ist es nicht der abschied, der uns leben gibt und uns zu neuen wegen, neuen zielen führt?
so nehme ich sie bei der hand, die zeit zwischen examen und dem leben danach, lasse zurück, was ich einmal hatte, setzte einen fuss vor den anderen und umrunde ihn, unseren globus. mit all meinem mut für eine hand voll augenblick...
das dasein für das hier... streben ohne ziel... treiben in dieser welt... den kopf ab und zu verlieren... mag der verstand auch nicht verstehn, das herz immer...
guatemala: vamos a cantar...: chichicastenango - guatemalas herz der farben
10.9.2007, 8.21h, ciudad de guatemala
abenteuerlich auf's neue: die busfahrt! jenseits aller guten verkehrserziehung rast er laut hupend durch auf und ab. tiefe schlagloecher pflastern den weg. bei den kleinen hubbeln auf der strasse, die zum langsam fahren animieren sollen, huepfen wir jedesmal fast einen halben meter hoch von unseren sitzen und sorgen uns um unser gepaeck auf dem dach. der weg zieht sich. kein wunder, bei den kurven und bergen. lange vor chichi kuendigen bereits unzaehlige gemuesehaendler an den strassenraendern den markt an. als wir ankommen: ein gewuehl, unzaehlige menschen und schwarze rauchwolken von den bussen. ob wir hier richtig sind? und unser gepaeck! mit entsetzen stelle ich fest, dass der bus bereits weiter faehrt - mit unseren rucksaecken auf dem dach!ich lasse alles andere stehen und liegen, laufe dem bus hinterher und springe hinten auf die leiter auf. der mann, der das drum herum des busfahrens managed (gepaeck hoch und runter, geld einsammeln, den zielort laut rufen, damit jeder weiss, wohin die reise geht, usw), realisiert, dass unsere rucksaecke noch auf dem dach sind und klopft wild auf den bus, damit der fahrer das auch mitkriegt. es hilft nichts. waehrend wir - gott sei dank noch langsam - fahren reicht er mir erst einen, dann den anderen rucksack vom dach herunter. wie gut, dass ich das gewicht von unseren rucksaecken kenne! sonst haette ich sie vermutlich fallen lassen - nur mit ein paar fingern und mich mit der anderen hand an der leiter festhalten. puhh! was ne uffreschjung! aber ganz getreulich, wie eh und je, ist unser gepaeck wieder bei uns gestrandet. ein bisschen dreckiger als vorher, aber damit koennen wir leben.
farbenfroher markt in einem kleinen bergdorf! hier kommen all die wundervollen, bunten stoffe her, in denen im ganzen land die kinder auf den ruecken getragen werden. zumindest werden sie hier feil geboten.
zwischen dem bunt fuer die bevoelkerung: fruechte, gemuese, lebende huehner und rohstoffe aller art. wolle und stoffe, essen und kleine tischgruppen drum herum, bunt leuchtende blumen, kraeuter und gewuerze, in die man hinein fassen kann. ein bilderbuch-markt! mit unseren rucksaecken hinein ins getuemmel!
inmitten des marktes erheben sich die stufen zu einer kirche, auf denen wir uns nach zwei stunden gewuehl dankbar nieder lassen. ich packe meine gitarre aus und nach den ersten klaengen bin ich umzingelt von kleinen kindern mit schwarzen haenden und ihren schuhputzhoeckerchen. mit jedem weiteren lied werden es mehr und mehr menschen und sie trauen sich immer ein bisschen naeher an die ungewohneten blonden wesen heran. ist das schoen in so strahlende gesichter zu blicken, hinter denen das schwarz der tinte, mit der sie die schuhe putzen, zuruecktritt. vergessen fuer einen moment die zerrissenen kleider und schuhe. einfach nur kinder. sobald jedoch die letzten toene verklungen sind kehrt der alltag fuer sie zurueck: sie suchen weitere schuhe, die sie fuer ein paar quetzales putzen koennen. auch mindestens ein dutzend kinder wollen nun mir die schuhe putzen. noetig haetten sie es, aber die vorstellung mir von kindern die schuhe putzen zu lassen behagt mir nicht. und schon dreimal nicht mit schwarzer tinte. wo sind die kinder hin, die sie eben noch waren? den schuhen folgen kleine pueppchen, haarbaender, tuecher und anderes, dass sie mir verkaufen wollen.
am fenster fliegt eine kuh vorbei fuer eva
und all die kleinen und grossen menschen auf dem markt drum herum
nach einer weile kommt lisa zurueck, die etwas zu essen geholt hat. aufmerksam wird jeder bissen von uns verfolgt. aeh! so geht das nicht: ich esse, waerend ich nicht mal wirklich hunger habe, waehrend die menschen um mich herum gerne was haetten. wir reichen einen teil weiter, an einen alten mann, der so aussieht als haette er seit ewigkeiten nichts mehr gegessen. einmal mehr ein strahlendes gesicht an diesem tag. immer wieder und wieder bedankt er sich fuer diesen kleinen haps. ich ziehe noch einmal los, kaufe noch ein bisschen obst und ein paar broetchen fuer die fahrt. ein bisschen mehr als wir brauchen. zurueck bei den rucksaecken verteile ich das "zuviel" an die kinder. ein kleiner fratz hat glueck und erbt die muetze, die wir schon seit tagen aussetzen wollen. stolz setzt er sie auf - damit laesst man sich doch schon gleich viel lieber die schuhe von ihm putzen - und verschwindet in der menge. als wir ihn kurz darauf wieder sehen, ist die muetze in seinem schuhputzkaestchen verschwunden. nanu? verwundert fragen wir warum. verlegen fragt er wiederum uns, ob die muetze fuer einen mann oder eine frau sei. herzhaft lachen nun wir: da hat dieses kind fast keine klamotten, aber er ist zu stolz, um auch nur evt. maedchensachen anzuziehen. wir versichern ihm, dass es sich dabei hunderprozentig um eine jungenmuetze handelt und sie wie fuer ihn gemacht ist.
der kleine schuhputzfink mit neuer, roter muetze
die strasse nach guatemala ist hart! waren es morgens noch schlagloecher, sind es nachmittags kleine krater, die die viel zu schnellen busse immer wieder wippen lassen. ich habe muehe, dass unsere rucksaecke - die wir diesesmal nach einem harten fight mit rein nehmen durften - nicht jedes mal querr durch den bus fliegen. stossdaempfer gibt es hier nicht. neben uns faehrt ein lkw vorbei - keine zehn zentimeter dazwischen! und das nicht beim einparken, sondern bei voller fahrt, durch hoehen und tiefen, kurven und co. etwa eine stunde vor guatemala stadt werden die strassen wegsamer. mehr und mehr leute, die am wegesrand sitzen, weniger und weniger gruen, mehr und mehr grau. bretterbuden, hohe zaeune, mauern mit glasscherben. erst mitten in der stadt realisiere ich, dass wir die ganze zeit schon in der stadt waren. gewoehnungsbeduerftig hier. an der letzten station steigen wir aus und sind natuerlich viel zu weit gefahren. egal - erstmal klo! alle oeffentlichen toiletten, die es hier zahlreich gibt, sind abgeschlossen. die leute pinkeln einfach davor. nicht ganz das, was ich mir vorgestellt habe. eine quelle des gestanks, der uns umgibt. die andere sind die busse, mit ihren schwarzen fahnen. da braucht man nicht mehr rauchen, wenn man hier lebt. getreulich klapper ich die cafes ab, aber anscheinend haben die hier alle keine toiletten. erst im bordell weist man mir hoeflich fuer einen quezal den weg. ich schlaengel mich vorbei, an dick geschminkten frauen in knappen klamotten. huebsch geht anders, denke ich mir insgeheim, und verfolge zielorientiert meinen weg. hinter mir tuschelt und kichert es. so denn, es gibt ein klo und sogar wasser! jetzt sieht die welt doch gleich viel anders aus. zufrieden verlasse ich das bordell.
von dort, wo wir sind, rufen wir juan carlos (den zweiten) an. er holt uns ab - in anzug und mit schickem auto. das hatten wir nicht erwartet. seit tagen fuehlen wir uns das erste mal schmutzig, obwohl wir frisch geduscht sind. ploetzlich kommen uns unsere klamotten alt und zerrissen vor. weltensprung! unser neues zu hause: ein riesiges appartment, ganz oben im hochhaus, nahe der banco uno. krass! die wohnung ist so gross, das man sich darin verlaufen kann. wieder haben wir unser eigenes zimmer mit dusche und bad und es gibt einen pool im garten. dazu gehoert eine junge familie: amanda (4) und george (6) und seine frau maria. sie hat maiskuchen gebacken. langsam kommen wir an. er zeigt uns buecher mit bildern von guatemala und er weiss ziemlich genau wo was und wie ist und funktioniert. gemeinsam mit ihm planen wir unseren vulkanausflug am naechsten tag. gleuck gehabt! jenseits des anzugs den carlos, den wir erwartet hatten.
sie wenigstens ein mal in der hand halten, wenn ich sie schon nicht alle mitnehmen kann...
die fruechte zaubern jedesmal ein lachen auf das gesicht, wenn wir sie sehen
fuer alle, die es nicht glauben konnten - hier werden sie gegessen, frittierte huehnerkrallen
5 pesos ein so ein kleines huehnchen... fuer gesundheitszauber und als grundnahrungsmittel
schon ein bisschen groesser in einer kiste auf dem markt
bunte guertel, mit denen die one size fuer alle roecke unvorteilhaft (fuer die figur) zusammengebunden werden
fuer uns touristen - ich konnte mich grade noch beherrschen nicht fuer euch alle eins ein zu kaufen