Neuseeland-Reisebericht :Mit unseren Kindern um die Welt

Neuseeland

Hätten wir vorher gewusst, was in Neuseeland passieren wird, wer weiß, ob wir nicht einfach in Australien geblieben wären. Aber dazu kommen wir am Ende dieses Beitrages.

Neuseeland ist… nun ja… Neuseeland ist schön… zumindest landschaftlich…
Ok, die Landschaft ist herrlich. Aber das ist auch alles. Die Deutsche Botschaft schreibt, dass vor allem deutsche Touristen immer wieder in schwere Unfälle verwickelt sind, weil sie die Straßen unterschätzen. Wir glauben eher, dass die Neuseeländer die Unfälle mit ihrer rasanten und aggressiven Fahrweise verursachen. Mehrmals wurde uns die Vorfahrt genommen, kamen Autos aus Seitenstraßen gerast, wurden wir in Kurven überholt und massiv bedrängt von Verfolgern, denen wir zu langsam fuhren. Neuseelands Straßen sind uneben, kurvenreich, eng und sie gehen ständig bergauf und bergab. Seltsamerweise gilt dennoch 100 km/h (mit niedrigeren „Empfehlungen“ für diverse Kurven). Da unser Campervan bei Tempo 100 aus der Kurve fallen würde, entscheiden wir uns regelmäßig für die empfohlene Geschwindigkeit und ernten dafür den Groll einiger Neuseeländer. Grundsätzlich empfinden wir die Einwohner hier als etwas unentspannt und weniger aufgeschlossen. Wir fühlen uns bisher nicht willkommen in diesem Land. Daran ändert auch das vielfältige aber undurchsichtige Infomaterial nichts. Wir wurden teilweise beschimpft und unfreundlich abgefertigt – natürlich nicht an den kostenpflichtigen Touristenattraktionen, dort ist man „nett“.

Ok, wenn ihr aus Deutschland nach Neuseeland kommt, ist es hier das Paradies auf Erden. Ein unfreundlicheres Land (als unseres) gibt’s wohl kaum auf der Welt. Und wenn ihr dann auch noch auf den Touristenpfaden bleibt und euch die Hauptattraktionen anseht (mit Vorliebe die kostenpflichtigen), dann bewegt ihr euch im „überaus freundlichem Neuseeland“ – in der traumhaftesten und kinderfreundlichsten Kulisse der Welt. Viele Spielplätze, keine gefährlichen Tiere.
Aber wenn ihr aus Südostasien und Australien in dieses Land kommt, dann ist eine Enttäuschung wahrscheinlich. Keine grenzenlose Freiheit, wie in Australien. Keine vorwiegend freundlichen Leute, wie in Südostasien und Australien. Kein entspannter Straßenverkehr und „easy going“ wie in Australien. Neuseeland ist eingezäunt – von außen, von innen und mitten durch. Für Schafe, Rinder oder einfach nur so. Die Wälder wurden vor langer Zeit abgeholzt und wir starren oft auf „nackte“ Hügel. Alles privat, vieles verboten, bitte keine Fremden – mit Ausnahme der vorgeschriebenen Wanderwege. Jetzt sagt ihr vielleicht „Ist ja in Deutschland nicht anders.“ Und ihr habt recht, wie in Deutschland, nur mit etwas mehr „privater Wildnis“ und exotischeren Tieren. Eine krasse Ausnahme: man darf an vielen Orten campen, oft kostenfrei.

Wir brauchten 10 Tage, um unser persönliches „Neuseeland-Feeling“ zu erreichen. Am Lake Pukaki, abseits der Massen, an einer einsamen Stelle am Strand, mit Blick auf den höchsten Berg Neuseelands (Mt. Cook, 3754m) können wir entspannen. Niemand schaut uns grimmig an. Wir können durchatmen, baden, die Sonne und den Blick genießen. Am nächsten Tag unternahmen wir dann auch endlich unsere erste lange Wanderung in diesen mächtigen Südalpen. Und bevor wir es vergessen, wir hatten natürlich auch Kontakt zu sehr freundlichen Einwohnern und wundervolle Gespräche.

Begonnen hat unser Abenteuer am anderen Ende der Welt übrigens mit einem dieser Erlebnisse, die man am liebsten ganz schnell wieder vergessen will. Wir können eigentlich sagen, dass unser ganz persönlicher Supergau dieser Reise eingetreten ist. Dieser übertrifft sogar unseren Start in Australien.

Angefangen hat alles noch in Australien am Check-In von JetStar. Wir durften nicht in das Flugzeug steigen, ohne ein Flugticket, das auch wieder aus Neuseeland heraus führt – so verlangt es Neuseeland von seinen Touristen. Dieses hatten wir natürlich nicht. Wir wussten ja noch nicht mal wohin es danach gehen soll, geschweige denn wann. Das führte zu einem Drama mit fast unendlichen Diskussionen am Serviceschalter von JetStar. Uns blieb nur noch eine Stunde bis zum Abflug. In Kurzform: Entweder 4.400 AUS$ (für 4 stornierbare Tickets) zahlen oder nicht nach Neuseeland reisen. Wir hatten keine Wahl. Die Zeit war zu knapp, um eine andere Fluggesellschaft aufzusuchen und einen günstigen Flug zu buchen. JetStar wollte uns nicht mal eines der billigen Tickets zurück nach Australien buchen, da wir kein Visum für diese Zeit vorweisen konnten. So waren wir nun stolze Inhaber eines megateuren Tickets nach Bali mit einer billigen Low Budget Airline. Stornogebühren 200 AUS$.
Unsere Laune sank tief in den Keller. Zu dieser Zeit ahnten wir noch nicht, was an unserem ersten Tag in Neuseeland auf uns zukommen wird. Zum Glück, sonst hätten wir wahrscheinlich unseren Neuseelandflug storniert…

Wir flogen kurz nach Mitternacht los und kamen nach 3 Stunden Flug früh um halb sechs (Zeitverschiebung) in Neuseeland (Christchurch) an.

Eine Nacht ohne Schlaf, auch für Fine und Willi.

Wir wollten einfach nur schnell unseren Campervan holen und schlafen.

Der Abholservice ließ uns 20 Minuten bei kühlen 11°C in Sommerkleidung warten.

An der Autovermietung angekommen, war der noch offene Betrag von 11.600 NZ$ zu zahlen (ca. 6.800 €), wäre auch nicht schlimm, wenn wir nicht vorher unsere Reisekreditkarte mit diesem teuren Bali-Flug belastet hätten.

Stress pur, wie sollen wir das bezahlen. Zum Monatsende sind die Karten ohnehin schon gut belastet.

Blackout, wir wissen nicht mehr welchen Sperrbetrag wir auf unseren 3 Kreditkarten jeweils festgelegt hatten.

Die Reihe hinter uns wird immer länger, die Dame hinter den Schalter wird ungeduldiger und gleichgültiger in einem.

Das Geld reicht nicht, Schatz.

Fine und Willi toben, schreien, streiten… uns qualmen die Köpfe… wie war noch mal der Umrechnungskurs?

Es dauert … die Leute werden nervös und wollen endlich ihre Autos abholen – die Reihe wird noch länger.

Wir probieren alle Kreditkarten mit verschiedenen Beträgen aus und stückeln den großen Betrag.

Wir schwitzen.

Unsere Kinder sind übermüdet und wollen nicht mehr länger warten.

Es dauert….

Wir rechnen.

Fine und Willi rennen uns um die Beine und kreischen.

Alle gucken.

Plötzlich stinkt es fürchterlich. Im ganzen Raum. Oh nein, Willi!!! Da ging ordentlich was in die Hose und auch daneben. Mama guckt und prüft. Mama hat etwas braunes matschiges am Finger.

Es könnte nicht schlimmer sein.

Wir wollen im Erdboden versinken.

Das Kartenlesegerät sagt: „OK“. Alle Kreditkarten sind nun bis aufs Äußerste belastet.

Wir werden wohl nicht mehr einkaufen können, aber haben unseren Campervan und …

… der Kindersitz passt nicht! Wieder hinten angestellt, Sitz mehrfach getauscht. Hilft nix. Geld zurück. Beschluss: Selber einen kaufen.

Wir verschwinden nun nach 2,5h vor Ort ganz schnell auf den nächsten Parkplatz um den Nachtschlaf nachzuholen.

Nach einer Stunde klopft es heftig an der Scheibe, wir werden aus dem Tiefschlaf gerissen. Der Ranger räumt den Parkplatz, alle müssen runter. Die Kehrmaschine will eine Runde drehen!!!

© Anja Nemitz, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein Jahr Familienzeit - wir schauen uns die Welt an. Mit zwei großen Rucksäcken bepackt, reisen wir so günstig und einfach wie möglich, wollen die Menschen kennen lernen und andere Kulturen hautnah erleben.
Details:
Aufbruch: 29.06.2015
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: Juni 2016
Reiseziele: Russland / Russische Föderation
Mongolei
Hongkong
Vietnam
Kambodscha
Thailand
Australien
Neuseeland
Indonesien
Nepal
Der Autor
 
Anja Nemitz berichtet seit 24 Monaten auf umdiewelt.
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