16.11.2007, 15.00, nelson, neuseeland
steile, kahle, graue felsen, die in den himmel ragen. gross und massiv. ein tal - unendlich tief gelegen. baeume, wiesengruen und baeche. herbstfarben und gruen. sonnendurchfluteter tag. da kommen wir nach vielen meilen alpiner landschaft, waeldern, seen und wiesen an.
unser sprit ist knapp. zu knapp, um einmal durch den ganzen park zu kommen. und wegen dem kommenden winter sind die tankstellen im park bereits geschlossen. hmm... ein ueberschlag wie weit wir wohl kommen werden. wenn wir die schlenker zu den aussichtspunkten weglassen, muesste es reichen. unser plan also: eben diese schlenker zu trampen. sollte nicht so schwer sein, da jeder hier im park eben diese zum ziel hat. womit wir nicht gerechnet haben: das amerika das erste land auf der welt ist, wo die menschen einen nicht mit nehmen. stunde um stunde stehen wir am strassenrand. und es liegt nicht daran, dass niemand an uns vorbeifaehrt oder dass die leute keinen platz haetten. was fuer ein oberflaechliches land, denke ich mir nach einer weile. dort, wo man theoretisch keine hilfe braeuchte (meine sachen in tueten packen kann ich auch alleine) stehen sie schlange, um mit anzupacken, aber hier anzuhalten? keine chance. der fairness halber muss ich allerdings erwaehnen, dass die, die uns dann doch mitnehmen, super lieb sind! einer bietet uns sogar sein ferienhaus an, das sonst 400 dollar am tag kostet. einfach so und fuer umsonst und so lange wir wollen. wenn wir die zeit haetten, waer das bestimmt fein gewesen... haben wir aber nicht. schade, schade,... so denn. als wir endlich am glacier point ankommen, ist es bereits spaeter nachmittag. ein wundervoller ausblick auf die tiefen des tales und auf die kahlen felsen, die in goldlicht getaucht sind.
um uns herum all die touristen, die an uns vorbei gefahren sind. beschaemt senken sie den kopf, als sie uns sehen. JA, habt nur ein schlechtes gewissen! nicht alle tramper bringen einen um die ecke oder rauben einen bis auf die letzte socke aus. manche freuen sich einfach nur, wenn man sie ein kleines stueckchen mitnimmt.
obwohl es schon spaet ist, breche ich von hier oben auf, um den panorama-trail zu laufen. 6h geben die infobroschueren als laufzeit an. 2-3h bleiben mir noch bis sonnenuntergang und eine weitere halbe stunde bevor es dann komplett dunkel wird. bisher haben wir immer die haelfte der angegebenen zeiten gebraucht, aber hier scheinen mit die meilen im verhaeltnis zu der zeit etwasw realistischer als sonst. ich versuch es trotzdem. erst als ich unterwegs bin, kommt mir das, was ich grade tue, doch etwas leichtsinnig vor. der erste teil des trails verlaeuft im schatten der felsen, sodass es bereits viel spaeter wirkt als es ist. die letzten menschen, die den trail in die andere richtung gelaufen sind, kommen mir nach und nach entgegen. fuer sie ist es nicht mehr weit, waehrend mein weg grade erst angefangen hat. ich laufe schnell - oder zuegig - und versuche versuche der aufsteigenden panik keinen raum zu geben, als ich nach ein paar meilen und einer gefuehlten ewigkeit feststelle, dass ich erst knapp ein viertel der strecke gelaufen bin. und die sonne steht schon sooo tief! wie kann es sein, dass ich fuer so wenig weg, so lange gebraucht habe? in wirklichkeit war ich wahrscheinlich einfach nicht so lange unterwegs, wie ich dachte. aber das weiss ich ja in dem moment nicht. mit der ueberquerrung des flusses, wechsel ich die talseite. je hoeher ich aufsteige, desto lichter wird es wieder. irgendwann laufe ich sogar wieder in der sonne. tut das gut!!! mit dem licht, wird dann auch die landschaft schoen und ich fange an, das um mich herum auch zu geniessen. vor mir: gigantische wasserfaelle im abendlicht. aufgehender mond ueber den felsen.
langsam, aber stetig werden auch die noch zu laufenden meilen weniger. nur noch drei meilen, als es dann dunkel wird. die nacht als solche beunruhigt mich weniger, aber die tatsache, dass ich kaum noch etwas von dem weg sehe, erbaut mich nicht so sonderlich. die karte, die ich dabei habe, kann ich laengst nicht mehr lesen, aber ich weiss ja
so grob, wo ich lang will. nur weiss ich nicht, dass ein teil des weges gesperrt ist. dafuer gibt es tolle umleitungsschilder, die mich auf einer anderen strecke weiter lotsen. NUR: eben jene schilder kann ich nicht mehr lesen. immer undeutlicher wird der pfad und zwei drei mal komme ich auch definitiv von ihm ab. und muesste ich nicht auch laengst auf die strasse treffen? die wuerde vieles so viel leichter machen. aber statt auf die strasse treffe ich auf ein wandelndes licht im wald. zwei aerztinnen, die hier im park auf einem kongress sind und die keine ahnung haben, wo sie sind, dafuer aber eine taschenlampe mit sich tragen. ein blick auf meine karte und ich bin mir ziemlich sicher, wo ich bin. getreulich folgen mir die beiden und verwerfen ihren urspruenglichen kurs. ich freu mich ueber ihre gesellschaft und darueber, dass sie ein verstehbares englisch sprechen. ihr licht ist gold wert, da sich er pfad immer weniger von der restlichen umgebung abhebt. und dann kommen wir an: an der bushaltestelle! juhu! und das beste ist: die busse fahren noch! zuruck ins zentrum, hin zum abendprogramm, wo wir uns zum wiederfinden verabredet haben. das schlechteste programm, dass wir hier in all den parks erlebt haben (ein werbefilm ueber das hotel im park, den sie als dokumentarfilm ueber den park angepriesen. haben - so schlecht, dass wir mittendrin aufstehen und gehen).
durch die vollmondnacht schlaengeln wir uns durch die berge, runter zum suedeingang des parks, wo wir teuer tanken muessen, da das mit dem trampen nicht so funktioniert hat, wir wir uns das erhofft hatten. hochoffiziell illegal parken wir auf dem parkplatz direkt vor dem mariposa grove, um dort zu uebernachten. es ist spaet und morgen frueh werden wir einfach die ersten sein.
mit dem morgengrauen erobern wir uns die riesigen, alten baeume. sequoias. alt und erhaben, maechtig und gezeichnet von sonne, wind und wetter. viele tausend jahre und feuer. zum ueberleben brauchen sie letzteres. waldbraende verbrennen die kleineren baeume in ihren schatten und verwandeln sie in neuen naehrboden fuer sie. sie selbst sind feuerresistent. um den park vor natuerlichen waldbraenden zu bewahren, aber gleichzeitig den mammutbaeumen optimale lebensbedingungen zu bieten, werden hier regelmaessig kuenstliche fuer gelegt. so kommt es, dass wir nun durch ein meer von angekohlten baeumen laufen.
der wald ist hoeher als bei uns. viel hoeher. die tannenzapfen sind annaehernd so gross, wie meine waden oder ellen.
der weg zu mariposa, dem groessten baum ihrer art hier, ist weit. zumindest weiter als wir dachten. aber das realisieren wir erst, als wir schon eine ganze weile gelaufen sind. ein bisschen bereuen wir, dass wir nicht mit dem auto hier lang gefahren sind, auf den strassen, die eigentlich den teuren touristen-bussen vorbehalten sind. um die uhrzeit, ist hier naemlich sowieso noch niemand ausser uns. es haette also niemand gemerkt, wenn wir einmal mehr unsere eigenwilligen wege gegangen bzw. in dem fall gefahren waeren... aber da wir mitten drin sind, geniessen wir nun einfach den waldspaziergang durch die erste morgensonne.