dunkel, dass ich ohne taschenlampe gar nichts mehr sehe. und diese ist leider nur noch ziemlich schwach, weil die batterien immer doch die aus deutschland sind, was doch inzwischen weit zurueck liegt. und ausgerechnet bei dem letzten stueck weg muss ich immer wieder ueber steine und stufen klettern., die nass und rutschig sind. langsam lassen meine kraefte nach und ich frage mich, warum ich es immer wieder schaffe, bis zum auessersten meine kraefte auszureizen. um elf komme ich an der huette an. ein paar jungs stehen noch draussen, verwundert und erstaunt ueber das wesen, das aus der nacht heraus erscheint. das feuer brennt noch - ob ich nicht reinkommen will? der hut-warden hat seine letzte runde bereits hinter sich und hinten in der heutte sind noch ein paar betten frei. sie an meiner stelle wuerden drinne schlafen. danke jungs, das waren genau die informationen, die ich gebraucht habe. ich haette zwar auch gezeltet, aber der zeltplatz waere noch mal eine halbe stunde weiter gewesen und... ja, es ist einfach grade netter drinne zu sein. zumindest so halb drinne. eben in einer huette. das feuer tut gut und auf leisen sohlen schleiche ich mich in den schlafsaal, da die meisten schon schlafen. wieder einmal habe ich es erfolgreich geschafft ungeplannt in die nacht und an meine koerperlichen grenzen zu leben.
am naechsten morgen breche ich so frueh auf, dass der hut-warden noch am schlafen ist...
lake mackinzie hut - harris saddle - hill top - routeburn flat camp
in serpentinen immer weiter, den weg nach oben. mit jedem schritt einen anderen blickwinkel ueber den wundervollen see gewinnen, den ich letzte nacht nur noch schemenhaft ausmachen konnte. was fuer wundervolle farbuebergaenge, die pflanzen, die berge UND die sonne scheint. das tut so verdammt gut! einfach wieder warm, trocken und eben sonnig und lichtdurchflutet. bereits nach den ersten schritten binde ich meinen pulli um den hals von der gitarre. mein reisefuehere sagt, dass der aufstieg anstrengend sein soll, aber ich bin gewappnet und habe ganz viel porridge gefruehstucekt. geschmacklich nicht mehr so spannend, weil ich weder mehr zucker, schokolade, milch oder obst habe, um es ein bisschen bunter zu machen, aber trotz alledem: voller energie und ein paar rosinen sind auch noch geblieben. ein langer grat und vor mir tut sich in der ferne das mehr und der milfordsound auf. ein letzter anstieg und ich bin ueberrascht, dass ich schon oben bin. das war leicht! im windschatten der huette koch ich tee, spiele ein bisschen auf meiner gitarre, geniesse die aussicht und die sonne. leben kann so wundervoll sein! irgendwann spricht mich der hut-warden von der naechsten huette an, der hier oben das klopapier aufgefuellt hat. prinzip frau mit rucksack und gitarre... er erzaehlt mir ein bisschen ueber die gegend hier und ich frage ihn danach, ob es moeglich ist den dart-river zu durchquerren. das ist der fluss, der den routeburn-track vom rees-dart-track trennt, und mit der durchquerrung wuerde ich zwei shuttlebusse und einen tag aufenthalt, der zwischen ihnen liegen wuerde, sparen. hmm... um die zeit des jahres sollte es nicht unmoeglich sein, wenn ich fit bin und eine gute schwimmerin. er ueberlegt: am leichtesten sei es, wenn ich den fluss ein stueckchen weiter hoch laufe und einen grossen zufluss abpasse bevor er in den dart-river hineinfliesst. der dart river sei verzweigt und veraestelt, stellenweise sehr tief und mit einer starken stroemung. aber: you can do it, but take care! er gibt mir noch eine skizze mit auf den weg und empfielt mir hier noch auf den gipfel aufzusteigen - die aussicht sei wunderbar. aeh - der track dort hin ist gesperrt, aber da er derjenige ist, der fuer diese sperrung verantwortlich ist und er mir ueber diese hinweg empfielt hochzusteigen. warum nicht? ich bin noch voller energie, es ist noch frueh, meinen rucksack kann ich hier liegen lassen und nachher wieder einsammeln. so verabschiede ich mich, zusammen mit meiner gitarre, und steige durch den schnee auf. ganz schoen steil und ganz schoen tief. meine grade getrockneten fuesse werden auf's neue nass. aber es lohnt sich! hoch oben: ueber allen dingen, der blick in die weite, wolkenlos und wundervoll. nur der wind weht und meine gitarre klingt.
wieder unten treffe ich noch einmal den hut-warden - wir gehen den dart-river noch einmal auf der karte durch, die ich abfotografiere, bevor ich noch eine huette weiter runter ziehe, wo man auch campen darf. ein weites tal, fast wie in schottland... voller sonne noch und ein kleiner fluss, der seine bahenen hindurchzieht. abends taucht ben auf, der hut-warden von dieser huette und dem campingplatz. ob ich die frau mit der gitarre und dem dart-river sei. schuettel den kopf und lach - woher er das wisse? aber die frage eruebrigt sich, denn es ist logisch, dass die hut-wardens auf diesem track untereinander vernetzt sind. mein ruf eilt mir voraus und in den bergen und in diesem land ist das schon ein sonderbares gefuehl. wie dem auch sei - ben spielt auch gitarre - und das verdammt gut - ist hingerissen von der kleinen, die mit mir wandert, war grade ein halbes jahr in suedamerika, wo er jede menge musik aufgepickt hat, und so komme ich in den genuss zur abwechslung mal lauschen zu koennen.
routeburn flat camp - routeburn shelter
noch vor sonnenaufgang breche ich auf. ohne abschiedsworte, da ben vermutlich noch schlaeft. hinaus aus dem tal dem tag entgegen, der lang zu werden verspricht. vor mir liegt das kleine kunststuek zum rees-dart-track zu kommen und ein bisschen aufgeregt bin ich schon, trotz vieler weisen worte dazu im kopf...