22.07.2007, 11.75h, ciudad de mexico
ueber nacht mit dem bus in eine andere welt. morgens ankommen in ciudad de méxico , einer der groessten staedte- hier sagt man die groesste stadt - der welt. die strassen sind menschenleer und kaum verkehr. noch? sonntag morgen, sieben uhr morgen. mag sein, dass es daran liegt, dass wir von den fast 20 millonen menschen, die hier leben, kaum etwas mitbekommen. langsam daemmert es. wir haben beschlossen noch ein bisschen zu warten, bevor wir pavél und erika - unser neues zu hause, dass wir uns ausgesucht haben (kriterien: klang nett, guter name, lupenreines englisch, nettes alter, mann und frau, eigenes zimmer) - anrufen, damit sie uns abholen. zwei stunden: lonely planet, internet, postkarten,... neun uhr - die zeit scheint uns salonfaehig, einen mexikaner fuer uns aus dem bett zu schmeissen. jaja, haetten wir geahnt, dass er immer um sechs uhr aufsteht... so denn, eine weitere halbe stunde spaeter ist er am busbahnhof. hinaus in die grosse, wilde und gefaehrliche stadt! nachdem wir seitenweise darueber gelesen haben, wie es sich hier benimmt, koennte man meinen, dass es in unseren haelsern zu kratzen beginnt und unsere augen brennen - von dem vielen smog! ich merke noch nichts. von dem taxifahrer wurden wir auch nicht, wie in den reisefuehrern detailiert beschrieben, ausgeraubt. nein, ganz langweilig und wohlbehalten beziehen wir unsere neuen vier waende. alles sauber. und wo ist das wundervolle chaos, dass wir bei carlos so liebgewonnen haben? kurzes landen, ankommen, wo wir sind, pavél und erika beschnuppern und wieder hinaus! hippiemarkt und casa azúl (frida: sus colores su esposio su mundo) in coyoacan.
mexikanische pueppchen - genug um euch allen fuer die naechsten zehn jahre geburtstagsgeschenke mitzubringen ...
suess und bunt! fehlt nur noch scharf fuer glueckliche mexikaner
vor dem foto hat sie noch ganz freundlich geguckt...
und selbstverstaendlich werden hier kinder als vollwertige konsumenten betrachtet! an nippes mangelt es nicht...
yippi! noch mehr diskussionsstoff...
geroesteter maiz, frisch von der strasse, dick eingecremt mit mayo - nix fuer mich, obwohl ich die oefchen voll gerne mag
naechster tag: mit dem bus fahren wir raus zu den pyramiden von teotihuacan, den ueberbleibseln einer sehr alten kultur. heilige staetten, sonne und mond. laufen und klettern. knallende sonne und einmal mehr hitze und zu wenig wasser! wir sind froh, dass wir diese steine nicht schleppen mussten. und da wir das auch in zukunft nicht tun wollen, lehnen wir hoefflich alle angebote huebsch polierte und dekorative skulpturen aus obsidian zu kaufen ab. gar nicht so leicht gegenueber den scharen der 1-dollar-haendler den guten ton zu bewahren. silberschmuck, wo man das "silber" abkratzen kann, wollen wir auch nicht und schluesselanhaenger qietschende floeten, regenstaebe und co auch nicht. nach drei stunden hatten allerdings auch wir genug der heiligen steine, sodass wir uns dem turistendasein zu dem man uns zu noetigen versuchte nun freiwillig zuwenden konnten. wir froehnten dem shopping und schleppen nun eine fuenf kilo schwere imitation der sonnenpyramide aus hochwertigem plasik mit uns herum. nein spass beiseite - den nippes haben wir den amerikanern ueberlassen (die soetwas tatsaechlich kaufen). fuer uns haben wir eine voll schoene, duenne, farbenfrohe decke, ein paar sandalen und einen huebschen armreifen gekauft. und das ist schon das auesserste, was unsere rucksaecke zulassen.
kultur und bildung: die pyramiden von teotihuacan. links in der ferne die sonnenpyramide, rechts die des mondes
goettlich! keine absatze auf den pyramiden! das schild sollte man auf jedem ball, im theater und co anbringen...
und irgendwann waren die steine nicht mehr spannend
das spiel heisst "touristen"
tag drei: eine turibus-tour durch die stadt. ob wir uns wirklich erhofften, damit einen ueberblick ueber die stadt zu gewinnen? konkret sieht das so aus: man begibt sich morgens zu einer turibus haltestelle, steigt in den naechsten doppeldeckerbus ein, bezahlt - nicht zu knapp - bekommt ein paar kopfhoerer, setzt sich nach oben, stoepselt sich ein, sucht den kanal in seiner sprache und wird dann durch die stadt kutschiert. begleitend zu dem geschehen rechts und links wird man ueber dinge, die man schon immer dazu wissen wollte, auf dem laufenden gehalten: zu ihrere rechten sehen sie einen pavillion, der eine kopie des pavillions in haste-nicht-gesehn ist und der der stadt mexico im jahre 1967 von dem und dem vertreter ueberreicht wurde und er fort an jeden montag von hinz und kunz geputzt wird. drum herum stehen baeume, die zu einem spaziergang einladen. im anschluss an diese entstpannende zeit koennen sie in einem der umliegenden cafes einen kaffee trinken. dudeldudeldudel. musik fuer die momente, wo es einmal nichts zu sagen gibt. und: rechts sehen sie nun das monoment der revolution. die spitze des monuments bildet ein goldener engel. unten koennen sie vier heilige sehen. kein wort zu der revolution an sich oder was die heiligen und der engel da zu suchen haben. naja. zur entspannung darf man an verschiedenen punkten nach belieben aus- und wieder zusteiegen. die wichtigsten plaetze, museen, die kathedrale, usw.
nachmittags goennen wir uns das museum fuer moderne kunst. ganz nett eigentlich. ein paar huebsche dinge und einmal mehr (in colima haben wir uns bereits die ausstellung von dem maler alejandro rangel hidalgo angeschaut) ein weltensprung. ganz andere kunst als man sie bei uns zu finden pflegt. tatsaechlich kannte ich keinen der kuenstler bis auf einen. und das museum war gross! und im gegensatz zu der turibus-tour richtig gut aufbetreitet. voll viele stellen zum selber bauen, formen und malen fuer kinder, uebersetzungen ins englische, zielorientierte schilder, usw.
ein bereich war einzig werken zu der stadt selbst vorbehalten: eindruecke, zahlen, fakten, sorgen, kritiken und liebeserklaerungen in bildern, videos, installationen, sklupturen und text. hier hab' ich das gefuehl tatsaechlich etwas von der stadt und dem leben in ihr mitzubekommen.
danach: platt! einfach nur noch in den bus steigen und uns von dem rest, den wir noch nicht gesehen haben berieseln lassen. dazu die stimme der mexikanerin, die den deutschen text auf das band aufgesprochen hat. monoton, ohne hoehen und tiefen, immer geradeaus. und so falsch ausgesprochen, dass wir uns fragen, ob das wirklich der deutsche kanal ist. aber bis dahin ist es noch weit. der bus ist naemlich so voll, dass wir oben keinen platz finden. warum wollen die andern touristen nicht aussteigen? ist doch huebsch hier! und wir haetten gerne ihre plaetze... nach einer halben stunde dann koennen wir umziehen; aus dem stickigen untern stockwerk des busses nach oben in die frische luft. nach einer weiteren halben stunde werden sogar plaetze frei, wo die kopfhoerer funktioniern. halleluja! aber nun fahren wir eine stunde durch einen park. genau - einen park! baeume rechts, baeume links und mittendurch strassen. was soll das? wenn ich gruen will, geh ich in den wald und ich laufe statt mich kutschieren zu lassen. und das beste! ununterbrochen diese furchtbare musik dazu. ich war so genervt!!!
besonderer erwaehnung bedarf vielleicht noch die u-bahn mexicos. diese wird zur rush-hour nach maennlein und weiblein getrennt. erschreckend, dass soetwas notwendig ist. aber wir haben tatsaechlich die erfahrung gemacht, dass die haende der maenner gerne dorthin wandern, wo sie nichts zu suchen haben. aber haende, die versehentlich auf unseren hintern landen, helfen wir gerne weiter: einfach einen hintern weiter, auf den des naechst besten kerls, der das in der regel weniger lustig findet...
auffaellt ausserdem, dass es in einer so grossen stadt kaum hochhaeuser gibt. zu einen weil die erde hier ab und an bebt und weil der untergrund zu sandig ist, sodass die gebauede stark absinken.
zocalo: jeden tag um 17h wird hier die fahne unter fanfarenschall eingeholt. im hintergrund sieht man eine waschechte lamettafahne! tadaaa!
mañana, mañana: gemuetliches mexico...
mitten auf der strasse kann man sein kama putzen lassen: weihrauch, floetenklang und abklopfen mit einem strauch irgendwas - ob man danach wirklich ein besserer mensch ist?
den letzten tag in dieser stadt haben wir im internetcafe und im antropologischen museum verbracht. zwei stunden, tippseln, bilder hochladen und dann: stromausfall! obwohl wir alles mehrfach zwischendrinn abgespeichert haben ist alles weg. die computer loeschen automatisch alles, sobald man sie neu einschaltet. frustrierend! und klar, dass wir nicht die vollen zwei stunden im netz zahlen. oh mann! so viel zeit einfach weg. und alles nochmal zu schreiben macht nicht wirklich spass. am gleichen tag schaffen wir das sowieso nicht mehr.
das museum dagegen war gigantisch. die welt der mayas, atzteken und anderen alten kulturen im norden, sueden, osten und westen mexicos. viele beeindruckende skulpturen. den hoehepunkt duerfte mit sicherheit die sonne in stein darstellen, in der einer der fruehsten und genausten kalender mit eingefasst ist. symmetrisch und ornamental und irgendwie mystisch. nach der haelfte des museums koennen wir nicht mehr. einfach zu viel fuer einen tag.
der rest des abends gehoert dem abschied. wieder lassen wir einen ort und die menschen zurueck, die uns fuer ein paaar tage zu hause waren. mit der metro fahren wir raus zum busbahnhof und wenig spaeter mit dem bus richtung villahermosa. von weit weg und oben sehen wir nocheinmal ueber das riesige lichtermeer der stadt. wow! erst hier fuehlt man ihre wahre groesse!
erschreckend zum abschied: die wassermassen, die der hurrican mit sich bringt. die gegenspur auf der autobahn ist vollends ueberflutet. einem corsa steht das wasser bis knapp ueber die windschutzscheibe. der verkehr ist umgeleitet auf unsere seite. nur mit viel blaulicht und im schritttempo kommen wir raus. mir tun die menschen leid, die hier leben. am rande der stadt, nur in huetten - sie wird der hurrican treffen, waehrend wir das geld haben weiter zu reisen. weniger der wind - der ist durch die berge schon abgeflaut, aber der regen. mexiko-stadt ist nicht dafuer gemacht. das wasser kann nich versickern und so werden ihre huetten geflutet. und viele leben vom verkauf auf der strasse von tag zu tag. wenn die naechsten tage hier nur regen sein wird sieht es duester fuer sie aus. ich bin froh, dass wir im bus sitzen und in die nacht hinein fahren.
mitten in der nacht im nirgendwo stoppt dann ploetzlich unser bus. alle lichter gehen aus und keiner weiss, was los ist. ob wir jetzt ueberfallen werden? vorne eine taschenlampe und ein aufgeregter busfahrer. doch die mexikaner um uns schlafen weiter. das beruhigt mich. wird wohl nicht so wild sein. die naechsten vier busse, die vorbeikommen, halten und versuchen zu helfen. allmaehlich wird mir klar, dass es sich um eine panne und keinen ueberfall handelt. wir sind so oft vor den bussen nachts gewarnt worden... aber es lag auch nicht in unserem sinne auf den hurrican hier zu warten, der morgen mexico stadt erreichen soll.
inzwischen sind wir in villahermosa, bei bekannten von lurdes und fahren nachher mit olivia und ihren drei kindern weiter auf eine farm mitten in chiapas. ein paar tage ohne strom und fliessend wasser, weit draussen, in schoener landschaft. und weit weg von ausbrechenden vulkanen, erdbeben und hurricans. also bitte, bitte keine aufgeregten sorgenmails.
und fuer oma: bisher fanden uns unsere gastgeber(innen) alle toll und wir duerfen gerne wiederkommen!