USA-Reisebericht :In Düsseldorf daheim, in der Welt zu Hause

USA

Das Land der unbegrenzten Moeglichkeiten!

Voelliger Kulturschock nach der Ankunft in der westlichen Welt nach 4 Monaten in sengender Hitze, dreckigen Strassen und spanisch sprechenden Menschen mit einem Schlag wieder echte Haltestellen waehrend der Busfahrt, fahrradfahrende Menschen auf asphaltierten Strassen, Blitzer und blonde Frauen, die sich in Wintermaentel huellen anstatt in zu knappe Hotpants. Damit kommen wir naemlich direkt zum Klimaschock, der mich ebenfalls ueberrascht hier, ich kam da schoen relaxed mit Flip-flops und Shorts im Sonnenstadt California an und was is? Eisig kalt (also zumindest fuer meine verwoehnte, braungebrannte Latino-Empfindung, im Gegensatz zum frostigen Deutschland klingen 10 Grad wahrscheinlich wie ein Worlpool), von wegen hier is immer Sonne und alles sind gut drauf ey! Da haben sie mich aber verarscht in der Werbung!

Man hoert ja ab und an, dass die Amis mit der Einreise ein wenig zimperlich sind und da ich ja immer schon ein Danger-Ranger war, dacht ich mir, fuer nen kleinen Grenz-Kick nimmste mal Costa Ricanischen Sand (in einem der mittlerweile zahlreichen Nutella-Glaeser verstaut) mit und guckst, wie die das hier finden. Als dann vor mir einige Leute rausgewunken wurden zur Gepaeckkontrolle, wurds mir schon ein wenig mulmig, denn selbstbewusst hab ich natuerlich angekreuzt "ne, keine Erde oder Essen am Start". Aber als ich dann dran war, hat der Grenzbeamte sich nicht mal mein in muehevoller Internet-Arbeit erstandene Einreiseerlaubnis fuer die USA angeguckt, sondern lustlos meinen tollen, neuen Fingerabdruck-Pass durchgeschaut, den man nur fuer die USA braucht und dann auf deutsch "Danke. Tschuess" gemurmelt! Und damit war der Sand und die das ganze illegal importierte Marijuhana aus Mittelamerikas Plantagen in die USA eingeschmuggelt! Meine Dealer und Mittelsmaenner wissen eben, dass sie auf mich zaehlen koennen, wenn ich die Nummer "Deutscher, ahnungsloser Touri" mache, die hat bisher immer funktioniert und mein Anteil ist auch nicht von schlechten Eltern, also eine klassische win-win-Situation

Im Drogenhandel ganz vorne mit dabei, laesst mein Reisefuehrer leider einiges zu wuenschen uebrig, denn er wurde aus der hintersten verstaubten Ecke aus Mamas Buecherregal hervorgekramt und stammt aus der Zeit, als ich noch in Abrahams Wurstkessel weilte und keine Ahnung von Tuten und Blasen hatte (nicht, dass ich das jetzt haette, aber das ist ne andere Geschichte). Also wir sprechen hier von vor-sinnflutlichen Zeiten, von den 80ern! Ich stell mir meine damals in der Bluete ihrer Hippie-Zeit-Mutter vor, wie sie mit dem "Javaanse Jongens Travel Guide" (damals durfte man anscheinend noch positive Werbung fuer Tabak machen, man waren das schoene Zeiten) unterm Arm, nem Arafat-Fetzen um den Hals und ner ordentlichen blonden Loewenmaehne um den Kopf durch L.A. spaziert ist, sich da einen Leihwagen genommen hat, also vielleicht so einen alten, verrosteten Chevrolet, den wahrscheinlich illegalerweise noch mit ein paar komischen Typen von den brennenden Oeltonnen (hier heissen die "homeless people") angesprayed hat und dann gings mit offenen Fenstern durch Californias Sonne... Jedenfalls kann man in diesem flippig-geschriebenen, super hippen Reisefuehrer so nette Ausdruecke wie "Letz Fetz!" (mittlerweile wieder in, schliesslich sind die 80er zum Glueck meiner Mutter wieder im Kommen ) oder "Um Jottes Willi"

Mama, war das "der nette Typ" von damals, der euch diese lustigen kleinen Pilze verkauft hat?

Mama, war das "der nette Typ" von damals, der euch diese lustigen kleinen Pilze verkauft hat?

und was machen die "normalen weissen boys" wie meinereins???

und was machen die "normalen weissen boys" wie meinereins???

Amerika at its best

Ich muss ja mit Ekel feststellen, dass der Amerikaner an sich einfach kulinarisch total wiederlich ist, denn "Peanut Butter:" wird einfach MIT ALLEM gegessen. Da denkt man sich nix Boeses und will sich einen typisch amerikanischen Schoko-Donut zum Fruehstueck goennen und in was beisst man in der Mitte des Donuts? ich geb euch n Typ: Es ist cremig, mit kleinen Stueckchen und ca. 2 cm dick in den Donut geschmiert (und es ist nichts Erbrochenes, denn darauf koennte die Beschreibung auch passen, ist mir grad aufgefallen)

sehr sehr sehr gewoehnungsbeduerftig, so will ichs mal ausdruecken

sehr sehr sehr gewoehnungsbeduerftig, so will ichs mal ausdruecken

das is noch so ne Sache mit den Amerikanern: Die waehlen einfach mit erstaunlicher Genauigkeit die absolut groesste Flachpfeife zum Fuehrer ihres Staats (zum Glueck in diesem Fall noch nich Landes, Gott bewahre!)

das is noch so ne Sache mit den Amerikanern: Die waehlen einfach mit erstaunlicher Genauigkeit die absolut groesste Flachpfeife zum Fuehrer ihres Staats (zum Glueck in diesem Fall noch nich Landes, Gott bewahre!)

L.A.

Ich moechte an dieser Stelle mal ein Lobeslied auf "couchsurfing.com" aussprechen, dieses so einfache Uebernachtungssytem, mit dem ich bisher absolut positive Erfahrungen gemacht habe. In diesem Fall hab ich einen Typen von der Uni hier in L.A. angeschrieben und ohne mich zu kennen hat er mir fuer 3 Naechte in L.A. einen Schlafplatz vermacht in seinem kleinen Apartment, von wo aus ich meine ewig langen Trips durch diese Autostadt unternommen habe...
Diese Trips haben mich natuerlich auch nach Hollywood gefuehrt, zu den super-reichen Stars und Sternchen, die einfach nicht wissen wohin mit ihrem Geld und ihrer Zeit, wahrscheinlich aus purer Langeweile haben sie deshalb angefangen, ihre Fuss- und Handabdruecke in den Asphalt auf einer Hauptstrasse in 'ihrem' Viertel zu druecken und nebenan noch schnell einen Stern auf den Buergersteig zu malen und seinen Namen reinzukritzeln, damit man ihn auch wiederfindet, wenn man sein kleines Kunstwerk nachts besoffen nach ner Party seinen Freunden zeigen will, um besonders cool rueberzukommen. Das fanden andere Leute aus dem Viertel dann total hip und haben das Ganze kopiert, so dass mittlerweile die ganze Strasse voll geschmiert ist mit diesen Sternen und Abdruecken und man sich gar nicht mehr auf die Gebaude oder die Autos und Ampeln konzentrieren kann, weil man so damit beschaeftigt ist zu gucken, ob irgendwer vielleicht zufaellig den eigenen Namen auch irgendwo hingemalt hat, aber ich bin leider NOCH nicht dabei...

wir sehen fast gleichgut aus und haben die gleiche Handgroesse, also von jetzt an koennen sie mich anrufen, wenn sie ne neue Piraten-Rolle brauchen...

wir sehen fast gleichgut aus und haben die gleiche Handgroesse, also von jetzt an koennen sie mich anrufen, wenn sie ne neue Piraten-Rolle brauchen...

im Herzen war ich beim King of Pop, der nicht nur musikalisch-stimmlich, sondern vor allem in Bezug aus Lebensgestaltung, Gehalt, Hautfarbe, Schoenheits-OP's, Peter-Pan-Syndrom und der aufrichtigen Liebe gegenueber Kindern immer mein groesstes Vorbild war (nach meinem Vater natuerlich

im Herzen war ich beim King of Pop, der nicht nur musikalisch-stimmlich, sondern vor allem in Bezug aus Lebensgestaltung, Gehalt, Hautfarbe, Schoenheits-OP's, Peter-Pan-Syndrom und der aufrichtigen Liebe gegenueber Kindern immer mein groesstes Vorbild war (nach meinem Vater natuerlich

arrogante Autostadt

Jedenfalls wollte ich kleiner Abenteurer ja einfach nicht wahr haben, dass L.A. eine AUTOstadt ist und deshalb musste ich natuerlich die oeffentlichen Verkehrsmittel testen und ich muss sagen, nach all den Geschichten von wegen mega gefaehrlich, nicht im Dunkeln, ueberall Verbrecher und Moerder, war ich wirklich sehr positiv ueberrascht. Es wird den besorgten Teil der Familie freuen zu hoeren, dass ich weder bloed angemacht oder bedroht wurde, sondern ganz im Gegenteil haben wildfremde Leute mich auf die Flaggen auf meinem Rucksack angesprochen und waren total interessiert an meiner Reise, auch wenn ich nicht immer so direkt an ihrem typisch amerikanischen Leben interessiert war, aber das ist ne andere Geschichte... Auf diesem Wege habe ich dann also noch L.A.-Downtown gesehen nach sich endlos hinziehenden 2 Stunden Busfahrt hin und abends wieder zurueck, aber immerhin konnte ich so aus dem Bus heraus Sightseeing betreiben, anstatt wie die ganzen stolzen Angelos nur ihre riesigen, 100-spurigen Highways in- und auswendig zu kennen.

noch so ein purer Akt der Langweile und des nicht-wissen-wohin-mit-dem-ganzen-Geld: Pflanzen wir doch einfach den Namen unseres Stadtteils in grossen Leuchtbuchstaben in den Wald (werde das in Kuerze mit dem Takki als Sponsor auch in good old Pempelforth starten, bist du dabei Bene?)

noch so ein purer Akt der Langweile und des nicht-wissen-wohin-mit-dem-ganzen-Geld: Pflanzen wir doch einfach den Namen unseres Stadtteils in grossen Leuchtbuchstaben in den Wald (werde das in Kuerze mit dem Takki als Sponsor auch in good old Pempelforth starten, bist du dabei Bene?)

tja, bei dem Versuch einen kleinen rot-goldenen Stein mit meinem Namen in die Mauer zu ritzen, wurde ich leider erwischt und an dem hoechsten Berg L.A. auf die Stadtmauer gekettet und dort haben sie mich im wahrsten Sinne des Wortes "schmoren" lassen, bis ich aussah wie ein echter Latino und erst dann haben sie mir eine ordentliche Hollywood-Rolle gegeben (ich glaube der Film hiess "The Black Swan" oder so aehnlich...)

tja, bei dem Versuch einen kleinen rot-goldenen Stein mit meinem Namen in die Mauer zu ritzen, wurde ich leider erwischt und an dem hoechsten Berg L.A. auf die Stadtmauer gekettet und dort haben sie mich im wahrsten Sinne des Wortes "schmoren" lassen, bis ich aussah wie ein echter Latino und erst dann haben sie mir eine ordentliche Hollywood-Rolle gegeben (ich glaube der Film hiess "The Black Swan" oder so aehnlich...)

Angelos

Man muss wissen, dass der durchschnittliche Amerikaner an sich ja schon eine sich leicht von der europaeischen differenzierende Persoenlichkeit aufweist.
Das Ganze spiegelt in folgenden Genres wieder:
- Essgewohnheiten: und spaeter dann auch PFUNDEN, nicht Kilogramm
- Politik: siehe die WIEDERwahl der Schwarzenegger-Hohlnuss als Staatsoberhaupt hier drueben
- Sprache: mein Gastgeber hatte mal ein paar Maedels aus London zu Gast und obwohl man munkelt, dass diese auch Englisch gesprochen haben, meinte er, waer es ihm unmoeglich gewesen, sie zu verstehen. Da fragt man sich doch, wer von beiden denn wohl kein Englisch gesprochen hat? Oder war das alles eine grosse Luege, dass die ersten amerikanischen Siedler aus England gekommen sind?
- Stolz: Die Einwohner dieser geht-so-schoenen-Stadt sind der Meinung, dass dieses Fleckchen Erde der absolut geilste, reichste, beste, schoenste, tollste Ort der Welt ist und wehe, man versucht, sie auf die recht schoene Bucht-Lage von San Francisco anzusprechen, dann fliegt man wahrscheinlich acht-kant raus und das ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum ich mich nach 3 Tagen mit meinem Rucksack am Rands Highways mit nichts als Abenteuerlust, grossem Vertrauen ins kalifornische Trampsystem und meinem ausgestreckten Daumen widergefunden habe...

Ich werde mal versuchen meine Gemuetslage zu Beginn dieses Anhalter-Trips in ein paar praegnante Worte zu fassen, die allerdings groesstenteils nicht von mir stammen...

Ich habe also eher weniger schweren Herzens mich dazu entschieden, meinem zweiten grossen Lebensstil und Familienleben-Idol Eminem zu folgen, der nach ein paar drogenlastigen Jahren in L.A. Folgendes erkannt hat: "Say goodbye to Hollywood"!
Und da die ein paar sehr erfolgreiche Rock-Musiker der Alt- und Neuzeit den gleichen Traum hatten wie ich ("Dream of Californication", RedHotChiliPeppers) und mir damals beim O.C. California-gucken (Danke Coco nochmal nachtraeglich dafuer, war wirklich gar nicht sooo schlimm, wie ich am Anfang dachte schon beim Intro jeder Folge eine Message klar gemacht wurde: "California, here we come, right back where we started from..."
Ich weiss, dass er mittlerweile leider nicht mehr unter uns weilt, doch einer meiner grossen Kindheits-Stars 2Pac Shakur (schliesslich war ich damals in Downtown-Flingern ein echter Ghetto-Gangsta, nicht so ein Weichei wie Disney-Club Justin und Britney Verehrer) hat mir dies hier beigebracht: "California, goes out to party! so keep it rockin'!" und genau das hab ich getan...

Allerdings war mein erster Ride nicht mal kalifornisch, sondern eine junge Kuenstlerin aus England in ihrem Leih-Pick-Up, die einfach mal testen wollte, wie es ist, Anhalter mitzunehmen. Dabei hatte ich mir doch das hier so sehr gewuenscht: "I wish they all could be California Girls" (Beach Boys)!
Naja, um es auf den Punkt zu bringen:
"Hit the Road, Jack, don't you come back no more..." Gesagt, getan, hab ich mich enthusiastisch an die erste Tankstelle entlang des "Ocean Pacific Highway" begeben, der sich wundervoll die ganzen ca. 600km entlang der Kueste nach San Francisco schlaengelt und was is im prueden California?
Nach nicht mal 30sek. und bevor ich ueberhaupt IRGENDwen gefragt hab, kommt ein imposant in schwarz und mit silberner Marke gekleideter Officer angeschlendert und schickt mich humorlos weg von der Tankstelle, da der Besitzer mich nicht auf seinem Gelaende haben moechte! Danke! Schliesslich gefaehrde ich mit meinem Atzengesicht wahrscheinlich sein Geschaeft, wenn ich Leute freundlich anspreche, ob sie mich mitnehmen!

Naja, aber nicht aufgegeben und schoen mutig den Daumen in den eiskalten Meereswind gehalten und siehe da nach 10min. kam auch schon meine BRTITISCHE Rettung. Danach liefs ganz gut weiter mit nem kurzen Trip in nem brand-neuen Jaguar mitten nach Malibu rein, locker vorbeigeheizt an den winzige Bruchbuden von Dr.Dre, Julia Roberts und Tom Hanks (mit Meerblick, Privatstrand und 24h-Sicherheitsleuten am Eingang der Community versteht sich, fuer unsere Stars nur das Beste!). Zwischendurch musste ich mich ca. 2 Stunden lang vor der groessten Anzahl an Regentropfen in Kalifornien in den letzten 100 Jahren schuetzen, so dass ich nach einer nasskalten Stunde am Strassenrand in ein Restaurant gegangen bin und einfach ein paar Leute angequatscht habe, bis ich den perfekten Trip gefunden habe: Eine Biologin, frueher selber Hippie und Tramperin und ewig mit nem Schweizer im Himalaya gelebt, bis er an ner Ueberdosis Heroin gestorben ist, klingt komisch, is aber so Jedenfalls habe ich an dieser Stelle mal wieder die super-freundliche Seite derAmerikaner kennen gelernt, denn weil sie mich nicht im Dunkeln stehen lassen wollte, hat sie mich noch 40km in die naechste Stadt gefahren und ihren Freund angerufen, er soll die Adresse vom Hostel raussuchen und mich direkt vorm Hostel abgesetzt und ist dann zurueck gefahren! Was fuer eine Gastfreundschaft! Aber hier kommen wir auch gleich zu einem weiteren mir unverstaendlichen amerikanischen Hobby: Auto fahren. und zwar nicht nur mal eben zum Supermarkt, denn "mal eben" gibts hier gar nicht in diesem riesigen Land. Sondern leute bezeichnen ihren Arbeitsplatz als "nah", wenn sie "nur" 45min. Autofahrt dorthin jeden Morgen haben!

"Ocean Pacific Highway", eine der schoensten, laengsten, windigsten, kaeltesten und unbewohntesten Strassen, auf denen ich JEMALS in KALIFORNIEN getrampt bin

"Ocean Pacific Highway", eine der schoensten, laengsten, windigsten, kaeltesten und unbewohntesten Strassen, auf denen ich JEMALS in KALIFORNIEN getrampt bin

Santa Barbara

Nachdem man in L.A. viele Obdachlose und Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft (hab ich das nicht schoen korrekt ausgedrueckt?) zu sehen bekommt, gab es im High-Class-Ferienstaedtchen Santa Barbara ca. 150km noerdlich von L.A. wahrscheinlich nicht mal einen einzigen Schnipsel Muell auf den weiss geputzten Strassen. Aber obwohl alles ein wenig arrogant wirkt, muss man ihnen eine wunderschoen gelegene kleine, gemuetliche Stadt zwischen den Bergen und dem palmen-gesaeumten Strand lassen...

wenn das nicht Natur pur ist, nur ein paar Meter von der Millionenstadt Los Angeles und ihrem Laerm, Muell und Hochhausern entfernt

wenn das nicht Natur pur ist, nur ein paar Meter von der Millionenstadt Los Angeles und ihrem Laerm, Muell und Hochhausern entfernt

"If you're goiiiiin' to Saaaan Fraaaancisco..."

In Santa Barbara habe ich dann einige Stunden damit verbracht, meine Weiterreise zu planen, denn ueber Couchsurfing hab ich ein Maedel gefunden, die mit ihrem Leihwagen von L.A. nach San Francisco faehrt, aber da ich kein Handy dabei habe (das war eine der besten Entscheidungen ueberhaupt, das Klingelton-Abo zu Hause zu lassen, ich sag euch, ist das ein Frieden!) musste ich zwischen meinen Stadt-Beischtigungen immer wieder mails checken und ich sass auf einem leicht heissen Stuhl, denn wenn diese Moeglichkeit nicht funktioniert, dann verliere ich einen ganzen Tag, der beim Trampen wichtig werden kann am Ende auf dem Weg nach San Francisco. So grob die Teilstrecken berechnend hab ich also ueberlegt, wie lange ich fuer die 450km nach SF brauchen wuerde, gemessen an der ersten Tagesstrecke. und was fuer Zwischenstopps man einbaue koennte (wobei sich das beim Trampen eher schwierig gestaltet, denn man kann dem Fahrer ja schlecht sagen, hey kannst du da vorne vielleicht schnell mal einen 25km Umweg fahren, ich wuerd gern die Kuestenstrasse anstatt den Inlad-Highway fahren) und vor allem, wie ich mein Budget irgendwie kuerzen kann? Denn in den sehr unbewohnten, nationalparkigen Gegenden entlang der Kueste gibt es ausschliesslich Luxus-Resorts, die bei schlappen 150 Euro die Nacht anfangen! Und wenn man ueberlegt, dass mein Tagesbudget immer noch bei im Vergleich laecherlichen 25 Euro liegt, kann man sich die grossen Augen meines Finanzberaters vorstellen beim Kalkulieren der Hotel-Kosten auf dem Weg nach SF.
Hinzu kam noch das furchtbar schlechte Wetter, das ein Sturm entlang der Westkueste der USA ins Land gefegt hat, was das ganze Unternehmen fuer einen an der Strasse stehenden Anhalter wie mich nicht gerade lustiger macht.

Aber dann kam der grosse Gluecksgriff:
Naemlich ein ziemlich nerdiger, langweiliger, bebrillter (nichts gegen Menschen mit Sehschwaeche, aber ihr wisst ja, wie das mit den Klischees ist...) angehender Doktor der Philosophie, der an einer Konferenz in Santa Barbara teilgenommen hatte und am naechsten Tag zurueck zu seinem Wohnort und seiner Frau nach San Francisco faehrt! Joa leckt's mi do' oam Oasch, besser gehts doch gar nicht!
Also dem Langweiler flucks 20 $ in die Hand gedrueckt und die ganzen Zwischenstopps ueber Bord geworfen und an einem Nachmittag den Inland-Highway entlang-geduest und am Abend des 21.2. in San Francisco angekommen und das nach 2 Tagen eigentlichem Trampen!

Kommen wir allerdings zur Beantwortung der Frage, warum ich nicht in SF geblieben bin, sondern direkt weiter nach Oakland gefahren bin am naechsten Tag (mit der U-Bahn unterm Meer durch!), einer groesstenteils vom Prolitariat und Menschen mit Migrationshintergrund (hab mir nach meiner Bachelor-Arbeit ueber Mesut Oezil eigentlich geschworen, diesen Ausdruck nie wieder auf einer Tastatur zu tippen, aber hier passts einfach wie Arsch auf Eimer) besiedelten Vor-Stadt.

Das kam so, dass ich ja in Panama dieses super-nette amerikanische Paerchen kennen gelernt habe, Kim und Mike aus Nebraska mitten im tristen Nirgendwo der USA. Kim hatte allerdings in der 8.Klasse einen Lehrer, mit dem sie sich gut verstanden hat und seitdem befreundet ist und dieser lebt nunmal mit seiner Frau in Oakland, wo sie beide Lehrer an einer High School sind. Zufaellig sind ihre End-Zwanziger Kinder schon ausgezogen, so dass sie ein Gaestezimmer frei haben und obwohl ich die beiden nie vorher getroffen habe, haben sie mich nur aufgrund der Empfehlung ihrer Freunde (und blindem Vertrauen in Deutschland wahrscheinlich nach ein paar wenigen Mails aufgenommen und ich werde ich wirklich absolut fuerstlich behandelt. Heute haben die beiden mich mit zu ihrer Schule genommen und organisiert, dass ich in alle moeglichen Stunden von anderen Lehrern mich mit reinsetzen kann mit einem wundervollen rot-leuchtenden "Visitor"-Sticker und diese ganzen 15-jaehrigen amerikanischen Kids waren so interessiert am deutschen Weltreisenden, dass ich in jeder Klasse mich vorstellen sollte und mit Fragen bombadiert wurde und kurz was zu meiner Reise und Deutschland erzaehlen sollte. Ich war also endlich ein Star geworden, wenn auch noch nicht in Hollywood...
Jedenfalls machen die meisten Klassen gerade eine Buchanalyse zu "Im Westen nichts Neues" (das ich ja zufaellig in der Buecherei im Schildkroetenprojekt entdeckt hatte und aus Mangel an geistigem Input einfach mal lesen musste und deshalb war ich praktisch mitten im Thema drin , aber abgesehen davon habe ich auch noch eine "Macbeth"-Analyse gehoert (Danke Frau Lehmacher, dass ich auch hier mitreden konnte, obwohl ichs damals gehasst habe, dieses unverstaendliche Shakespeare-Gemurmel) und zum Schluss noch eine Stunde zur russischen Revolution 1917-18. Und da sag noch einer, man wuerde auf so einer Reise nix lernen! Nach dieser Ueberdosis an geballtem literarischen Wissen reicht das aber wahrscheinlich auch erstmal fuer die naechsten ca. 8 Monate
Abends haben Tom und Kimberley mich dann noch zum Essen eingeladen und erst auf mein Draengen hin durfte ich mich wenigstens mit 10 $ beteiligen. Mit anderen Worten, ich bin praktisch Teil der Familie hier und muss meine Einstellung gegenueber Amerikanern nach dieser Gastfamilien-Erfahrung vielleicht nochmal ueberdenken...

Nichtsdestotrotz (ein Wort oder drei?, siehste die ganze Bildung fuer nix, da weiss der Junge, warum Macbeth seinen alten Homie Macduff umbringt, aber nicht, wie man richtig deutsch schreibt: sinnloses Schulwissen Teil 2) werde ich mir Morgen dann mal die Highlights von San Francisco reinziehen, sprich das beruehmte Alcatraz-Insel-Gefaengnis, die "Goldenes-Tor-Bruecke" natuerlich und den ganzen anderen Quatsch...

Ach ja, noch eine ganz nette Geschichte, die speziell meiner Mutter gefallen wird:
Erinnert ihr euch noch an die alten "Star-Wars"-Filme mit dem jungen Harrison Ford als eingefrorenes Jabba-Opfer und dem ersten Beatle Luk Skywalker mit Pilzkopf und Prinzessin Lea mit den zwei Schnecken als Haustiere an jeder Seite ihres Kopfes?
Meine Lieblings-Charaktere waren jedenfalls immer diese kleinen Baeren in den Waeldern, die so suess gucken und als sie versuchen, ein Jedi-Jet zu fliegen, so ihre Schwierigkeiten damit haben, den grossen Baeumen auszuweichen. Ich bin mit Tom gestern im "Redwood National Park" gewesen und konnte dort die groessten Tannebaeume der Welt bestaunen (ca. 90m oder komisch klingende 270 yards hoch) und ratet mal, wen ich da getroffen hab? richtig, die kleinen Star-Wars-Baerchen, denn nachdem sie den Film damals in diesem Wald gedreht haben, wurden ein paar Exemplare da gelassen und man kann jetzt mit ihnen quatschen und ne Runde Jedi-Jet fliegen und so...

So long, liebe Freunde und Verwandten, ich wurde aus der Heimat gefragt, "ob John Maynard noch da ist?" (mich hat anscheinend das gefaehrliche Literatur-Fieber gepackt heute, werde so schnell wie moeglich Mediakmente nehmen und versuchen, es los zu werden, versprochen...) und darauf kann ich nur antworten: "Ja, Sir, ich halt's! Noch 20 Minuten bis San Francisco..."

© Marius Schebaum, 2010
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mein Around-the-World-Ticket, mein Backpacker-Rucksack und Ich in einem Jahr einmal links rum um die Welt von Lateinamerika über Mittelamerika, USA, Fiji, Neuseeland, Australien und Indonesien bis nach China...
Details:
Aufbruch: 10.10.2010
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: 10.10.2011
Reiseziele: Brasilien
Paraguay
Bolivien
Peru
Panama
Costa Rica
Nicaragua
Vereinigte Staaten
Fidschi
Neuseeland
Australien
Indonesien
Malaysia
Hongkong
China
Katar
Türkei
Deutschland
Der Autor
 
Marius Schebaum berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Marius über sich:
Tach auch!
Ich bin Marius, ne waschechte Rheinländer aus dem Herzen Düsseldorfs und wurde mit einer gehörigen Portion Fernweh und Lebenslust ausgestattet. Diese beiden Dinge lebe ich nun in meinen Mitt-Zwanzigern voll aus, bereise die große weite Welt Stück für Stück und möchte andere reisebegeisterte Menschen gerne an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.
Vielleicht lockt es ja den ein oder anderen nach der Lektüre auch in eines der Länder, um dort dann genau so spannende Erfahrungen zu machen... Es würde mich aber auch schon glücklich machen, wenn es dem ein oder anderen rauchenden Studentenkopf in der Lernphase eine kleine Auszeit und andere Gedanken beschert