ist es nicht der abschied, der uns leben gibt und uns zu neuen wegen, neuen zielen führt?
so nehme ich sie bei der hand, die zeit zwischen examen und dem leben danach, lasse zurück, was ich einmal hatte, setzte einen fuss vor den anderen und umrunde ihn, unseren globus. mit all meinem mut für eine hand voll augenblick...
das dasein für das hier... streben ohne ziel... treiben in dieser welt... den kopf ab und zu verlieren... mag der verstand auch nicht verstehn, das herz immer...
anschliessend haben wir es ein bisschen eilig, denn eigentlich wollten wir den tag in san franzisco verbringen - und bis dahin ist es noch ein gutes stueckchen. unterwegs halten wir vorfreudig und dressen uns der stadt entsprechend: be sure to wear some flowers in your hair... haare waschen bei jack in the box im miniwaschbecken und eine portion loeckchen-pommes (crazy Americans!) im schnelldurchlauf. nichts desto trotz wird es nachmittag ehe wir den kern der stadt erreichen.
der berkley campus - unser erstes ziel. die uebersicht sagt: eine kleinstadt fuer sich, mit bibliotheken, stadien, baseball-, und footballfeldern, einer kirche und... parken als fremdkoerper darf man hier nicht. es braucht ein paar parkhaeuser bis dass wir endlich eins gefunden haben, in dem auch wir parken duerfen. das prinzip des zahlenden kunden steht hier scheinbar nicht an erster stelle.
der campus: auf den ersten blick und von aussen wirkt er riesig. wenn man durchlaeuft wird er nach und nach ueberschaubarer, ein bisschen mehr einfach uni und somit ein bisschen weniger unheimlich. weil uni kenn ich und davor brauch ich mich nicht zu fuerchten - nur vor dem papierkram, der damit zusammenhaengt
wir goennen uns ein baseballtraining; sport scheint hier nicht unwesentlich zu sein. wie gut deshalb, dass ich hier nicht studiere. weil: der offizielle titel sport und ich - wir stehen nicht wirklich auf du und du. ich praeferiere es zu leben und wenn ich mich dabei bewege ist das prima, aber kein sport. in einer der bibliotheken schnorre ich die zugangsdaten einer studentin, um kurz ins netz zu springen, und danach ist es zeit zu gehen. kurz vor sonnenuntergang, den wir an den piers und in den fischervierteln der stadt verbringen wollen. mit blick auf die golden gate bridge. die lieb ich doch so sehr. so sagenumwoben und waghalsig zu ihrer zeit...
aber wie es das leben so will: wir stehen mitten im stau, auf einer anderen bruecke, die skyline san franziscos vor uns, die golden gate bridge in der ferne. gluehend roter himmel durchbrochen von den seilen der bruecke, auf der wir sind. das meer verfaerbt sich golden und rot und verschlingt langsam die untergehende sonne. wie schade - nur ein paar minuten spaeter kommen wir dort an, wir urspruenglich hin wollten - und doch auch so auf seine weise wunderschoen.dem letzten tageslicht zur liebe wird das erste parkhaus das unsere - ungeachtet, dass wir hier mit sechs dollar pro stunde ein vermoegen auf den tisch legen. wenn man essen geht wird's ein bisschen billiger und da wir in der stimmung dazu sind tun wir genau das. um uns herum quiecken seeloewen auf plattformen im hafenbecken des pier 39. ein sonderbarer anblick und eine lautstarke kulisse. das abendrot weicht einer vollmondnacht und die alcatraz insel wird zur mystischen silhouette in den weiten des wasser. Lecker essen, am wasser entlang schlendern, schaufenstershopping und ein messerladen. rreu! ich heldin hab' doch mein messer in death valley in die wueste geschickt und sah mich nun schon mit einem schlechten taschenmesser aus irgendeinem souvinierladen weiter reisen. und nun gibt es hier opinells! und das auch noch billiger als in frankreich, wo sie urspruenglich herkommen. willkommen in meinem rucksack. es wird eng, aber wir werden gut miteinander auskommen. hopefully!
san franzisco ist wundervoll! ich fuehl mich rund um wohl. so viel wasser, so viel meer, so viele bruecken. angenehmes licht, friedliches treiben - nur schwer zu parken. auf der suche nach einem schlafplatz fahren wir kreuz und querr durch die stadt. alles ist ruhig und friedlich und die strassen sind frei. ist das wundervoll! aber ueberall: no parking at any time. da wir hier scheinbar nirgendwo legal ueber nacht bleiben koennen, suchen wir uns einfach den ort aus, der uns am besten gefaellt. an das verbotene dinge tun in diesem land haben wir uns ja schon gewoehnt. anders kann man hier gar nicht ueber leben. zumindest nicht, wenn man so ist, wie ich es bin.
so kommt es, dass ich, waehrend ich noch eine weile wach im schlafsack liege, durch unsere heckschiebe hinaus dirkt auf die rotten stahlseile der golden gate bridge blicke. wenn schon vermessen, dann aber auch bitte richtig.
ich bin erstaunt, wie lange es gut geht, bevor die polizei mit taschenlampen in unser auto hinein leuchtet. eine weile habe ich schon geschlafen und so brauche ich einen augenblick, um mich zu orientieren. ich huelle mich in ein tuch und tappsel barfuss und mit offenen haaren durch das mondlicht hin zu den polizisten. wie eine erschienung soll lich ausgesehen haben, sagt lisa. allerdings aendert das nichts an der tatsache, dass wir hier an ort und stelle nicht bleiben koennen. Aber wo sollen wir hin? hilfsbereit ueberlegen die beiden herren und schicken uns schliesslich an ein ufer gar nicht fern von der bruecke, wo wir ruhig und ohne weitere stoerungen die nacht verbringen.
der naechste morgen gehoert noch einmal dem seeloewenspiel am pier 39. ein seeloewen legt auch gleich getreulich sein morgengeschaeft mitten auf der plattform ab. waehrend ich mir noch darueber gedanken mache, dass es wohl nicht wirklich nett sein kann sich in seiner eigenen ueberbleibseln zu waelzen, kommen bereits die ersten moewen angeflogen, um eben diese aufzupicken. oehh!
ich zieh es vor ein chowder - ein riesiges, ausgehoehltes broetchen mit meeresfruechte- und fischsuppe - zu essen.
im meer baden feine herren, die ihre anzuege auf buegeln mitgebracht haben. dafuer lieb ich sie ja glatt! wenn nur alle spiesser ein bisschen so waeren...
zum abschied noch einmal die legendaere golden gate bridge und ihr strahlendes rot im tageslicht.
zu lisas guten morgen kaffee kappern wir so viel sahne, dass es fuer unsere nudelsosse am abend reichen wird. ueber diese art von sparsamkeit muessen wir selbser schmunzeln.