ist es nicht der abschied, der uns leben gibt und uns zu neuen wegen, neuen zielen führt?
so nehme ich sie bei der hand, die zeit zwischen examen und dem leben danach, lasse zurück, was ich einmal hatte, setzte einen fuss vor den anderen und umrunde ihn, unseren globus. mit all meinem mut für eine hand voll augenblick...
das dasein für das hier... streben ohne ziel... treiben in dieser welt... den kopf ab und zu verlieren... mag der verstand auch nicht verstehn, das herz immer...
14.12.2007, 19.22h, christchurch
heli-hiking am fox glacier
erst springt sie von der bruecke und dann laesst sie sich mit dem hubschrauber ins ewige eis einfliegen. ein bisschen dekadent, mag manch einer denken. ja, kann man so sagen. und teuer war's auch. extrem teuer, spricht simon neben mir...
schritt 1: die kreditkarte auf den tisch legen. und promt faellt der strom aus... woap! alle geraete tot. waer das doch fein gewesen, wenn dieser zustand noch ein bisschen angehalten haette und wir umsonst haetten fliegen, rutschen, frieren und kraxeln koennen. und baden... aber dazu spaeter. die gnade ist uns verwehrt geblieben - wie alle anderen mussten letztlich auch wir zahlen.
schritt 2: schuhe und kratzige wollsocken anziehen. damit sieht man doch gleich viel kerniger aus. und ich schlappe nicht mehr (wie in meinen eigenen wanderschuhen, wo sich die sohle abgeloest hat, sodass ich jetzt immer und bei jedem schritt froehlich schlappe).
schritt 3: den bebilderten instruktionen zum hubschrauber fliegen lauschen. oder auch nicht. einfach das tun, was alle anderen nachher auch tun, denke ich mir.
schritt 4: es geht los! touristisch wertvoll ergattern wir im heli die plaetze in der ersten reihe, dierekt neben dem piloten. strike! Ich kann an allen knoepfen und heben spielen. ob das mal eine so gute idee war? headset aufsetzen und hui! abheben! steil nach oben, ein paar meter ueber langweilige felder und fluesse hinweg UND tadaa: hoch ueber den fox gletscher hinaus. ehemals weiss, aber schon lange nicht mehr geputz und somit gut zugestaubt liegt er im wahrsten sinne des wortes zu unseren fuessen. wir sind rund um verglast - das ist schon ein bisschen seltsam. welt zu allen seiten. himmel ueber uns, gletscher unter uns, wasserfaelle und bergesschluchten um uns. unser headset spricht zu uns ...der fox glacier: einer der wenigen noch wachsenden gletscher, umbenannt aufgrund einer laune eines premierministers, usw. aber eigentlich interessiert mich das herzlich wenig. schliesslich fliegen wir grade frontal auf einen wasserfall zu, nur um dann im letzten moment doch noch abzudrehen. so ein spielverderber. erst den mund spitzen und dann nicht pfeiffen. gletscherspalten, eiswuefel im xxl-format und die landschaft drum herum. ein bisschen kreisen, ein bisschen kippen hier und da - ich glaube, es sollte sich aufregend benehmen - und dann landen. mit viel wind und laerm, mitten im gletscher.
schritt 5: crampons - die stacheligen gehhilfen fuer's eis - und spielzeug-stoeckchen, damit man beim spaziergang durch die unbekannten welten nicht zu boden faellt. letztere scheinen mir etwas uebertrieben und vor allem hinderlich beim fotografieren - deshalb lass ich sie einfach da, wo sie sind - in ihrer kiste. die professionelle einfuehrung zu den crampons: einfach wie pinguine laufen. das nennen die professionell? buhu! da hab ich viel geld ausgegeben und gehofft, dass mir endlich jemand zeigt, wie man so etwas wirklich benutzt und dann sagt pete, unser guide, einfach nur wie pinguine laufen. toll, laecherlich kann ich mich selber machen - dazu brauch ich keine anleitung. kein wort dazu, wie man die dinger bei verschiedenen steigungen haendelt, wie man springt, abrutscht,... welche gefahren das eis birgt, woran man merkt, dass es hohl oder nass darunter ist und... na gut, kapitel neugier und wissen werden fuer heute abgehackt.
schritt 6: eis zeit. hoehlen, die wundervoll blau schimmern, kleine fluesschen und baeche, stufen, spalten, ritze, tuerme, boegen, gaenge, graden, kurven, auf und ab. Rutschig, glitschig, nass und kalt. wobei, letzteres nicht wirklich, da die sonne scheint. alles glitzert und ist einzigartig. ganz aufregend schlaegt pete mit der axt immer wieder neue stufen ins eis, wo niemand welche braeuchte. wir duerfen uns nur langsam bewegen - wie schneckchen. mein fitness-geist bleibt unterfordert. die tour ist durchgestylt und geplant. jeder schritt vorbestimmt. immer wieder streife ich von den vorgegebenen bahnen ab und werde staendig ermahnt. aber wenn man schon nicht so schnell laufen darf, wie man kann und will, dann will ich wenigstens fotografieren. und fuer die besten bilder kann man halt nicht immer da bleiben, wo einem alle leute im weg stehen. ich glaube man hoert durch, dass ich nach so vielen wochen draussen in den bergen, einfach nicht damit zu befriedigen bin, dass man mich auf das koerperliche niveaue einer alten dame oder einer japanerin, die fuer spaziergaenge eine anleitung braucht, degradiert. in meinen fingern juckt es, in meinen fuessen brennt es. ich will mich bewegen und etwas sehen, von dem, wo ich bin! und halte das auch fuer ziemlich ungefaehrlich, hier, wo der gletscher nur relativ mild ansteigt. meine letzten gipfel, die ich erklommen habe, waren wesentlich herausfordernder... nichts desto trotz: die tatsache an sich mal so mitten drin und richtig in einem gletscher zu sein ist prima. und auf irgendeine weise ist es auch cool, sich mal nicht voellig dafuer verausgabt haben zu muessen. und wir haben verdammt geniales wetter! sonne!
schritt 7: die gletscher-taufe: spasses halber fragte man uns auf dem weg zu heli, ob wir auch alle unsere badesachen dabei haetten, fuer das bad im eis danach. per zufall, weil einer der wasserfaelle unter denen ich gebadet habe, meinen einzigen bh gefressen hat, ist mein bikini zwangslaeufig zu eben einem solchen mutiert. und den habe ich an. jetzt im eis will ich bitte auch wissen, wo ich den baden kann. irritiert werde ich angeschaut. ja, wenn das angebot mit dem baden noch gilt, bin ich dabei. aeh... suchend und unglaeubig blickt sich pete um. natuerlich hat es hier direkt so keinen gletschersee. eine kleine spalte im eis, durch die ein bisschen wasser fliesst, die kann er mir anbieten. da die sonne scheint und ich eiskaltes wasser gewohnt bin, fange ich an meine sachen auszuziehen. alle blicke sind auf mich gerichtet und die meisten zweifeln immer noch daran, dass ich das eisbad ernsthaft durchziehen werde. die kennen mich schlecht. manchmal tue ich einfach dinge, von denen ich nicht wirklich ueberzeugt bin. und da das hier mein erster gletscher so nah und mitten drin ist, find ich eine gletschertaufe prima. mit den fuessen rein, knien, legen. schwimmen ist undenkbar, dafuer ist das wasser viel zu flach und zu wenig. huh! ganz schoen kalt. mit ganz vielen eiswuerfeln. aber das wusste ich ja vorher. was ich nicht bedacht habe: dass das eis, in dem ich mich bewege, scharf ist. als ich raus komme, sind meine knie und arme blutig. viele kleine schnitte. hmm. nicht so schlimm. und das war's wert. ich bin ganz erfrischt. nur meine fuesse brauchen ein weilchen, um wieder warm zu werden.
noch waehrend ich mich anziehe landet der helicopter. der wind der rotorenblaetter weht durch meine nassen haare. aus irgendeinem grunde schickt uns pete zurueck und der helicopter fliegt ohne uns aus dem eis. betroeppeltes gesicht. aber er kommt nach ein paar minuten wieder, um auch uns abzuholen. ha, wir sind die letzten im eis und ich darf ein zweites mal direkt neben dem piloten fliegen. eine extra-schleife fuer uns, noch ein bisschen landschaft im beginnenden abendrot und dann ist es auch schon vorbei: unser feines, kleines abenteuer im eis, das heli-hiking.