27.08.2007, 19.10h, san cristobal, chiapas, méxico
naechster morgen, heute morgen: fuer die bootstour durch den canyon sind wir eine viertel stunde zu spaet dran. aber unter geht die welt davon nicht: wir schliessen uns judith an, die eine tour durch zwei mayadoerfer geplant hat, die zwanzig minuten spaeter losgeht. canyon dann morgen.
leben in chamula
mit einem kleinbus und sieben anderen touristen fahren wir in das nahegelegene maya-dorf chamula. auf den ersten blick macht es den eindruck eines normalen, mexikanischen doerfchens. auf den zweiten blick nimmt man wahr, dass die menschen alle in eine dorfeigene tracht gewandet sind: die frauen tragen viel zu grosse, schwarze roecke aus grober wolle, mit fransen, die von einem guertel zusammen gehalten werden. darueber eine langaermlige bluse aus glitzernden stoffen und tuecher. mann traegt eine art ungefaerbten, beigen wollponcho - ebenfalls mit einem lederguertel zusammen gehalten. im dorf selbst ist ein fest. wir werden von feuerwerk begruesst. hier interessiert nicht das bunte licht - das gibt es gar nicht - einzig der laerm ist von bedeutung. er gehoert zu den religioesen ritualen, die dieses dorf praegen. Im zentrum steht eine kirche, von der bunte fahnen in alle richtungen gespannt sind. einstmals von christen gebaut, lebt es darin, in der kirche, eher mayakultur. es gibt keine baenke, der boden ist mit heiligen piniennadel ausgestreut. ueberall brennen unzaehlige kerzer in verschiedenen farben und groessen auf dem boden. so viele brennende kerzen habe ich noch nie gesehen. beeindruckend! die kirche ist voll und es ist laut. die menschen kommen mit ihren kindern oder alleine, bringen lebende huehner in plastiktueten mit, schwenken diese ueber kerzen, beruehren damit ihre koerper und drehen ihnen den hals rum. anschliessend werden diese an dem ort, der die quelle des schmerzes ist, gegen die dieses ritual helfen soll, begraben. eier sind in der kirche, mit denen aehnlich verfahren wird, und coca cola, sprite und fanta - wegen der farben. die sehen aus wie die des maises, der wiederum die vier himmelsrichtungen symbolisiert. musik, weihrauch - viel weihrauch ! die kirche war grau vor weihrauch. und noch mehr kerzen. die weissen als tortilla, also nahrung fuer den gott oder die goetter. heilige mit spiegeln, denen sie kleidung umgelegt haben und jemand der einen plasik-jesus in den buntesten farben durch die kirche traegt. ein gruenes kreuz - das der mayas, das fuer den pinienbaum steht und ein christliches kreuz daneben. bunte fahnen oder vorhaenge an der decke und einfach unglaublich viel leben. was fuer eine andere welt, was fuer ein anderes denken. interessant ist noch, dass die spirituellen fuehrer die ganzen rituale, also den weihrauch, die kerzen, das feuerwerk, die immer frischen pinienzweige und ... bezahlen muessen. das ist ziemlich viel. fuenfzehn jahre muessen sie warten (wenn sie sich irgendwo eintragen lassen haben) bis dass sie ein solcher fueher werden koennen, in denen sie zeit haben zu arbeiten: unter anderem ILLEGAL in den USA. das mutet schon etwas eigenwillig an, dass die religioesen fueher ausgerechnet dort leben und arbeiten, um in diesem dorf zu leben, das so anders ist als unsere ganze westliche kultur. so viele rituale und regeln und braeuche und ...
in einem anderen dorf haben wir noch mit den frauen in einer weberei tortillas gegessen. hier, in dem dorf, in der kirche war es ausdruecklich verboten huehner umzubringen, und die tracht sieht anders aus. insgesamt merkt man hier mehr westlichen und christlichen einfluss.