USA-Reisebericht :Yellowstone, wir kommen!

Provo - Pinedale

12.08.2005, Freitag

Endlich Alkohol, ein Follow Me und ein alter Bekannter. Nette Harley-Leute, gibt's die überhaupt?

Mannomann, heute morgen ist es aber saukalt. Nach einem heute besonders mickrigen Continental Breakfast geht es rasch los. Ausgerechnet heute fährt Harald viel schneller als gewohnt und es ist lausig kalt. Besonders Ingrid hinten drauf friert. Wir fahren auch heute (seit der California-Grenze) ohne Helm, deshalb stopfe ich mir lieber ein bisschen Tempotuch in die Ohren. Ohrenschmerzen will ich jetzt wirklich nicht kriegen. Nach 30 Meilen biegt Harald endlich an einen hübschen See ab. Glasklares spiegelglattes Wasser. Hier kann ich mit Hilfe des Selbstauslösers endlich mal ein Foto unserer gesamten Gruppe machen. Eigentlich hätten wir mal wieder Eintritt am Kassenhäuschen bezahlen müssen; die Kassiererin guckt schon ganz komisch zu uns rüber. Deswegen machen wir uns rasch wieder auf die Socken und fahren leise pfeifend und unschuldig aus der Wäsche guckend an ihr vorbei wieder auf die Straße.

Hansemann, Peppi, Andy, Harald, Ingrid, Wilf, Theo, Edith, Mike, Nadine, Michi

Hansemann, Peppi, Andy, Harald, Ingrid, Wilf, Theo, Edith, Mike, Nadine, Michi

Bald fängt schon wieder Wald mit grünen Bäumen an und wir freuen uns darüber, weil die endlosen Steinwüsten doch recht langweilig sind. Eine Gruppe Waschbären flitzt vor uns über die Straße; einer wird leider erwischt und haucht sein kurzes Leben aus. Ich bedaure, seinen Schwanz nicht als Trophäe für meinen Schlüsselbund oder für meine Antenne mitnehmen zu können, aber Ingrid läßt mich nicht anhalten. (Ist nur Spaß, würde ich nie machen!) Die Straße steigt nun ständig leicht an. Oben auf der Passhöhe viele kleine Seen. Da Harry auf dieser Tour ausnahmsweise auch selbst Fotos macht, halten wir auch öfters an. So auch hier.

Schöner See mit ganz klarem Wasser

Schöner See mit ganz klarem Wasser

Und dann geht es wieder abwärts, die Bäume hören auf, Steppe beginnt wieder. Eine längere Baustelle mit stabiler Schotterpiste. Wir können ganz flott drüberfahren. Dann kommt die Grenze nach Wyoming.

Klare reine Luft gibts auch hier oben

Klare reine Luft gibts auch hier oben

Ganz kurz hinter der Grenze kommen wir durch Evanston und sehen schon von weitem einen einladenden Liquor-Shop mit großem Parkplatz. Harald besorgt hier endlich den von ihm langersehnten Jack Daniels.

Paradies für Schluckspechte

Paradies für Schluckspechte

Weil wir nicht wissen, ob hier Helmpflicht besteht, setzen wir lieber mal unsere Helme auf ihre Bestimmungsplätze. Eine kurze Rast an einem ganz kleinen Supermarkt: Auch hier weiß man nichts über die Helmpflicht.

Ich hab doch immer sooo einen Hunger

Ich hab doch immer sooo einen Hunger

Da wir immer noch 120 Meilen vor uns haben, geht es rasch weiter. An jeder Kreuzung stehen nun Schranken, die bei Schneeverwehungen runtergelassen werden können. Dazu passen auch die vielen Meilen links und rechts entlang der Straße stehenden Gatter gegen Schneeverwehungen. Muss ganz schön unwirtlich hier im Winter sein. Aber wir haben es mal wieder schön heiß. Wenn nur nicht immer mehr böiger Seitenwind aufkäme. Der Wind wird immer unangenehmer.

Da freuen wir uns über einen See. Alle Seen waren bisher glasklar und wunderschön in der sonst oft eintönigen Landschaft. Dieser auch. Der See lächelt uns mit seiner ganzen Farbenpracht an und lädt uns zum Bade nein, sodass ein paar von unseren Mädchen sogar ihre Füße in die kalten Fluten baumeln lassen. Auch hier wieder, wie überall Restrooms. Ganz praktisch und immer und überall sauber und kostenlos. Da könnten wir Deutschen uns mal ein Beispiel dran nehmen.

Alle Seen sind glasklar...

Alle Seen sind glasklar...

...aber auch ganz schön kühl

...aber auch ganz schön kühl

Nach einer halben Stunde Pause müssen wir jetzt aber voranmachen. Leider geht das aber nicht, denn wir sind in einer Baustelle. Erst mal müssen wir im Stau vor dem Flagman anhalten und lange warten. Aber der Flagman winkt uns vor, sodass wir nach der Freigabe losfahren können und nicht den Staub der Autokolonne einatmen müssen. Aber nicht nur das, die Gegenkolonne wird von einem Follow Me-Auto angeführt. Das Auto wendet und führt nun uns durch die acht Meilen lange Baustelle mit Schotterstraße. Die Fahrt ist etwas schwierig, weil die Piste nicht ganz stabil ist. Aber es geht alles gut und bald können wir endlich das letzte Stück Straße unter unsere Räder nehmen.

Wir folgen dem Follow Me

Wir folgen dem Follow Me

Am späten Nachmittag treffen wir endlich im Best Western Pinedale Inn ein. Wie immer dauert es etwas, bis Harald uns eingecheckt hat. Mike sieht sich schon mal den Innenpool an, aber er ist mit seiner grünen Algenschicht nicht allzu einladend. Natürlich gibt es auch hier wieder eine Treppe ins Obergeschoß, bei der mir Mike aber wieder freundlicherweise mit dem großen Koffer hilft.

Alle machen sich etwas frisch und dann fahren wir in zwei Partien in ein nahegelegenes Restaurant. Bei Steak und Burgern lassen wir es uns endlich wieder gut gehen. Ein Sänger baut seine Anlage auf. Prima, Livemusik. Country. Er fängt auch bald an. Und sehr schnell meint Andy, dass sie den Sänger vor zwei Jahren im Rubys Inn am Bryce Canyon schon mal gesehen hat. Ich bin ja noch etwas skeptisch und kann mich eigentlich nicht an ihn erinnern. Aber er ist es. Alle freuen sich ob des Wiedersehens. Ein paar von uns erstehen die eine oder andere CD von ihm.

Ein alter Bekannter

Ein alter Bekannter

Nach dem Essen laufen die andern wieder zurück ins Hotel. Nur Harry, Ingrid und ich schauen uns noch in der Bar um und trinken unseren gewohnten Schlummertrunk in Form eines Long Island Ice Teas. Dann fahre ich uns mit dem Auto zurück zum Hotel. Draußen stehen ein paar von den Harley-Leuten rum und rauchen. Natürlich wird schnell ein Bezingespräch begonnen. Ich muss mich auf ein paar Harleys setzen. Eine soll so teuer wie zwei GoldWings sein. Dabei sieht sie trotz ihrer verlängerten Vorderradgabel eigentlich recht klein und unscheinbar aus. Ich möchte sie noch nicht mal geschenkt. Sowas ist doch nur da, um ein paar Minuten damit rumzufahren. Für größere Strecken absolut ungeeignet. Aber es sind außerordentlich freundliche Leute. Einer schenkt mir sogar einen Harley-Atlas, weil in ihm endlich die Helmpflicht der einzelnen US-Staaten aufgeführt ist. Natürlich hätten wir heute Nachmittag hier in Wyoming auch ohne Helm fahren können, also umsonst gequält.

Nein danke, möchte ich noch nicht mal geschenkt haben. Für mich alten Mann viel zu unbequem! - Und, sie hatten auch kein besseres Wetter als wir...

Nein danke, möchte ich noch nicht mal geschenkt haben. Für mich alten Mann viel zu unbequem! - Und, sie hatten auch kein besseres Wetter als wir...

Aber wir haben ja auch noch den Whisky von heute Nachmittag. Soll er etwa schlecht werden, oder, noch schlimmer, gar verdunsten? Nein, wir müssen unbedingt mal nachsehen, ob er noch trinkbar ist. Unser Zimmer wird daher rasch zur Kneipe. Obwohl es doch ein Nichtraucherzimmer ist, müssen einige Leute auch noch rauchen! Ich verabschiede mich nach einiger Zeit und lege mich in mein Bett. Die beiden andern machen noch ein, zwei Stündchen weiter.

© Wilfried Virmond, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Auf sechs GoldWings durch den Südwesten der USA. Von Wilfried R. Virmond
Details:
Aufbruch: 01.08.2005
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 18.08.2005
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Kayenta
Der Autor
 
Wilfried Virmond berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Wilfried sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
Bild des Autors
Wilfried über sich:
Ich bin über sechzig Jahre alt, verheiratet, keine Kinder. Mein Beruf: Kaufmann in der Edelmetallbranche, ofiziell aber inzwischen im Ruhestand. Mein größtes Hobby: GoldWing-Fahren und Reisen, Reisen, Reisen. Vor allem in den USA. Inzwischen zieht es mich aber immer mehr nach Thailand, das den USA ja in vielen Dingen sehr ähnelt. Wer noch nicht in beiden Ländern war, wird es sich wohl kaum vorstellen können.