USA-Reisebericht :USA, Südstaaten

Tagträume

Tagträume

Unsere Reise neigt sich dem Ende entgegen und wir steuern gen Süden wieder auf Atlanta zu. Kurz davor entdecken wir einen National Forest, den Red Top Mountain, und darin eingebettet einen See. Unser Zelt bauen wir auf der Terrasse eines kleinen Steilhangs auf. Der Blick auf Wald und Wasser ruft unwillkürlich Lederstrumpfromantik wach. Sicher wird gleich ein Kanu über die zahmen Wellen gleiten, wird uns ein mit einer Adlerfeder geschmückter Indianer ohne sichtbare Regung in seinem faltigen Gesicht einen majestätischen Gruß heraufschicken. Aber das ist natürlich Tagträumerei, zumal am nicht weit entfernt liegenden Guntersville Lake, den wir zuvor besucht hatten, an den Trail of Tears erinnert wird, den Pfad der Tränen, auf dem die indianischen Stämme des südöstlichen Waldlandes in die kargen Steppen Oklahomas deportiert worden und also lange schon verschwunden sind. Und anstelle lautloser Kanus kreisen immer wieder dröhnende Motorboote an diesem Ende des Sees herum, Party ist‘s statt Pocahontas. Dennoch bleiben wir, zumal jetzt in der Nachferienzeit, ganz für uns. Wir hängen die Füße ins Wasser und füttern mit altem Brot ein paar scheue Fische. Später reicht uns das Licht des Halbmondes aus, um ein nächtliches Grillfeuer zu entfachen. Nun kreuzt sogar noch, völlig geräuschlos, ein kleines Fischerboot auf. Es folgt dem schwachen Strahl seiner Lampe. Wilde Tiere lassen sich keine blicken und zwei alte Trapper legen sich bald zur Ruhe.

Tagträumer

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© Peter Kiefer, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach Reisen in alle möglichen Teile der Welt waren ausgerechnet die USA, sieht man mal ab von New York, noch terra incognita. Wir wollten unseren "Brecht-Zyklus" schließen, nachdem wir die Städte, die in seinen Songs vorkommen, alle schon einmal gesehen hatten - bis auf (auch wenn's keine Stadt ist) Alabama. Ein amüsanter Vorwand, weiter nichts.
Details:
Aufbruch: 10.08.2017
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 01.09.2017
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Peter Kiefer berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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Peter über sich:
Ich heiße Peter Kiefer, bin 1951 geboren, war noch im Schulalter, als ich mich zum ersten Mal in der Welt umgesehen habe, damals in der westlichen Sahara, bin in den Folgejahren den so genannten Hippie-Trail nach Nepal hinauf- und hinuntergetrampt, habe später mit meiner Freundin andere Länder und Kontinente bereist, am liebsten das schwarze Afrika und habe auch heute noch nicht alles verlernt. Ich arbeite als freier Hörfunkjournalist und lebe in Berlin.