Guatemala-Reisebericht :From North to South - einmal durch die amerikanischen Kontinente

Tikal

Es war mal wieder Zeit für Maya Ruinen: Tikal. Ich wollte an einem Tag hinfahren, dort zelten und am nächsten Tag zurück. Dies zu organisieren ist gar nicht so leicht. Laut Lonely Planet kann man von Santa Elena mit einem Colectivo nach Tikal fahren, aber das stimmt nicht. Man muss den teuren Shuttle Service buchen. Viele Agenturen bieten es aber nicht an, einen an einem Tag hinzufahren und am nächsten wieder zurück. Teilweise wollen sie dafür mehr wie wenn man am gleichen hin und zurück fährt. Also habe ich eine Agentur nach der anderen abgeklappert. Da Nebensaison ist, ist der Kampf um die Touristen hart und es lohnt sich zu feilschen. So habe ich einen Shuttle für 100 Q bekommen. Ich wurde direkt beim Hostel abgeholt. Der Guide kassierte mein Ticket ein. Auf meine Frage, was ich morgen dem Busfahrer zeige, wenn er mein Ticket jetzt einkassiert, war seine Antwort, dass ich für die Rückfahrt keines brauche. Das war mir aber nicht so ganz geheuer, daher habe ich noch schnell ein Foto mit meinem Handy vom Ticket gemacht. Die Busfahrt war eine Herausforderung für mich. Einfach zu viele Reisende auf engstem Raum. Die Britin zwei Sitze weiter hat es doch tatsächlich geschafft, ihrer Banknachbarin in 90 Minuten ihre komplette Lebensgeschichte sowie ihre Lebensphilosophie zu erzählen. Das sind einfach zu viele Informationen, die ich nicht haben möchte. Ich war froh Tikal auf eigene Faust zu machen und nicht mit einer Tour. Wir kamen dann zum Ticketoffice. Dort stellte sich her raus, dass es von dort allerdings bis zu den Ruinen noch 20 Kilometer sind. Das Problem für mich war, dass es erst 13.30 Uhr war und ich erst um 16 Uhr mein Ticket kaufen konnte, damit es auch noch morgen gültig ist. Der Guide war aber nett und hat mit dem am Ticketoffice geredet und er hat mir das Ticket schon früher verkauft. In Tikal habe ich dann erstmal mein Zelt aufgebaut. Es gibt am Eingang der Ruinen eine Wiese, wo man für 50 Q zelten kann oder sich auch eine Hängematte mieten. Es gibt auch einen Wachmann, allerdings habe ich den nur gesehen als ich gekommen bin und dann kam er Nachts nochmal vorbei, um das Geld zu kassieren. Aber er ist sehr nett und ich habe brav mein Spanisch Small Talk geübt. Zum gleichen Preis kann man auch in dem Luxushotel Jaguar Inn zelten, was ein bisschen netter ist. Dies habe ich aber erst später rausgefunden. Um 15 Uhr ging es dann in die Ruinen. Zu Beginn war es ein bisschen schwierig sich zu orientieren. Irgendwann hatte ich aber eine grobe Orientierung. Ich entschied mich, zuerst zu den abgelegeneren Ruinen zu gehen. Traumhaft, ich war ganz für mich alleine, keine Menschen Seele, nur ich, die Ruinen und die Affen in den Bäumen.

Die Atmosphäre in Tikal mitten im Dschungel ist sehr, sehr schön. Am Anfang fand ich es etwas schwierig, mich zu orientieren. Es gibt zwar Wegweiser, es könnten aber ruhig ein paar mehr sein. Schön ist auch, dass es immer wieder Infotafeln zu den heimischen Pflanzen und Tieren gibt, sowie zu den Ruinenkomplexen. Diese sind in Spanisch und in Englisch.

Und ich bin wieder viele Stufen rauf und runter gestiegen. Und die sind so hoch, nichts für kleinere Menschen. Die Mayas waren ja auch nicht groß. Die Stufen sind aber extra so groß gemacht worden, um durch die Anstrengung den Göttern ihre Demut zu zeigen.

Steile Stufen

Steile Stufen

Den besten Blick hat man vom Templo IV, glücklicherweise gab es hier eine angenehmere Holztreppe.

Blick über Tikal

Blick über Tikal

Als es zu dämmern began, bin ich zurück zu meinem Zelt und habe mir dann ein leckeres Abendessen im Jaguar Inn gegönnt. Dort hat mich dann ein Guide angesprochen, ob ich morgen die Sonnenaufgangtour mitmachen möchte. Eigentlich wollte ich es ohne Guide probieren zu machen. Dann habe ich mich doch für den Guide entschieden, da es vielleicht doch ganz gut ist, ein bisschen über die Mayas und die Geschichte Tikals zu erfahren. Also mal wieder früh aufstehen, 3.15 Uhr ging mein Wecker. Ich bin in keinem Urlaub bisher so viel so früh aufgestanden! Es war eine sternenklare Nacht. Ich war natürlich die einzige die pünktlich fertig war. Aber es gab einen Kaffee und der Guide hat mir in der Zeit in der wir gewartet haben, die Sternenbilder erklärt. Um den Sonnenaufgang zu sehen, muss man nochmal ein eigenes Eintrittsticket kaufen, Tikal ist ganz schön teuer. Man kann aber gut ohne Guide zum Templo IV gehen für den Sonnenaufgang, man sollte sich am Abend vorher nur den Weg dorthin merken. Als erstes sind wir zur Grand Plaza gegangen. Ich durfte dort eine Kerze anzünden. Die Atmosphäre mit dem Sternenhimmel, vorne und hinten eine große Pyramide, in der Mitte die Kerze war mystisch. Der Guide erklärte uns dann die beiden Pyramiden sowie die Opferrituale der Maya. Er war der geborene Geschichtenerzähler, er hat das so eindrucksvoll und spannend erklärt. Ich habe dann rausgefunden, dass er in New York und Arizona aufgewachsen ist. Das erklärte das perfekte Englisch und sein Art als Guide zu erzählen. Ich finde ja, dass jeder Museumsführere in Deutschland ein Praktikum in Nordamerika machen sollte, als Tourguides sind die Nordamerikaner einfach unschlagbar.
Dann ging es zum Templo IV und es hieß warten auf den Sonnenaufgang. Wir waren noch deutlich vor den Touren aus Flores da, hatten also die besten Plätze.

Mystische Morgenstimmung

Mystische Morgenstimmung

Der Sonnenaufgang in Tikal ist etwas Besonderes. Über dem Dschungel hängt Nebel und mit der Sonne erwacht auch der Dschungel, die Vögel fangen an zu zwitscher und die Affen begrüßen den Morgen mit Kreischen. Und dann kam die Sonne zum Vorschein. Selten habe ich sie so blutrot gesehen. Und dann fraß das Krokodil die Sonne auf!

Das Krokodil und die Sonne

Das Krokodil und die Sonne

Nach dem Sonnenaufgang hatte ich die Ruinen wieder fast für mich alleine. Am Gran Plaza war keine Menschenseele, wieder nur ich und ein paar Affen.

Glücklicherweise kein Brüllaffe, sonst hätte ich mich nicht unter den Affen zum Fotographieren gestellt

Glücklicherweise kein Brüllaffe, sonst hätte ich mich nicht unter den Affen zum Fotographieren gestellt

Gran Plaza

Gran Plaza

Als dann die Massen nach Tikal kamen, hatte ich alles gesehen, früh aufstehen muss auch belohnt werden. Also Zelt zusammen gepackt und zu den Minibussen. Es gibt drei verschiedene Unternehmen, welche Busse zu welchen gehören ist aber nicht so klar. Meine Busfahrt wäre eigentlich erst später, aber vielleicht kann ich mit einem früheren fahren. Also zum ersten Busfahrer und gefragt, wann der nächste geht. In 15 Minuten, ich soll ihm mein Ticket zeigen. Als ich dann sagte ich habe keins, das hätte der Guide von gestern, aber ich habe ein Foto von meinem Ticket, wurde er unfreundlich, ohne Ticket keine Fahrt. Ich habe ihm die Sachlage dann nochmal erklärt und das Foto gezeigt. Er war weiterhin ziemlich unfreundlich, schaute sich das Ticket aber letztendlich an und meinte, es wäre das andere Busunternehmen 10 Meter weiter. Also zu den nächsten Busfahrern. Die waren sehr freundlich, aber auch nicht das richtige Unternehmen. Alle guten Dinge sind drei. Beim nächsten bin ich dann zu einem Guide, der wollte auch wieder ein Ticket, hat sich aber meine Sachlage angehört und mein fotografiertes Ticket angeschaut und gesagt, er klärt es mit den Busfahrern. 5 Minuten später kam er wieder, ich soll den Busfahrern das Foto zeigen, dann nehmen sie mich mit. Also zu den Bussen. Dort war ein anderer Guide und wollte mein Ticket haben. Also meine Sachlage zum x. Mal erklärt und das Foto hingehalten. Der Guide schaute sich das Foto nicht mal an, sondern wurde sehr unfreundlich und sagte, ohne Ticket komm ich nicht mit. Da ist mir die Geduld dann doch ausgegangen, ist ja nicht meine Schuld, dass ich kein Ticket habe, war ich froh, dass ich wenigstens ein Foto davon hatte. Und dass ich innerhalb von 15 Minuten gleich zwei Mal so unfreundlich behandelt wurde, war ich einfach nicht mehr gewohnt, nach den vielen freundlichen Begegnungen auf meiner Reise. Also erklärte ich die Sachlage in einer leicht verstimmten Tonlage nochmal. Daraufhin meinte der Guide nur, wenn ich so mit ihm rede, fahre ich bestimmt nicht mit. Da ist mir erstmal für ne Sekunde der Unterkiffer runtergeklappt. Er hat sich zuerst deutlich im Tonfall vergriffen und ich bin die Kundin, die bezahlt und zurecht wütend sein darf, habe schließlich für meine Fahrt gezahlt. Ich war dann wirklich kurz vorm Explodieren. Ich vermute, dass hat man mir angesehen, den er verwies mich schnell an den Busfahrer, der entscheidet, ob er mich mitnimmt. Der war total nett, hat sich mein Ticket angeschaut und mir erklärt, wenn er kein Ticket hat, wird er nicht von der Travel Agency bezahlt. Er nimmt mich aber trotzdem mit und in Flores fahren wir zu Travel Agency und klären das. Er meinte noch, dass das öfters mal passiert, dass die vergessen, einem ein Rückfahrticket zu geben. In Flores war die Sache auch sofort geklärt und die Travel Agency hat sich mehrfach für den Ärger, den ich hatte entschuldigt.

© silja B., 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Kanada nach Feuerland
Details:
Aufbruch: 09.08.2016
Dauer: 7 Monate
Heimkehr: März 2017
Reiseziele: Kanada
Mexiko
Guatemala
Belize
Panama
Kolumbien
Live-Reisebericht: silja schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
silja B. berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.