6.9.07, 19.21h, san pedro, guatemala
panajachel
panajachel, ein kleiner ort an den ufern des largo de atitlán. viele touristen, straesschen, auf denen man nie weiss, wie es sich in der naechsten sekunde bewegt, unzaehlige hospedajes, hostels und hotels. worin in letzteren der unterschied liegt? yo no sé. wir haben in allem schon gewohnt und ich kann kein muster darin erkennen. hotels sind meistens, aber nicht immer, etwas teuerer und luxurioeser.
ueber tag erwacht ein markt, wo bunte dinge feil geboten werden. in mir klingt die stimme eines kleinen maedchens, vielleicht sechs oder sieben, nach. auf dem kopf traegt sie tuecher, die sie verkaufen will. 20 quzales will sie, legt mir ein tuch um und haelt mir ein duzend weitere in wundervollen farben hin. dass ich gar kein tuch haben will gehoert zum geschaeft - das ignoriert sie. als ich weiter gehe, laeuft sie mir nach. 10 quezales. 5 quezales. ich versuche ihr zu erklaeren, dass ich kein tuch will und ich ihr schon dreimal kein tuch in einer zeit, in der sie in der schule sein muesste, abkaufen werde. sie bleibt hart oder vielmehr hartnaeckig: verzweifelt geht sie runter auf einen quezal. das sind weniger als 10 cent. das trifft mich. allmaehlich wird mir klar, dass fuer sie schule jenseits des horizonts liegt. fuer sie und ihre familie heisst leben ueberleben und da ist schule viel teuer. sie arbeitet fuer ihren alltag, fuer nichts mehr. laengst wuenschte ich, ich haette ihr ein tuch fuer 20 quezales abgekauft. aber so leicht ist es nicht. in mir ringt es. ein grosses unbegreifen. wie gerne wuerde ich ihr das geld geben und kann es doch nicht. es tut mir weh, dass sie ihre arbeit hier so "verkauft". wie soll ich ihr mit meiner harten waehrung begegenen ohne dabei ihre arbeit zu missachten. fuer mich ist hart und so schwer zu verstehen, dass unsere arbeit und unser geld so ungleich sind.
solche szenen und bilder reihen sich, lassen mich nicht los. jeden tag auf's neue stehe ich vor solchen fragen und weiss nicht welchen weg ich nehmen soll. die einzige antwort liegt nur im leben selbst. manche wege fuehlen sich besser an, andere schlechter.
ausflug nach san pedro de lagunga
mit einem boot setzen wir ueber auf die andere seite, ueber san atitlan nach san pedro. unser plan heisst den vulkan erklimmen, aber da es bereits relativ spaet ist, die sonne brennt und mein bein noch immer nicht wieder fit ist, lassen wir den vulkan vulkan sein und leihen und stattdessen ein paar pferde. wir reiten durch maisfelder und kaffeeplantagen. kaffee, der in drei monaten reif sein wird. im moment ist er aber noch gruen und nicht rot. die sonne scheint, waehrend wir gemuetlich dahin getrabt werden. aus den touristenstrassen heraus, auf feldwege. den meschen beim arbeiten zuschauen und die landschaft geniessen. alles gruen, nicht trocken. die ufer des sees voller menschen. frauen, die berge an waescheauf der hand waschen und kinder die plantschen. menschen in haengematten, menschen, die ihre huetten ausfegen, die fischen, feuerholz sammeln, in suess zusammengebastelten bauchlaeden getraenke verkaufen oder mit bananen- oder schokoladenbrot handeln. ganz anders als in den zwei touristenstrassen, wo ueberall hippies sitzen, schmuck verkaufen, kayaks, touren, hotels und co angepriesen werden. stattdessen viele gaerten, baeume voller fruechte und gras fuer die tiere. fast alles wird hier noch von hand gemacht - landwirtschaft wird nicht in riesigen dimensionen wie bei uns gedacht. es reicht zum leben und manchmal fuer ein paar dinge mehr, die dann auf dem markt fuer ein paar quezal verkauft werden koennen.
an einem schoenen ausblick halten wir und unser guide erzaehlt von dem leben hier und was sich veraendert, waehrend er, wie wir, die sonne geniesst.
die pfade werden schmaler, die pferde schneller. meine haare fliegen im wind und ich geniesse wie die landschaft an mir vorbeifliegt. laengst halte ich mich fest, was ich bis dahin fuer ueberfluessig hielt, und hoffe, dass das pferd von alleine weiss, wie es wieder anhaelt. ich weiss es naemlich nicht. und wieder einmal habe ich meine zweifel, ob so etwas bei uns moeglich waere. soetwas wie sicherheitsstandarts kennen die hier nicht.
der ausritt mit den pferden
nach dem ausritt stranden wir in einem café - bluehendes bunt und gruen, im schatten der palmen: frische limonade, erdbeermilchshakes und essen aus aller welt. auch hippies, die sich hier niedergelassen und ihr kleines, feines paradies aufgebaut haben. seit langem kommt mal wieder etwas ruhe in unsere leben. ich denke an die standoase - da, wo das gluecksschweinchendasein seine urspruenge hat.
auf dem weg zu den pferden sind uns einige sprachschulen begegnet, therme, saunas, yoga- und spirikurse. kurzerhand entscheiden wir uns einen sprachkurs in antigua zu knicken und stattdessen einen hier zu machen. bevor wir uebersetzen, zurueck nach panajachel, suchen wir uns eine sprachschule und ein hotel ab morgen.
die letzte nacht in panajachel schlender ich nocheinmal allein durch die gassen. die marktstaende - schon abgebaut oder in den letzten zuegen des abbaus. in das bunte treiben ist ruhe eingekehrt. die menschen, die hier den tag ueber gearbeitet haben sitzen eng zusammengerueckt um kleine staende her, die gegrilltes fleisch mit tortillas und salsa verkaufen. lecker riecht es und es schmeckt! gross und klein sitzen hier. lachen klingt von diesen leuchtenden oasen in die dunkle nacht herein. mag sei, dass ihr leben hart ist, aber sie sehen gluecklich aus. das beruhigt mich.
san pedro de laguna - das leben vor ort
wir ziehen ein in unser hotel fuer zwei euro die nacht: die waende bunt bemalt, haengematten zwischen palmen, ein wundervoller blick ueber den see und ein zimmer fuer uns. sauber? ja und nein. der vorgarten ist eine muellhalde (das ist mir unbegreiflich) und die bettwaesche wird hier halt - wie alles - von hand gewaschen. ich mag den flair und denke man koennte viel daraus machen; das grundstueck ist wunder, wunderschoen!
unsere nachbarin: eine dicke amerikanerin, die selbst ihre eigene sprache nur gebrochen spricht, und ihr mann. sie fragt uns dreimal taeglich nach unseren namen, traegt immer nach dem kiffen, also die meiste zeit, eine sonnenbrille, hat einen haesslichen hund der pipi heisst und schnarcht. definitiv, ich mag sie nicht! die anderen: im grossen und ganzen alles hippies, mit denen wir uns mal mehr und mal weniger unterhalten.
unsere spanischlehrerinnen - andrea und carolina - sprechen nicht, wie hoch und heilig versprochen und in allen vertraegen geschrieben, englisch. de facto koennen sie es nicht mal lesen. ich bin ziemlich genervt davon, da sie es auch nicht wirklich mit einer begnadeten lehrerpersoenlichkeit raus reissen koennen. zwiespalt! dass wir nicht das beste kaufen, war uns von anfang an klar und wir sehen, wie sehr sie von eben unserem geld abhaengig sind. so denn, immerhin war es billig, wir sind dazu angehalten fuer uns weiter spanisch zu lernen und wir haben jeden tag eine stunde "aktivitaet" frei. das heisst wir duerfen kayak fahren, mit ihnen kochen, haengematten knuepfen, ins internet oder...
den ersten abend waren wir in einem restaurant mit schaukeln , statt mit stuehlen. man sitzt - mit blick hin zum see - auf einer schaukel, vor einer art tisch. feine sache das! zappeln erlaubt. spaghetti fuer den zwerg und cocktails mit frischen fruechten fuer mich! leben! geniess! und wundervoll!
frueh morgens wander ich mit meiner gitarre am fluss entlang, spiele hier und da fuer die faehrmaenner und die frauen, die waschen. stunden lang stehen sie im wasser. es ist nicht kalt, aber warm geht auch anders. waehrend sie waschen tragen die maenner die koerbe mit der gewaschenen waesche nach hoch oben ins dorf. andere treiben auf ihren barken auf den see hinaus zum fischen. morgens um sechs, wenn alles noch klar ist, lebt es hier bereits. ich geh baden und zurueck zum hotel, wo auch die anderen so langsam zum leben erwachen.
hippies auf dem markt
der einzige markt, dem wir bisher begegnet sind, der nur fuer die einheimischen und nicht fuer touristen gemacht ist.
durch die mengen schlaengelt sich lisa zu unserem fruehstueck durch
tostadas mit gemuese.
geschwaetzig!
moritz und flo treffen wir auf der strasse; beide aus deutschland und auch auf grosser fahrt. abends gehen wir zusammen essen. diesmal sitzen wir auf kissen um einen kniehohen tisch unter einer laube. frischer thunfisch, spiesse, leckere sossen,... eine kleine katze wandert von schoss zu schoss und schlaeft gelegentlich dazwischen ein. nach dem essen: maya-sauna. eine kleine huette mit einem holzofen darin, ein kleines becken mit kaltem wasser und eins mit solargewaermten wasser. das heisst, dass im garten ein riesiger, schwarzer schlauch liegt, in dem das wasser ueber tag warm werden kann. abends wird es dann aus dem schlauch in die becken gefuellt. heiss und kalt und am ende noch ein bisschen in der warmen wanne ausklingen, waehrend es um uns herum tiefe nacht wird und der regen ruhig auf uns hernieder tropft. die sauna war ein bisschen rauchig, aber sonst: sehr feine sache das. geniess und entspann!
moritz und flo mit liquados fresa y leche
von unseren spanisch-lehrerinnen wurden wir vorgewarnt: hurrican feliz kommt nach san pedro. noch waehrend des spanischkurses faengt es an zu regnen, sodass wir aus unseren lauben in das haus umziehen. anschliessend goennen wir uns noch ein bisschen internet um die ecke bis das der komplette strom ausfaellt. grrh! einmal mehr all das, was wir grade geschrieben hatten, weg. wir entscheiden uns dagegen nochmal von vorne anzufangen, als die lichter kurz noch mal an gehen. dem wetter trauen wir nicht. draussen regnet es stroemen. das dumme ist nur, dass wir am anderen ende des ortes sind. unser hotel liegt gut zwanzig minuten von hier entfernt. warten? nach dem was uns prophezeiht wurde - nein! vermutlich wird es die komplette nacht und morgen auch noch regnen. wir rennen zwei haeuser weiter zu einem kleinen tienda und decken uns mit grossen muellsaecken ein. dreimal so teuer wie sonst. die frau hat unseren plan verstanden. war auch nicht schwer bei dem regen. wir huellen uns in plastik. ein blick auf die gassen und ich ziehe die schuhe auch noch aus und packe sie mit unter die plastiktuete. welch weise entscheidung: gleich mit dem ersten schritt nach draussen reicht mir das wasser bis zu den knien. da haette es mir nichts gebracht, dass meine schuhe wasserdicht sind - es waere einfach oben reingelaufen und sie waeren ewig nicht mehr trocken geworden. welch seltsamen anblick muessen wir gegeben haben, wie wir barfuss durch die baeche in den gassen gelaufen sind. aber das plastik haelt, was es verspricht! mit fast trockenen klamotten kommen wir zu hause an, mit noch zwei kerzen im schlepptau, falls der strom ein bisschen laenger weg bleiben sollte. aber nach etwa zwei stunden laesst der regen nach, das wasser aus den strassen fliesst den hang runter in den see und es passiert nichts mehr. das war ein kurzes abenteuer hurrican feliz.
kommendes wochenende sind hier wahlen. alle welt spricht darueber, ueberall haengen faehnchen mit den entsprechenden politikern UND jede partei hat ihren eigenen wahlsong. wenn man abends im zentrum unterwegs ist hat man keine chance mehr sich zu unterhalten. alle fuenf parteien spielen ihr lied in endlosschleife. an jeder strassenecke eine andere. riesige boxen und drum herum in kleinen raeumchen die entsprechenden farben der partei und die passenden leute dazu, auch in den farben gekleidet. die inhalte von den liedern gehen ungefaehr so: ein kleines, armes maedchen, das nichts zu essen hat, aber dann sind wahlen, man waehlt die richtige partei und danach hat es alles, was es will. plakativ schlecht, diese lieder! aber das beste ist: da die lieder so oft gespielt werden kann sie jedes kind auswendig und man hoert sie damit nicht nur die ganze nacht aus den boxen, sondern auch tagsueber von den kindern. da haetten sie ihnen besser mal das abc beigebracht.
in unserer letzten spanischstunde bringt andrea die traditionelle tracht der frauen fuer uns mit, um sie anzuprobieren. versehentlich haben wir sie naemlich zu ihren klamotten gefragt gehabt, ob sie diese traditionelle tracht tragen muessen. woher sollten wir auch wisse, dass das, was sie tragen, hier grade der letzte schrei und top modern ist? ich finde nicht, dass es danach aussieht.
ich in der traditionellen festtagstracht
das "buero" von der schule
beim haengematte knuepfen