USA-Reisebericht :USA, Südstaaten

You'll be on my mind

You'll be on my mind

Nun er selbst, der Mississippi River. Wir sind in Natchez angelangt (benannt nach einem Indianervolk). Es ist die erste Stadt auf dieser Reise, die uns den Bilderbuchsüden in größerer Dichte zeigt, Häuser aus der Antebellumzeit mit Gärten dran und uralten Bäumen mit üppigen Kronen, die man lange anschaut. Historisch dokumentiert wird alles auf kleinen Informationstafeln, die jeweils an den Straßenecken aufgestellt sind. Karins Fotoapparat ist ständig in Habachtstellung. Der Mississippi liegt an einem Steilufer. Wir erreichen ihn über eine schmale Straße, die nach unten führt und könnten jetzt den großen Zeh darin eintauchen. Schiffe sehe ich im Augenblick keine, nur diesen breiten, trägen Fluss, dem man bereits ansieht, dass er es nicht mehr weit hat bis zu seiner Mündung. Das Abendessen ist à la Creole in einem Restaurant, vor dem sogar eine französische Flagge weht. Zum ersten Mal esse ich eine Gambo, die bekannte Eintopfspezialität und sie schmeckt mir. Das Bier sollte ich erwähnen, weil verschiedene deutsche Brauarten imitiert werden. Tatsächlich stellen sie in der Stadt sogar eine Besonderheit her, die man gewöhnlich nur aus Berlin kennt, eine Weisse. Im Gegensatz zum alkoholarmen Original (das mit einem Schuss Sirup getrunken wird) kommt die hiesige Variante auf den Alkoholgehalt eines Pilsener Bieres. Wir wandern schließlich wieder zurück zu unserem Hotel, ein Weg von geschätzt einer Viertelstunde. Aber wir sind fast die einzigen, die zu Fuß unterwegs sind. Dafür staut sich neben uns auf der Fahrbahn der Verkehr. In der Hotellobby angelangt, steigen wir mit einem jüngeren Paar in den Aufzug. Die beiden hatten uns zuvor auf der Straße bemerkt und zollen uns nun unserer fußgängerischen Leistung wegen ihren ehrlichen Respekt. So gesehen, sind wir noch lange nicht in diesem Land angekommen. Das morgendliche Frühstück nach einer gut durchschlafenen Nacht verdient freilich zum ersten Mal diesen Namen.

Der Glanz der alten Tage

Der Glanz der alten Tage

© Peter Kiefer, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach Reisen in alle möglichen Teile der Welt waren ausgerechnet die USA, sieht man mal ab von New York, noch terra incognita. Wir wollten unseren "Brecht-Zyklus" schließen, nachdem wir die Städte, die in seinen Songs vorkommen, alle schon einmal gesehen hatten - bis auf (auch wenn's keine Stadt ist) Alabama. Ein amüsanter Vorwand, weiter nichts.
Details:
Aufbruch: 10.08.2017
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 01.09.2017
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Peter Kiefer berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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Peter über sich:
Ich heiße Peter Kiefer, bin 1951 geboren, war noch im Schulalter, als ich mich zum ersten Mal in der Welt umgesehen habe, damals in der westlichen Sahara, bin in den Folgejahren den so genannten Hippie-Trail nach Nepal hinauf- und hinuntergetrampt, habe später mit meiner Freundin andere Länder und Kontinente bereist, am liebsten das schwarze Afrika und habe auch heute noch nicht alles verlernt. Ich arbeite als freier Hörfunkjournalist und lebe in Berlin.