Neuseeland-Reisebericht :sieht so aus, als flöge ich um die Welt...?

Neuseeland : 29.03. Auckland to Paihia

Als der Wecker klingelt, stelle ich ihn nochmal weiter, ich habe ihn nachts noch etwas vor gestellt. Dann beim zweiten Mal stehe ich auf. Ich schlüpfe in die neuen Sachen und checke kurz vor 7 aus. Pickup ist um 7.15 in der Queenstreet. Ich hole mir noch einen Muffin und einen Tee im Shop nebenan, dann schlendere ich die Straße rauf.
Oh, die Straße ist ja komplett gesperrt? Kann dann der Bus hier überhaupt fahren? Ich frage zwei Arbeiter, die die Straße runterschlendern. Nein, hier fährt heute bestimmt kein Bus, die Haltestelle ist verlegt nach oben. Hm, aber meine auch? Ich mache eine Tour. Am Besten ich rufe mal im Office an.
Die Zeit verrinnt. Ich gehe so schnell wie möglich zurück zum Hostel, um dort zu bitten, ob ich das Telefon benutzen darf. Die Tür ist noch verschlossen und ich klingele, klingele nochmal und nochmal, aber keiner macht auf. Ein Obdachloser spricht mich an. Ob ich mit ihm heim kommen will? Er streichelt meinen Arm. Ich drücke wieder auf die Klingel.
Zwei Typen stehen jetzt vor der Rezeption. Ich winke hektisch und einer stellt sich in die Lichtschranke und ich kann das Hostel betreten. Ich warte, bis sie ausgecheckt sind. Frage den Typ an der Rezeption, ob er mich nicht klingeln gehört hat? Oh no, die ist kaputt, Du musst klopfen. Ja, klasse. Ob ich im Kiwi Büro anrufen kann? Oben die Straße ist gesperrt und ich weiß nicht, wo der Pickup nun ist. Der Typ starrt nur. Aber die beiden Jungs hinter mir, sagen, dass der Pickup vorm Kiwi Office ist. Sie sind im selben Bus und wollen auch gleich los. Umständlich erklärt der Rezeptionist, wo genau das Office ist. Ich bekomme nicht soviel mit und setze auf die beiden Jungs, denen ich mich anschließe.
Rens und Jodi kommen aus Holland und sind schon am Ende ihrer Reise, da sie in Christchurch gestartet sind. Davor haben sie hier als Koch und Kellner gearbeitet. Sie wundern sich, dass ich keine email vom office mit dem geänderten Pickup bekommen habe. Ich auch, schließlich habe ich vorgestern noch mit denen geschrieben.
Es ist ein echt langer Weg. Sind wir auch wirklich richtig? Ja, die Jungs haben alles im Griff. Wir erreichen endlich das Kiwi Office. Aber haben wir den Bus vielleicht verpasst? Es ist jetzt schon 7.30. Nein es ist 6.30 und der Bus fährt 6.45. Häh? Auf meiner Uhr ist es eine Stunde später. Hab ich gestern beim Einstellen der Zeitverschiebung etwas falsch gemacht? Aber die Schließzeiten der Bibliothek und der Galerie haben doch gepasst? Muss wohl heute Nacht passiert sein? Das war echt Glück, denn sonst hätte ich den Bus verpasst. Ich beiße in meinen Muffin.
Der Bus kommt. Die Fahrerin sagt uns, wir können das Gepäck schonmal reinwerfen. Sie muss noch kurz ins Büro. Wir stehen noch vor dem Bus, ich esse meinen Muffin auf. Vier weitere Mädels stoßen dazu.
Die Busfahrerin macht Anwesenheitskontrolle. Bei mir stutzt sie, Du hast uns Deinen Pickup Point nicht gesagt, das musst Du immer machen. Ja, ich bin auch nicht happy damit, wie das gelaufen ist. Als ich mit dem Office die Daten bestätigt habe, hätten die mich ja vielleicht mal informieren können. Bestätige ab jetzt einfach immer die Pickup Points. Hm, ich bin grad kein zufriedener Kunde von Kiwi Experience, das geht ja gut los.
Ich klettere in den Bus. Wir holen noch ein paar mehr Leute etwas weiter weg ab, aber insgesamt bleibt es eine sehr überschaubare Gruppe von 11 Leuten. Laut Jody und Rens eine ungewöhnlich kleine Gruppe.

Zu früh zum lächeln

Zu früh zum lächeln

Auf geht's in den Norden. Fly, unsere Busfahrerin stellt sich und das Programm vor. Wir stoppen erstmal in einem kleinen Ort, um uns Frühstück und Proviant zu besorgen. Leider regnet es und ist ziemlich kalt. Ich nehme dementsprechend nochmal einen warmen Tee.
Dann zurück in den Bus und Papierkram erledigen. Fly gibt Listen herum, in die man sich für das Hostel und ein BBQ heute abend eintragen kann. Ausserdem stellt sie die buchbaren Touren für heute nachmittag vor. Ich entscheide mich für eine EcoTour bei der man Delphine sehen und mit ihnen schwimmen kann. Ich will endlich Delphine sehen, auch wenn der Spaß 104$ kostet.

Noch ziemlich dunkel in Auckland

Noch ziemlich dunkel in Auckland

Ist ja wie daheim

Ist ja wie daheim

Dann stoppen wir an einem Wasserfall für ein paar Fotos. So langsam werde ich müde, die letzten Tage machen sich dann doch bemerkbar. Wir erreichen Paihia und halten als erstes an der Werft. Ich hole mein Ticket für die Delphin Tour, die schon in einer Stunde losgeht und gehe schnell zum Geldautomaten. Alle zurück in den Bus und ab zum Hostel.
Ich checke ein und bin die erste im Zimmer, das noch nicht gemacht ist. Ich stelle meine Sachen vor und auf einem der Bottom Betten ab. Nach und nach trudeln die Jungs aus dem Bus ein. Wir sind Roommates. Zählt man die beiden Typen, die hier schon schlafen dazu, bin ich die einzige Frau mit 7 Typen in einem 8 Bett Zimmer. Naja gibt Schlimmeres.
Ich mache mich fertig für meine Delphin Tour, verabschiede mich und laufe zur Werft.

H

H

Ich bin etwas früh und stelle mich noch eine Weile in die Sonne, denn so richtig warm ist es immer noch nicht. Dann kommt die Crew und wir gehen an Bord. Ausser mir sind nur 5 weitere Passagiere an Bord. Ein asiatisches Pärchen und eine Gruppe aus zwei Männern und einer Frau. Sie ist schrecklich auf jung gestimmt und aufgedonnert mit zwei künstlich nachlässigen Zöpfen und einem affektiert aufmerksamkeits-heischenden Gehabe. Sie ist mir direkt unsympathisch. Natürlich sind es Deutsche.
Wir fahren raus aus dem Hafen, dann stellt der Kapitän sich und seine Helferin vor. Ausserdem ist noch eine Beobachterin von einer Forschungsorganisation oder so ähnlich an Bord. Wir bekommen Merkblätter zum lesen. Da ich keinesfalls preisgeben will, dass ich auch Deutsch bin, nehme ich das englische.

I

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Sweet, fast allein

Sweet, fast allein

Wir finden relativ schnell eine Gruppe Delphine. Es ist unglaublich. Erst sieht man nur die Rücken und die Finnen, aber dann kommen sie ganz nah an das Boot heran. Schwimmen neben und unter dem Boot. Sie scheinen mit den Auslegern zu spielen, schwimmen unter und neben ihnen her. Wir hängen bäuchlings auf dem Deck an der Spitze des Bootes und können die Tiere fast berühren. Auch ihren Atem, den sie durch das Loch in ihrem Rücken blasen, können wir gut hören.
Sie sind größer als ich dachte. Die Gruppe entfernt sich wieder vom Boot und wir fahren neben ihnen her. Sie springen und spielen im Wasser. Immer wieder kommen sie zurück zu unserem Boot. Ein Segelboot taucht auf. Auch sie sind ganz begeistert von den Delphinen. Sie kommen wohl aus Fiji. Bula rufen sie herüber.
Leider dürfen wir nicht ins Wasser zum schwimmen, da die Delphine Junge dabei haben. Wie schade, so gerne wäre ich den Anweisungen aus dem Informationsblatt gefolgt. Man soll direkt mit den Tieren interagieren. Da sie eine recht kurze Aufmerksamkeitsspanne haben, muss man ihre Neugier durch Geräusche und Bewegungen wecken. In der Regel spielen sie mit dem Aktivsten aus der Gruppe.
Ich sqeeke für ein Video, da ich mich an den "Dolphindance" erinnere, den sie mir auf Magnetic Island aufschwatzen wollten, um Delphine anzulocken. Und siehe da, plötzlich schwimmen drei von ihnen direkt neben mir an der Oberfläche. Ich habe das Gefühl, dass sie immen die Wasseroberfläche kommen, wenn ich sqeeke, vermutlich aus Neugier.
Leider müssen wir die Delphine verlassen, denn man darf immer nur ein gewisses Zeitkontingent bei ihnen bleiben.

Soooo nah

Soooo nah

Auf der Suche nach einer weiteren Gruppe fahren wir durch die gesamte Bay of Islands. Die Natur ist teilweise atemberaubend.
In einer kleinen Bucht ankern wir, um vom Wasser aus die Propeller, die durch Seetang verstopft sind, zu säubern. Das Boot hat keine normale Schraube, sondern Propeller, durch die Wasser angesaugt und abgestoßen wird, um weder Mensch noch Delphine im Wasser versehentlich verletzten zu können.
Die Crew fragt uns, ob wir auch ins Wasser wollen? Die beiden Deutschen springen rein, ich bin erst etwas zögerlich, kann dann aber doch nicht widerstehen. Es ist kalt, aber erfrischend, wenn man erstmal drin ist. Viel zu sehen gibt es beim schnorcheln allerdings nicht. Auch der Kapitän springt rein. Mit meinem Spruch, dass der Kapitän das Boot doch als letzter zu verlassen hat, bringe ich ihn zum lachen.
Zurück an Bord und weiter suchen. Ich zittere vor mich hin, denn es ist dann doch nicht grad warm und ein Schwimmhandtuch habe ich ja nicht (das hat beim besten Willen nicht mehr in den Backpack gepasst). Ich versuche, meine Beine möglichst in die Flecken Sonnenlichts zu halten, die je nach Kurs auf dem Boot erscheinen und wickele mich ansonsten in mein Khao San Allzweck Tuch.
Leider finden wir keine Delphine mehr. Ich bin enttäuscht, wie gern wäre ich mit ihnen geschwommen. Immerhin bin ich irgendwann trocken genug, um wieder meine lange Hose und mein Oberteil anzuziehen.
Das Boot hält für mich auf Russels Island, denn das Fährticket zurück ist in der Tour enthalten.

Inseln

Inseln

Inseln

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Inseln

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Hat vielleicht nen Grund, dass das Gebiet Bay of Plenty heißt?

Hat vielleicht nen Grund, dass das Gebiet Bay of Plenty heißt?

Russels Island ist eine süße kleine Insel, eigentlich schade, dass ich spätestens die Fähre um 6 zurück nehmen muss, um rechtzeitig zum BBQ im Hostel zu sein.
Ich mache den walk zum flagstaff hill, den ich gerade so schaffen sollte. Falls ich noch Zeit habe, kann ich auch auf dieser Seite runter zum Strand, der Kapitän zumindest hat das empfohlen. Erstmal geht's bergauf eine Straße hoch und dann ein bisschen durch den Wald. Ein erster schöner Blick zurück auf das Städtchen am Pier eröffnet sich. Dann ist der Pfad durch den Wald zuende und ich stehe wieder auf einer Straße mitten im Wohngebiet. Bin ich hier wirklich richtig?
Ich laufe weiter und sehe einen komischen kleinen braungefiederten Vogel hastig über die Straße laufen. Hm, war das eventuell ein Kiwi? Ja, da sind überall Schilder, die einen fettnäsigen Vogel ohne Flügel zeigen, mit dem Hinweis Kiwihabitat und der Warnung, keine Hunde herumlaufen zu lassen. Sweet, das war echt ein Kiwi und ich bin erst 2 Tage hier. Vielleicht kann ich auch ein Foto von einem machen?
Erstmal geht's jetzt links in den Wald. Das ist natürlich kein Wald, wie wir ihn in Deutschland haben, sondern Regenwald mit Palmen, Farn und allem drum und dran. Obwohl ich jetzt schon so lange durch Regionen reise, in denen es diesen Dschungel gibt, bin ich immer noch fasziniert.
Der Weg endet wiederum an einer Straße. Hm, was jetzt? Weiter geradeaus gehen, schätze ich. Da vorne sind Schilder. Ah ja, der Strand ist links und der Flagstaff Hill ist rechts. Zum Gipfel sind es nur noch 5 Minuten. Ich biege auf den Weg ab und sehe wieder einen der braunen Vögel. Er verspeist grad eine Heuschrecke oder Grille. Ich mache Fotos und sogar ein Video, bevor er die Flucht ergreift. Awesome, beschwingt setze ich meinen Weg den Hügel hinauf fort und werde mit einer netten Aussicht belohnt.

Hier würde ich ja auch gerne wohnen

Hier würde ich ja auch gerne wohnen

Die Sonne fangen...

Die Sonne fangen...

Jetzt aber schnell zurück zur Fähre. Die 45 Minuten zum Strand, sei er auch noch so schön, habe ich nicht mehr, vor allem nicht zweimal für den Hin - und Rückweg. Wie das so ist, bin ich zurück schneller als hin und setze mich am Fähranleger noch in die Sonne.
Während ich warte, höre ich ein unheimlich interessantes Gespräch zwischen zwei jungen Deutschen mit an. Sie erzählt ihm, wie alle in der Gruppe (keine Ahnung wo und wann) plötzlich gegen sie waren und der eine ihr ins Gesicht geschlagen hat, was man noch Tage später sah. (kam das nicht neulich bei RTL?) Alles im feinsten AsiDeutsch vorgebracht, als säße ich in der Frankfurter U-Bahn. Dass sie jemanden fetter, feiger Fettsack genannt hat, bekomme ich noch mit, dann biegen sie um die Ecke. Später höre ich, wie er ihr erklärt, sie wäre nicht sonderlich kritikfähig, aber er zum Beispiel hätte sich dran gewöhnt. Tapferer junger Mann.
Zur Strafe erzählt sie ihm während der gesamten 30-minütigen Fährfahrt minutiös, was sie später wie kochen wird. Es ist außerdem meine Strafe für das Lauschen.

Ich gehe zurück zum Hostel und gehe schnell unter die Dusche. Dann ist das BBQ schon in vollem Gange. Ein Steak, eine Wurst, eine halbe Kartoffel und soviel Salat, wie man will, ist für 12$ echt gut.
Die Zimmergemeinschaft sitzt zusammen, viel mehr Leute sind auch nicht da. Wir bleiben auch nach dem essen sitzen (schön, wenn jemand anders abwäscht) und reden über die jeweiligen Tageserlebnisse. Die Jungs gehen immer mal wieder rein, um nach dem Stand des Cricketgames zu schauen.
Als ich von dem Kiwi erzähle, sagt Jody, das kann eigentlich gar nicht sein, die sind nachtaktiv. Zeig mal die Fotos. Dann wird er aber selbst ein wenig unsicher. An einem der Nebentische sitzen ein paar Einheimische, vermutlich Maoris. Sie sehen etwas wild aus, aber müssten es wissen.
Ich gehe, zögernd gefolgt von Jody rüber und frage. Das tablet geht von Hand zu Hand. Alle erzählen mit etwas anderes, der fette Witzbold der Gruppe prustet "its a fucking Kangaroo". Aber klar ist, es ist kein Kiwi, die sind nämlich nachtaktiv. In Wirklichkeit ist es der nächste Verwandte Vogel des Kiwis, ein Crocker(?). Dennoch lachen alle ausgiebig über mich und ich muss auch in den nächsten Tagen noch den Spott, schau mal ein Kiwi, ertragen.
Irgendwann müssen wir rein in den Schankraum und ich stehe noch etwas mit Fabian, der allein reist, an der Bar. Als die Bar schließt, gehe ich ins Bett.

© Stefanie Förster, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich habe nie von einer Weltreise geträumt. Schockierend, ich weiß. Überraschenderweise unternehme ich jetzt aber eine. Wie es dazu kam, wo ich lande und wie es da so ist, das berichte ich Euch hier... Wer mag, darf mitlesen. Mein Blog richtet sich vor allem an meine Familie und Freunde, sowie an Ex Kollegen. ...naja und natürlich an mich selbst: eine Weltreise ist ein tolles Abenteuer liebe Steffi! ...nur Mut und einfach mal machen, wird schon schiefgehen ;)
Details:
Aufbruch: 11.01.2015
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 28.05.2015
Reiseziele: Sri Lanka
Thailand
Indonesien
Australien
Neuseeland
Fidschi
Vereinigte Staaten
Mexiko
Deutschland
Malaysia
Singapur
Der Autor
 
Stefanie Förster berichtet seit 33 Monaten auf umdiewelt.
Reiseberichte von Stefanie sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!