Bolivien-Reisebericht :3 Wochen durch Bolivien

Zuerst vertreiben wir uns die Zeit in Santa Cruz. Dann geht es über Cochabamba hoch aufs Alti Plano nach La Paz. Nach einer Panne und einer nicht geplanten Übernachtung auf 3500 m Höhe mitten im Nichts geht es über die Todesstraße hinab in den Dschungel. Weiter geht es Richtung Pampa und über Trinidad zurück nach Santa Cruz. Beim Rückflug machen wir noch einen 3-tägigen Zwischenstopp in Buenos Aires.

Von Santa Cruz nach La Paz

Na das geht ja gut los. Kurz nach Bonn stehen wir schon im Stau, zum Glück haben wir uns genug Zeit bis nach Frankfurt eingerechnet. In Frankfurt dann direkt das nächste Problem. Ich habe mir für den Dschungel ein etwas größeres Messer gekauft, welches ganz tief unten im Koffer liegt. Der Zoll versteht nicht, warum man so ein Messer in Bolivien benötigt und es kostet mich einiges an Überedungskunst, dass ich es doch mitnehmen darf. Dann geht es los Richtung Madrid, nach 7,5 Stunden Aufenthalt 12,5 Stunden Flug nach Buenos Aires, wieder 2 Stunden Aufenthalt, Zwischenlandung in Cordoba und dann nach insgesamt ca. 34 langen Stunden endlich die Landung in Santa Cruz, Bolivien.

Ich freue mich tierisch meinen Bruder nach über einem Jahr endlich wieder zu sehen. Mein Bruder ist Diplom Biologe und promoviert seit über 2 Jahren in Bolivien. Sein Gebiet sind die Reptilien und deren Verbreitung in Bolivien. Sehr gespannt bin ich auch auf die Freundin meines Bruders. Ihr Name ist Lisbeth und sie ist eines der Topmodels von Bolivien. Das Haus von meinem Bruder ist wirklich cool. Eine richtige schöne Villa mit großem Innenhof und großem Garten um das Haus herum.

Lomas de Arena in der Nähe von Santa Cruz. Im Hintergrund die Lagune.
v.l.n.r. Lisbeth, Freed, Robert 1.0.

Lomas de Arena in der Nähe von Santa Cruz. Im Hintergrund die Lagune.
v.l.n.r. Lisbeth, Freed, Robert 1.0.

Die ersten Tage verbringen wir in Sant Cruz. Mit Lisbeth und ihrer Freundin Gabriela (ebenfalls Model und Stewardess) gehen Robert 1.0. und ich zu einem Markt Klamotten kaufen. Lisbeth und Gabriela sind natürlich Beraterinnen vom Fach. Weiterhin besuchen wir auch den Zoo und ich sehe endlich mal einen Tapir in Natur. Ein Traum wird war. Sonst hat der Zoo aber nicht viel zu bieten und ist ziemlich heruntergekommen, obwohl es laut meinem Bruder noch der am besten geführte Zoo Boliviens sein soll.
Ein sehr schöner Ausflug ist der zu den Lomas de Arena. Dies sind riesige Sandhügel ein paar Kilometer von Santa Cruz entfernt, in deren Mitte sich eine wunderschöne Lagune befindet.
Für entsprechende Abendunterhaltung ist auch gesorgt. Die Ecipetrol ist wohl die größte und angesagteste Partymeile Boliviens. Hier findet man Discotheken, Kneipen, Bars, Restaurants u.v.m. Die Caipirinha kostet hier 5 Bolivianos, das sind umgerechnet gerade mal ca. 70 cent.
Leider erwischt uns die letzten 2 Tage vor unserer Tour der SUR. Das sind kalte Südwinde, die die Temperatur von vorher 30 Grad auf unter 10 Grad absinken lassen. Dadurch sind einige Pläne (schwimmen in der Lagune, Besuch einer Strandmeile in Santa Cruz) hinfällig.

Ein typisches Bergdorf

Ein typisches Bergdorf

Dann geht es endlich los. Am Tag der Abreise lächelt uns die Sonne wieder entgegen. Nach ein paar Besorgungen machen wir uns auf gen Cochabamba. Die Tour verläuft gut, bis wir zu einer Brücke kommen, die vor ca. 2 Jahren eingestürzt ist. Da die Bolivianer nicht gerade über eine gute Arbeitsmoral verfügen und in ihren Handlungen eher etwas träge sind, stehen seit dem Zusammnsturz gerade mal die neuen Brückenpfeiler.Für uns heißt das umdrehen und eine Alternative finden. Die gibt es in Form eines Floßes. Die Auffahrt bzw. das Verlassen des Floßes sieht sehr abenteuerlich aus, da man nur zwei Holzblanken vor die Reifen gelegt bekommt. Ein falscher Schwenk zur Seite und man hat ein Problem. Dirk meistert das Ganze aber mit viel fahrerischen Können. Beim Verlassen des Floßes meldet sich zum ersten mal die Kupplung, die uns später noch schwere Probleme bereiten sollte. Dies erkennen wir aber nicht sofort, denn Dirk bekommt nach den zweiten Versuch den Gang eingelegt, und so machen wir uns keine großen Gedanken darüber. Kurz nach der "Überfahrt" erreichen wir einen kleinen Ort, wo wir erstmal Fisch zu Abend essen.
Dann geht es weiter Richtung Cochabamba. Leider ist es jetzt dunkel und wir können die nun besser werdende Landschaft nicht sehen. Zwei Stunden später müssen wir wieder pausieren. Diesmal gibt es wegen Bauarbeiten eine ca. 40 minütige Straßensperre.
Gegen 23 Uhr erreichen wir endlich Cochabamba, wo wir schnell ein Hostel finden und bald schlafen gehen.


Hört hier meine Sprachaufzeichnung des Tages:
In Cochabamba

Alti Plano. Im Hintergrund einer der großen 6000er

Alti Plano. Im Hintergrund einer der großen 6000er

Am nächsten Tag geht es gegen 08 Uhr weiter. Raus aus Cochabamba hoch auf das Alti Plano. Die Landschaft ist ziemlich karg. Kaum noch Bepflanzung. Zwischenzeitlich erreichen wir Höhen von 4500 m und der Dieselmotor des Autos bringt kaum noch Leistung. Teilweise kriechen wir mit 20-25 km/h dahin. Unglaublich wie die Menschen hier oben unter ärmsten Bedingung überleben können. Unglaublich auch die Aussicht auf die höchsten, schneebedekten Berge der Anden.

Kaffepause im "Restaurant"

Kaffepause im "Restaurant"

La Paz mit dem "Hausberg" Illimani (ca 6500 m)

La Paz mit dem "Hausberg" Illimani (ca 6500 m)

Nachmittags erreichen wir El Alto, bis heute wird noch darum gestritten ob diese Stadt unabhängig ist, oder aber zu La Paz gehört. Auf jeden Fall ist sie die hässlichste Stadt, die ich je gesehen habe. Dann geht es von El Alto (4000 m) hinab nach La Paz (3500 m). Die Bebauung ist unglaublich. Egal wo man hinguckt, überall, auch an den steilsten Hängen, findet man Häuser.

In La Paz

In La Paz

Wir suchen uns ein Hotel und gehen einkaufen. Schon nach ein paar Metern merken wir, dass die Luft hier oben sehr dünn ist, und haben ernorme Problem die steilen Straßen von La Paz hinauf zu kommen.
Wir besuchen den Hexenmarkt, wo man sich für ein paar Bolivianos verzaubern lassen kann, verzichten aber darauf. Dann kaufen wir uns noch etwas Coca und schon bald ist unser Mund absolut taub. Krasses Zeug, hervoragend geeignet bei Zahnschmerzen. Abends gehen wir lecker essen und danach ins Hotel, in dem es allerdings sehr laut zu geht und wir daher Probleme mit dem Schlafen haben.


Hört hier meine Sprachaufzeichnung des Tages:
In La Paz

Die Passstraße "Abre La Cumbre"

Die Passstraße "Abre La Cumbre"

Am nächsten Morgen treffen wir Robert 2.0. und seine Freundin Ea, zwei alte Freunde meines Bruders, die die letzten Tage schon im Alti Plano und in La Paz unterwegs waren. Sie werden uns auf der weitern Tour begleiten.
Beim Verlassen des Parkplatzes hat Dirk wieder Probleme mit der Kupplung. Der erste Gang will nicht rein gehen. Beim zweiten Versuch funktioniert es. Wir sind zwar etwas skeptisch, ahnen aber weiterhin nichts böses.
Schon ein paar Minuten später werden wir von einem Polizisten angehalten. Wir dürfen heute nicht durch die Stadt fahren, da heute nur Autos mit geraden Autokennzeichen fahren dürfen (das ist tatsächlich so!!!). Wir sollen das Auto an der nächsten Polizeidienststelle abstellen und können erst am nächsten Tag weiter fahren. Wir sind damit nicht einverstanden und versuchen dem Polizisten die Dringlichkeit unserer Reise klar zu machen (nämlich der Dschungel), er geht aber nicht darauf ein. Erst als Dirk ihn fragt wie hoch die Strafe ist (auf Deutsch also, wie viel Schmiergeld der Polizist haben will) nennt er uns eine Summe, die wir zahlen und somit die Stadt verlassen dürfen. Wir fahren entlang des Stausees, der die Stadt mit Wasser versorgt in Richtung der Passhöhe El Cumbre auf ca. 4800 m.

Mitten im Hochgebirge auf ca. 4800 m Höhe

Mitten im Hochgebirge auf ca. 4800 m Höhe

Von nun an geht es nur noch bergab. Noch ist die Straße geteert und zweispurig, doch wir erwarten voller Vorfreude die bevorstehende Abfahrt auf der "gefährlichsten Straße der Welt", die nur noch einspurig und natürlich nicht geteert ist.

Panne, nichts geht mehr

Panne, nichts geht mehr

Dann auf einmal ein Ruckeln im Auto. Dirk hält kurz an, weiß aber auch nicht genau was es war. Er versucht den ersten Gang ein zu legen, das gelingt ihm aber nicht. Gut, es geht ab jetzt ja nur noch bergab, das schaffen wir auch im zweiten Gang, hoffentlich kommt bald eine Station wo es Mechaniker gibt. Dann der Schreck...doch noch ein Anstieg...trotz aller Versuche, der Wagen schafft es nicht im zweiten Gang, und der erste will einfach nicht mehr rein. Dirk weiß bereits was das Problem ist - die Kupplungsscheibe - und wir lassen uns zu einer Einbuchtung an der Straße zurückrollen. Wir haben es jetzt 11 Uhr, Dirk muss zurück nach La Paz, das mittlerweile ca. 60 km hinter uns liegt, und steigt auf einem Pick-Up auf. Wir anderen vertrösten uns mit Karten spielen. Gegen 14 Uhr ist Dirk zurück mit einem Taxi, zwei Mechanikern und einer neuen Kupplungsscheibe. Schon jetzt ist uns bewusst, dass Rurrenabaque heute nicht mehr zu schaffen ist, aber wenigstens Coroico sollte noch drin sein. Um ca. 15:30 Uhr ist die alte Kupplungsscheibe ausgebaut.

Es wird kalt, ein Feuer soll wärmen

Es wird kalt, ein Feuer soll wärmen

Doch die neue Scheibe ist zu groß. Dirk fährt mit dem Taxi wieder zurück nach La Paz um die richtige Scheibe zu besorgen. Um 17:30 sind sie wieder da. Die Scheibe passt, sofort beginnen die Mechaniker mit dem Einbau. Langsam wird es richtig kalt, schließlich sind wir immer noch auf knapp 4000 m Höhe. Wir zünden uns ein Lagerfeuer an und warten auf die Beendigung der Reperatur.

Nachtlager auf ca. 3500 m Höhe. Der Alkohl zeigt Wirkung

Nachtlager auf ca. 3500 m Höhe. Der Alkohl zeigt Wirkung

Gegen 18:30 ist die Scheibe eingebaut, doch was nun, es wird dunkel. Die Straße nach Coroico werden wir bestimmt nicht im Dunkeln fahren. Also versuchen wir noch soweit wie möglich in tiefere Gefilde zu kommen und dann dort im Auto zu übernachten. Einen schönen Platz finden wir auf einer Höhe von ca. 3500 m. Wir trinken noch eine Flasche Singani und Cola gemischt mit 96% Alkohol um die Kälte nicht ganz so zu spüren.


Hört hier meine Sprachaufzeichnung zum Tag:
Panne


Um 22 Uhr legen sich Rob, Dirk und ich ins Auto, Ea und Robert nehmen mein Zelt und wir träumen erneut vom Abenteuer Dschungel......

© Carsten Embert, 2005
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 02.08.2004
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 28.08.2004
Reiseziele: Bolivien
Argentinien
Der Autor
 
Carsten Embert berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Carsten über sich:
Mein Name ist Carsten, die meisten nennen mich aber Freed. Ich arbeite als Disponent im Gemeinsamen Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastropenhilfe. Wenn es die Zeit,das Geld und mein kleiner Sohn zulässt, vereise ich gerne. Hier findet Ihr ein paar Berichte meiner bisher aufregendsten Reisen. Ich denke über diverse Ballermannaufenthalte u.ä. muss ich nicht berichten.
Ich hoffe natürlich auch in Zukunft weiter vereisen zu können, aber nach einem Hauskauf 2010 und Geburt meines Sohnes im November 2008 bin ich nun doch etwas eingeschränkt. Mal sehen wie es die nächsten Jahre so läuft...
Viel Spaß bei den Berichten!