USA-Reisebericht :USA, Südstaaten

Schwarzfahrer

Schwarzfahrer

Der Kreis hat sich geschlossen, wir haben Atlanta erreicht. Nun beginnt die wieder wenig erquickliche Hotelsuche. Wir entdecken eine Reihe von Motels, wollen aber nicht am Stadtrand nächtigen. Zwei Jungs, die wir dort nach einem Hotel im Buckhead-Distrikt (wo wir das Auto zurückgeben werden) fragen, erstellen uns einen perfekten Streckenplan. So landen wir zuletzt im Hampton Inn, nachdem wir zuvor noch ein nobles Wohnviertel passiert haben, wo Herrenhäuser zuweilen die Größe von Schlössern haben. Unser Hotel liegt ganz in der Nähe einer plaza und über diese hinaus schaffen wir es am heutigen arg verregneten Tag nicht mehr. Für diese oder jene Sehenswürdigkeit ist es ohnehin bereits zu spät. Wir essen zum ersten Mal amerikanische Pizza und gießen noch ein Bier und einen Bourbon nach. Am nächsten Morgen beginnt unser Abreisetag, ein besonderes Programm legen wir uns daher nicht mehr auf. Weil der Flug erst am Nachmittag geht, nutzen wir die Zeit für einen Abstecher in die Innenstadt, fahren ein Stück mit der S-Bahn und steigen dann um auf eine Straßenbahn, die durch die schmalen Schluchten der City fährt. Kleiner Clou am Rand: Die Automaten an den Haltestellen nehmen weder unser Geld noch unsere Kreditkarte an. Zufällig steigt ein Schaffner zu, wir schildern ihm unseren Fall, er sagt, das sei doch kein Problem, probiert es zusammen mit uns aus, hat ebenfalls keinen Erfolg und erlaubt uns nun höchst offiziell schwarz zu fahren. Sobald die Straßenbahn die Innenstadt verlassen hat, wirkt diese im Nachhinein wie eine Kulisse. Denn da gibt es einen glatten Schnitt von „edel“ zu „ärmlich“. Dort im Jenseits von Business, Glas und Stahl besuchen wir eine kleine Markthalle. Sie wird unter den hiesigen Sehenswürdigkeiten verzeichnet. In Europa würde sie wohl nirgends auffallen, aber im Land der Shopping Malls ist ein bisschen merkantile Heimeligkeit schon etwas Spezielles. Eine schwarze Frau, die irgendwas mit Prospekten und Bonbons bewirbt, spricht uns an. Sofort kommt eine sprühende Unterhaltung zustande, es wird gelacht. Der anschließende Rest ist nur noch Heimreise. Auf dem Flughafen, das muss erwähnt werden, trinken wir noch ein Oktoberfest-Bier. Für zwei Gläser zahlt man hier 23$ und es ist das teuerste Bier meines Lebens. (Die Bedienung sieht mich bei dieser Bemerkung nur mit Unverständnis an.) Es folgt die leidige Routine des Schlangestehens. In Paris ist der Andrang an den Durchlassschaltern wieder derart groß, dass es uns nicht einmal gelingt, ein frisches Croissant zu ergattern. Die Landung in Berlin geschieht pünktlich auf die Minute, sogar unser Gepäck ist in Charles de Gaulle dieses Mal nicht hängen geblieben. Es ist der 1. September und hierzulande könnte nun bald ein Indian Summer einsetzen.

Endstation

Endstation

© Peter Kiefer, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach Reisen in alle möglichen Teile der Welt waren ausgerechnet die USA, sieht man mal ab von New York, noch terra incognita. Wir wollten unseren "Brecht-Zyklus" schließen, nachdem wir die Städte, die in seinen Songs vorkommen, alle schon einmal gesehen hatten - bis auf (auch wenn's keine Stadt ist) Alabama. Ein amüsanter Vorwand, weiter nichts.
Details:
Aufbruch: 10.08.2017
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 01.09.2017
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Peter Kiefer berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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Peter über sich:
Ich heiße Peter Kiefer, bin 1951 geboren, war noch im Schulalter, als ich mich zum ersten Mal in der Welt umgesehen habe, damals in der westlichen Sahara, bin in den Folgejahren den so genannten Hippie-Trail nach Nepal hinauf- und hinuntergetrampt, habe später mit meiner Freundin andere Länder und Kontinente bereist, am liebsten das schwarze Afrika und habe auch heute noch nicht alles verlernt. Ich arbeite als freier Hörfunkjournalist und lebe in Berlin.