Nicaragua-Reisebericht :In Düsseldorf daheim, in der Welt zu Hause

Nicaragua

Vulkan + Vulkan = Trauminsel

Bei der Fernsicht von Boot aus konnte man schonmal die zwei direkt
nebeneinander liegenden 1600 und 1300 m hohen Vulkane bestaunen, die die Insel geformt haben: Nach und nach haben sie halt Ausfluss gehabt und die Lava hat irgendwann dann eine Verbindung zwischen den beiden Vulkanen geschaffen und der liebe Gott hat dann alles mit Baeumen und sonstigem Gruenzeug vollgemacht. Um die beiden Vulkane herum, der Grosse etwas aktiver als der Andere, schwebt staendig (auch bei strahlend blauem Himmel) eine Dunstwolke, sieht also aus wie ein etwas zu gross geratener Geysir, sehr huebsch das Ganze!
Die sehr entspannten Bewohner des Eilands hatten aber frueh Angst vor einem Burn-Out und um nicht zu viel Stress oder Grossstadtleben hier reinzubringen, haben sie das Dorf klein gehalten (7000 Seelen) und sich nach der Haelfte der asphaltierten Strasse gedacht, dass das doch ein bisschen zuviel Zivilisation sei und ab da nur noch "dirt road" in die sandige Erde gekratzt. Das muss man sich dann so vorstellen, dass einfach alle Steine, die gefunden werden konnten, mehr oder weniger gross in den Sand gepresst wurden und fertig ist die dirt road.

Nach der Ankunft hab ich zuallererst lonely planets Nase folgend mir ein
Hostel gesucht, was ziemlich einfach war in dieser groessten Stadt der
Insel: Drei Blocks geradeaus und einen Block nach links und fertig, da
braucht man nicht mal ne Karte. Begruesst wurde ich von einem ca.
60jaehrigen alt-und wahrscheinlich auch neu-Hippie mit einem einzigen,
ca. 1 m den Ruecken runterhaengenden Dread-Lock, der beim sehr
gemaechlichen Einchecken dann ploetzlich auf ein Deutsch mit
franzoesischem Akzent gewechselt hat! Alle Achtung Meister des
Haschischs, das haett ich nicht gedacht!
Das Hostel in der "Hauptstadt" gleicht eher einem kleinen Zoo als einer Herberge, da es glaube ich mehr Tiere als Betten gibt: haben mich freudig zwei Affen, drei Katzen, drei Hunde, eine Ente, die immer nach den Fuessen schnappt und ein Reh (ja, ich weiss nicht genau, ob das schon gemestet wird fuers naechste Weihnachtsfest oder ob es wirklich ein Haustier-Rolle spielt, kuscheln ist auf jeden Fall eher nicht angesagt mit diesem Essens-Dieb). Aber dafuer bekommt man ein Tagesticket mit Holzpritsche fuer diesen Zoo fuer exklusive 2,70 euro! Wenn das mal kein Spott-Preis ist! Hab direkt zugeschlagen und ein Drei-Tages-Ticket gekauft, wann sieht man schliesslich nochmal solche Tiere in live?
Er hat mich mit glasigem Blick und viel viel Zeit aufgenommen und mich
durch den verwachsenen Palmengarten (wahrscheinlich genau so verfilzt

wie seine Haare) zu meinem Schlafsaal gefuehrt und mir im Garten dann
noch eine kleine Kammer mit nem Klo (aber ohne Waschbecken, das ist
drinnen im Haus) und eine mit Dusche gezeigt, na da hab ich doch alles,
was das Backpacker-Herz begehrt!

Bin dann abends noch zur Promenade bzw. Hafen bzw. Dorfzentrum (drei zum Ort von einem hier im Angebot) geschlendert, bereits die gechillte Insel-Geschwindigkeit annehmend und wurde von jedem vor seinem Haus mit weit geoeffneten Fenstern und Tueren sitzenden Insel-Bewohner freundlich gegruesst! Direkt akzeptiert hier in der Community ich alten latino

Das Insel-Feeling wurde dann abgerundet durch einen Sonnenuntergang aus dem Bilderbuch:
Eine rot gluehende, hinter den entfernten Berggipfeln verschwindene
Sonne, die den ganzen, von Schleierwolken durchzogenen Himmel in ein
leuchtendes Orange getaucht hat und dem blau-gruenen, mit seichten
Wellen ans Ufer plaetschernden Wasser einen goldenen Glanz verliehen
hat, waehrend die letzte Faehre gen Festland und Sonnenuntergang
gedampft ist und vor mir kleine Fische freudig aus dem Wasser gehuepft
sind, um die letzten Sonnenstrahlen des Tages auf ihre Schuppen glitzernzu lassen.
Mein Gott, jetzt hab ich mich aber selbst uebertroffen und sitze hier
klatschnass im Internet-Cafe: komplett mit Schmalz ueberzogen Das
kommt davon, wenn man keine Bilder hochladen kann, ich wusste irgendwie, dass das nichts Gutes bedeutet.

An meinem ersten Inseltag hat mich dann die Abenteuer-Lust gepackt, die dem einen Elternteil missfallendes Kopfschuetteln (Papa) und dem Anderen Besorgnis, aber gleichzeitig auch Verstaendnis fuer den Kick dieses Hobbys (Mama) entlocken wird: Hab mir ein Cross-Motorrad gemietet fuer den Tag, das erschien mir die mit Abstand einfachste und vor allem spassigste Moeglichkeit, die Insel zu erkunden.
Fuehrerschein hab ich zwar nicht dabei, aber ist ja auch Quatsch, wird
sowieso ueberbewertet und der Vermieter meinte, auf der Insel gaebe es sowieso kaum Polizei und sie wuerden mir nur was wollen, wenn ich ohne Helm fahre. Ich schaetze, er war einfach scharf auf die 20 $ in meiner Hand und hat das dann mit dem Nachweis meiner Fahrkuenste nicht mehr so ernst genommen. Also rauf auf die Maschine und losgebraust ueber die einzigen 10km asphaltierte Strasse der Insel und danach nur noch auf dirt roads, ueber Stock und Stein! Was fuer ein geiles Gefuehl (Vatta, da weisste nicht, was du da verpasst, mit nem Rennrad haette ich das nicht machen koennen, ohne alle 5 meter zu flicken und zu pumpen), aber natuerlich hab ich auf mich aufgepasst, bin langsam gefahren und mit Helm und hab an jedem Stopschild angehalten, Mama und Oma! Macht euch keine Sorgen, ich habs ueberlebt, ohne groesseren Schaden zu nehmen!

Jedenfalls begegnet man unterwegs allerlei Tierchen: Da watscheln
schonmal kleine Enten ueber die braune Buckelpiste, gefolgt von ein paar Schweinen, Huehnern, Eseln, Pferden (mit Bananenstauden auf den Ruecken gebunden), Fahrradfahrern, Fussgaengern, Bussen und LKWs. Aber der Ausblick hat alles wett gemacht: Immer wieder konnte man einen der beiden Vulkane mit seiner weiss rauchenden Haube durch den dichten Dschungel sehen, umgeben von glitzerndem Wasser, in das natuerlich unter lautem Gejohle reingsprungen werden musste

Tja, ich glaube mittlerweile hab ich fast alle der 35.000 Inselbewohner
mindestens einmal gegruesst und werde ihnen morgen nochmal von der
Spitze des kleineren Vulkans zunicken, den ich mit einer Gruppe zu
besteigen gedenke, schliesslich ist das Kapitel mit den Vulkanen und mir
noch nicht beendet, einen von denen werd ich mir frueher oder spaeter
schon noch schnappen, so wahr mir meine Wanderschuhe und "La Fortuna" helfen!

So, Captain Schebaum meldet sich am 9.Januar wieder an Bord nach einer kraeftezehrenden Insel-Expedition...

Am ersten Tag hab ich die beiden Vulkane dann also noch von unten von de einzigen Strasse oder beim Schwimmen im See bestaunt, doch am naechsten Tag hats mich dann gepackt und ich bin mit einem local guide und drei Schweden den kleineren der beiden Vulkane hoch.
8 Stunden sind wir durch feuchten, schlammigen, gruenen Dschungel gelatscht (4,5 hoch und 3,5 runter), nur um einmal im Leben auf nem Vulkan gewesen zu sein. Und was ich oben gesehen hab, war voellig unerwartet: Nicht etwa brodelnd heisse Lava oder ein gaehnender Krater, nein, ein riesiger Krater-See, umgeben von hin und her fliegenden Wolkenfetzen! Bin natuerlich sofort reingesprungen und wieder hab ich etwas unerwartetes erlebt:
Der See war erstmal eiskalt, umgeben von mit dichten Baeumen bedeckten Felswaenden und nur ca. einen halben Meter tief und darunter wartete nur noch dicker, dreckiger Schlamm, so dass man gut daran tat, den toten Mann zu spielen, denn der Schlamm war so eine Art Treib-Schlamm.

Aber egal, ich hab das kleine Vulkan-Trauma besiegt und dafuer haben sich 8 Stunden klettern und rutschen und stecken bleiben gelohnt, zumal der Weg eher das Ziel war, denn man hoert eigentlich staendig irgendwas bruellen im Dschungel ueber und neben einem: Entweder Papagaien oder Bruell-Affen oder den Guide...

Ich moechte noch ein paar sehr interessante Gestalten erwaehnen, die ich auf dieser Insel getroffen habe, mal abgeshen von meinen 50.000 neuen Insel-Freunden hier. Das grenzt schon ein bisschen an Sport, wenn man das Ganze auch im Vorbeiheizen auf dem Motorrad praktiziert

Naja, erstmal unser Guide mit dem angeblichen Namen Johan DeNiro (klingt nicht gerade nicaraguanisch oder?), der meinen Traumjob ausuebt: Er hat eine britische Frau (das gehort nicht zum Traumjob, nur das das klar ist, denn Britinnen haben absolut gar kein Gefuehl fuer ihre Koerpermasse oder ihren Klamotten-Style, das muss im Laufe der Evolution einfach verloren gegangen sein auf der Insel) und deshalb lebt er ein halbes Jahr hier auf der Insel und ein halbes Jahr in London. Hier hat er eine travel agency und macht ca. 3 Wanderungen auf einen der beiden Vulkane ind er Woche, ansonsten vermietet er Motorraeder und Kanus und bietet nebenbei auch Staedtetouren in die drei groessten Staedte Nicaraguas an. In London organisiert er dann Sprachreisen fuer englische Schueler nach Suedamerika und Europa, wo er selbstverstaendlich immer mit faehrt. st das ein Leben?

Bei den drei Schweden wollte ich nur kurz erwaehnen, was sie Reise gemacht haben, bevor sie ihre sieben Sachen gepackt haben und fuer ein paar Monate nach Mittelamerika gekommen sind:
Der eine war Koch, das Maedel Kellnerin und der Letzte war Gabelstapelfahrer in einem Kuehlhaus und meinte nach Jahren der frostigen Arbeit bei -23 Grad brauchte er mal ein bisschen Sonne und so sah er auch aus

Die letzte ¨Persoenlichkeit ist ein kanadischer Bar-Besitzer hier im Ort, der frueher Tennis-Profi war und zwischenzeitlich Nr. 480 der Welt. Hat damals in Zeiten der Holzschlaeger (konnte sich nie wirklich an den Netall_Schaleger gewoehnen und hat deswegen immer no0ch mit Holz gespielt) nicht viel Geld damit verdient, aber ist viel rumgereist auf Turnieren in Asien und Australien und so und hat meistens vom Sponsor die Hotels und Ausruestung und Flueg bezahlt bekommen ud konnte sich so ueber Wasser halten. Jetzt ist er aber hier versackt und raucht sich ein Gras-Pfeifchen nach dem andern, scheint aber gluecklich damit zu sein

Will jetzt hier keine neue Kategorie aufmachen, sondern einfach nur mal einen kurzen, aber vielsagenden Einblick in mein Gefuehlsleben gestatten:
Das erste Mal, dass ich waherend meiner Reise laengere Tage alleine bin, ohne jemand laenger als waehrend einer Bus- oder Bottsfahrt kennen zu lernen und einerseits ist es cool, tagsueber machen zu koennen, was und wo man will. Aber besonders abends liegt man dann alleine im Palmengarten des Hostels und es ist zwar schoen und es tut auch gut, ganz entspannt mal sein Buch zu lesen, aber in solchen Momenten vermisst man seine Liebsten daheim dann doch am Meisten und fragt sich, ob das so die richtige Entscheidung war, das ganze Unternehmen alleine zu bestreiten... Vor allem, wenn man dann lange Mails von Freunden und Verwandten bekommt, packt mich schon ab und an mal das FREUNDEweh (nicht HEIMweh, das hab ich bei den Schnee- und Regenmassen da bei euch ueberhaupt nicht), aber gut, ich wusste ja ungefaehr, auf was ich mich hier einlasse und das es mal einsam wird. Vielleicht ist diese Mischung aus alleine und mit Freunden abwechselnd reisen auch ganz gut, denn wenn ich dann wieder Leute treffe wuensch ich mir vielleicht auch wieder mal alleine einen Abend in der Haengematte zu verbringen. Tja, ich weiss, ich bin aber auch undankbar, will immer das, was ich grad nicht hab
Immerhin gibt es sehr positive Nachrichten bezueglich der weiteren Reisegesellschaften: Der grosse Benedict Blomen (und vielleicht auch noch der natuerlich nur koerperlich etwas kleinere Max Waerder) hat einen Flug nach Brisbane gebucht und ich grinse mir jetzt schon einen ab bei der Vorstellung, wie wir unter Palmen ein frisch gekuehltes und ueber Monate sorgfaeltig konserviertes Griechen-Bierchen ploppen lassen und den Sir-Takki fuer unsern Kiosk-Helden tanzen
Abgesehen davon verdichten sich die Geruechte, das die Mama nach Neuseeland reist im Mai, um dem Sohn den Dreck unter den Fingernaegeln wegzukratzen, in die Haende zu spucken und ihm den Seitenscheitel nachzuziehen und ueberhaupt aufzupassen, dass der Junge sich nicht noch weiter fahrlaessig in Gefahr begibt. Da werden dann mal wieder andere Seiten aufgezogen fuerchte ich, da wuensch ich mir dann doch wieder die stille Haengematte zurueck, ich sehs schon kommen

Bis demnaechst, euer Weltenbummler

hab ein schild gesehen, wo ein haus mit diesem blick fuer 5000 $ angeboten wurde, kann man da nein sagen?

hab ein schild gesehen, wo ein haus mit diesem blick fuer 5000 $ angeboten wurde, kann man da nein sagen?

aus dieser kleinen spitze da oben ist alles rausgekommen, was darunter liegt! kaum zu glauben oder?!

aus dieser kleinen spitze da oben ist alles rausgekommen, was darunter liegt! kaum zu glauben oder?!

Schlammbad mal anders im Vulkan-Kratersee nach 4 Stunden Dschungel-Wanderung

Schlammbad mal anders im Vulkan-Kratersee nach 4 Stunden Dschungel-Wanderung

mmmmmmacht schon spass auf so ner maschine, ehrlich Papa, musste mal probieren...

mmmmmmacht schon spass auf so ner maschine, ehrlich Papa, musste mal probieren...

wenn man morgens nicht aufpasst, kanns schonmal quaken unterm fuss

wenn man morgens nicht aufpasst, kanns schonmal quaken unterm fuss

© Marius Schebaum, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mein Around-the-World-Ticket, mein Backpacker-Rucksack und Ich in einem Jahr einmal links rum um die Welt von Lateinamerika über Mittelamerika, USA, Fiji, Neuseeland, Australien und Indonesien bis nach China...
Details:
Aufbruch: 10.10.2010
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 10.10.2011
Reiseziele: Brasilien
Paraguay
Bolivien
Peru
Panama
Costa Rica
Nicaragua
Vereinigte Staaten
Fidschi
Neuseeland
Australien
Indonesien
Malaysia
Hongkong
China
Katar
Türkei
Deutschland
Der Autor
 
Marius Schebaum berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Marius über sich:
Tach auch!
Ich bin Marius, ne waschechte Rheinländer aus dem Herzen Düsseldorfs und wurde mit einer gehörigen Portion Fernweh und Lebenslust ausgestattet. Diese beiden Dinge lebe ich nun in meinen Mitt-Zwanzigern voll aus, bereise die große weite Welt Stück für Stück und möchte andere reisebegeisterte Menschen gerne an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.
Vielleicht lockt es ja den ein oder anderen nach der Lektüre auch in eines der Länder, um dort dann genau so spannende Erfahrungen zu machen... Es würde mich aber auch schon glücklich machen, wenn es dem ein oder anderen rauchenden Studentenkopf in der Lernphase eine kleine Auszeit und andere Gedanken beschert