6.12.2007, 2.33pm, queenstown, nz
queenstown- neuseelands herz des abenteuers. hier werde ich springen - von der kawarau-bruecke, wo vor neunzehn jahren das bungy-jumpen erfunden wurde. der gedanke an sich laesst meine nerven erst mal kalt. auch das buchen des sprungs, das abgeholt und da hin gefahren werden beunruhigt mich nicht. nicht einmal als ich auf der plattform auf der bruecke sitze und meine fuesse in eine dicke schicht von handtuechern eingehuellt und mit gurten fest gezurrt werden, schlaegt mein herz hoeher. aber als ich dann aufstehen und springen soll... mit kleinen huepfern bewege ich mich nach vorne zur kante. laufen kann ich ja nicht mehr, da meine beine fest zusammen gebunden sind. unter mir geht es einfach nur nach unten. klares tuerkisblau, das unschuldig seinen bahnen folgt. tiefe. abgrund. die gnade, dass ich mich nach hinten fallen lassen kann, wird mir nicht gewaehrt. kopfueber, nach vorne und mit klarem verstand. all das sehen und wahrnehmen. unwirklich erscheinen mir die letzten instruktionen. den kopf nach unten und die haende kopfueber, wenn ich in das wasser stuerze. klar, macht sinn. aber so kann ich doch nicht springen. hinter mir zaehlt einer der maenner ein. 3,2,1 und... ich stehe immer noch da. haette ich springen sollen? galt das mir? mir ist ganz unheimlich zu mute. ein weiteres mal zaehlt er hinter mir. und wieder bleibe ich stehen. warum kommt denn niemand auf den gedanken mir den entscheidenen push von hinten zu geben? langsam senke ich meinen kopf und hebe die arme, aber es wird nicht besser. vor mir geht es immer noch steil runter. unmissverstaendlich macht mir der herr hinter mir klar, dass ich schon alleine springen muss. das ist das schlimmste. ein weiteres mal setze ich an und nehme mir ganz fest vor diesemal einfach diese paar zentimeter zu ueberwinden. aber es geht nicht. ich habe angst. mein koerper rebelliert. freundlich dreht jemand von hinten meinen kopf nach oben - einmal laecheln fuer die kamera. mechanisch tue ich auch das. anschliessend in richtung der zuschauer plattformen. da stehen hunderte von menschen mit ihren kameras und rufen mir aufmunternde worte zu. die hatte ich ganz vergessen, die scharren an japanern und anderen touristen. ich selbst werde inmitten einer touristen attraktion zur attraktion. denn, was waere die traditionelle bungy-jump-bruecke ohne menschen die springen? von hinten hebt jemand mein hand. winken. oh gott, ist das verstrahlt! egal, jetzt spring ich. und dann kann ich nichts mehr tun. ein paar sekunden falle ich einfach nur kopfueber in die tiefe hinein. adrenalin durchstroemt meinen koerper, das blut fliesst in meinen kopf. fuer eine winzige ewigkeit steht die zeit still. die landschaft bwegt sich auf mich zu oder ich mich auf sie. vorbei an den japanern, immer straight gen wasser. ich warte darauf in die fluten einzutauchen - so war das seil berechnet - aber bevor ich es beruehre faengt mich das seil auf. erstaunlich sanft. viel mehr ein richtungswechsel. jetzt falle ich nicht mehr nach unten, sondern nach oben. nach und nach weicht das fallen einem schwingen. meine muskeln entspannen sich. ich loese meine starre haltung, oeffne meine arme und fliesse mit dem schwung. auf und ab, pendeln. von unten naehert sich mir das boot. sie reichen mir eine stange, an der ich mich festhalte. nach und nach ziehen sie mich in das boot. ich selbst bin noch voellig unfaehig mich zu bewegen. aus der ferne nehme ich wahr, dass jemand die seile an mir loest. oder viel mehr realisiere ich, dass jemand die seile an mir geloest hat. der moment, wo das geschehen ist, ist an mir vorbeigegangen. vorbei. das war's. der bungy sprung. langsam dringt das zu mir durch. und die tatsache, dass pedro oben auf mich wartet - wir hatten ausgemacht uns gegenseitig zu filmen. ich eile nach oben. aber auf halber strecke werde ich aufgehalten. da stehen zahllose menschen mit ihren kameras. etliche stuermen auf mich zu und gratulieren mir, wollen ein foto von mir mit sich. ich weiss gar nicht wie mir geschieht. immer noch im adrenalinrausch und jetzt diese menschen. so einen empfang haette ich mir mal nach meinen pruefungen gewuenscht. man kommt sich ja gradezu wie ein held vor. und das, obwohl ich ganz offensichtlich so viel angst hatte und so lange gezoegert habe. aber: ich habe in dem moment nicht einen moment darueber nachgedacht zurueck zu gehen. das ist das, was der mann tut, der nach mir springen sollte. krass! das finde ich persoenlich ja viel mutiger. so weit zu gehen und dann einfach nein zu sagen. der gedanke ist mir gar nicht gekommen. aber weiter nach oben. als ich ankomme ist pedro grade gesprungen. mist! statt einem film bleiben mir noch ein paar fotos, die ich von ihm machen kann.
danach schaue ich mir noch ein paar andere spruenge an. den meisten geht es doch aehnlich wie mir. viele schaffen es noch cool anzusetzen, straight nach vorne zu gehen, die arme zu heben, aber dann... wirklich taff spring eine inderin. ganz klein und unscheinbar und ich haette niemals erwartet, dass sie ueberhaupt springt, aber respekt! sie tut es. und mit welcher anmut... mit dem letzten sprung entfernen sich die touristen. ich kaufe mir noch das video mit meinem sprung. es fasziniert mich, mich selber zu sehen, wie ich mit meiner angst ringe. und natuerlich springt man nicht alle tage von DER bruecke. das ist schon auch ein highlight.
zurueck nach queenstown. fly by wire steht noch auf dem programm. aber wenn ich ehrlich bin: wozu? mein koerper ist noch ganz aufgewuehlt und mir ist viel mehr nach mal wieder runter kommen. es gibt ihn also, den punkt, wo selbst ich einmal genug habe... zumindest fuer eine weile.