USA-Reisebericht :USA, Südstaaten

Die letzte Rasur

Die letzte Rasur

Noch eine nach Indianern benannte Stadt: Opelousas. Dort nächtigen wir in einem Motel und sind nun im sumpfigen Louisiana angelangt. Die Häuser haben flachere Dächer, auch das Land ist flach, die Besiedlung weiter dünn. In Opelousas haben sie ein kleines Museumsdorf errichtet. Darinnen einen Bahnhof, der ein Halt für den Orphan Train gewesen ist, mit dem Waisenkinder im späten 19. Jahrhundert in andere Landesteile umgesiedelt wurden. Im eigentlichen Museumsgebäude beschreibt uns eine gesprächige Lady die in Vitrinen versammelten Gegenstände einer vergangenen Alltagswelt. Vor allem ist ein Name präsent, der landläufig bekannt ist: Jim Bowie, jene legendäre Draufgängernatur und der Schöpfer des gleichnamigen Messers. Er lebte für kurze Zeit in dieser Stadt, das reicht aus, um Kopien einiger Dokumente und ein paar Erinnerungsgegenstände aus seinem Leben präsentieren zu können. Es gibt noch ein zweites, unbedingt sehenswertes Heimatmuseum, Opelousas Museum & Interpretive Center heißt es. Die gezeigten Objekte präsentieren die Zeit von der ersten Besiedelung bis hin zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Einen alten Fall von Kindesentführung beispielsweise kann man aus Zeitungsdokumenten verfolgen oder man betrachtet sich die Einrichtung eines Friseursalons, in dem ein gewisser Clyde Barrow rasiert wurde, die eine Hälfte von Bonnie und Clyde. Zwei Tage später ist er dann erschossen worden. In einer beachtlichen Sammlung von Puppen spiegelt sich erneut ein Stück amerikanischer Geschichte. Im Rahmen einer schulischen Wohltätigkeitsveranstaltung hören wir am Nachmittag Zydeco-Musik. Die Band reißt uns nicht von den Sitzen, lediglich das eine Mitglied sei erwähnt, das mit einem großen Waschbrett vorm Bauch herumschrammelt. Eine leider wenig überzeugende Mahlzeit in einem Diner beschließt diesen Tag.

Lost Highway

Lost Highway

© Peter Kiefer, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach Reisen in alle möglichen Teile der Welt waren ausgerechnet die USA, sieht man mal ab von New York, noch terra incognita. Wir wollten unseren "Brecht-Zyklus" schließen, nachdem wir die Städte, die in seinen Songs vorkommen, alle schon einmal gesehen hatten - bis auf (auch wenn's keine Stadt ist) Alabama. Ein amüsanter Vorwand, weiter nichts.
Details:
Aufbruch: 10.08.2017
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 01.09.2017
Reiseziele: Vereinigte Staaten
Der Autor
 
Peter Kiefer berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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Peter über sich:
Ich heiße Peter Kiefer, bin 1951 geboren, war noch im Schulalter, als ich mich zum ersten Mal in der Welt umgesehen habe, damals in der westlichen Sahara, bin in den Folgejahren den so genannten Hippie-Trail nach Nepal hinauf- und hinuntergetrampt, habe später mit meiner Freundin andere Länder und Kontinente bereist, am liebsten das schwarze Afrika und habe auch heute noch nicht alles verlernt. Ich arbeite als freier Hörfunkjournalist und lebe in Berlin.