Neuseeland-Reisebericht :sieht so aus, als flöge ich um die Welt...?

Neuseeland : 30.03. Cape Reinga

Morgens um 5.00 klingelt der erste Wecker und klingelt und klingelt. Oh man, wir müssen doch noch gar nicht aufstehen. Irgendwann kehrt wieder Ruhe ein. Um 6.00 geht es weiter, es scheint, als hätte jeder seinen Wecker auf eine andere Zeit gestellt. Ich mache meinen aus, bevor er klingelt und stehe auf. Ab ins Bad und dann den kleinen Rucksack für den Tag packen. Um 7.30 werden wir abgeholt zu unserer Tagestour nach Cape Reinga, dem nördlichsten Punkt Neuseelands. Der Bus ist ungefähr halb voll, sprich, jeder hat zwei Sitze für sich. Der Busfahrer ist gut drauf und Maori, er erzählt uns etwas über den Tag. Den ersten Stop für einen kleinen Forestwalk machen wir nicht wie üblich zuerst, sondern auf dem Rückweg, damit wir die ersten an den Sanddünen sind. Hört sich doch gut an.
Erster Stop, na klar, an einer Bakery in einer kleinen Stadt, um erstmal Frühstück und ggf. Proviant für den Tag zu besorgen. Ich habe schon zwei Bananen und einen Apfel, kann aber einer Stulle mit Mehrkornbrot, das erste, das ich seit Frankfurt zu Gesicht bekomme, nicht widerstehen. Dann noch ein Tee und ein kleines Schokoküchlein zum Frühstück und ich bin happy.
Während der lange Fahrt in den Norden schreibe ich natürlich. Dabei fällt mir auf, dass ich ja heute Geburtstag habe. Irgendwann gebe ich auf und schlafe ein Weilchen, so wie fast alle im Bus, irgendwas haben Busfahrten an sich, dass die Leute schläfrig macht (wenn nicht grad ein Verrückter neben einem sitzt, wie auf meiner Fahrt nach Surfers Paradise natürlich). Als der Bus auf den berühmten 90 miles beach abbiegt und auf dem Sand weiterfährt, werden die meisten wach. Ich kenne das ja schon von Frazer Island, dennoch ist es cool.

Guten Morgen

Guten Morgen

Im Bus

Im Bus

Einbahnstraßenbrücke

Einbahnstraßenbrücke

Es nieselt, als wir die Sanddünen erreichen. Dann ist der Sand nass und das macht das Board viel schneller, freut sich unser Busfahrer. Also, ich weiß nicht, ob das eine so gute Nachricht ist. Die Dünen sind verdammt hoch. Ob ich das wirklich machen will? Vielleicht erstmal eine Kleinere?
Okay, sagt der Guide, wir nehmen die ganz Hohe da drüben, das ist immer meine, wenn ich mit Kiwi Experience unterwegs bin. Es sind genug Bodyboards für alle an Bord. Alle schnappen sich eins und wir stapfen die Düne hoch. Der Fahrer holt uns ein. Er erklärt genau, wie wir auf dem Board liegen sollen und warnt uns, falls wir es falsch machen, dass wir uns ernsthaft verletzen können. Ohoh.
In den Fußstapfen des jeweils vorigen stapfen wir die Düne hoch und immer weiter hoch, auf dem Kamm angekommen, gehen wir noch weiter bis fast zum höchsten Punkt. Man sieht das steil aus. Mich gruselts ganz schön. Ich glaube nicht, dass ich es mache. Die ersten sind schon unterwegs und sie sind ganz schön schnell. Ich lasse noch jemanden vor. Der Busfahrer hat gemeint, es sähe weniger beängstigend aus, wenn man sich auf das Brett legt, statt zu stehen, aber naja, ich sehe da keinen Unterschied. Ich würde schon gerne... Los, sagt Ross, Du schaffst das. Ok, was solls, so schlimm kanns nicht sein. Los geht's.
Verdammt, ist das schnell. Ich gerate fast in Panik, klammere mich vorne an das Brett und bremse mit meinen Beinen im Sand. Ich habe extra meine lange schwarze Hose gegen meine kurze Jeanshose, die mittlerweile schon ziemlich viel abbekommen hat, getauscht und natürlich sind wir alle barfuss. Ich habe ein bisschen Angst, was der Sand mit meinen Beinen anstelle könnte, aber es ist okay. Macht schon Spaß. Ross ist nach mir gerutscht und ich klatsche ihn ab.
Natürlich gehen wir direkt wieder hoch. Puh, das hochsteigen ist nicht ohne. Jetzt weiß ich auch, warum der Guide meinte, mehr als drei ist eher unwahrscheinlich. Aber ich glaube fast, ich belasse es bei Zwei, denn je höher wir kommen, desto mehr Angst bekomme ich wieder. Auf geht's zur zweiten Runde. Glücklich unten angekommen, nachdem ich für den letzten Rest nochmal Schwung holen musste, packe ich mein Board in der Bus und hole meine Cam, um ein Foto zu machen.
Hm, einige gehen nochmal hoch. Eigentlich könnte ich ja auch noch mal gehen, oder? Haben wir noch Zeit für ein letztes Mal, frage ich den Guide. Na klar, ab mit Dir. Ross kommt auch mit. Wir rutschen zu Dritt mit einem anderen nebeneinander. Ich bin etwas besorgt, ob wir uns nicht vielleicht aus Versehen rammen. Das wäre so typisch, sich mit der letzten Rutschpartie zu verletzen. Aber wir kommen alle drei heil runter.

Ich versuche, mich zu entsanden, bevor ich in den Bus steige, aber es ist quasi unmöglich. Wollt ihr schwimmen, bevor wir zum Carpark fahren, fragt unser Guide, wer hat Schwimmsachen mit?
Weniger als die Hälfte, aber alle wollen gerne zum Strand. Also biegt unser Guide ab und wir parken an einer kleinen Bucht.
Das Wasser ist nicht so warm wie in Australien, aber vielleicht gerade deswegen ist es ein Vergnügen, in den Wellen zu toben. Und was für Wellen, ich wünsche mir sehnlichst ein Surfbrett. Unser Guide ist mit uns im Wasser und warnt uns vor einem Rip, damit wir alle wieder heil rauskommen.
Nachdem den meisten das Wasser zu kühl geworden ist, brechen wir auf. So nass im Bus wird mir dann doch schnell wieder kalt. Aber das war es wert, denn es ist vermutlich eine der letzten Möglichkeiten zu schwimmen, bevor ich hoffentlich am 1.4. mein Tattoo bekomme. Danach muss ich dem Wasser, auch wenns schwer fällt, erstmal fern bleiben.

Wir parken am Parkplatz beim Leuchtturm und der guide schickt uns auf den Weg. Fehlgehen kann man hier eigentlich nicht, es gibt nur einen Weg. Zum Glück ist auch die Sonne herausgekommen, so dass es schön warm wird, denn hier weht ein ziemlicher Wind.
Die Gruppe zieht sich auseinander, jeder geht im eigenen Tempo und natürlich machen wir jede Menge Fotos. Nicht nur der Ausblick auf den Leuchtturm ist es wert. Das Meer und auch das Land sind etwas rau, aber einfach wunderschön. Als wir wieder zurück am Bus sind, bin ich ziemlich trocken.

Da hinten ganz klein ist der Leuchtturm

Da hinten ganz klein ist der Leuchtturm

Meine Haare sind immerhin wieder trocken...

Meine Haare sind immerhin wieder trocken...

Zurück geht's an den Strand, der Busfahrer fragt, wer nachher auf dem Weg zurück fish und chips will. Wir halten am besten kleinen Restaurant dafür. Der Fisch ist immer frisch, es kommt auf den Fang von heute an, welche Art Fisch es ist. Er würde für uns vorbestellen und wir nehmen es dann mit. Wir sollen ihm einfach Bescheid geben, wenn wir den nächsten Zwischenstop einlegen, um den Bus zu duschen.
O nein, wir fahren schon zurück? Das ging ja wirklich schneller, als ich dachte. Ich bin davon ausgegangen, dass wir ich noch ne Weile am 90 Miles Beach abhängen, denn der ist doch die eigentliche Attraktion dieses Ausflugs. Wir müssen uns mit einer weiteren Fahrt mit dem Bus auf ihm begnügen. Kurz bevor wir wieder auf die Straße abbiegen, hält der guide, er hat einem Freund versprochen, ihm ein paar Muscheln mitzubringen, die er jetzt versucht im flachen Wasser zu fangen, aber er hat kein Glück. Zwei Leute waten tiefer rein und kommen immerhin mit einer Hand voll zurück.

Meine Cam fotografiert manchmal komische Sachen...

Meine Cam fotografiert manchmal komische Sachen...

Nach einer Weile halten wir an einem Gebäude, das eine Ausstellung mit Maori Kunst und Nippes beherbergt. Hier kann der Busfahrer auch den Bus säubern. Nachdem wir Fisch und Chips bestellt haben, kaufen sich einige ein Eis, andere schauen sich die Austellung an. Ich bin natürlich nicht in der Eisfraktion.
Am besten gefallen mir eine Reihe alte schwarzweiss Fotos, die Maoris in verschiedenen Alltags Situationen zeigen. Highlight ist natürlich auch die Treppe in den zweiten Stock, die in den Stamm eines riesigen Baumes geschnitzt ist. Man steigt im Inneren des Baums wie in einer Höhle hoch.
Der Bus ist sauber, unser Essen bestellt und weiter geht's. Alle regen sich darüber auf, dass ich noch nie fish &chips hatte, aber wo hätte ich die denn essen sollen? Ich war noch nie in England. Natürlich habe ich Fisch gegessen und auch Pommes, aber das ist nicht dasselbe, meint jedenfalls Ross und "Du wirst es bestimmt mögen". Na gut, ich bin gespannt.
Wir stoppen an einem kleinen Laden mit Verkaufstheke und ein paar Tischen. Das Essen in der Auslage sieht jedenfalls echt gut aus. Ein bisschen Hunger habe ich auch schon wieder, trotz Stulle und Bananen. Jeder von uns bekommt ein Paket aus mehreren Lagen Packpapier. Als ich es im Bus auspacke, finde ich die Pommes und den frittierten, panierten Fisch, an Teller glaubt man hier wohl nicht. Es ist sehr fettig und schmeckt so lala, fast food eben. Ich behalte meine Meinung aus Rücksicht auf Ross Nationalstolz mal lieber für mich. Außerdem sind die Engländer im Bus klar in der Überzahl.

Wir stoppen, um den Walk durch den Wald zu machen, den wir heute morgen übersprungen haben. Als alle auf der Plattform, an der der kurze Rundgang beginnt, versammelt sind, erklärt unser Guide, dass dieser Weg von der englischen Königin anlässlich eines Besuches gestiftet wurde. Für die Maori ist der Wald sehr wichtig und würde verehrt, weswegen es jetzt die Maori Nationalhymne zu Ehren des Waldes singen wird. Falls danach jemand von den Briten Lust hat, die englische Nationalhymne abzustimmen, nur zu. Und schon hebt er mit klarer Stimme zu singen an. Die Gruppe lauscht und ist respektvoll still. Kaum ist die letzte Silbe verklungen, scheucht er uns auf den Rundgang. Auf einem erhöhten Holzweg geht es durch den dämmrigen Regenwald. Jody veräppelt mich natürlich wieder mit dem Kiwi, indem er in den Wald zeigt und ruft, guck mal Steffi da... und dann als ich mit der Cam neben ihm stehe, ein Kiwi, hinzufügt. You are a mean person, schimpfe ich.

Keine Kiwi hier, aber der Wald ist schön genug

Keine Kiwi hier, aber der Wald ist schön genug

Jetzt geht es nach Hause. Das Pipi Patch ist der letzte Stop. Die Holländer, Mariella und Ross springen aber schon an der Werft raus, weil sie für den Strand heute abend noch "was besorgen" wollen. Hm, das habe ich gar nicht mitbekommen, dass sie sich da abgesprochen haben, einkaufen müsste ich ja eigentlich auch. Aber vielleicht ist es ein Gruppending?
Im Zimmer treffe ich Paul und David, die heute die Wanderung zum Wasserfall gemacht haben. Dabei haben sie ordentlich Farbe abbekommen. Jetzt kochen sie erstmal. Ich nehme auf jeden Fall jetzt ne Dusche, solange die anderen noch nicht da sind.
Ich höre die drei Jungs zurück kommen, während ich noch im Bad bin. Plötzlich höre ich einen von ihnen etwas von "these annoying german", sagen. Oha, meinen die mich? Was habe ich gemacht? Ich bin ein bisschen vor den Kopf gestoßen und mache mich so schnell wie möglich fertig, um den Raum zu verlassen.

Australien beendet, aber ich musste Extraseiten anflanschen

Australien beendet, aber ich musste Extraseiten anflanschen

Dann gehe ich einkaufen, unter anderem eine Flasche Weißwein. Zur Not trinke ich alleine am Strand, das würde doch gar nicht so schlecht in das Gesamtbild der Reise passen, wenn ich heute Abend mal allein verbringen würde. Auch wenn es mich vermutlich etwas melancholisch machen würde. Dadurch, dass ich hier kein Internet habe, haben mich auch noch keine Glückwünsche von Familie und Freunden erreicht.

Als ich zurück im Zimmer bin, fragen mich David und Paul, was meine Pläne für heute Abend sind? Ich weiß nicht. Sie wollen erst in die Bar und dann zum Strand. Hört sich gut an, ich will noch ein bisschen Tagebuch schreiben. Können sie mich, bevor sie an den Strand gehen, abholen? Na klar.
Während ich schreibe kommt Mariella ins Zimmer. Sie hat wohl eine Verabredung mit den Holländern verpasst und ist jetzt enttäuscht, dass sie nicht auf sie gewartet haben. Ob sie nachher mit uns an den Strand will? Ja, gerne, ich soll einfach klopfen. Als nächstes kommen die Holländer mit Ross und Pizza zurück. Ob ich nachher mit an den Strand will? Sicher. Das Gespräch kommt auch wieder auf die heutige Tour und es stellt sich heraus, dass "these annoying german" die ältere Dame vorne im Bus war, die sich tatsächlich etwas seltsam verhalten hat. Als wir zum Strand gehen, hole ich Mariella ab und sage den beiden Jungs in die Bar Bescheid.

Am dem Weg zum einkaufen, sehe ich diese Kirche

Am dem Weg zum einkaufen, sehe ich diese Kirche

Dieses Klo?!?

Dieses Klo?!?

einen Lookout......

einen Lookout......

Nach dem Einkauf gibt's Schokolade am Strand

Nach dem Einkauf gibt's Schokolade am Strand

Mit meinem Fischbuddy

Mit meinem Fischbuddy

Hat was, finde ich.....

Hat was, finde ich.....

Wir sitzen im Kreis und trinken, einige rauchen auch uns gehen entsprechend früh ins Bett. Ich findest etwas langweilig,mit das Gespräch ziemlich von einer etwas affektierten Engländerin dominiert wird, die nonstop irgendwelche storys über sich selbst erzählt und dazu mit ihrem langen schwarzen Haar post. Ich unterhalte mich ein bisschen mit Paul und beschließe dann, ins Bett zu gehen. Als ich mich schon fertig gemacht und umgezogen habe, kommt Paul rein. Alle sind auf der Party unten in der Bar, die ziemlich gut ist, ich bin ein paar mal vom Strand aus reingelaufen, um die Toilette zu benutzen und es wurde immer voller. Komm schon sagt er, ich gebe Dir auch einen Geburtstagswein aus. Am Strand bin ich schwach geworden und habe es ihm erzählt. Na gut, ich ziehe Shirt und lange Hose wieder an und komme nochmal mit. Die Bar ist wirklich voll und es wird getanzt. Aber irgendwann ist es genug und ich gehe wieder ins Zimmer. Paul kommt mit. Nochmal Zähne putzen und dann will ich ins Bett. Nur liegt Paul da schon und will nicht raus. Fast bin ich ja in Versuchung einfach einzuschlafen, das Bett ist groß genug. Aber das wäre ganz klar das falsche Signal. Nach mehreren "Nein" und "geh in Dein eigenes Bett" kann ich dann endlich einschlafen.

© Stefanie Förster, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich habe nie von einer Weltreise geträumt. Schockierend, ich weiß. Überraschenderweise unternehme ich jetzt aber eine. Wie es dazu kam, wo ich lande und wie es da so ist, das berichte ich Euch hier... Wer mag, darf mitlesen. Mein Blog richtet sich vor allem an meine Familie und Freunde, sowie an Ex Kollegen. ...naja und natürlich an mich selbst: eine Weltreise ist ein tolles Abenteuer liebe Steffi! ...nur Mut und einfach mal machen, wird schon schiefgehen ;)
Details:
Aufbruch: 11.01.2015
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 28.05.2015
Reiseziele: Sri Lanka
Thailand
Indonesien
Australien
Neuseeland
Fidschi
Vereinigte Staaten
Mexiko
Deutschland
Malaysia
Singapur
Der Autor
 
Stefanie Förster berichtet seit 33 Monaten auf umdiewelt.
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