Reisebericht
:
die grandios-gelingende globusumrundung
ist es nicht der abschied, der uns leben gibt und uns zu neuen wegen, neuen zielen führt?
so nehme ich sie bei der hand, die zeit zwischen examen und dem leben danach, lasse zurück, was ich einmal hatte, setzte einen fuss vor den anderen und umrunde ihn, unseren globus. mit all meinem mut für eine hand voll augenblick...
das dasein für das hier... streben ohne ziel... treiben in dieser welt... den kopf ab und zu verlieren... mag der verstand auch nicht verstehn, das herz immer...
um 9.30h legt sie ab, unsere faehre auf die bay islands. auf nach utila, einer kleinen insel in den karibischen meeren. tauchen nach versunkenen schaetzen, weisser sandstrand und... ich freu mich, ich freu mich, ich freu mich!
utila eine stunde spaeter stehen wir bei captain morgan im buero und unterschreiben unsere vertraege. der open water diving kurs.
es kann los gehen! denken wir. aber noch sind wir auf utila und nicht auf den keys, den kleinen inseln im norden vor utila. da es noch frueh ist, sorgt uns das wenig. erstmal noch was einkaufen und kurz ins internet und... so tingeln wir los, unsere rucksaecke bei captain morgan lassend, um unseren alltagskleinkram zu erledigen. als wir zurueck kommen ist immer noch kein boot fuer uns da. wird schon noch kommen, aber so langsam daemmert uns, dass es nicht so selbstverstaendlich ist. zu den keys faehrt nicht alle halbe stunde ein boot. ganz sicher faehrt nur das von captain morgan selbst - morgens um 7.15h. das ist natuerlich laengst weg und das haetten wir, egal wie wir´s angestellt haetten, auch nicht bekommen. also sitzen wir da, warten und trinken limonade, waehrend jane und domenique nach einem boot fuer uns ausschau halten. nach einer halben ewigkeit kommt jane rein - wir haben glueck! ein boot faehrt zu den keys. es faehrt erst noch rueber zu dem grossen dock, dann kommt es wieder um uns aufzugabeln. freu! die huehner sind gesattelt und warten mit den hufen scharrend. warum dauert das denn so lange? wir sind bereit! aber nichts passiert. allmaehlich legt sich ein wenig misstrauen ueber unsere freude. und begruendeter weise - das boot hat ohne uns den hafen verlassen. buhu! wir sind voll enttaeuscht. domenique und jane legen uns nahe ein hotel zu suchen und empfehlen uns gleich mal eins fuer zehn dollar pro person pro nacht. bitte was? wir wollen die nacht nicht hier bleiben und schon gar kein vermoegen an einem ort ausgeben, wo wir nicht sein wollen. trotzig ziehen wir selbst zu den docks und warten auf boote, aber so recht will keins kommen. ewiges sitzen zermuerrbt - so ziehen wir lustlos durch die strassen und suchen uns was zu essen. Die stadt utila besteht primaer aus einer grossen hauptstrasse, die am kai entlangfuehrt. haueser und huetten, nicht verfallen, aber auch nicht wirklich gepflegt und gemuetlich. viel musik. viel verschiedene, die uebereinander liegt. mopeds, reklame, tauchschulen und partyschuppen. dazwischen ueberall docks und kleine boot. die strasse ist staubig und muell fliegt herum. das internet ist sau teuer - teilweise vier, fuenf dollar die stunde - und noch nicht mal schnell dafuer. was genau uns drueben auf den keys erwartet wissen wir nicht, aber das gefuehl sagt anders. und moritz und flo sind da - die beiden deutschen vom lago de atitlan. nur nicht mehr lange, da flo zurueckfliegt. mit ihnen haetten wir gerne den abend verbracht, aber je spaeter es wird, desto unwahrscheinlicher wird es auch. irgendwann geben wir auf und suchen uns ein hotel. der hondurasfuehrer, der hier in allen hotels und bars und co rumfliegt, sagt, dass das billigste hotel drei dollar die nacht kostet. das sollte reichen fuer utila. hier wollen wir schliesslich nicht sein, sondern nur so lange abwarten bis unser boot endlich kommt. nicht sonderlich konstruktiv diese einstellung, aber mir ist so sehr nach ankommen zu mute und nicht gleich morgen wieder packen muessen. ausserdem bin ich krank. die klimaanlage in dem first class bus hat´s geschafft! mein hals ist geschwollen und rot und tut weh. immerhin erinner ich mich daran, dass mir jemand einen zettel in die hand gedrueckt hat, auf dem ein hotel mit einem dollar fuer die erste nacht beworben wurde. klingt optimal fuer uns. so war die promotion-aktion zwar nicht gedacht, aber so nutzen wir sie. nur fuer eine nacht billige nacht. wir werden noch auf eine party eingeladen, aber danach ist mir nicht. schlafen und nicht mehr, gesund werden und dann morgen - endlich! - auf die insel.
captain morgan und sein boot
die keys...
und tatsaechlich! fast puenktlich legt der captain an. keys ahoi! wir kommen! als wir anlagen, warten moritz und flo schon in taucheroutfits auf das boot, um hinaus zu fahren. aus den ersten saetzen hoeren wir raus, dass sie heute nachmittag schon die insel verlassen werden. schade. damit sind wir dann die einzigsten im hotel. joaaaa... wird dann wohl so sein. immerhin sprachen ihre blicke begeistert vom tauchen. vorfreu! weil genau das liegt ja vor uns. eine ganze welt unter wasser.
unser dock
oben auf dem dock: abends bei vollmond und zum wellenschlag eine flasche rum
unser schwimmendes zu hause
anke zeigt uns die zimmer - wir koennen frei waehlen, weil wir ja die einzigsten sind. wir nehmen das mit seeblick zu zwei seiten und ganz vielen fenstern. gemuetlich und sauber, ist´s hier. der vorraum ist geraeumig, mit sofas, fernseher und vielem, vielen dvds. auf der veranda stehen schaukelstuehle, um uns herum ist strahlend blaues meer und... der weisse sandstrand und die palmen sind gegenueber von uns - eine kleine insel, auf die man schwimmen kann. willkommen in der karibik! aber viel zeit bleibt uns nicht, da anke uns unser erstes theoretisches video uebers tauchen einlegt, damit gleich heute nachmittag in den pool koennen. nach dem film weiss ich so viel wie vorher. ich bin einfach noch verdammt angeschlagen und hege ernsthafte zweifel, ob ich mit diesem hals ueberhaupt tauchen sollte. aber ankes ueberzeugkuenste und die neugierde siegen. zusammen mit anke gehen wir alles, was ich im film verpasst habe, nochmal getreulich durch.
unser hotel: von aussen...
...und von innen
muscheln, boote, fischerhuetten - das leben an der see
fischer und pelikane
beim fischen mit selbstgebauten angeln (und verbotener weise, weil an dem dock nicht gefischt werden darf und deshalb vermutlich auch alle fische hier sind)
sonnenuntergaenge in der karibik
schmacht!
nach dem mittagessen kommen die jungs vom tauchen zurueck, um gleich darauf wieder zu verschwinden. ein kurzes wiedersehen. waehrend die beiden mit dem boot am horizont verschwinden, machen wir uns fertig fuer den pool: tarierjacket, taucheranzug, flossen, lungenautomat, maske, blei,... anke zeigt uns alles - wie's funktioniert, wie's zusammen gebastelt wird,... jetzt kann's losgehen. fast! vorher muessen wir noch schwimmen - einmal zur naechsten insel und zurueck und noch ein bisschen im kreis. freu, freu, freu! tuerkisblaues karibikmeer. es ist so wundervoll, dass wir hier sind! und was wir nicht alles entdecken werden? versunkene schiffe, korallen, farbenfrohe fische,...
unter wasser aber erst mal fangen wir klein an unter wasser: atmen, maske auf und absetzen, miteinander kommunizieren, orientieren, wo welche schlaeuche sind, die zweite stufe bei unserem buddy,... alles noch sehr neu und ungewohnt. und um uns herum alles voll spannend und abenteuerlich: jede menge korallen, die aussehen wie gehirne und entsprechend heissen (brain corals), riesige fischschwaerme mit kleinen fischen, ab und zu auch grosse, bunte fische, seesterne, ein versunkener koffer, ein stueck gitarre, muscheln und wasserpflanzen. froehlich blubbern wir die ganze zeit. noch ist es schwer genau dort zu sein, wohin wir wollen. immer wieder treiben wir ab und so ganz haben wir das mit dem austarieren auch noch nicht raus. mal zieht es uns dank blei auf den boden und mal haben wir zu viel luft in unser jacket gepumt. eleganz unter wasser geht anders. aber wir haben ja noch zeit... drei stunden unter wasser und ein bisschen mehr. das wasser hat zwar 29 grad celsius, aber danach binich doch ganz schoen durchgefroren. noch unsere ausruestung abspuelen und desinfizieren und dann nichts wir warm duschen.
ich bin erschoepft. als wir abends noch was essen gehen, habe ich keinen hunger. es trotzdem zu tun macht es auch nicht besser. mein kopf glueht - ich habe fieber. nach den ersten bissen gebe ich auf und gehe zurueck ins hotel. einfach nur noch schlafen. mein bett ist dann auch ganz wundervoll warm. waehrend ich einschlafe, hoere ich die wellen, die brandung. im grunde schlafen wir direkt ueber dem meer. das hotel steht auf pfeilern, die wiederum im wasser stehen. hier gefaellt es mir - ein schoener ort zum sein, denkt es in mir, waehrend einschlafe.
schmunzel: unmissverstaendlich!
das tarierjacket. luft und blei und genau in der mitte fuehlt es sich schwerelos an und man schwebt.
im wasser
unter wasser
tief auf dem grunde der meere...
...da schlafen die seltsamen traeume aus in der glaesernen, flutenen leere wohl geborgen, doch nicht zu haus liegt sie das schweigen der zeit.
ferne den stuermen und wogen, gebetet in sand liegt der schiffe last ist das rauschen der segel verflogen sind geborsten rahe und mast tangfahnen wehen wie rauch
frachten und schaetze der ferne und menschen in waffen und ketten auch nur geleitet von sonne und sternen und des himmels freundlichen hauch fuerchten die weite der see
rauhe gesaenge beschworen die maechte des lichts und der finsternis in der weite des wassers verloren wenn das letzte der segel zerriss nahm sie der grund in den arm
hofart und gier sie ertranken die schreie, die flueche sie wurden stumm wenn die salze zerfrassen die planken nur die traeume gehen noch um tief auf dem grunde der see
unsere ersten tauchgaenge mal abgesehen davon dass das fieber weg ist, geht's mir am naechsten morgen keinen zentimeter besser. mein hals zieht sich mehr und mehr zu. schlucken ist die hoelle. krank sein passt mir gar nicht, will ich doch unbedingt auf die gruende der meere. ich ueberlege hin und her, ob ich strotzdem tauchen gehen sollte oder nicht. an und fuer sich ist es kein problem einfach einen tag pause einzuschieben. nur ob's mir morgen besser gehen wird? mit ankes vorschlag, dass ich ihren alten tauchanzug - den schneeanzug unter den tauchanzuegen - anziehen kann, faellt die entscheidung. dick eingepackt fahren wir mit rudi, unserem ersatz-kaptain (weil luis, der eigentliche kaptain, grade papa wird) und der miss kary raus auf die offene see. auf dem dach des bootes, in der sonne liegend, den fahrtwind geniessend. vor anker liegend checken wir unsere ausruestung. huh! knackiger seegang! lange halte ich es nicht aus auf dem boot etwas konzentriert zu tun, ohne dass mir flau wird. und das ich. ich bin froh als ich mich kopfueber nach hinten ins wasser fallen lassen kann.
unter wasser ist dann mein hals vergessen. ab un dan bekomme ich etwas salzwasser in den mund, aber das fuehlt sich fuer mich eher heildend an. hinunter in die tiefen, korallen und riff. neben unseren uebungen fuer den tauchschein,zeigt uns anke immer wieder klein und grosse seltene oder verborgene tiere. Fuer mich sind sie nicht ganz so besonders, da alles fuer mich neu und aufregend ist. und die kleinen, suessen, blauen fische find ich viel huebscher. wie fein sie sich bewegen, mit ihren flossen und kiemen. zwischen unseren tauchgaengen sucht unser kaptain fleissig nach walhaien. traditionell bekommt er von jedem taucher fuenf dollar, wenn er einen findet. irgendwie fehlt mir das hai-gen und ich bin froh, dass er erfolglos bleibt. wer braucht schon haie?
erstaunlicherweise hat das tauchen meinem hals gut getan. das gefuehl von krank sein ist weg und am naechsten morgen tut er kaum noch weh. das ging schnell, dafuer dass mein hals die grosse schwachstelle in meinem abwehrsystem ist.
insgesamt tauchen wir in den naechsten tagen sechs mal ab. immer zwei mal am tag mit ein bisschen luft dazischen, damit sich das zu viel an stickstoff, dass wir unter wasser einsammeln, in unseren koerpern wieder abbauen kann.
bei unseren dritten tauchgang entdeckt anke einen hai. unter einem felsen verborgen liegt oder schwimmt er und macht gar nichts. er schlaeft. ganz unspektakulaer, ein grauer brocken, keine zwei meter gross. hallo! wir sind extra aus deutschland angereist - haetten sie vielleicht die ehre aufzuwachen? nein? nein. er schlaeft weiter. und das soll das sein, was ein jeden taucher gluecklich machen soll? aber immerhin, es klingt viel aufregender als es ist: wir sind unter wasser einem hai begegnet! wild und gefaehrlich!
viel spannender sind die riesigen, gruenen moraenen. etwa einen meter lang liegen sie irgendwo eingeklemmt oder schwimmen umher und hapsen ununterbrochen was immer ihnen in den mund treibt. Ein bisschen sehen sie aus wie alles fressende pflanzen. oder die unterwasserschildkroeten, die an uns vorbei schwimmen. und ich mag die landschaft unter wasser. besonders wenn die sonne scheint und das riff mit licht durchflutet... dann nach oben schauen... goettlich! und die korallen. so viele verschnoerkelte und geschwungene formen. lebendiger jugendstil!
einer unserer letzten fun-dives, die sich unserem kurs anschliessen, fuehrt uns in eine art canyon. zwischen den felsen tauchen wir hindurch und hier und da strahlt die sonne wie in eine tiene schlucht. faszinierend! aber ich muss aufpassen, dass ich nicht vor lauter gucken und staunen irgendwo am riff anstosse. anke hat eine lampe dabei und leuchtet in die ritzen. wie anders doch die farben im licht sind. viel roetlicher. man vergisst so schnell, dass hier unten alles viel blaeulicher scheint als es ist.
bei unserem allerletzten tauchgang muessen wir gegen eine stroemung antauchen. immer wieder wirft mich das wasser umher, verzieht und verdreht meinen koerper. ich habe muehe auch nur annaehernd dort hin zu gelangen, wo ich hin will. immer wieder bin ich zu hoch oder zu niedrig und es kostet mich wahnsinnig viel kraft. ich bin froh als wir wieder auftauchen. irgendwie macht es das leichter jetzt zu gehen - haben wir doch bis zum letzten mit dem advanced course geflirtet. da lernt man dann bei nacht zu tauchen, in alten, versunkenen schiffen und generell viel tiefer noch als wir es jetzt duerfen. aber selbst hier auf den bays ist tauchen ein verdammt teurer sport...
dennoch: ein naechstes mal ist gewiss, auch wenn mir anke dabei verdammt fehlen wird. ein toller kurs! tauchen bei captain morgan ist goldwert! kann ich nur empfehlen.
neben dem tauchen geniessen wir das leben auf den keys. sehr gepraegt von den fischern und dem engen leben auf einer insel. abends schippern wir mit den kayaks umher, lesen deutsche buecher, die uns anke geschenkt hat, huepfen noch mal ins wasser zum plantschen oder zum schnorrcheln. hier und da eine dvd, ein bier oder eine flasche rum zum vollmond. sonnenuntergaenge und tiefgruendige gespraeche. schokolade, die ich in einem der kleinen shops hier entdecke, und alle varianten fisch, die die beiden restaurants auf der insel hergeben. und viel, viel zeit mit anke, die viel gereist ist, irgendwann den ausstieg gewagt hat und jetzt hier lebt und als tauchlehrerin arbeitet.
wer weiss, wo mich meine eigenen schritte noch hin fuehren. immer mehr wege entdecke ich, die ich gehen koennte. was das tauchlehrer-dasein angeht, hab' ich an dich gedacht, michi. ich finde das solltest du mal ausprobieren - vor allem, weil du ja sowieso vor hast in den sueden zu ziehen fuer dein studium.
blub blub blub!
meine fuesschen - auf ausgeblichenem holz, mit kleinen mueckenstichen und den streifen von sonne und sandalen