ist es nicht der abschied, der uns leben gibt und uns zu neuen wegen, neuen zielen führt?
so nehme ich sie bei der hand, die zeit zwischen examen und dem leben danach, lasse zurück, was ich einmal hatte, setzte einen fuss vor den anderen und umrunde ihn, unseren globus. mit all meinem mut für eine hand voll augenblick...
das dasein für das hier... streben ohne ziel... treiben in dieser welt... den kopf ab und zu verlieren... mag der verstand auch nicht verstehn, das herz immer...
guatemala: vamos a cantar...: ciudad de guatemala
12.9.2007, 8.33h, guatemala stadt
pacaya - der vulkan
ich bin ueberrascht an einem der aermsten orte der welt neben dem nicht funktionierendem oeffentlichen schulsystem top privatschulen vorzufinden, die mit knapp zwei jahren anfangen. am drive-in der schule geben wir die kinder ab und anschliessend finden wir mit juan carlos ratschlaegen zum ziel, dem vulkan pacaya.
das letzte stueck mussten wir trampen, da hier nur zweimal am tag ein bus faehrt. wundert mich nicht, wird doch die strasse nach den ersten geteerten metern zu einem schlammigen feldweg, immer weiter bergauf. es verbluefft mich eher, dass man hier ueberhaupt hoch kommt. am eingang lehnen wir alle fuehrer dankbar ab - berg hoch finden wir alleine und den fussspuren der anderen zu folgen ist ein leichtes. erschoepft kommen wir oben an, lassen uns erstmal ins weiche gras plumsen und geniessen die aussicht ueber eine landschaft voller vulkane, gruen und seen.
das oben des vulkans meint nicht, wie wir erwartet hatten, am rande des kraters zu stehen und in die brodelnde und bruzelnde lava hinunter zu schauen, sondern ein bisschen darunter, im schwarz-grauen lavagestein.
man sieht nur wie die der berg ab und an neue lava spuckt, die dann gemaechlich an den haengen herunterlaeuft. nach einer kurzen verschnaufpause naehern wir uns der glut. nachdem wir die grenze vom gras zum lavagestein hin ueberquerrt haben, klirrt es bei jedem schritt.
eigenwillige geflossene und gedrueckte felsformationen. wir springen von stein zu stein, immter weiter der glut entgegen. es wird waermer und irgendwann heiss. ich versuch moeglichst nicht mehr auf einem fleck stehen zu bleiben, damit meine fuesse nicht anbrennen.
jetzt koennen wir sie aus der naehe sehen, die lava. geschmolzener, gluehender stein, der sich in wulsten langsam bergab bewegt. schon faszinierend, dass da tausende an graden an uns vorbei spazieren, das der fels nachgibt und fluessig wird. ich haette sie ja gerne mit irgendwas beruehrt, die lava, aber so nah traue ich mich dann doch nicht heran. es ist schliesslich verdammt heiss!
unten nehmen wir einen der busse zuruek. voll wie eh und je, es ruckelt und die guatemalische schlagermusik durchdringt den bus, aber sobald ich sitze, schlafe ich ein. erst als wir umsteigen muessen, werde ich geweckt. jetzt bin ich angekommen in diesem land - ich habe mich so sehr an den eigenwilligen fahrstil gewoehnt, dass ich dabei ruhig schlafen kann.
anschliessend fuehrt unser weg nicht direkt nach hause, sondern noch ins zentrum der stadt. die kathedrale und das regierungsgebaeude sollten es werden. allderdings brauchen wir einmal mehr viel laenger fuer den weg als gedacht. erst faehrt der bus - der einzige mit fahrplan und festem liniennetz - nicht dort hin, wo er hin sollte, dann wissen wir nicht wie und mit welchem bus weiter und danach stehen wir im stau. aeh!voellig entnervt kommen wir an und wuenschen uns nichts sehnlicher als irgendwo anders zu sein. ueberall menschenmengen, muell, gedraenge, hupen und abgase von den bussen. an den fasaden broeckelt der putz ab, offene leitungen, wo immer man hinschaut, wild zusammengewuerfelte dinge, die an staenden, in bauchlaeden oder auf decken verkauft werden. kreuz und querr, chaos pur. wir wissen nicht mehr wo wir sind und wie die menschen, die hier leben, jemals in diesem gewuehl das finden, was sie suchen. alles scheint mir auf einen grossen zufall ausgelegt. die welt um mich herum dreht sich und ich bin muede, aber dennoch bei all dem, diejenige mit der besten laune. der unlust zum trotz betrete ich die kirche - jetzt, wo wir schon mal da sind - und traue meinen augen und ohren nicht. es ist ruhig, die waende sind klar und weiss und schlicht gehalten. durch die fenster dringt warmes licht ins innere. dankbar fuer diese oase verweile ich einen augenblick. wenn ich hier leben muesste, ich glaube, ich waere hier mindestens drei mal taeglich. ich fange an die religoesitaet dieser menschen hier zu verstehen.
nach der atempause ich ein teil unserer energie zurueck gekehrt. das regierungsgebaeude gegenueber ist heute allerdings geschlossen. soll wohl so sein - stattdessen schlendern wir ueber den untertage-markt um die ecke. und was hier nicht alles versucht wird unters volk zu bringen: ein berg voller toepferengel, -dueppchen, -nippes und -kram empfaengt uns herzlos aufeinandergetuermt. koerbe aus stroh in allen groessen und formen, krippen - im september - aus allen nur denkbaren materialien und in quietschenden farben, plastikweihnachtsbaeume und dinge, die die welt nicht braucht. ob die hier jemals etwas verkaufen?
wir verlassen das zentrum, fragen uns zu unserem bus durch und springen mitten auf einer kreuzung auf. leichter als gedacht und die tatsache, dass wir im richtigen bus sitzen... wir sind begeistert! aber nicht lange: es ist freitag abend und wir stehen im stau. mitten drin! alles steht, wir auch, weil der bus viel zu voll ist. der junge, der zum bus gehoert, ruft ununterbrochen, wohin die fahrt gehen soll, um noch mehr leute aufzugabeln. das passt schon, wuerde inka jetzt sagen. es faengt an zu regnen, alles hupt und die abgase um un sind unertraeglich. eineinhalbstunden und wir sind mit unseren nerven am ende. mit letzter kraft versuchen wir auszumachen, wo wir raus muessen. inzwischen ist es laengst dunkel geworden. banco uno ist unser anhaltspunkt. der absprung ist gut, aber die richtung die wir von da aus einschlagen, weniger. so kommen wir noch zu einem nicht wirklich mehr notwendigem spaziergang.
als wir endlich unser apartment ueber den daechern der stadt betreten, sind die ersten gaeste schon da. stimmt! da war was: hospitalityclub-party. die brauch ich grade nicht mehr wirklich, aber da sie nun mal da ist: drei haps wasser ins gesicht, ein paar andere socken und hinein ins getummel. die mischung an leuten ist wundervoll: eine frau aus argentinien, die seit dreizehn jahren mit ihren toechtern auf dem kontinent mit dem fahrrad unterwegs ist. pascal aus deutschland, der seit einem jahr hier und in suedamerika lebt, reist und studiert. er kennt die insel, auf die wir demnaechst zum tauchen wollen, und gibt uns noch ein paar tipps. lucy aus england, die genau so ist, wie ich schon immer gerne mal sein wollte. kate aus kanada, die fuer die who arbeitet. rike aus daenemark, die in antigua in einem projekt mit kindern und alten menschen arbeitet. cilia, die einfach nur mal hallo sagen wollte und die wundervollsten locken hat, die ich jemals gesehen habe. und viele, viele andere, mit denen ich es nicht geschafft habe mich zu unterhalten. immer weiter formt sich mein bild zum reisen und zur gastfreundschaft. schon heute weiss ich, dass mein zu hause das zu hause von vielen, von reisenden sein soll.
was fuer ein voller tag!
guatemala - rund um die stadt
am naechsten morgen wollen wir eigentlich nach antigua, fruestuecken vorher noch mit allen zusammen (instant-pancakes, nach denen man nicht wirklich satt ist) und stranden dann in carlos auto. it's a good time to go - die frage ist nur wohin. ein bisschen verwirrt folgen wir ihm ganz brav. irgendwann hacke ich doch noch mal genauer nach - er will uns dreien die stadt zeigen. nach gestern haben wir eigentlich genug davon, aber wer weiss, vielleicht haben wir ja nicht alles gesehen. guatemala die zweite und morgen dann antigua.
wir fahren durch verschiedenezonen. arm und reich. wie so verschiedenes so nah beieinander liegen und leben kann? nach dem schock am vorgtag sehen wir nun auch andere seiten. im alten postgebaeude werden fuer alle verschiedene kostenlose kurse angeboten. im chaos von haesslichen kloetzen entdecken wir wunderschoene, alte, herrschaftliche haeuser. wir sehen kirchen und parks, blicke ueber die stadt von verschiedenen huegeln, eine parade, eine massstabsgetreue, dreidimensionale landkarte aus dem letzten jahrhundert, einen riesigen see, gondeln, einen canyon, ein vornehmes (und leider sehr teures) steakhaus, den besten kuchen der ganzen stadt und... es kommt uns vor wie eine ganz andere stadt als die, die wir gestern erlebt haben
antigua
sonntag ist wahltag. auf dem weg zur wahl werden wir bis nach tikal futura, dem busstop nach antigua, von unserer gastfamilie mitgenommen. eine runde chickenbus fuer acht pesos und das tor in eine andere welt. hier, in guatemala antigua, einer unesco-stadt, sind nahezu alle gebaeude gut erhalten alt und schoen. die stadt ist sauber, wohl aufbereitet, sonnig, warm und strahlend. alte gassen, durch die man gerne schlendert. markt, buchhandlung, papierladen und handwerksallerlei. auf der strasse, wahlen fuer kinder und viele, viele frauen, die die gelegenheit nutzen und fuer ein paar pesos essen fuer die fleissigen waehler und touristen zubereiten. die meisten kneipen und cafes sind geschlossen, weil die regierung aufgrund der ausschreitungen bei den wahlen vor vier jahren warnungen rausgegeben hat. auch die oeffentlichen schulen sind in den naechsten tagen geschlossen.
lecker essen fuer uns - haps und weg - und internet, weil wir schon ewig nicht mehr zum schreiben gekommen sind.
nach einer runde skype mit jule, weiss ich das viertel, in dem das procedi-projekt liegt und habe eine idee, wie das haus aussehen soll, dass wir suchen. lomas de santa faz und ein weisses haus mit grossem tor in mitten von welchblechhaeusern. wage, aber findbar. vielleicht klappt es ja doch noch, in dem projekt vorbei zu schauen. innerlich hatte ich schon fast damit abgeschlossen, weil wir saskia, die deutsche vor ort, nicht erreichen konnten.
antigua ade, weil wir noch fuer juan carlos und maria kochen wollen.
expedition procedi
den morgen verbringen wir im netz, buchen fluege zurueck nach los angeles (im oktober) und ich versuche eine genauere adresse von procedi zu bekommen. mehr als die zone finde ich nicht. zona 18 - vor der wurden wir gewarnt. es sei gesuender sich dort nicht auf zu halten. hmm... ich hatte soetws geahnt. projekte mit armen kindern machen gewoehnlich dort sinn, wo diese kinder leben und da ist es nicht immer sicher.
im telefonbuch suche ich noch die adresse vom cementario central, einem friedhof, der in eine muelldeponie uebergeht und den jule auch als sehr eindrucksvoll beschrieben hat.
der blick auf den stadtplan sagt, dass es beides mit den bussen komliziert zu erreichen aussieht. nicht all zu ueberzeugt ziehen wir nach dem mittagessen los. dass wir so lange gebraucht haben, liegt vermutlich daran, dass wir nicht daran geglaubt haben, dass es funktioniert. dennoch: wir ziehen los. auf gut glueck ins zentrum mit dem bus. von dort nehmen wir ein taxi. das erste taxi, das wir anhalten, hat noch nie von dem viertel gehoert. der zweite fahrer fragt genauer nach: santa fez oder santa faz. von maria und juan carlos weiss ich, dass es ersters auch gibt. letzteres! wir steigen ein, handeln den preis aus. wenn wir es finden, dann hat es sich gelohnt. je naeher wir dem viertel kommen, desto unwohler wird uns. wellblechbuden, die sich aneinander reihen. was erwartet uns hier wirklich. soblad wir in dem viertel sind, ist meine angst weg. den gesichtern, in die ich blicke, vertraue ich. sie scheinen mir friedlich. waehrend der fahrt habe ich dem taxifahrer versucht zu erklaeren, was procedi ist und was mich seit jahren damit verbindet. er fragt eine junge frau nach dem weg. durch schmale gassen schlaengeln wir uns durch und stehen schliesslich vor einem anderen projekt, das inhaltlich aehnlich klingt. ein alter mann steht davor und laesst uns herein, erklaert uns, dass heute die schulen wegen der wahlen gestern geschlossen sind. erst mañana wieder. ich frage nach saskia und procedi und beim zweiten mal leuchten seine augen auf. er steigt mit uns in das taxi, das draussen gewartet hat und lots uns drei bloecke weiter. da ist es! ich erkenne das haus von den bildern. der aufgemalte schriftzug procedi nimmt alle letzten zweifel. das tor ist verschlossen. wir klingeln, eine luke oeffnet sich und ein mann schaut mich verwirrt an. wieder frage ich nach saskia, erzaehle, dass ich aus deutschland komme, in der hmp bin,... laengst hat er das tor geoeffnet. meine haarfarbe, meine sprache, meine geschichte, die namen,... alles spricht dafuer uns zu glauben.
procedi - eine baustelle! im flur treffe ich auf ein bild von eva inmitten der kinder. nach und nach fuegt sich alles zusammen, wird greifbar. wir duerfen uns umschauen, aber ausser ein paar handwerkern ist heute auch hier niemand da. von oben wagen wir einen verstohlenen blick ueber das viertel und von hier aus traue ich mich auch zu fotografieren. denn obwohl ich mich sicher fuehle, glaube ich, dass es besser ist auf den strassen meine kamerea nicht zu zeigen. von den handwerkern versuche ich saskias nummer heraus zu bekommen. keine chance, die haben sie nicht. aber morgen, da ist sie wieder hier. so ab neun oder zehn. da hier heute nichts ist, wollen wir gehen. am tor wartet eine frau auf uns. sie hat uns im taxi vorfahren sehen, mitbekommen, dass wir saskia suchen. sie fuehrt uns zu doña ana, eine frau die saskia kennt und sie fuer uns anruft. saskia ist erstmal entsetzt ueber unseren leichtsinn nach den wahlen hier so herum zu spazieren. naja, herumspazieren geht dann wohl doch etwas anders und das, was an den wahlen so gefaehrlich sein soll leuchtet mir auch nicht ein. wir haben schliesslich auch gestern erlebt und da verlief alles friedlich. wie dem auch sei, saskia findet die tatsache, dass wir hier sind ziemlich gefaehrlich. ana soll uns ein taxi rufen, dass sie kennt und wir koennen uns morgen mit ihr treffen und sie zeigt uns das projekt. sie kennt hier jeder, mit ihr zusammen sind wir sicher. ich fuehle mich auch so weiterhin sicher - dennoch nehmen wir ihre ratschlaege an. statt dem taxi faehrt uns annas mann selbst. er hat nur noch einen arm und einen halben, seine kleider sind schmutzig, wofuer er sich immer und immer wieder entschuldigt. das auto ist alt. wirklich alt! es reicht, wenn wir das bezin bezahlen. mit in das auto steigen anna und ihre kinder. sie wollen wissen, wo wir wohnen. in zone 10, aber da wollen wir gar nicht hin. wir wollen noch zu dem besagten friedhof - es reicht uns, wenn sie uns richtung zentrum fahren. von da an wissen wir, welche busse wir nehmen muessen. ob wir eine adresse von dem friedhof haetten. haben wir. er will uns dahin fahren. soll uns auch recht sein. waehrend der fahrt schliessen uns die kinder in ihr herz. sie erinnern sich an dich eva und nennen dich "aewah". tausend und drei dinge wollen sie von uns in englisch und in deutsch wissen. so fuehlt es sich also an ein woerterbuch zu sein. wir bieten ihnen wasser und suessigkeiten an, die wir dabei haben. vorsichtshalber fragt ana nach, ob das wirklich nur wasser ist. ob sie wirklich glaubt, dass ich 1,5l wodka mit mir rum schleppe?
als wir auf den friedhof wollen begreifen sie erst, dass wir den friedhof besichtigen wollen. weil sie sich laengst fuer uns und unsere sicherheit verantwortlich fuehlen und sie dem ort nicht trauen, kommen sie mit uns rein. mit dem auto. ein bisschen stehe ich dem mit gemischten gefuehlen gegenueber - ich freu mich, dass sie mitkommen, weil ich sie mag, und andererseits waere ich hier lieber ohne sie, da ich gerne fotos machen moechte, es aber respektlos finde in ihrer gegenward eine kamera auszupacken, nachdem ich ihr zu hause gesehen habe. irgendwann fragen sie aber von selbst nach, ob ich keine fotos machen moechte. nach zwei bildern fragen mich die kinder, ob sie ein foto machen duerften. ich druecke ihnen die kamera in die hand und ihre augen beginnen zu leuchten. fuer die naechsten zwei stunden sehe ich sie nicht wieder. mit muehe nur gelingt es uns sie davon abzuhalten jedes grab zu fotografieren. immer wieder muss ich bilder von vorher loeschen, weil sie den speicher in windeseile fuellen.
der friedhof selbst: riesige, gemauerte gruften, fast kleine haeuser. hier liegen viele reiche, oft mit auslaendischem namen. ueber den gesamten friedhof fuehren strassen. an einem stopp-schild muss ich schmunzeln. auf dem friedhof den verkehr regeln zu muessen... nach hinten hin werden die graeber bescheidener. hier liegen die toten aufeinander, in einer art regal, in schubfaechern, die vorne quadrtisch sind und laengs nach hinten gehen. in koerbchen, die daran befestigt sind, finden sich blumen, kerzen, figuren udn colaflaschen. ich glaube diese art von graebern haben einen namen - ich weiss ihn nicht.
noch weiter hinten geht der friedhof in eine muelldeponie ueber. ab und an faehrt ein muellauto dorthin an uns vorbei. das ist mir fremd und fuer mein gefuel, das mir doch recht tolerant erscheint, grotesk. auf den graebern und kreuzen sitzen riesige, schwarze geier, die sich von dem muell ernaehren, dem friedhof aber einen unheimlich flair geben. wie die geier, sieht man in dem muell ueberall kinder, die nach ess- und brauchbaren in dem muell suchen. zur anderen seite geht ein ganzes wohnviertel aus huetten der armen in die deponie ueber. in mir dreht sich alles. ich stehe auf einem friedhof, wo es sich die reichen leisten koennen fuer ihre toten ganze haeuser zu bauen, waehrend daneben die menschen in kleineren huetten als die graeber hausen muessen. ich haette laengst die toten ausquartiert und waere auf dem friedhof eingezogen. zur kroenung faehrt eine beerdigung an uns vorbei. ein jaguar nach dem anderen! waehrend keine hundert meter weiter die kinder inmitten von geiern und muell leben muessen. wie viel wertvoller diesen menschen der tod zu sein scheint als das leben.
anas mann erzaehlt davon, dass er hier aufgewachsen ist. er zeigt uns graeber - welche von den weniger prunkvollen - von seinen verwandten. 13, 14, 16 jahre. die meisten sind in der naehe seines hauses ums leben gekommen. wie will ich gar nicht wissen. allmaehlich bekomme ich eine idee von der gewalt, die hier auf den strassen herrscht.
an einer ecke des friedhofs sind keine familiengraeber, sondern berufe begraben. hier liegen alle polizisten, dort alle telegrafen und eine ecke weiter alle kinder.
nach dem besuch auf dem friedhof wollen sie uns nach hause fahren. mir ist es peinlich, dass sie das haus sehen, in dem wir leben. schon mein eigener lebensstandart liegt so unermaesslich ueber dem ihrigen, aber der, den wir grade geniessen... wir bitten sie uns an einem supermarkt rauszulassen, damit wir noch einkaufen koennen. von dort ist es kein problem alleine nach hause zu laufen. dreimal fragt er nach, ob es auch wirklich sicher sei. ja! wir bewegen uns hier seit tagen frei und ohne, dass uns etwas passiert ist.
in dieser stadt leben millionen - zwischen gewalt, armut und korruption. aber sie leben. irgendwie.
morgen um 12h treffen wir saskia.