san pedro, guatemala, 12.59h
(deutsche zeit minus acht stunden)
die letzten pesos sind ausgegeben und nach vielen stunden erreichen wir sie: die grenze nach guatemala! unser bus haelt, wir steigen aus, fuellen in einer bretterbude offiziell anmutende boegen aus, bekommen einen stempel in unseren pass und duerfen weiter. ein paar schranken wie im parkhaus, menschen, die auf uns einstuermen und uns die neue waehrung verkaufen wollen. schwarzmarkt, den wir umgehen. weiter geht die fahrt, durch hohe, teils schroffe, gruene huegel. an braunen fluessen sehen wir frauen, die waesche waschen. heruntergekommene huetten am wegesrand. maizfelder und menschen in den maizfeldern, wie bunte punkte. die doerfer durch die wir durchfahren sind nicht mehr farbige haeuser, sondern huetten mit wellblechdaechern. coca cola, wo immer man hinschaut, bleibt uns erhalten und die endlosen schilder, die fuer alles und nichts werben. haeusergrau, aber so farbenfrohe menschen. bilderbuchguatemala, wo man hinschaut: frauen mit langen schwarzen haaren, mit bunten roecken - leuchtendes pink, rot gruen, blau und gelb -, einem tuch auf dem ruecken mit einem kind darin, das mit grossen dunklen augen herausschaut. dazu kleine, dunkle haendchen und fuesschen die aus dem farbenmeer hervorluken. lachen und freundlichkeit in den gesichtern, strahlende blicke in weiten hochebenen und sattem gruen.
nach ein paar weiteren stunden laesst uns unser bus raus - dixi-toiletten-gestank ade! (so roch es die ganze zeit, trotz erster klasse) - und umsteigen.
zusammengequescht sitzen wir in einem alten amerikanischen schulbus. hinter uns her ziehen wir eine schwarze wolke: nicht verbrannte abgase. die braunen ledersitze sind durchgesessen und aufgerissene stellen liebevoll von hand genaeht, geflickt. an der decke zwei reihen lichter, die matt leuchten. draussen daemmert es. einmal mehr: kurz vor abend, obwohl wir eine stunde frueher haben als in mèxico. um uns herum: jung und alt und wie eh und je kinder. ganze familien - grosse familien - fahren mit. guatemalische schlagermusik klingt aus den lautsprechern. hier und da klinkt sich jemand ein, singt mit, tanzt mit, wippt mit. vamos a cantar! immer wieder waehrend der fahrt springt jemand hinten auf die leiter auf und steigt durch den notausgang dazu. ganz wohl ist uns dabei nicht - ist es doch ein leichtes von da aus auf das dach des busses zu klettern, wo halbherzig festgeknotet unsere rucksaecke reisen muessen. drei zuege nach oben, sie einfach waehrend der fahrt runter schmeissen und weg waeren sie... immer wieder ein misstrauischer blick zu den fenstern, solange es moeglich ist. irgendwann ist der bus so voller menschen, dass wir gar nichts mehr sehen. chickenbus, so werden sie hier genannt, weil alles damit reist, inklusive der huehner. nun gut, wird schon gut gehen, beruhige ich mich selbst. und im zweifelsfalle sind dieses mal paesse und wertsachen ganz nah bei mir. als ein junger mann sich durch den bus zwaengt, um das geld einzusammeln, geht die hintertuer auf und ein paar jungs springen ab. schwarzfahren in guatemala. das mutet doch gleich viel aufregender an als in deutschland; man springt einfach von den leitern hinten aus dem fahrenden bus. mit rucksack, kind und kegel scheint mir das dennoch nicht ganz das richtige fuer uns. ich verzichte freiwillig auf das abenteuer, zumal es sich in europaeischen dimensionen nicht wirklich lohnen wuerde. zwei pesos - zwanzig cent. wir zahlen. allerdings einen dollar - weit mehr - fuer uns zusammen, weil wir noch keine quezales haben. eigentlich gedacht waren sie, die dollars, fuer grenzen, an denen man sich den weg erkaufen muss. nun gut, weg kaufen wir auch hier. die letzten kilometer nach panajachel, einem kleinen ort an den ufern des lago de atitlán