9.10.2007, 16.01h, tulum, mexico
die grenze von guatemala liegt hinter uns, belize haben wir durchquerrt und in seit ein paar tagen sind wir nun wieder in mexiko. genauer gesagt an der karibikkueste, unter sonne und palmen, in einer nicht ganz so hippigen hippie-kommune. ein dasein zwischen haengematte, tuerkisblauem meer und leckerem essen... geniess und wundervoll!
aber der reihe nach:
belize
15 us-dollar nur um einmal durch zu fahren. grhh! aber immerhin hochoffiziell, mit quittung, beschilderung und ... ein kleiner trost, dass alle zahlen muessen und nicht nur wir und dass wir nicht ueber den tisch gezogen werden, um irgendwelche privaten taschen zu fuellen.
die sprache: irgendwas zwischen englisch und spanisch - ich versteh kein wort von dem, was sie sagen.
die menschen: groesstenteils schwarz. wir sehen extrem duenne farmer mit hosentraegern und strohhut. es erinnert an amerika.
die busse: der express und directo bus an die mexikanische grenze haelt an jeder ecke, nimmt hinz und kunz mit. innen drinne ist der bus verschimmelt. das schimmel-design an der decke und den waenden traegt nicht dazu bei, den wirklichen schimmel zu verbergen. wohl fuehlen wir uns hier nicht, aber es war das billigste. gaeb es doch nur wieder chicken-busse... die waren zwar noch heruntergekommener, aber irgend nicht so widerlich.
ab der grenze steigen wir um auf's trampen. die strasse entlang der kueste scheint uns solide. unser erster stopp: ein polizist in zivil, ein neuer vw und eine klimaanlage. an einem see steigen wir aus, da es langsam spaet wird und unsere uebersichtslandkarte von ganz zentralamerika sagt, dass es hier schoen sein soll. da unser polizist erst seit zwei monaten hier lebt, kennt er sich noch nicht aus; bei der schlafplatzsuche ist er keine grosse hilfe. unser plan: campen. unser anliegen: moeglichst nicht weit laufen, ein ort, an dem wir uns sicher fuehlen und huebsch soll es sein. leider sieht die gegend, durch die wir streifen, nur noch gar nicht danach aus. irgendwie muessen wir runter zum see... der leuchtet tuerkis durch die landschaft bis hin zu uns. mein gefuehl sagt mir, wenn wir bis dort hin kommen, wird alles gut.
zwischen uns und dem see liegt ein abgesperrtes gelaende voller gruen und mit einem steg zum see. eine schule. wir flirten mit dem gedanken hinter deren mauern unser lager aufzuschlagen. und wir haben glueck - wir muessen nicht mal einbrechen, sondern ein kleines tor steht noch offen. der fernseher in dem wachhaeuschen daneben laeuft zwar, aber die haengematte ist leer. und schlupf! sind wir drinnen. nur so leer, wie wir die schule an einem samstag abend erwartet haben, ist sie nicht. unten am steg baden und angeln noch ein paar leute - unter anderem der wachmann... lalala. ganz dezent frage ich erst mal, ob wir hier baden koennen. man muss ja nicht gleich mit der tuer ins haus fallen und erwaehnen, dass wir unser baden bis morgen frueh ausdehnen wollen. sí, sí. und so werfen wir unsere rucksacke auf dem steg ab und springen ins wasser. uh, ist das schoen. glasklar und tuerkis, ganz ruhig und suess. kein salz, das in den augen beisst. leben - ein mal mehr wie gluecksschweinchen-dasein! goldlicht um uns herum, das in einen rosa-roten sonnenuntergang uebergeht. nach dem baden sitzen wir auf dem steg, trocknen, die gitarre in der hand und eine packung kekse. um uns herum wird es langsam nacht. in der ferne blitzt es. wir zweifeln nicht wirklich daran, dass es irgendwann die nacht auch hier gewittern wird. der wind hat zugenommen - alles nur noch eine frage der zeit. auf dem weg vom eingang nach hier unten sind wir an ein paar klassenzimmern vorbeigekommen, die nicht abgeschlossen waren - innerlich sind wir da bereits eingezogen. nur: noch ist es dafuer nicht dunkel genug und der wachmann schlawenzelt noch um uns herum. kurz bevor es anfaengt zu regnen, deutet er dann auch tatsaechlich - das ist immerhin sein job - an, dass er das tor jetzt schliessen werde und dass wir deshalb gehen muessten. an dem punkt kommen wir nicht mehr umhin, ihm zu stecken, dass wir vor hatten hier zu bleiben. wo will er uns jetzt auch noch hin schicken? es ist dunkel, es wird jeden augenblick anfangen zu regnen, hotels gibt es weit und breit keine, wir sind klein und suess... er kann eigentlich gar nicht anders als ja zu sagen. und wir haben uns nicht verrechnet. genau das tut. wir duerfen bleiben, muessen aber morgens frueh verschwinden, da um acht uhr irgendwas an der schule stattfindet. juhuh! das war leicht. er zeigt uns noch seine fische, die er aus dem wasser gezogen hat, macht uns die ventilatoren in der turnhalle an und streift dann die nacht ueber seine runden. wie gut das wir gefragt haben - so sorgsam, wie er seinem job nachgeht, waeren wir hier sonst definitiv irgendwann die nacht aufgeflogen. und das waere bestimmt nicht so lustig gewesen. hach, ich fuehl mich doch gleich wieder viel buendischer als in irgendeinem hotel - so eine nacht zwischen nirgendwo und ueberall, die auf verwegene art und weise zu uns gekommen ist.
waehrend es draussen stuermt und schuettet, schlummern wir gut beschuetzt von unserem wachmann in der turnhalle. um sechs stehen wir auf, packen zusammen und laufen zurueck zur strasse, die uns geradewegs in die karibik fuehrt.
10.10.2007, 14.27h, tulum, mexico
bevor ich es vergesse, mein kleines bruederchen, alles liebe zu deinem geburtstag! dankenswerter weise wurde ich ganz fleissig von allen ueber skype daran erinnert 
karibik
was soll man dazu noch gross erzaehlen? weisser sandstrand, haengematten, palmen, sonne,... ein purzelnbaum ins paradies, ein paar tage auszeit.
morgens sind wir in tulum angekommen, haben ein paar stunden dem internet gefroent und uns mit lebensmitteln fuer die naechsten tage eingedeckt. mittags sind wir mit einem hippie und seinem alten vw-bus die kueste runter getuckert, hin zum playa salva, dem kleinen paradies, das zu ihren zeiten bereits anna und steffi erfreute. die duenne und das welcome home gibt es nicht mehr - dafuer einen neuen besitzer und die tatsache, dass man hier nicht mehr campen darf. ausser natuerlich fuer ein grosses vermoegen - willkommen in der karibik! der nachbar ist aber sehr freundlich und bietet uns gleich an bei ihm unter zu kommen. immerhin nur fuer ein kleines vermoegen. der hacken: bei ihm sieht es aus wie sau. ich bezweifel ja, dass er vor dem hurrican jemals aufgeraeumt hat, aber spaetestens seit danach (und das sind immerhin zwei monate her) nicht mehr. die palmen sind zerrupft, die kueche eingestuerzt, ueberall fliegt muell rum und er selbst sieht nicht weniger runter gewirtschaftet aus. das einzige, was fuer ihn spricht, ist das meer fuer seiner haustuer.
erstmal baden und uns freuen, dass wir da sind, und dann ueberlegen wie es weitergeht. das wasser ist toll! tuerkisgruen und warm, das salz ganz mild, die wellen zart. freu, freu, freu! wir sind in der karibik - mitten drin und so richtig und wirklich!
nach dem wasser sieht die welt schon wieder anders aus. im muell mag ich - selbst mit karibik vor der haustuer - immer noch nicht wohnen, aber 20 dollar pro person fuers zelten am playa salva find ich auch zu viel. viel zu viel. also: schlachtplaene schmieden und die lage auskundschaften. wild zelten koennen wir uns hier abschminken - die gesamte karibikkueste ist in kleine grundstueck unterteilt - wer hier sein will, muss dafuer zahlen. die frage ist nur wie viel. einmal schlender ich den strand auf und ab - playa salva sieht schon nach dem ort aus, wo wir sein wollen. ich frag einfach noch mal und lass mir alles zeigen. genug zeit mich ein bisschen laenger mit carlos - nicht der besitzer, aber der verwalter - zu unterhalten. fuer dreissig dollar koennen wir nun die cabaña, eine wirklich schoene, zweistoeckige huette mit riesigen fenstern zum meer hin, haben oder fuer 15 dollar alle zusammen zelten. das klingt schon besser als vorher, auch wenn ich es immer noch sehr teuer finde. dennoch: die versuchung die cabaña zu nehmen ist gross, aber unser restliches geld hier in mexico ist endlich, da wir nicht nochmal geld abheben wollen. wir entscheiden uns fuers zelten. das teuerste campen meines lebens! aber eine der schoensten aussichten, die man sich dazu wuenschen kann. keine 50 meter bis zum wasser.
playa salva - war wohl mal eine art hippie kommune - inzwischen wuerde ich es als eine grosse wg bezeichnen. vom meer hin nach hinten raus ein grosses grundstueck mit huetten, palmen und haengematten, wie sie hier sein muessen. eine offene kueche, wo sich das leben trifft. die einzigsten touristen, menschen, die hier nicht fuer mehrere monate wohnen, sind wir. da off-seasaon ist, ist drum herum nicht viel los. nach und nach lernen wir die menschen kennen, die hier leben. ein paar sind von hier, ein paar andere hat es hier her verschlagen. so gilan, ein frau die in new york und haiti aufgewachsen ist, und hier als taenzerin arbeitet. pararallel studiert sie. sie einfach nur anzuschauen macht einen gluecklich. ich glaube, ich habe noch nie eine so schoene frau gesehen, die ich gleichzeitig so warm, intelligent und auf ihre weise wundervoll gefunden habe. aileen, aus new jersy, die mit einem einheimischen zusammen ist, sonst in einem krankenhaus arbeitet und sich einfach so lange eine auszeit nimmt, wie ihr geld reicht. kathy, aus san franzisco, die in den 60ern und 70ern dort gross geworden ist und eine stimme wie joan baez hat. sie treibt es umher in der welt - viele jahre hat sie hier und dort als englischlehrerin gearbeitet. ihr zuzuhoeren, wenn sie gitarre spielt und singt... wundervoll! kimba, der heruntergewirtschaftete nachbar, der meister der rohre, wie wir im laufe der zeit erfahren, und fuer mich nur der sonderbare vogel, der nachmittags vorbeikommt zum bier trinken und gras rauchen. einen abend sitzen wir mit ihm und allen anderen zusammen und spielen uno. ununterbrochen mischt er seine karte, hat keinen plan davon wie das spiel tatsaechlich funktioniert, zieht aber immer genau die richtigen karten. ein phaenomen. carlos, der besagte hausverwalter. immer fleissig, am aufraeumen und reparieren. staendig fragt er uns, ob es uns gut geht. sein haus ist unser haus. wir duerfen von allem, was rum steht nehmen. zu lisas geburtstag kauft er ihr extra eine kleine torte und literweise bier. das ist auch der grund warum an diesem abend, wo lisa geburtstag hat, alle so hacke dicht sind, dass wir nur den kopf darueber schuetteln. wenn irgendwas ist mit unserem zelt - wegen regen oder sturm oder... - seine tueren stehen offen. und viele, viele menschen mehr.
hier verbringen wir ein paar tage - die letzten in mexico und die letzten in zentralamerika.
lisa hat geburtstag und es gibt pfannkuchentorte mit cajeta, weil es kein nutella gab.
es gibt unzaehlige orangen, die wir nach herzenslust auspressen koennen.
immer wieder trifft man jemanden in der kueche. in drei tagen schaffen wir es 26 eier zu essen (wobei da die pfannkuchtorte mit drin ist). ungezaehlte male muss ich erklaeren, wie man pfannkuchen macht. sonderbar, was man alles nicht wissen kann.
unser letzter morgen ist verregnet. und selbst hier macht regen keinen spass. stunde um stunde stehen wir unter der dusche und spuelen den sand aus unserm zelt, da sowieso alles nass ist. dann wenigstens nicht ganz so viel zusaetzlichen balast fuer den flieger. ein bisschen karibiksand im rucksack reicht auch.
wieder ein abschied heute bin ich hier gluecklich gewesen, leb wohl! adieu! gute nacht! schon fast wie unsere eigene wg. so vertraut sind sie uns geworden in den letzten tagen, so viel zeit haben wir gemeinsam verbracht.
ein paar letzte minuten, zurueck in der stadt, zurueck in tulum. gleich brechen wir auf, weiter nach cancun, zum flughafen, wo wir die nacht verbringen werden. morgen ganz frueh fliegen weiter in die usa.