Panama-Reisebericht :From North to South - einmal durch die amerikanischen Kontinente

Oh wie schön ist Panama

Dann war ich in Panama! Schon vom Flieger aus konnte ich die beeindruckende Skyline sehen!

die Skyline von Panama City

die Skyline von Panama City

Mit dem Bus ging es in die Innenstadt, eigentlich sollte es nur 1,25 US Dollar kosten, musste aber für meinen Rucksack mitzahlen, was okay war, da er einen kompletten Platz einnahm. Das aber das Gepäck 50 Cent mehr wie ein Sitzplatz kostete, fand ich dann doch etwas Abzocke, aber ich war zu müde zum Diskutieren. Vom Bus Terminal dann mit dem Taxi zu meinem Hostel, hier hat wenigstens der angegebene Preis vom Hostel gestimmt. Das Casa Nativa liegt auf einem kleinen Hügel etwas außerhalb vom Stadtzentrum. Die meisten Räume sind wunderschön bunt bemalt, die Küche ist sauber und gut ausgestattet und es herrscht eine ruhige und entspannte Atmosphäre. Es gibt sie also tatsächlich noch, die kleinen gemütlichen Hostels!

das lila Zimmer

das lila Zimmer

Und mein Dorm hatte ich die erste Nacht ganz für mich alleine. Was super war, so konnte ich mich ausbreiten und alle meine nassen Sachen, ohne jemanden zu stören, aufhängen.

es geht auch ohne Wäscheleine

es geht auch ohne Wäscheleine

Dann kam die größte Herrausforderung, mein Zelt zu entsanden, aber es gab einen Gartenschlauch und so ging das dann auch ganz gut. Das Zelt war dann nur richtig nass, aber es gab eine große Wäscheleine im Garten. Allerdings fing es auch schon wieder mit Regnen an. Egal, ich habe zwei Tage Zeit, das Zelt trocken zu bekommen. Mittlerweile habe ich auch beschlossen meiner Transamerikareise einen neuen Namen zu geben: „ y una otra vez la lluvia“ / „und wieder einmal Regen“. Ich hab den Regen so satt! Auf meiner letzten großen Reise hatte ich hauptsächlich Sonne, außer in Neuseeland, wo es doch etwas regnerisch war. Aber es hat schon mit einem untypischen, verregneten Herbst in Kanada angefangen und seitdem verfolgt mich der Regen, na ja, die drei Wochen mit meiner Mutter in Mexiko waren relativ regenfrei. Aber die letzten zwei Wochen waren besonders ätzend, der Regen klebt an mir wie das Pech an der Marie! Aber ich darf mich nicht zu sehr beschweren, meine Bitten bei Petrus wurden größtenteils erhört.

Am nächsten Morgen habe ich mich dann in das größte Einkaufszentrum vom Panama City begeben. Ich hatte nach drei Monaten reisen, meinen ersten Verlust. Habe in Belize mein Zahlenschloss liegen lassen. Zudem brauchte ich einen neuen Bikini. Ich hatte eigentlich gehofft, dass meiner bis zum Ende der Reise hält, aber der Stoff hinten an der Hose ist doch mittlerweile bedenklich dünn. Aber dieses Einkaufszentrum hat mich ziemlich überfordert. Es ist riesig und schlimmer wie ein Labyrinth. Das Schloss hatte ich relativ schnell. Aber in allen Sportläden, auf die ich gestoßen bin, gab es keine Badesachen. Irgendwann bin ich dann auf einen Quicksilverladen gestoßen. Der hatte zwar Bikinis, aber alle hässlich und teuer, also keine Option. Nach über einer Stunde herum irren hatte ich genug. Ich bin dann in einen Billigladen und der hatte eine riesige Bademodeabteilung. Ich habe auch einen gefunden, der halbwegs aussah und nur 6 Dollar kostete. Leider war anprobieren nicht wirklich möglich, da Oberteil an das Unterteil mit einem Sicherheitsknopf befestigt war. Aber europäische bzw. deutsche Größe 38 sollte passen. Dann ging’s in die Innenstadt mit dem Bus. Allerdings kann man in Panama City nicht mit Bargeld im Bus bezahlen, man braucht eine Plastikkarte, auf die man Geld läd. Hatte ich natürlich nicht, aber eine Frau war sehr nett und nahm mich auf ihre Karte mit, wollte auch die 25 Cent für die Fahrt nicht haben. Ich wollte eigentlich zum Moderne Kunst Museum. Aber die Frau, die mich auf ihre Karte mitgenommen hat und der ältere Herr, der mir gegenüber saß, meinten beide, dass Museum wäre heute zu und die Gegend sehr gefährlich, da sollte ich nicht mit Kamera, Rucksack, Geld, etc. hingehen, sondern nur mit den Kleidern am Leibe und ein paar Münzen in der Tasche. Daher habe ich mich entschlossen an der Strandpromenade entlang zu schlendern, die Skyline anzuschauen und dann beim Fischmarkt frischen Fisch fürs Abendessen einzukaufen.

Skyline

Skyline

Ich habe auch wieder Mal was interessantes probiert. Ein Straßenverkäufer bot Maracujas an. Diese wurde aufgeschnitten, es kam eine Flüssigkeit mit Salz und Pfeffer rein und fertig. Sehr interessante Mischung, werde ich aber sicherlich nicht nochmal essen. Hinter der Skyline zog eine immer dunklere Wolke auf, die Farbe ging immer mehr in Richtung schwarz. Glücklicherweise schaffte ich es bis zum Fischmarkt, bevor sich der Wolkenbruch entleerte. Also Fisch kaufen und dann abwarten und Regen beobachten. Nach einer knappen Stunde war der Regen nur noch leicht. Also rein in die Regenhose, Regenjacke drüber und Regenschutz über den Rucksack. Ich komme mir immer völlig overdressed vor, da ich die Einzige bin, die sich so einmummelt. Hier stellt sich jeder bei starkem Regen unter, bei allem anderen wird einfach so getan als ob es nicht regnet, bei den Temperaturen, trocknet ja alles schnell bzw. bei der hohen Luftfeuchtigkeit ist eh alles klamm. Ich bin dann durch Casco Viejo geschlendert. Dieser Teil war früher das Stadtzentrum bis der Pirat Henry Morgen die Stadt überfallen, alles geplündert und danach die Stadt in Schutt und Asche gelegt hat. Der Legende nach überlebte nur ein goldener Altar die Plünderei, weil der Priester diesen schwarz angemalt hat. Angeblich soll er Henry morgen sogar noch eine kleine Spende abgeschwatzt haben, damit der Priester einen neuen kaufen kann. Casco Viejo ist heute ein Gemisch aus Ruinen, gut restaurierten Kolonialhäuser, in denen meistens Hotels oder Restaurants und zwar eher teuer sind und herunter gekommenen Häusern in denen sehr arme Menschen leben. Also ein Viertel der Kontraste.

Heruntergekommen...

Heruntergekommen...

Zerfallen...

Zerfallen...

Restauriert!

Restauriert!

Als der Regen wieder stärker wurde, hatte ich genug und beschlossen nicht zum Hostel zurück zu laufen, sondern mir ein Taxi zu gönnen. Der Erste wollte einen hohen Preis, habe ich aber abgelehnt. Komischer Weise nennen ganz oft die Taxifahrer in Panama City keine Preis sondern wollen von einem wissen, wieviel man bereit ist zu zahlen. Ich habe dann einen gefunden, der mich für 3 Dollar zum Hostel gefahren hat. Die Menschen hier sind sehr gesprächig und so habe ich brav mit dem Taxifahrer mein Spanisch geübt. Wir haben über den Regen geschimpft, über Fußball gesprochen, er hat mir sehenswerte Orte in Panama genannt und mich über meine Arbeit in Deutschland ausgefragt.

Irgendetwas musste ich mir mit meinem Zelt überlegen, so wird das nie trocken, wenn es immer wieder mit Regnen anfängt. Da nur zwei weitere Reisende in meinem Dorm waren, entschied ich mich, Stückchenweise meine Zelt über eine Spinttür zu hängen. Mein Vater würde dazu sagen: „Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen!“ Aber nach zwei Tagen war mein Zelt trocken. Ach und als ich abends zurück im Hostel meinen neuen Bikini anprobieren wollte, war ich erstmal sehr geschockt Das Oberteil passte gerade so, normalerweise habe ich da Größe 36, aber das Unterteil habe ich nicht mal über meine Schenkel bekommen, nie und nimmer ist das Größe 38! Also morgen wieder in die Einkaufslabyrinthhölle!

Am nächsten Morgen stand der Panama Kanal auf dem Programm. Der Busbahnhof war praktischerweise am Einkaufszentrum. Also wieder in den Billigklamottenladen, umtauschen ging nicht. Okay bei 6 Dollar kann ich es verschmerzen, ihn umsonst gekauft zu haben, zumindest zur Hälfte, das Oberteil passt ja. Ich hatte beschlossen, diesmal das Unterteil auf alle Fälle anzuprobieren, irgendwie wird es schon gehen, trotz angehefteten Oberteil. Als erstes habe ich Größe 42 !!! anprobiert, immer noch zu klein!!!! Dann habe ich 44 !!! genommen, größer gab’s nicht, und die Bikinihose hat gerade so gepasst. Man muss bei dem Schnitt eindeutig aufpassen, dass man hinten nicht zu viel Einblick gewährt. Der Bikini ist definitiv nur eine Notlösung und verschwindet im Müll wenn ich wieder Zuhause bin. Okay, Bikinikauf erstmal abgehackt, wenn auch nicht sehr zufriedenstellend. Dann ging es mit dem Chickenbus, die hier wieder sehr bunt sind, zum Panama Kanal. Es gibt zwei Schleusen in der Nähe von Panama City. Bei der ersten ist ein Museum und man muss dafür bezahlen, dafür gibt es einen Aussichtsturm und die bessere Sicht. Ich habe mich trotzdem für die Zweite entschieden, die direkt an der Straße ist und von einem Autoparkplatz hat man einen Blick auf die Schleuse. Nach einer halben Stunde warten kamen zwei kleine Boote. Da man auf gleicher Höhe ist, sieht man nicht wirklich, wie die Schleuse geflutet bzw. das Wasser abgepumpt wird. Kurz bevor ich wieder gehen und mich der Straße für den Bus zu wenden wollte, bewegte sich das Riesending, dass ich für ein Gebäude gehalten hatte. Es stellte sich als ein großes Boot heraus. Diese werden von einem Schleusenzug aus dieser herausgezogen. Schon beeindruckend, wie dieses ganze System funktioniert.

Panama Kanal

Panama Kanal

Kaum war das Boot an mir vorbei, kam auch schon mein Chickenbus, super Timing, denn der Bus fährt nur alle zwei Stunden. Jetzt bauch ich nur noch Glück beim Administrationsgebäude der Panama Kanal Gesellschaft. In dem Foyer hat ein berühmter US Künstler Wandbilder gemalt, die den Bau des Kanals dokumentieren. Am Wochenende ist das Gebäude zu, aber wenn man Glück hat, lässt einen der Wachmann rein, um die Bilder anzuschauen. Ich hatte Glück!

Bau des Panama Kanals

Bau des Panama Kanals

Kaum war ich aus dem Gebäude draußen, ging es, wie kann es anders sein, mit dem Regen los. Also schnell zurück zum Hostel, bevor es richtig losgeht. Am Nachmittag war es dann wieder trocken, so dass ich noch einen Spaziergang zum Amador machen konnte. Das Amador ist eine langezogene Halbinsel im Westen von der Stadt. Von dort hat man einen tollen Blick auf die Skyline von Panama City. Ungefähr auf halben Wege zur Halbinsel gibt es auch ein neues Biodiversity Museum. Das Gebäude ist schon von außen interessant, da es vom gleichen Architekten des Guggenheim Museums in Bilbao entworfen wurde. Für den Spaziergang habe ich mir noch ein Shaved Ice (dieses wird von einem großen Eiswürfelblock gekratzt und dann mit Sirup übergossen) gegönnt. Ich habe es auch nicht bis ganz runter zur Halbinsel geschafft, es zogen schon wieder dunkle Wolken auf, daher nur bis zum Museum, Blick auf Skyline genossen und wieder zurück.

Skyline

Skyline

Hier kehrt so langsam Weihnachten ein. Der Busterminal war auch dementsprechend kitschig dekoriert. Auf dem Rückweg entdeckte ich auch eine Weihnachtskrippe in einem Garten. Da erster Advent war, beschloss ich mir wie jedes Jahr einen Adventskranz zu machen, na ja eher ein Adventsgesteck.

Gartenkrippe in Panama

Gartenkrippe in Panama

Advent, Advent ein Lichtlein brennt!

Advent, Advent ein Lichtlein brennt!

In Panama gibt es an den Waschbecken in der Regel zwei Griffe zum Drehen. Aber diese drehen sich in die gegengesetzte Richtung wie bei uns. Beim Aufdrehen des Wasserhahns ist das nicht so schlimm, weil einfach nichts passiert. Wollte ich allerdings den Wasserhahn zudrehen, drehte ich ihn automatisch voll auf, was dafür sorgt, dass ich jedes Mal mein T-Shirt unter Wasser setze.

Am nächsten Morgen ging es nach Boquete, einem kleinen Ort ca. 8 Stunden von Panama City entfernt. Es regnete den ganzen Tag, die Wolken hingen total tief, das beim Blick aus dem Fenster man nur grau in grau sah. Leider regnete es auch im Bus. Die Klimaanlage war nicht dicht. Nicht das es so kalt war, dass man eine Klima gebraucht hätte. Trotzdem lief sie und aus jeder Ritze tropfte Wasser runter. Hinten im Bus, wo ich saß, war es am schlimmsten. Meine Nachbarin wurde besonders nass, bis sich der Kontrolleur mit einem Handtuch in den Gang stellte und immer wieder das Wasser wegwischte. Mir blieb auch nichts anderes übrig, als alle 15 Minuten mit der Hand die Tropfen weg zu wischen. Als ich dann abends in Boquete ankam, war nichts von den Bergen um Boquete herum zu sehen. Es regnete wieder heftiger. Zudem war das Dorfzentrum für den Verkehr gesperrt, da Nationalfeiertag war und bald die Parade statt finden sollte. Das erste Hostel in dem ich nach einem Zimmer gefragt habe, war voll. Der Besitzer meinte auch, dass es heute wegen dem Feiertag schwer sein wird, noch ein freies Zimmer zu bekommen. Er hat dann aber für mich in einem Hostel angerufen und die hatten noch ein Dorm frei. Also dort hin, leider war es nicht so leicht, es zu finden und so irrte ich im Regen durch die Gegend. Es war zum ersten Mal, dass meine Laune auf einem ziemlichen Tiefpunkt war. Ich hatte es sowas von dicke mit dem Regen und auch keine Lust mehr im Dunkeln den Hügel rauf und runter zu laufen auf der Suche nach dem Hostel, zudem hatte ich großen Hunger und musste aufs Klo! Irgendwann habe ich es dann gefunden, es war günstig, hat mir aber auch nicht besonders gefallen. Egal erstmal alle nassen Sachen aufhängen und dann zum Essen. Die Chicha Morada und der leckere Fisch im peruanischem Restaurant hat meine Stimmung etwas gehoben, aber auch nur etwas!

Am nächsten Morgen habe ich mir erstmal ein neues Hostel gesucht. Nicht weit entfernt gab es eines das mir gut gefallen hat, also habe ich mich dort einquartiert. Das Refugio del Rio ist wieder ein Hostel mit viel Charme, sehr netten Mitarbeitern und ruhig. Wie sich auch herausstellte, war das Hostel die Absteige für Kletterer. Es gab auch eine Slakline im Garten, bei dem Wetter hatte ich jedoch keine Lust, sie zu benutzen. Es regnete wenigstens nicht mehr. Jedoch wurde bei der hohen Luftfeuchtigkeit meine Sachen einfach nicht trocken. Letztendlich war es egal, da die trockenen Sachen auch alle klamm waren. Ich habe mich dann noch, um einen Guide für morgen zum Klettern gekümmert und Sachen zum Essen kochen eingekauft. Zurück im Hostel habe ich mir einen Tee gemacht und mich dann nicht mehr vom Sofa weg bewegt und gelesen. Ab nachmittags war eh wieder „täglich grüßt der Regen“ angesagt. Am Abend habe ich dann doch einen Rappel bekommen, habe in den letzten Wochen genügend gefaulenzt. Daher bin ich ins El Villa Café gegangen. Dort wird ein paar Mal die Woche Yoga angeboten. Ich war allerdings die einzige Teilnehmerin. Laut der Lehrerin ist die 90 Minuten Klasse nicht sehr beliebt, da die vielen zu anstrengend ist, sie ist daher oft für sich. Da ich 90 Minuten vom Bikram Yoga kenne, hat mich das nicht abgeschreckt. Ich bekam meine Privatstunde, also nichts mit ausruhen und nur leicht mitmachen. Dafür habe ich zum Schluß sogar meinen ersten Yogakopfstand mit Hilfestellung hinbekommen.

Am nächsten Morgen begrüßt mich strahlend blauer Himmel, perfektes Kletterwetter. Mit mir in der Gruppe waren noch zwei junge US Amerikanerinnen, daher eine kleine Gruppe. Laut Internet, darf man aus Sicherheitsgründen nur mit Guide gehen. Allerdings meinte mein Guide, dass dem nicht so ist. Man kann wenn man die Ausrüstung hat sehr wohl alleine klettern gehen oder sich auch Einheimischen anschließen. Der Kletterfels ist Basaltgestein und hat eine sehr bizarre Form.

Kletterfels von Boquete

Kletterfels von Boquete

Klettern in Panama ist eine nicht oft gesehene Attraktion in Panama. Kaum hatten wir mit Klettern angefangen, kamen zwei Frauen mit ihren drei kleinen Kindern in traditionellen Kleidern vorbei. Sie blieben sicherlich über eine halbe Stunde und schauten uns mit großen Augen zu. Später fuhr noch ein Großraumtaxi vorbei, hielt an und die panamaischen Gäste stiegen aus und fotografierten uns beim Klettern.

Wir haben mit drei leichten Routen angefangen und dann hab ich noch zum Abschluss noch zwei schwierige eingehängt bekommen. Die letzte hätte ich eigentlich nicht mehr machen sollen. Die Routen sind ziemlich kraftzerrend, da alles eher Handaufleger und geneigte Seitgriffe sind. Die Kanten sind sehr scharf. Wenn man sauber klettert und den Griff halten kann, ist es kein Problem. Bei der letzten ging mir jedoch die Kraft aus. Ich wollte sie aber unbedingt fertig machen, also Zähne zusammenbeißen und letzte Kräfte mobilisieren. An der schwierigsten Stelle bin ich trotzdem mit den Händen abgerutscht, jedes Mal hörte ich dabei sogar, wie sich meine Hautschichten verschoben. Ein paar Finger hatte ich zwar abgetaped. Leukoplast hält nur leider nicht so gut wie Klettertape und so habe ich ein paar verloren. Als ich die Route geschafft hatte, war das Ergebnis drei offene Finger und eine Blase! Egal, ich war nach dem Klettervormittag wieder glücklich.

Schöner, aber scharfkantiger Fels

Schöner, aber scharfkantiger Fels

Aber ich war auch sehr platt, so dass Teetrinken und Lesen wieder genau das richtige für den Nachmittag war. Und selbstverständlich habe ich, später wieder Regentropfen beim zur Erde fallen beobachten können.

Am nächsten Vormittag wollte ich eigentlich mit meinem Guide von gestern privat nochmal klettern gehen. Aber wie konnte es anders sein, es regnete. Na ja, meine Finger sind dankbar dafür, ich habe sie zwar gut mit Blasenpflaster und Kinesiotape verarztet, aber die scheinen trotzdem ein paar Tage Pause zu brauchen. Zudem habe ich nach dem Yoga und dem Klettern Muskelkater, daher bin ich auch nicht wieder ins Yoga gegangen. Teetrinken und Lesen war weiterhin eine gute Option. Am Nachmittag hatte es endlich mit Regnen aufgehört. Ich wollte eigentlich nur mal meine Örtlichkeit fürs Lesen wechseln und im Ort einen Kaffeetrinken. Aber als ich dann im Ort war, habe ich doch noch einen Rappel bekommen. Bin ja nicht nach Boquete zum Faulenzen gekommen. Also nur kurz Kaffee getrunken, letzte Besorgungen für die Vulkanwanderung morgen gemacht und dann wieder ins Hostel. Wandersachen an, Kamera geschnappt und zum Colectivosammelplatz. Es gibt hier eine kurze Wanderung von zwei Stunden zu drei Wasserfällen. Es war zwar schon drei Uhr, aber da das Wetter nicht zum Baden im kalten Wasser einläd, müsste es sich zeitlich ausgehen. Im Colectivo musste ich jedoch über eine halbe Stunde warten. Nach einer viertel Stunde war der Bus nach europäischem Standard zwar schon überfüllt, aber hier passen da selbstverständlich noch ein paar rein. Um vier war ich dann beim Wanderweg, um sieben fährt das letzte Colectivo zurück, sollte also machbar sein. Da die Wasserfälle auf Privatgrundstück sind, muss man sieben Dollar Eintritt zahlen. Ein älterer zahnloser Mann mit seinen zwei Hunden kassierte das Geld und brachte mich zum Anfang des Weges. Ich war erstaunt, dass mir noch so viele Menschen entgegen kamen. Der Weg war sehr matschig, aber nicht schwer, teilweise gab es kleine steile Stücke, aber genügend Wurzeln um sich hoch zu ziehen.

Um kurz vor 18 Uhr war ich mit der kleinen Wanderung fertig. Der Mann mit seinen Hunden wartete schon auf mich, so dass er hinter mir das Tor zumachen konnte. Kaum war ich an der Straße, wurde ich auch schon von einem Colectivo aufgeladen, besser geht’s nicht.

Am nächsten Morgen ging es früh los. Ich hatte mich mit zwei Amerikaner zusammen getan, um tagsüber den Vulkan Baru zu besteigen. Er ist mit 3474 Metern der höchste Panamas. Bei guter Sicht kann man vom Gipfel den Pazifik und die Karibik sehen. Daher zelten die meisten in der Nähe vom Gipfel, da ganz früh sie Sicht am Besten ist. Ich hatte aber keine Lust, mein Zelt wieder nass zu machen. Also fiel diese Option weg. Meine Knie dankten es mir, dass kein großes Gepäck den Berg hoch und runter getragen werden musste. Andere beginnen die Wanderung um Mitternacht, um dann zum Sonnenaufgang oben zu sein. Ich hatte aber auch keine Lust, alleine im Dunkel bei möglichem Regen einen Berg hochzusteigen. So wichtig war mir die Sicht dann doch nicht.

Der Weg erstreckt sich über 13 Kilometer zum Gipfel und es müssen ca. 1700 Höhenmeter bewältigt werden. Der Weg ist eine breite Geröllstraße, man kann sich also nicht verirren. Er ist auch nur mäßig steil. Allerdings sollte man die Höhe nicht unterschätzen. Die Amerikaner waren zwar auch begeisterte Wanderer, meine Fitness ist aber sehr, sehr gut im Moment und an die Höhe bin ich auch schon ganz gut gewöhnt. Daher war ich eigentlich relativ schnell alleine unterwegs. Bis auf die Moskitos. Bei uns ist ab einer Höhe von 1800m eigentlich stechmückenfrei, nicht hier. Bei 3000m schwirrten sie immer noch um mich herum, aber hier ist auch die Baumgrenze viel Höher, erst kurz vorm Gipfel wurde die Vegetation spärlicher.

Wenn man keine Lust auf Bergsteigen hat, aber trotzdem den Ausblick genießen möchte, kann man sich für 125 Dollar auch mit dem Jeep hochfahren lassen! Glücklicherweise ist mir keiner begegnet, ich bin ja für selber rauflaufen oder Pech gehabt!

Ich hatte schon den Ehrgeiz, die angegebene Zeit von 5-5 ½ Stunden zu unterbieten. Erstaunt war ich schon, dass immer wenn ich den Weg weit zurück schauen konnte, die Amerikaner weit und breit nicht sehen konnte. Die beiden machten mir eigentlich schon einen fitten Eindruck und sind letztes Jahr 5 Monate den Appalachian Trail gewandert. Ca. einen Kilometer vorm Gipfel tauchte plötzlich der Amerikaner auf. Ich bin zwar kurz vorm Gipfel immer langsamer geworden, da ich sehr ausgehungert war. Pause machen so kurz vorm Ziel lohnt sich aber nicht. Ich vermute, dass er das letzte Stück hoch gerannt ist, weil sein männliches Ego nicht so glücklich ist, wenn eine Frau vor ihm auf dem Gipfel ankommt. Anders kann ich mir das plötzliche auftauchen nicht erklären. Und so erreichten wir gemeinsam nach vier Stunden den Gipfel, damit war ich mehr als zufrieden!

Gipfelglück

Gipfelglück

Leider waren relativ viele Wolken da. Der direkte Blick vom Gipfel, ist jetzt auch nicht der Beste, man schaut auf Satellitenmaste. Mit den vielen Wolken hatte das Bild aber etwas für sich.

Spaciger Gipfelblick

Spaciger Gipfelblick

Für einen kurz Moment wurden die Wolken dann doch weniger und ich habe beschlossen, dass ich Pazifik und Karibik zumindest im Ansatz erahnt habe! Das muss reichen.

Karibikblick?

Karibikblick?

Ich war froh, dass der Abstieg nicht so seil war, trotzdem hat er sich Ewigkeiten hingezogen. Meine Wanderschuhe sind mittlerweile auch so durch, dass wandern, ohne Blasen zu bekommen, nicht möglich ist. Das nächste Mal werde ich abtapen ausprobieren und hoffentlich hilft das. Nach 3 ½ Stunden und vier Blasen waren meine Füße erlöst. Bis die anderen ankamen, habe ich brav mein Spanisch dem Ranger trainiert.

Nebelwald

Nebelwald

Am nächsten Morgen ging es zurück nach Panama City. Diesmal in einem Bus ohne tropfender Klimaanlage. Am Busterminal in Panama zu den Taxis. Es kamen auch gleich 5 Fahrer auf mich zugestürmt, schien gerade Flaute zu sein. Als ich fragte, wieviel es zu meinem Hostel koste, wollten sie von mir den Preis wissen. Ich bestand aber darauf, dass sie mir sagen, was es kostet. Eindeutig ein Fehler, wollten 8 Dollar. Darauf habe ich erstmal mit lachen angefangen und ihnen erklärt, dass das viel zu viel ist, ich sonst nie mehr wie drei gezahlt habe. Sie fasselten dann was von Weihnachten, das überzeugte mich nicht, auch nicht deren Argument von viel Verkehr. Sie gingen zwar mit ihrem Preis auf vier runter, aber ich habe keine Lust mich übern Tisch ziehen zu lassen, wenn ich es nicht vermeiden kann. Also bin ich zu der nächsten Gruppe Taxifahrer, leider war einer von den anderen vorher bei ihm und redete kurz mit ihm, er wollte dann auch vier Euro. Okay andere Strategie, ein ankommendes Taxi angehalten, ihm mein Hostel genannt, ja kennt er. Super, ich rein und erst gar nicht nach dem Preis gefragt, sondern einfach laut die Feststellung gemacht, dass es drei Dollar kostet und mir das bestätigen lassen. Im Hostel meine Sachen für meinen 5tägigen Segeltrip umgepackt und das nächste Abenteuer kann losgehen!

© silja B., 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Von Kanada nach Feuerland
Details:
Aufbruch: 09.08.2016
Dauer: 7 Monate
Heimkehr: März 2017
Reiseziele: Kanada
Mexiko
Guatemala
Belize
Panama
Kolumbien
Live-Reisebericht: silja schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
silja B. berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.