28.09.2007, 7h, livingston, guatemala
fahrt nach managua
im bus nach managua lacht mich ein mädchen an. irgendwann setzt sie sich neben mich, schenkt mir von den früchten, die sie grade isst und die ich eigentlich gar nicht mag. immer wieder erwähnt sie, wie gut ihr mein mp3-player gefällt. ich ahne was kommt. nachdem ich auf ihr zwanzig maliges wiederholen, wie gut er ihr gefällt, nicht reagiere, bittet sie mich direkt ihn ihr zu schenken. ich bin genervt! was denken diese leute eigentlich von uns. jemand anderes fragt mich, ob ich ihm nicht hundert dollar schenken will. hallo! ich setz mich auch nicht in deutschland in die strassenbahn und verschenke mal eben meinen mp3-player und hundert dollar an hinz und kunz.
managua
mit den letzten cordua in der tasche, genau fuenfzig und eine hand voll kleingeld, kommen wir in der uns verhassten stadt managua an. dieses mal werden wir bei jeff - eine weitere hospitality-club bekanntschaft - wohnen. ich hoffe, dass das die stadt ein bisschen ertraeglicher, vielleicht sogar lebenswert macht. von dem kleingeld rufen wir ihn an, erfragen wo genau wir hin muessen. nun schlauer als vorher versuchen wir ein taxi zu kriegen. an und fuer sich nicht so schwer, da sie uns reihenweise hinterherlaufen. das problem sind die fuenfzig cordua. laut jeff genau der preis, den wir zahlen muessten. passt doch, denke ich! aber pustekuchen! dass wir keine hundert, die sie zuerst haben wollten, zahlen werden, ist klar. sie auf siebzig runter zu handeln ist kein problem, aber fuenfzig... wir sehen leider definitiv nach mehr geld aus und es dauert ewig bis einer rafft, dass wir tatsaechlich grade nicht mehr geld haben und sagt "ich mach's." es ist genau der, bei dem ich eigentlich nicht einsteigen wollte, weil das taxi total zerbeult und heruntergekommen ist. aber mehr geld haben wir nicht. uns europaeische goldschweinchen fuer den normalen preis zu kutschieren scheint hier ein ding der unmoeglichkeit, quasi ein gebot, eben das nicht zu tun. was haben wir fuer eine wahl? wir steigen ein. die grobe richtung ist ihm klar, bei der konkreten adresse muss er aber passen. prima! an irgendeiner tankstelle setzt er uns nach ein paar mal um den block fahren raus. da stehen wir, haben keine ahnung, wo wir sind, noch wohin wir muessen. keinen cent mehr in der tasche und... ganz so ausweglos scheint es mir nicht, weiss ich doch, dass eine bank niemals unendlich weit weg sein kann und dass irgendwo in meinem rucksack immer noch drei, vier dollar rumfliegen muessen. erstmal brauchen wir aber ein telefon, weil keiner von den leuten in den angrenzenden haeusern weiss, wo die adresse ist, die wir suchen. mit dem telefon kommt letztlich auch jeff, der uns nun bei der tankstelle abholt. er wohnt sechs blocke weiter. in einer bretterbude mit wellblechdach. ganz wohl ist mir dabei nicht, obwohl das hier vielleicht mehr nicaragua ist als alles andere, was wir bisher gesehen haben. die tuer der huette laesst sich nicht verschliessen. man kommt rein und steht in einer art vorraum, in dem geruempel und ein waschbecken mit waschbrett steht. davon mit ein paar holzbrettern abgetrennt die toilette. rechts geht eine art arbeits- und wohnzimmer ab. die waende darin haengen voller bilder: madonnen, kitschige landschaften in regenbogenfarben, postkarten, plastik und bunt,bunt,bunt. vom boden stapeln sich buecher, blaetter, kassetten,... drei schaukelstuehle und ein fernseher. dahinter liegt noch ein raum, in dem seine tante lebt, und sein eigenes zimmer, das er sich mit seinem bruder teilt. alles in allem fuer mein empfinden sehr klein und arm und vollgestopft.
jeffery selbst hat lange ueber ein stipendium in daenemark gelebt. jetzt ist er englischlehrer fuer alte menschen und dolmescht in vielen hilfsorganisationen.
als wir von seinem zu hause aus noch mal los ziehen, um geld fuer den bus am naechsten morgen abzuheben und um etwas zu essen, faellt es mir schwer meine sachen hier zu lassen. aber wir sind hier und haben eigentlich gar keine andere wahl als diesen menschen zu vertrauen. seine mutter bleibt da. auch da weiss ich nicht, ob ich das gut oder nicht gut finden soll. aendern kann ich's eh nicht. so denn!hunger! galo pinto, die traditionellen bohnen mit reis, frittiertes huehnchen, frittierte kartoffeln und salat. dazu leitngswasser, dem ich zur abwechslung voll und ganz vertraue - in jedem deutschen schwimmbad ist weniger chlor...
mein erster englischunterricht auf spanisch
beim essen faellt jeff ein, dass er heute abend noch unterricht hat. ob ich den nicht halten wolle? ziemlich spontan - zum daran zweifeln, ob ich das mit den sprachen hinkriege, bleibt mir keine zeit. drei haeuserblocks weiter, in einem offen raum mit ein paar schulstuehlen, die an der seite, was zum schreiben haben, findet der unterricht statt. ein bord und neonlicht.
der einstieg gehoert ihm. ich schau mir das ganze drei, vier minuten an, dann uebernehme ich. ich erzaehle auf englisch von unserer reise, woher wir kommen, was wir machen. von den ersten minuten weiss ich, dass einige ziemlich viel englisch verstehen, andere eher weniger. deswegen uebersetze ich immer wieder ins spanische, versuche wichtige vokabeln zu wiederholen und anzuschreiben. als sie hoeren, dass ich erst seit kurzem spanisch lerne, sind sie begeistert. hier und da schleifen sie es und korrigieren mich.
nun ist es an ihnen zu reden. ich frage nach ihren frauen, kindern und berufen, erfahre von buergerkriegen, revolutionen, erdbeben und hurricans. ich bin fasziniert davon, in wie wenig zeit ich so viel ueber diese menschen erfahren habe. voller geschichten... die zeit vergeht voll schnell. und ich bin erstaunt, wie frei und fliessend mein englisch und spanisch inzwischen sind. nie haette ich geglaubt, dass es zum unterrichten ausreichen wuerde. und die alten menschen machen mir spass. und etwas hat sich veraendert, nachdem ich aus dem raum heraus trete: in der selben stadt, in der wir uns vor ein paar tagen kaum getraut haben einen fuss vor den anderen zu setzen, bewege ich mich jetzt frei und ohne angst. mit jeff streifen wir durch das dunkel der nacht. ich sehe die menschen wie sie da sitzen, in ihren schaukelstuehlen, und fernsehen. die tueren offen. was ein anderes nicaragua. meine angst ist weg.
die kioske haben die ganze nacht geoeffnet. sie sind ein teil der wohnzimmer, die zur strasse hin geoeffnet sind. immer wenn irgend jemand etwas haben will, stehen sie auf aus ihren schaukelstuehlen. so lebt es hier. statt tischen und stuehlen wie bei uns in den cafes, sitzen sie auf baumstaemmen oder auf dem boden. wir trinken noch eine limonade bevor wir schlafen gehen.
morgens um halb vier stehen wir auf, packen und stehen ploetzlich im dunkeln. der strom ist weg. mit dem licht von einer unserer kameras schluepfen leise nach draussen. alles dunkel und kein taxi weit und breit. mist! wir sind spaet dran, unser bus faehrt bald. auch an der grossen kreuzung haben wir kein glueck. lisa laeuft zurueck, um von jeff aus ein taxi anzurufen, was aber gar nicht noetig ist. der kommt uns entgegen, da er doch aufgewacht ist, um tschuess zu sagen. mit ihm kommt ein taxi. von ganz alleine. eigentlich voll und es faehrt in eine andere richtung, aber da er uns hier rumstehend gefaehrlich findet, nimmt er uns mit und wir kriegen unseren bus noch.
nicaragua - honduras
am bus erwartet uns dann ein unliebsames wiedersehen: der tica-busbegleiter, der uns beim letzten mal so geschroepft hat. wuetend fauche ich ihn an, als er die summer ankuendigt, die er heute einzusammeln gedenkt. wieder ein vielfaches mehr als es tatsaechlich kostet. drei minuten vorher hatte ich mich bei seinem kollegen erkundigt. bevor ich nun den bus betreten darf, werde ich noch mal herausgezogen und mein pass wird gefilzt. zum x-ten male. irgendwann ist mir das zu bloed und ich nehme ihnen meinen pass weg und gehe in den bus. als der gute herr dann das geld fuer die grenze einsammelt, macht er keine anstalten sich uns zu naehern. bitte, lass alles an der grenze glatt laufen, bete ich innerlich. aber meine sorgen sind unbegruendet - wir zahlen den offiziellen preis und kommen ohne probleme durch. 4 dollar gespart! ich finde dafuer haben sich drei minuten aufstand gelohnt.
in honduras muessen wir noch mal umsteigen. knapp zwanzig minuten zum geld abheben und mit einem viel zu teueren taxi zur anderen busstation. leider muessen wir feststellen, dass man uns zu den first-class-bussen chauffiert hat. das merkt man sofort im preis, aber da wir keinen weiteren tag verlieren wollen, um auf die inseln zu kommen, nehmen wir ihn. immerhin gibt es was zu essen und zu trinken - freu! dazu sind wir naemlich nicht gekommen beim umsteigen und wir sind immerhin seit mehr als zehn stunden unterwegs. und es laeuft fluch der karibik zwei, als einstimmung. vorfreu! leider ist die klimaanlage so kalt, dass ich davon krank werde, weil mein pulli natuerlich unten im gepaeck ist, weil alles so schnell gehen musste.
la ceiba
aber wir kommen an, in la ceiba. nachts. mit einem taxi in ein hostel und erst mal daran gewoehnen, dass hier alles viel teurer ist, als wir es aus den letzten tagen gewohnt sind. hier denkt es dollar. die karibik hat ihren preis.