Ueber das Fortbewegen in Mittelamerika koennte ich ein ganzes Buch schreiben und trotz dass es sehr ungemuetlich, lieb ich es. Wenn man sich mit den oeffentlichen Verkehrsmittel in Mittelamerika fortbewegt, braucht man eigentlich nicht mehr einkaufen zu gehen. Man kann im Bus alles kaufen, von Getraenken, Obst, Sandwiches, Pommes bis zu ganzen Huehnchengerichten oder Kleidungsstuecke, Taschenlampen, Stifte, FC Barcelona Fanflaggen, etc. bis hin zu Rheumasalben und Kopfschmerztabletten. Manchmal kommt man gar nicht aus dem Bus raus, weil so viele Verkaeufer in den Bus reindraengeln. In Santa Ana (El Salvador) sind wir ca. 15 Minuten durch die Marktgasse im zeitlupen Schritttempo gefahren (bei den Engen Gassen und dem Trubel war ein schnelleres Tempo unmoeglich) und die Verkaeufer wie auf einer Perlenschnur aufgereiht vorne rein und hinten wieder raus. Die Pillen und Salben werden meistens eine Viertelstunde lang angepriesen, man kommt sich vor wie auf ner Seniorentupperwarenfahrt! Ach ja und in die Kirche braucht man auch nicht mehr zu gehen, es kommt oefters vor das einer dem gesamten Bus einfach mal ein bischen aus der Bibel vorliest.
Die Busfahrer bzw. die Schaffner sind hier eine Spezie fuer sich. Obwohl man alle Zeit der Welt hat (so ne Fahrt dauert ja manchmal ueber zwei Stunden) tuen sie so als, ob keine Zeit mehr waere. Wenn man beim Fahrkarte zahlen eine Frage stellt wird man schon nach der Haelft mit der Antwort unterbrochen, man koennte meinen der Aermste denkt, wenn ich zu viel Frage reicht ihm die zwei Stunden nicht, die ganzen Leute abzukasieren. Genau so ist es beim Einsteigen. Man kommt in den Busbahnhof, findet seinen Bus und dann wird man schon in den Bus reingeschubst und gestresst. Am Anfang habe ich immer gedacht, oh ich muss mich beeilen, der Bus faehrt so fort los und bin in den Bus gestuermt. Und dann sass ich im Bus, habe mich voellig umsonst abhetzen lassen, da es noch mindestens ne Viertelstunde dauerte bis es los ging.
Die Schaffner bruellen immer den Ort wo der Bus hinfaehrt, allerdings lassen sie immer eine Silbe weg, das ist echt ne Sprache fuer sich, am Anfang habe ich daher nie verstanden, wo der Bus eigentlich hinfaehrt und musste immer nochmal nachfragen (Bsp. Managua > Agua, Leon > Leo, etc.) Der Schaffner bruellt auch immer dem Fahrer zu, ob er weiterfahren kann und das Ein- und Aussteigen beendet ist, aber er ruft nicht Sale, Sale (was Losfahren bedeutet) sondern nur ale, ale. Anfangs wunderte ich mich immer warum die Schaffner hier franzoesichse Woerter benutzen...
In Nicaragua haben die alten US-Schulbusse Dachgepaecktraeger, auf denen wirklich alles transportiert wird. Einmal war fast ein halbes Haus auf dem Bus - Bauholz, zwei Betten, unzaehlige Saecke Reis, lebendige Huehner in Koerben, Fahrraeder, Eimer mit unbekannten Inhalt,... Hier wird vor allem in den laendlichen Gegenden der Bus als Lieferservice genutzt. Man gibt dem Busfahrer seine Sachen, zahlt, sagt wo hin es soll und dann muss nur dort jemand an der Strasse stehen und es entgegennehmen.
Einmal bin ich vom Meer mit dem Bus ne Stunde lang zur naechsten Stadt gefahren, kam mir vom Gestank her vor als befinde ich mich auf nem Fischmarkt und die Fische waren nicht mal im Bus verstaut, sondern alle oben auf dem Bus, der Fischmarktgeruch kam aber mit dem Fahrtwind durch alle Fenster...
Habe dann auch mal die Boote als Fortbewegungsmittel in Mittelamerika ausprobiert. Den meisten Satz den ich gehoert habe war: faehrt gerade nicht ist kaputt!! Erst habe ich ihnen nicht so ganz geglaubt, beim ersten Mal dachte ich, dass ist nur ne Ausrede damit ich das teurere Boot nehme, aber wenn ich mir die Boote so anschaue, glaub ich dieser Aussage doch. Bei meiner letsten Pangafahrt (ein Schnellboot) mussten wir mehrmals auf dem Fluss anhalten, damit erst am Motor rumgeschraubt und dann der Propeller ausgetauscht werden konnte. Und man muss sich immer Schwimmwesten Marke Uralt anziehen, was nicht unbediengt das Sicherheitsgefuehl vergroessert. Also auch Bootsfahren sehr abenteuerlich.
Zum Abschluss habe ich mir dann aus Zeitgruenden die schnellen und etwas teureren Direktbusse gegoennt. Aber die wahren mir zu langweilig, man hatte immer Vorhaenge vor den Fenstern, so gab es nicht viel zu sehen bzw. die Sicht war eingeschraenkt und die Leute waren nicht so spannend und unterhaltsam. Als ich in meinen Bus von Tegucigalpa (Hauptstadt von Honduras) nach San Pedro Sula gestiegen bin, hatte ich eher das Gefuehl ich betrete die Presidentenlimosine. Ausweispflicht beim Kauf und beim Einsteigen des Busses, ein Foto wurde von einem gemacht und Handgepaeckkontrolle. Ach ich werde meine Chicken Busse vermissen...