USA-Reisebericht :USA, Südstaaten

Nach Mitternacht putzmunter

Nach Mitternacht putzmunter

Das Ziel am heutigen Tag ist Chatanooga, allen bekannt durch sein choo choo. Dort angelangt – jetzt sind wir im Bundesstaat Tennessee angekommen –, halten wir nach einer Unterkunft Ausschau, was aber nur dazu führt, dass wir hin und her kreuzen (beispielsweise dreimal über dieselbe Brücke fahren). Dann finden wir endlich ein Hotel, es wird aber von einer Straßenbaustelle flankiert und wäre, so gesehen, lediglich ein Bett für die Nacht. Was wir bisher von der Stadt gesehen haben, verführt uns nicht unbedingt zu einer weiteren Erkundung und wir beschließen weiterzufahren, wie immer auf gut Glück. Doch selbiges verlässt uns an diesem Tag mehr und mehr. Dass wir diese oder jene Straße in die falsche Richtung fahren (trotz Kompass), ist längst zu einer leidigen und frustrierenden Übung geworden und weiterhin der mangelnden Ausschilderung und eines fehlenden Navis geschuldet. Aber dies könnte natürlich auch ein Hinweis darauf sein, dass Verkehrsschilder mit Richtungsangaben bald der Vergangenheit angehören werden. Entweder kennt man seine Gegend oder man hat irgendeine Elektronik an Bord, die immer sagt, wo’s längs geht (oder sitzt bereits im selbstfahrenden Auto). Ein Campingplatz irgendwo in einem dunklen Wald inspiriert uns gar nicht für die kommende Nacht. Hängen bleiben wir stattdessen in einer kleinen Stadt namens Ethoba. Immerhin hat sie eine als solche kenntliche Hauptstraße mit ein paar kleinen Läden, bei näherem Hinsehen steht jedoch die Mehrzahl davon leer. Das kleine Motel – viel Auswahl gibt es nicht – macht, obwohl nicht ganz billig, keinen sonderlich guten Eindruck. Aber nicht genug damit sind auch die T-Bonesteaks in einem mexikanischen Restaurant aus echtem Leder. Wir gehen an diesem Tag, ohne etwas Besonderes gesehen oder erlebt zu haben, früh zu Bett. Kurz nach Mitternacht sind wir aber wie auf Verabredung wieder putzmunter und trinken erst mal ein Bier und bedauern noch einmal ein kleines Eichhörnchen, das ich (wann, wenn nicht heute?) überfahren habe und das sich in die traurige Schar einer Vielzahl von kleineren und größeren Tieren einreiht, auf die man alle paar Meilen stößt. Ich hatte keine Chance, das Unglück zu verhindern, das Eichhörnchen keine Chance mir noch auszuweichen. Wir trinken auch noch ein zweites Bier.

Daheim in Alabama

Daheim in Alabama

© Peter Kiefer, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach Reisen in alle möglichen Teile der Welt waren ausgerechnet die USA, sieht man mal ab von New York, noch terra incognita. Wir wollten unseren "Brecht-Zyklus" schließen, nachdem wir die Städte, die in seinen Songs vorkommen, alle schon einmal gesehen hatten - bis auf (auch wenn's keine Stadt ist) Alabama. Ein amüsanter Vorwand, weiter nichts.
Details:
Aufbruch: 10.08.2017
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 01.09.2017
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Peter Kiefer berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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Peter über sich:
Ich heiße Peter Kiefer, bin 1951 geboren, war noch im Schulalter, als ich mich zum ersten Mal in der Welt umgesehen habe, damals in der westlichen Sahara, bin in den Folgejahren den so genannten Hippie-Trail nach Nepal hinauf- und hinuntergetrampt, habe später mit meiner Freundin andere Länder und Kontinente bereist, am liebsten das schwarze Afrika und habe auch heute noch nicht alles verlernt. Ich arbeite als freier Hörfunkjournalist und lebe in Berlin.