USA-Reisebericht :Yellowstone, wir kommen!

Lake Havasu City - Williams

06.08.2005, Samstag

Die Mutter aller Straßen, eine originelle Tapete und ein toller Barbier.

Heute hören wir auf Harrys Rat und fahren ohne Frühstück los; es gibt auch gar keins, weil das Restaurant gerade umgebaut wird... Erstmal ein Stück Interstate. Bei Topock biegen wir ab und sind schon bald auf der "Mother Road", der legendären Route 66. Nach einem kurzen Stück unter grünen Bäumen am Colorado entlang beginnt gleich wieder hügelige Steinwüste. An einem Schild der Sixty-Six ein kurzer Fotostopp - das muss einfach sein.

Michi & Edith

Michi & Edith

Ingrid & meine Wenigkeit

Ingrid & meine Wenigkeit

Dann etwas bergauf und schon sind wir in Oatman. Es ist mir peinlich, aber von diesem Ort hatte ich bisher noch nie gehört.

Was soll man dazu sagen?!

Was soll man dazu sagen?!

Das Dorf scheint hundert Jahre zurückzuliegen - wenn nicht die Autos und unsere Mopeds hier herumstehen würden. Alles alte Holzhäuser, die Schotterstraße holprig, steinig, staubig. Aber jetzt wird erstmal gefrühstückt. Harry findet natürlich rasch ein geeignetes Lokal. Alles recht urig hier. Endlich können wir alle genügend Fotos machen. So müssen sich die Amis in Heidelberg fühlen. Jedes winzige Detail wird fotografiert.

Eine fremde GoldWing taucht auf und parkt vor unserem Lokal. Dunkelblaue 1800er. Mit vielem Schnickschnack. Natürlich wird schnell etwas gefachsimpelt. Dann einige Einkäufe. T-Shirts und Pullover mit entsprechenden Motiven sind bei uns heiß begehrt. Andy empfiehlt mir, durch ein bestimmtes Lokal zu gehen. An der Wand sind unheimlich viele 1$-Scheine angeklebt und angenagelt. Tausende. Viele tausend! Wahnsinn. Alle echt. Hoffentlich brennt der Schuppen nicht mal ab. Wäre schade um die Dollars. Aber von diesem Lokal habe ich wenigstens schon mal gehört. Clark Gable und Vivian Leigh haben hier mal in einem der Zimmer genächtigt.

Alles echt

Alles echt

Wo man auch hinguckt, alles echte Dollars

Wo man auch hinguckt, alles echte Dollars

Eine Schießerei auf der Straße wird angekündigt. Einer der Gäste hat wohl nicht bezahlt.

Hoffentlich stellt er sich nur tot

Hoffentlich stellt er sich nur tot

Bald geht es wieder weiter. Eine Straße bergauf. Oben auf dem Sitgreaves Paß in 3.652 feet Höhe natürlich ein kurzer Stopp. Und dann geht es wieder runter, immer weiter auf der Historic Route 66.

Route 66 bergab

Route 66 bergab

Die 66 führt durch Kingman und dann weiter bis Seligman. Das weiß ja auch jeder. Ich auch. Aber jetzt befahre ich sie zum ersten Mal. Eigentlich ist sie aber nichts Besonderes. Ich kann mich nicht allzu sehr begeistern. Unterwegs halten wir am Frontier Motel und trinken etwas. Dieses Motel hat auch schon bessere Zeiten erlebt.

Frontier Motel, Route 66

Frontier Motel, Route 66

Route 66

Route 66

Zum ersten Mal stehen Aschenbecher auf dem Tisch! Und es gibt eiskalte Cokes in kleinen Glasflaschen! Super! Wahnsinn, wie das Coke die Kehle runterläuft! Nur die Bedienung, eine ältere Dame, ist unheimlich hässlich. Ich hab noch nie eine so hässliche Frau gesehen. Aber dadurch wird sie schon wieder interessant. Aber ich bin ja auch nicht viel schöner.

Hauptsache die Coke ist eiskalt

Hauptsache die Coke ist eiskalt

Bald geht es weiter. Und bald sind wir auch am eigentlichen Ende der Route 66 bzw. des übrig gebliebenen Reststückes der 66 in Seligman. Alle haben wohl schon von der Familie Delgadillo gehört, die hier Souvenirs verkaufen, Restaurants betreiben und wo man vor allem superrasiert werden kann. Jede Menge Nummernschilder hängen hier herum. Ich wollte ja auch eins mitbringen, war dann aber doch zu bequem. Peppi kann nicht anders, er muss sich unbedingt beim Senior Angel Delgadillo einer solchen Prozedur unterziehen. Viele Fotos an den Wänden zeugen von ebenso vielen Rasuren, Andy braucht also nicht allzu viel Angst um ihren Mann zu haben.

Peppi, der Mann ohne Nerven

Peppi, der Mann ohne Nerven

Uns andern genügt es, bei Angels Frau Vilma reichlich Andenken und Anziehsachen einzukaufen, nebenan bei den Söhnen Eis zu schlecken und überhaupt ausreichend Fotos zu machen. Im Vorraum hängen tausende Visitenkarten von Leuten aus der ganzen Welt.

Hier gibts das Eis und Happi-Happi

Hier gibts das Eis und Happi-Happi

Harry war ja schon öfter hier und weiß, dass das uralte weiße Cabrio vor der Tür noch fährt. Er fragt und schon setzt sich einer der Brüder Delgadillo ans Steuer und vier andere von uns dazu. Anlassen, und unter viel Gedröhn, Geratter und Geschüttel setzt sich das Gefährt langsam in Bewegung. Die Räder eiern enorm und so haben alle herumstehenden und drinsitzenden Leute viel Spaß.

Hoppel, hoppel und bimmel, bimmel

Hoppel, hoppel und bimmel, bimmel

Hoffentlich purzelt nichts raus

Hoffentlich purzelt nichts raus

Aber alles hat ein Ende und viel zu früh geht es wieder weiter. Wir haben noch ein kurzes und langweiliges Stück Route 66 vor uns, müssen aber anhalten, um unsere Regensachen mal wieder überzuziehen. Wir haben Glück und kriegen wieder nicht allzu viel Regen ab. Noch ein kurzes Stück Interstate und dann sind wir auch schon in Williams, Best Western Inn. Wie immer dauert es etwas, bis wir unsere Zimmerkarten erhalten. Wir sehen hier ein paar ältere Corvettes rumstehen. Vielleicht ist hier ein Corvette-Treffen.

Rein hat letztes Jahr sehr oft unsere Koffer auf die jeweiligen Zimmer gebracht. Das ist dieses Jahr leider nicht der Fall, jeder muss selbst schleppen, so auch heute. Dann stürzen sich ein paar von uns in den auf uns schon wartenden Whirlpool. Der Regen tröpfelt noch etwas und es ist auch ganz schön kühl draußen, und so macht es natürlich einigen Spaß, im heißen Becken zu sitzen.

Michi hat mal wieder Sehnsucht nach seiner F 6 Valkyrie zu Hause und sieht sie sich im Internet über den hoteleigenen PC an; leider gibt es hier kein DSL, sodass sich die Fotos nur sehr schleppend aufbauen. Harry erkundigt sich inzwischen an der Rezeption und erhält einen Tipp für ein italienisches Restaurant. Mike bringt uns wie immer in zwei Fuhren hin. Ich weiß es ja schon, man kann ein solches Lokal nicht mit unseren deutschen Italienern vergleichen. Hier in Amerika gibt es kaum Auswahl in italienischen Lokalen auf der Speisekarte. Trotzdem finden alle etwas zum Bestellen und sind nach dem Essen gesättigt. Der eine oder andere hat noch etwas Durst. Also gehen wir rüber in die Bar und trinken den einen oder anderen Long Island Ice Tea oder eine sonstige Erfrischung.

Schon bei unserer Ankunft ist uns vor dem Lokal eine dunkelrote Stretch-Limousine aufgefallen. Jetzt kommt sie zum Einsatz, denn ein paar von uns lassen sich, für Mopedfahrer zwar nicht ganz stilgerecht aber doch recht komfortabel, zurück ins Hotel chauffieren.

Fast wie ein kleiner Pascha, nur Theo müßte sich noch in ein hübsches Mädchen verwandeln

Fast wie ein kleiner Pascha, nur Theo müßte sich noch in ein hübsches Mädchen verwandeln

Der Fahrer, Michael, stellt sich uns, als er wieder zurück ist, als Ehemann der chinesischen Chefin vor und so haben wir noch eine längere aber trotzdem kurzweilige Unterhaltung draußen auf der Balustrade. Wir erhalten das Angebot, uns gleichfalls mit der Stretch-Limo zurückfahren zu lassen, was auch wir, natürlich, nicht ausschlagen können.

Beim Verabschieden, unter viel Gelächter unsererseits, (ich weiß gar nicht warum, sehr merkwürdig...) wird leider versäumt, Michael ein anständiges Tip zu geben, er lächelt nur zum Abschied, worüber ich mir dann am nächsten Tag, völlig unbegründet, wie sich später herausstellen wird, doch noch einige Gedanken mache. So endet ein interessanter Tag leider schon wieder viel zu schnell.

© Wilfried Virmond, 2005
Du bist hier : Startseite Die Amerikas USA USA-Reisebericht
Die Reise
 
Worum geht's?:
Auf sechs GoldWings durch den Südwesten der USA. Von Wilfried R. Virmond
Details:
Aufbruch: 01.08.2005
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 18.08.2005
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Kayenta
Der Autor
 
Wilfried Virmond berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Wilfried sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
Bild des Autors
Wilfried über sich:
Ich bin über sechzig Jahre alt, verheiratet, keine Kinder. Mein Beruf: Kaufmann in der Edelmetallbranche, ofiziell aber inzwischen im Ruhestand. Mein größtes Hobby: GoldWing-Fahren und Reisen, Reisen, Reisen. Vor allem in den USA. Inzwischen zieht es mich aber immer mehr nach Thailand, das den USA ja in vielen Dingen sehr ähnelt. Wer noch nicht in beiden Ländern war, wird es sich wohl kaum vorstellen können.