Tonga-Reisebericht :(M)ein Traum wird wahr .... Weltreise!

The Kingdom of Tonga

Nach einer kurzen Nacht in Auckland bin ich um 5.oo Uhr morgens schon wieder am Flughafen, um am 02.11.2013 nach Nuku´alofa auf der Insel Tongatapu in Tonga zu fliegen. Mit einer dreiviertel Stunde Verspätung geht der ca. 4 stündige Flug los.

Ein wenig dauert die Einreise, einige Touristenkinder aus Neuseeland nerven die Umstehenden und die Immigrationofficers, aber es geht alles unproblematisch voran. Leider ist mein zugesagter Transfer zum Friendly-Islander-Hotel nicht gekommen, dafür kann ich dann - preiswerter - mit einem anderen Hotelminibus mitfahren.

Mein erster Eindruck auf der rund halbstündigen Fahrt zum Hotel ist zunächst nicht besonders. Tonga erscheint mir sehr ärmlich, viele Ruinen säumen den Weg nach Nuku´alofa. Auch stehen viele Einheimische am Straßenrand und verkaufen gebrauchte Kleidung. Dazu liegt viel Müll herum. Nach dem Einchecken gehe ich eine erste Runde in die Stadt, zunächst auf den Markt, denn ich muss einkaufen, da es Samstag ist und am darauffolgenden Tag alles geschlossen hat. Der Sonntag ist den Tangaern heilig, alles ist wie ausgestorben.

Auf dem Talamahumarkt herrscht jedoch ein buntes Treiben, ja eher Gedränge. Die Menschen machen einen angespannten Eindruck auf mich, es wird gedrängelt, gerempelt und viele Jugendliche lungern herum und beobachten das Geschehen. Es ist eine schnelle Runde durch die Stadt, ich fühle mich irgendwie unwohl und ziehe es vor, noch am Hafen vorbeizugehen, der in Richtung Hotel liegt. Dort ist der Tu`imatamoana Fisch- und Flohmarkt, auch hier wird gebrauchte Kleidung verkauft. Von hier fahren die Fähren auf die umliegenden Inseln ab.

Zurück im Hotel richte ich mich erst einmal ein, jage Kakerlaken und Mücken und versuche ins Internet zu kommen. Fortuna hat mal wieder verloren ... und wegen der Zeitverschiebung finde ich niemanden auf skype.

Der nächste Tag ist Sonntag, es ist ein kleiner Jubiläumstag. Mein 150ster Reisetag in meinem 125sten besuchten Land, mit dem nächsten Flug werde ich die zweite Weltumrundung auf dieser Reise rechnerisch vollziehen. Nach einem ausgiebigen Frühstück zieht es mich auf die nur 10 -15 Bootsminuten entfernte Insel Pangaimotu. Hier gibt es ein kleines Ressort mit Hütten, die man mieten kann, und einer hübschen Strandbar. Direkt am Strand liegt ein Wrack, welches bei Schnorchlern beliebt ist und in dem man Fische beobachten kann. Ich drehe eine Runde um die Insel, bin nach knapp einer Stunde zurück und lasse den Rest des Tages ruhig an mir vorbeiziehen. Etwas essen, etwas trinken, viel schauen und dann noch ein interessantes Gespräch mit einem amerikanischen Paar aus Kalifornien, die mit ihrem Segelboot für zwei Jahre unterwegs sind und über Mexiko und Französisch-Polynesien jetzt durch den Südpazifik segeln. Wir tauschen uns über die Inseln aus und geben uns gegenseitig Tipps, eine nette Unterhaltung. Sie erzählen mir u.a., dass die Segelsaison im Südpazifik nur 3 Monate währt und sich deshalb die Segler immer wieder an den verschiedenen Zielen treffen und unterwegs über Funk Kontakt halten.

Auf Pangaimotu sieht Tonga schon ganz anders aus, es ist eine kleine Insel wie aus einem Reiseprospekt, schöne Sandstrände, Palmen, Mangroven, strahlender Sonnenschein und sauber, so hatte ich es mir vorgestellt.

Aber diesr kurze Eindruck trügt, zumindest was die Hauptinsel Tongatapu betrifft. Für den nächsten Tag habe ich eine Inselrundfahrt geplant, ich bin der einzige Teilnehmer und so entwickelt sich ein interessantes Gespräch mit meiner "driverguide". Sie liebt ihre Insel, das ist sofort zu spüren und macht sie sympathisch. Doch auf mich wirken gerade die Fahrten durch die verschiedenen Dörfer und Ortschaften eher bedrückend, mein erster Eindruck wird bestätigt. Die Behausungen wirken sehr ärmlich, die Menschen laufen in abgetragener, schmutziger Kleidung herum, in Gruppen streunende Hunde und überall liegen Autowracks und Müll.

Doch im Gespräch mit meiner "driverguide" bekomme ich einige Hintergründe erklärt, die das ganze wieder in einem anderen Licht erscheinen lassen. Kleidung und Behausung sind wichtig zu haben, jedoch unwichtig im Aussehen. Familiärer Zusammenhalt ist das größte Glück, Kleidung bekommt bei traditionellen Anlässen wie Hochzeiten oder Todesfällen eine Bedeutung und dann wird traditionelle Kleidung in Form von geflochtenen Matten, die um den Körper gewickelt werden, oder auch Baströcke, getragen. Alte Autowracks zeugen von Reichtum, denn an ihnen kann man abzählen, wieviele Autos der Besitzer schon hatte.

Wir starten in Nuku´alofa bei der Kathedrale und den Königsgräbern; ein imposantes Areal, doch m.E. schlecht gepflegt. Hier werden seit 1893 die Könige beerdigt. Weiter geht es Richtung Westen, wir kommen an einer Vielzahl von Kirchen vorbei. Selbst in den kleinsten Dörfern konkurrieren die Kirchen um die Gläubigen, doch die Mormonen haben hier die Überhand. Sie betreiben auch Schulen und andere kulturelle Einrichtungen. Wir kommen am Zentrum der Mormonen vorbei, eigentlich eine Schule, an die dann ein Internat, Lehrerwohnheime, eine Kirche, eine Kantine, mehrere Shops angebaut wurden, so dass ein eigenständiges Dorf entstand. Dieses benötigt natürlich auch Infrastruktur und so gibt es Verwaltungsgebäude und sogar eine Feuerwehr. Diese war die erste auf der Insel und hat alle anderen ausgebildet. Direkt neben diesem Gelände befindet sich der große Tempel.

Durch den Ort Ha`vakatolo, aus dem der aktuelle König stammt, fahren wir zur größten Kolonie von "Flying Foxes", fruchtfressenden Flughunden. In großen Gruppen hängen sie in den Bäumen. Früher wurden sie gejagt und gegessen, heute darf lediglich der König selber noch welche jagen. Des Königs Villa, von der er auch aus regiert, darf nicht besichtigt werden. Also wird die Richtung gewechselt und wir fahren an die Küste nach Houma, dort gibt es eine steinige, terassenförmige Uferlandschaft. Berühmt ist sie wegen der blowholes, Öffnungen und Gängen im Gestein, durch die die heranbrausenden Wellen Wasser drücken, das dann bis zu 18 m hoch aufsteigt.

Zurück geht es Richtung Osten. Erstes Sightseeingziel ist eine dreiköpfige Palme, die ganz allein auf einer großen Wiese steht und in den Landkarten eingezeichnet ist. Naja, sie ist ganz nett, die umgebende Landschaft auch, aber wirklich beeindruckt hat sie mich nicht. Gleiches gilt für Captain Cook´s landing site, ein unauffälliger Platz in der verschmutzten und faulig riechenden Lagune; würde hier nicht eine Plakette auf den historischen Zusammenhang sowie den Besuch Queen Elizabeth II hinweisen, man würde vorbeifahren.

Weiter Richtung Osten kommen die Gräber der königlichen Familie, hier werden die Angehörigen der Könige beerdigt. Etwas abseits der Hauptstraße nehmen sie ebenfalls viel Raum ein, befinden sich aber auch in einem schlechten Zustand. Das ist insbesondere deshalb bemerkenswert, da die Tongaer einen enormen Totenkult betreiben und einen Tag vorher Allerheiligen war, an dem die Familien ihre Verstorbenen besuchen, die Gräber aufwändig schmücken und sich den ganzen Tag am Grab aufhalten.

Wichtigster historischer Spot ist das ganz am Ostende der Insel liegende Ha`amonga Trilithon, auch das Stonhenge des Südpazifiks genannt. Auf zwei 5 m hohen Korallensteinblöcken ruht ein querliegender 6 m langer Block; die Bedeutung ist nach wie vor ungeklärt, obwohl der König selbst zu einer Deutung beitrug.

Auf dem Weg zurück Richtung Hauptstadt gibt es noch weitere interessante Eindrücke: badende und freilaufende Hausschweine, die bauchtief im Meer stehend nach Muscheln und Würmern suhlen; armselige Hütten, die die traditionellen Häuser aus Palmenzweigen zum Leidwesen meiner driverguide ersetzt und damit den Charakter Tongas deutlich verändert haben; Gruppen trinkender Jugendlicher, die sich abseits der Blicke zum Gelage treffen.

In der Hauptstadt drehen wir auch noch eine Runde, schauen uns den königlichen Palast von außen an. Er steht leer, wird nicht mehr genutzt, obwohl er noch einen guten baulichen Eindruck hinterläßt. Einige Freiflächen in der Stadt zeugen von den Unruhen der letzten Jahre, in denen sowohl öffentliche, als auch private Gebäude niedergebrannt wurden. Lediglich auf einer Straße ist etwas Betrieb, hier befindet sich das Friend´s Cafe, in dem sich die Touristen und Segler treffen.
Viel mehr zu sehen gibt es auf Nuku`alofa auch nicht. Deshalb versuche ich noch, einen Tagesausflug auf die benachbarte Insel Eua zu organisieren, laut Flyer der örtlichen Tourismusagentur kein Problem. Leider ist es offensichtlich doch nicht an einem Tag zu erledigen. Ein Schiff fährt wohl gegen 11.00 Uhr hinüber und ist um 16.00 Uhr zurück. Das bedeutet, dass -ohne wetterbedingte Verzögerungen - man max. 1 - 1,5 Std. Zeit auf Eua hätte. Fliegen geht auch, aber lt. Reisebüro auch nur einmal täglich, d.h. egal wie man hinkommt, man muss übernachten. Das passt aber nicht in meinen Reiseplan und so bleibe ich auf der Hauptinsel.

Zusammengefasst bin ich etwas enttäuscht von Tonga, ähnlich wie schon auf Fiji. Und so freue ich mich darauf, am 07.11.2013 nach Australien in die Zivilisation zu kommen.

Welcome to   ...  the Kingdom of Tonga

Welcome to ... the Kingdom of Tonga

Hier auf dem Markt gibt es alles, leider auch viel Gedränge und betrunkene Jugendliche

Hier auf dem Markt gibt es alles, leider auch viel Gedränge und betrunkene Jugendliche

Geduldig warten diese Marktfrauen auf Käufer

Geduldig warten diese Marktfrauen auf Käufer

Felsige Mangrovenstrände liegen vor und östlich von Nukoulofa

Felsige Mangrovenstrände liegen vor und östlich von Nukoulofa

Blick auf den Hafen von Nukualofa

Blick auf den Hafen von Nukualofa

Mit diesem kleinen Boot werden stündlich die Besucher auf die Insel Pangaimotu gebracht

Mit diesem kleinen Boot werden stündlich die Besucher auf die Insel Pangaimotu gebracht

Viele Segler aus aller Welt machen auf dem Weg durch den Südpazifik halt vor Nukualofa und verbringen ihre Zeit auf Pangaimotu

Viele Segler aus aller Welt machen auf dem Weg durch den Südpazifik halt vor Nukualofa und verbringen ihre Zeit auf Pangaimotu

Das Wrack auf Pangaimotu ist bei Tauchern und Schnorchlern beliebt

Das Wrack auf Pangaimotu ist bei Tauchern und Schnorchlern beliebt

Touri in der Südsee

Touri in der Südsee

Auch einige Mangroven wachsen auf der kleinen Insel Pangaimotu

Auch einige Mangroven wachsen auf der kleinen Insel Pangaimotu

Ein Blick auf die Strandbar

Ein Blick auf die Strandbar

Zu Allerheiligen wurden die Friedhöfe feierlich geschmückt und in traditioneller Kleidung besucht; je größer die gewebte Matte ist, die um den Körper gewickelt wird, desto wichtiger war der Tote bzw. desto enge war die familiäre Beziehung

Zu Allerheiligen wurden die Friedhöfe feierlich geschmückt und in traditioneller Kleidung besucht; je größer die gewebte Matte ist, die um den Körper gewickelt wird, desto wichtiger war der Tote bzw. desto enge war die familiäre Beziehung

In diesen Gräbern wurden die Könige seit 1893 bestattet

In diesen Gräbern wurden die Könige seit 1893 bestattet

Die Kathedrale gegenüber der königlichen Gräber

Die Kathedrale gegenüber der königlichen Gräber

Flying Foxes hängen träge im Baum

Flying Foxes hängen träge im Baum

Ab und zu sieht man auch Fahrradfahrer, hier in traditioneller Kleidung mit gewebter Matte

Ab und zu sieht man auch Fahrradfahrer, hier in traditioneller Kleidung mit gewebter Matte

Die Wellen drücken das Wasser in die porösen Gesteine und dann bis zu 18 m hoch in die Luft

Die Wellen drücken das Wasser in die porösen Gesteine und dann bis zu 18 m hoch in die Luft

An der Ostküste vor den Blowholes

An der Ostküste vor den Blowholes

Diese dreiköpfige Palme ist sogar in Landkarten verzeichnet

Diese dreiköpfige Palme ist sogar in Landkarten verzeichnet

Personentransport made in Tonga

Personentransport made in Tonga

Ein traditionelles tongaisches Haus

Ein traditionelles tongaisches Haus

Die Gräber der königlichen Familie

Die Gräber der königlichen Familie

Selbst die Hausschweine gehen in der Meereslagune baden

Selbst die Hausschweine gehen in der Meereslagune baden

Das "Stonehenge des Südpazifiks" im Osten Tongatapus

Das "Stonehenge des Südpazifiks" im Osten Tongatapus

Rückseite des Torbogens

Rückseite des Torbogens

Ungenutzt ist der königliche Palast

Ungenutzt ist der königliche Palast

© Rolf Bilo, 2013
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