USA-Reisebericht :USA, Südstaaten

Show me the way to the next whiskey bar

Sweet Home Alabama begrüßt einen das Schild an der Staatengrenze. Zugleich beginnt die nächste, für uns die siebte Zeitzone, wir stellen die Uhren eine Stunde zurück. Auf der anderen Seite des Chattahoochie-Flusses liegt Eufaula. Es hat ein wenig Flair und einige hübsche Antebellumhäuser am Stadteingang. Gemeint sind damit Gebäude, die noch in Vorbürgerkriegszeiten errichtet worden sind und die Fantasien vom alten Süden beflügeln. In einem Diner esse ich einen Riesenburger (if you dare to …), der den Hunger eines ganzen Tages stillt. Es ist schwül und heiß, wir halten uns nun in subtropischen Gefilden auf und Karin besorgt sich im Drugstore einen Kleinmädchenfächer (andere gibt es nicht). Die Landschaft kommt ohne besondere Auffälligkeiten aus, wiewohl gelegentlich kleine Seen und größere Waldgebiete auftauchen. Was aber sind Shotgun-Häuser? Solche mit krimineller Vergangenheit? In ganz seltenen Fällen vielleicht, doch mit shotgun ist lediglich gemeint, dass man mit einem einzigen Gewehrschuss durch sämtliche Türen dieser schmalen Häuser, die im Übrigen nur Durchgangszimmer haben, bis zur Rückwand feuern könnte. Das liegt an der langgezogenen Quaderform. Ein Bodenfundament gibt es nicht, daher kann man derlei Häuser bei Bedarf auf ein Fahrzeug verladen. Mobilität wird jedenfalls groß geschrieben. Auf Campingplätzen ist das bestens sichtbar, wo die Wohnwagen nicht selten die Größe eines Reisebusses erreichen. Im Vergleich dazu nennt man das, was wir da betreiben, primitive camping. An diesem Tag nehmen wir jedoch wieder ein Motel. Und weil wir nun in Alabama angelangt sind, ist meine erste Bitte an die Frau an der Rezeption: Show me the way to the next whisky bar. Das o don't ask why lasse ich lieber weg, auch wenn es bei Brecht in seinem Alabama-Song so da steht und die Doors es nach der Musik von Weill gesungen haben. Die Frau antwortet ganz ernsthaft und zeigt uns den Weg zum Red Barn, der bloß ein paar Häuser entfernt liegt. Wir sind irgendwo am Stadtrand von Demopolis, dort wo ansonsten die Einkaufszentren angesiedelt sind und – Achtung, Amerika! - kein Weg für Fußgänger existiert. Wir gehen durch nasses Gras und gelangen zu einem rot angestrichenen Haus mit einer Bar, die im Dachgeschoss liegt und ganz unseren rustikalen Erwartungen entspricht. Das erste Glas Bourbon schmeckt nicht besonders, das zweite (eine andere Sorte) noch weniger. Dafür gesellt sich ein Österreicher zu uns, Horst heißt er. Er lebt seit vielen Jahren hier, hat einen Job in der Papierverarbeitung und schildert uns die Vorzüge des Landes. Sein Weg von einer kleinen Eigentumswohnung in der (k)alten Heimat zu einem Mehr-als-dreihundert-Quadratmeter-Haus ist natürlich schwer zu toppen. Was haben die hier auch Platz! Horst gibt uns noch zahlreiche Tipps für die weitere Reise.

O don't ask why

O don't ask why

© Peter Kiefer, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach Reisen in alle möglichen Teile der Welt waren ausgerechnet die USA, sieht man mal ab von New York, noch terra incognita. Wir wollten unseren "Brecht-Zyklus" schließen, nachdem wir die Städte, die in seinen Songs vorkommen, alle schon einmal gesehen hatten - bis auf (auch wenn's keine Stadt ist) Alabama. Ein amüsanter Vorwand, weiter nichts.
Details:
Aufbruch: 10.08.2017
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 01.09.2017
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Peter Kiefer berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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Peter über sich:
Ich heiße Peter Kiefer, bin 1951 geboren, war noch im Schulalter, als ich mich zum ersten Mal in der Welt umgesehen habe, damals in der westlichen Sahara, bin in den Folgejahren den so genannten Hippie-Trail nach Nepal hinauf- und hinuntergetrampt, habe später mit meiner Freundin andere Länder und Kontinente bereist, am liebsten das schwarze Afrika und habe auch heute noch nicht alles verlernt. Ich arbeite als freier Hörfunkjournalist und lebe in Berlin.