Vanuatu-Reisebericht :(M)ein Traum wird wahr .... Weltreise!

Wer kennt Vanuatu?

Und wieder steht ein Reiseziel an, welches mir bisher völlig verborgen geblieben war - Vanuatu. Auch die bis in die 1980-er Jahre gebräuchliche Bezeichnung "Neue Hebriden" sagte mir nichts. Erst die Fahne Vanuatus, die Ähnlichkeit mit der Südafrikas aufweist, und die mich deshalb über den Namen stolpern ließ, änderte daran etwas. Dann fiel mir auf, dass es sich bei Vanuata um einen Inselstaat im Pazifik handelte, der auf meiner Route liegen sollte. Also, nix wie hin!

Gerne verließ ich das unangenehme Honiara auf den Salomonen Richtung Port Vila/Vanuatu. Aus- und Einreise verliefen völlig unproblematisch, mein erster und einziger Flug mit Solomon Air war angenehm. Irgendwie freute ich mich auf diese Insel, obwohl ich kaum etwas über sie wusste. Sie wurde gleichzeitig von Frankreich und England als Kondominium-Besitz verwaltet, bis Vanuatu 1980 unabhängig wurde. Vielleicht lag es daran, dass ich endlich aus Honiara wegkam, vielleicht aber auch daran, dass ich für einige Tage einen (deutschsprachigen) Gesprächspartner haben würde. Steffen, der Journalist, den ich auf den Cookinseln traf, wollte auf seiner Reise auch nach Vanuatu und der Zufall wollte es, dass wir zeitgleich dort waren. So hatten wir uns zu einem Treffen vereinbart.

Auf Vanuatu leben die glücklichsten Menschen der Erde, sagt die UNO. Aber auf Vanuatu gibt es im Falle einer Naturkatastrophe auch die geringsten Überlebenschancen, sagt auch die UNO. Interessant ist, dass es auf Vanuatu auch noch Tauschhandel gibt, und zwar über eine extra für diesen Zweck bestehende Bank. Dort kann man z.B. Muschelgeld gegen den einheimischen Vatu eintauschen, oder andere Güter, ja selbst gute Ideen.

Mein Hostel machte jedenfalls schon bei der Ankunft einen deutlich freundlicheren Eindruck als das vorherige in Honiara. Ein ausgewandertes, australisches Ehepaar betreibt das kleine Travellers Budget Hotel mit einem kleinen, aber sehr angenehmen Pool und einem offenen Küchenbereich seit Jahren erfolgreich. Keine Frage, die zu viel war, keine Frage, auf die es keine Antwort gab. An solchen Orten trifft man natürlich auch Reisende aus aller Welt, und so konnte ich viele nette Gespräche führen und so manches über Vanuatus andere Inseln - denn ich sah ja wieder nur die Hauptinsel Efate - erfahren. Viele Grüße, Jess aus England und Miriam aus der Schweiz!!

Bei angenehmen Wetter startete ich meinen ersten Spaziergang vom Hostel in die Innenstadt und fühlte mich sofort wohl. Ein netter Platz mit netten, sehr freundlichen Menschen, die winkten, grüßten und nie aufdringlich waren. Es gab sogar einen im Aufbau begriffenen Weihnachtsmarkt, der sich aber völlig von unseren unterschied. In einem Uferrestaurant traf ich dann schon Steffen und wir erzählten uns, was wir zwischenzeitlich erlebten.

Ein gemeinsamer Stadtrundgang stand an, wobei die Stadt Port Vila in ein-zwei Stunden gut zu erkunden ist. Gemessen an den Möglichkeiten, die kleine Staaten nun mal nur haben, ist Port Vila ein ansprechender Ort. Das wird der Grund sein, warum hier öfters Kreuzfahrtschiffe einlaufen (und dann alle Transportkapazitäten lahmlegen). Bei einigen kühlen Bieren und einem guten, französischem Essen vereinbarten Steffen und ich für den Folgetag eine Mietwagentour über die Insel. Zwar hatte ich jetzt schon eine Inselrundfahrt gebucht, aber dann würde ich die Insel halt zweimal und dafür mit anderen Augen sehen.

Beide Rundfahrten haben sich gelohnt. Mit Steffen erkundigte ich alles, was offensichtlich war und am Wegesrand lag. Einen Restauranttipp erhielten wir vom Autoverleiher Franco, der wirklich gut war. Und so genossen wir in einem abseits gelegenen Strandrestaurant (der Eigentümer war franco-mauritianischer Herkunft) ein herrliches Mittagessen in einer kleinen Bucht! Eigentlicher Höhepunkt der Rundfahrt über die einzige Straße, die ein Rundkurs über die Insel ist, war jedoch der Besuch des selbst in der Landkarte eingezeichneten WWII-Museums. Mit allem hatte ich gerechnet, doch nicht mit einer ca. knapp 10 Quadratmeter großen Bretterbude über dem Wasser, welche vom 79-jährigen Ernest im Laufe der letzten 40 Jahre mit einem Sammelsurium an Hinterlassenschaften amerikanischer GI´s gefüllt worden war. Schwerpunkt der Sammlung waren Coca-Cola-Flaschen, die die Amis nach dem Leeren irgendwo hinwarfen. Und so sind sie heute noch zu finden; Ernest sammelt und sortiert sie nach den im Flaschenboden eingelassenen Produktionsorten und freut sich diebisch, diese den Besuchern vorzulesen. Es sprudelt nur so aus ihm raus, seine Geschichten hat er wohl schon einige Tausend male erzählt. Gerne möchte er mit einer "Ananas", wie er seine einzige Handgranate nennt, in der einen und einer Cola-Flasche in der anderen Hand fotografiert werden.

Aber die Insel hat viele schöne Plätzchen zu bieten. Die Blue-Lagon, ein kleiner Badetümpel mit tieftürkisgrünem Wasser, manch schöner Badestrand, einige Creeks und Flüsschen, in denen Wäsche gewaschen und gebadet wird, herrliche Hügellandschaften, in denen urwaldähnlicher Bewuchs steht, dann wieder Zuckerrohranbauflächen, die einen weiten Blick ermöglichen und letztlich die vielen Kokosnusspalmen. Steffen lud mich auf eine frische Kokosnuss ein, doch sie schmeckte gänzlich anders, als ich sie von zu Hause her kannte und es war nicht so mein Fall.

Die Gegend um Port Vila ist eher flach, während der Norden der Insel sehr hügelig, ja bergig ist. Von einigen Höhen hat man einen tollen Blick auf die benachbarten Inseln, die per Schiff oder Kleinflugzeug zu erreichen sind. Über den Touranbieter "Polynesian Tours" kann man auch individuelle Inselbesuche mit Übernachtung in einer Dorfgemeinschaft buchen. Ich beließ es jedoch bei meiner Rundfahrt und sah so einige Dörfer, die wir besichtigen konnten. Der Tourismus befindet sich noch im Aufbau und man ist bemüht, insbesondere die Landbevölkerung daran teilhaben zu lassen. Die Dorfbewohner lieben es - sind dabei oft jedoch ausgesprochen schüchtern und verlegen - Gästen ihre Dörfer zu zeigen, die Gemeinschaftsküchen und Märkte zu erklären und das Dorfleben mit überlieferten und funktionierenden Strukturen zu erläutern. Das war höchstinteressant.

Aber auch auf eigene Faust kann man in Port Vila einiges sehen. So befindet sich mitten in der Stadt ein großer Markt, voller Früchte, Gemüse und Frischfisch, tolle Düfte empfangen einen und eine herrliche Farbenvielfalt. Ich liebe diese Bilder und Eindrücke!

Dann gibt es noch ein Nationalmuseum, klein, aber fein. In kürzester Zeit erfährt man viel über die Geschichte Vanuatus, aber auch über das UNESCO-Weltkulturerbe der "Sandzeichnungen", einer besonderen Kommunikationsform auf Vanuatu. Auch hier einmalig vorzufindende Musikinstrumente werden gezeigt; da es während meines Besuches eine Stunde heftigst regnete, unterhielten alle Anwesenden sich nett miteinander und einige Museumsmitarbeiter zeigten den Besuchern Sandmalereien und spielten auf einem Glockenspiel - erst die vanuatische Nationalhymne, dann die der jeweiligen Gäste.

Direkt gegenüber des Museums befindet sich das Parlament, ein großes, beeindruckendes Gebäude, welches besichtigt werden kann (wenn nicht gerade eine offizielle Veranstaltung stattfindet, wie bei meinem Besuch). Daneben entsteht ein neues Versammlungszentrum, welches die "neue Kolonialmacht" China bezahlt.

Vanuatu hat mir sehr gut gefallen, es ist ein freundliches, offenherziges Land mit einer wunderschönen Landschaft. Sollte ich einmal das Glück haben, eine Kreuzfahrt im Pazifik machen zu können, werde ich sicherlich eine aussuchen, bei der Vanuatu eines der Anlaufziele ist.

Welcome to ... Port Vila

Welcome to ... Port Vila

Steffen und ich genießen ein Nambawan-Bier

Steffen und ich genießen ein Nambawan-Bier

Abendstimmung mit Blick auf eine vorgelagerte kleine Insel

Abendstimmung mit Blick auf eine vorgelagerte kleine Insel

Weihnachtsparade in Port Vila

Weihnachtsparade in Port Vila

Der Weihnachtsmann wirft Bonbons unters Volk

Der Weihnachtsmann wirft Bonbons unters Volk

Waschfrau am Fluß

Waschfrau am Fluß

Mit diesem Suzuki fuhren Steffen und ich rund um die Insel

Mit diesem Suzuki fuhren Steffen und ich rund um die Insel

Eine gut ausgebaute Straße zieht sich rund um die Insel

Eine gut ausgebaute Straße zieht sich rund um die Insel

Nette Bucht im Norden der Insel

Nette Bucht im Norden der Insel

Mal heißt er Flametree, mal Christmastree - weil er nur zur Weihnachtszeit blüht

Mal heißt er Flametree, mal Christmastree - weil er nur zur Weihnachtszeit blüht

Landtankstelle - hier wird Benzin in Einliterflaschen verkauft

Landtankstelle - hier wird Benzin in Einliterflaschen verkauft

Ernest in seinem Element - er erzählt von den Colaflaschen der GI´s

Ernest in seinem Element - er erzählt von den Colaflaschen der GI´s

Die blaue Lagune

Die blaue Lagune

Dorfhaus

Dorfhaus

Es gibt viele schöne Strände und Buchten auf Efate, hier sind Pandanus-Bäume zu sehen

Es gibt viele schöne Strände und Buchten auf Efate, hier sind Pandanus-Bäume zu sehen

Musiziert wird teilweise auf selbstgebauten Instrumenten

Musiziert wird teilweise auf selbstgebauten Instrumenten

Bunt bemalte Hütten in den Villages

Bunt bemalte Hütten in den Villages

Kinder bei der Dorfbesichtigung

Kinder bei der Dorfbesichtigung

Aus Anlass des Touristenbesuches legte er seine traditionelle Körperbemalung auf

Aus Anlass des Touristenbesuches legte er seine traditionelle Körperbemalung auf

Mit dem Auslegerkanu ging es ein kleines Stück über einen der zahlreichen Flüsse

Mit dem Auslegerkanu ging es ein kleines Stück über einen der zahlreichen Flüsse

Blick aus dem Kanu

Blick aus dem Kanu

Sehr schmackhaft war dieses Gemüse aus dem Erdofen

Sehr schmackhaft war dieses Gemüse aus dem Erdofen

Im Norden der Insel sind vulkanische Erhebungen, die einen tollen Ausblick ermöglichen

Im Norden der Insel sind vulkanische Erhebungen, die einen tollen Ausblick ermöglichen

Markt in Port Vila

Markt in Port Vila

Im Nationalmuseum

Im Nationalmuseum

Sandzeichnungen im Nationalmuseum

Sandzeichnungen im Nationalmuseum

Das Parlamentsgebäude von Vanuatu

Das Parlamentsgebäude von Vanuatu

Rückflug mit Air Vanuatu

Rückflug mit Air Vanuatu

© Rolf Bilo, 2013
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