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Ecuador, Peru, Bolivien, Chile, Argentinien, Urugay, Brasilien
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Bei unserer Einreise nach Bolivien wurde uns deutlich klar gemacht, was es heisst, in einem Entwicklungsland zu reisen. Bisher waren wir uns nicht ganz sicher, ob wir überhaupt wirklich in "Entwicklungsländern" unterwegs sind. Aber manchmal wird einem eben doch klar, wie gross die Unterschiede sind.
Aber von vorne: Von Arequipa sind wir nach Puno am Titicaca-See gefahren. Weil es dort nicht so schoen sein soll wie auf der bolivianischen Seite, wollten wir noch am gleichen Tag weiter nach Copocabana (Bolivien). Im Bus haben wir Sevonne und Phil aus Israel kennengelernt und sie haben sich entschieden, Puno ebenfalls auszulassen und mit uns zu fahren. Weil es schon recht spaet war, teilten wir uns fuer die ca. 2 Stunden Fahrt ein Taxi. Nachdem einige Taxifahrer uns ziemlich hohe Preise angeboten hatten, versuchte es Phil "auf die israelische Art" (Zitat Phil): Freudestrahlend rannte er auf den nächsten Taxifahrer zu, schüttelte ihm kräftig die Hand und rief in gebrochenem Englisch: "Hello, my friend!! How much is to Bolivian Border? We only have 80 Soles!" So stiegen wir hochzufrieden in unser günstiges Taxi ein und kamen im Dunkeln an der Grenze an, von der es noch 8 km bis Copacabana sind.
Auf der peruanischen Seite ging alles recht reibungslos. Aber in Bolivien fingen die Probleme an. Phil und Sevonne haben beide sowohl einen israelischen als auch einen US-Pass. Da man als US-Amerikaner fuer die Einreise 135 Dollar Steuern bezahlen muss, wollten sie mit ihrem israelischen Pass einreisen. Was sie auch duerfen, wie wir jetzt wissen. Die Grenzbeamten taten aber so, als ginge das nicht, weil die beiden mit ihrem US-Pass aus Peru ausgereist waren. Nach langen Diskussionen wurden die beiden auf die peruanische Seite geschickt , um sich dort den Ausreisestempel auch in ihren israelischen Pass geben zu lassen. Die peruanischen Beamten weigerten sich aber abwechselnd, ueberhaupt irgendwas zu machen, oder nannten unterschiedliche "Gebuehren", die fuer den Vorgang anfallen wuerden. In der Zwischenzeit wurde der bolivianische Grenzposten geschlossen. Vorm Gehen sagten die Grenzbeamten aber noch ganz nett, dass sie mit ihrem Chef gesprochen haetten, und jetzt ginge alles doch ganz einfach, no hay problema. Die beiden braeuchten nur eine Kopie von dem US-Pass samt Ausreisestempel, und dann waere alles klar. Wir koennten am naechsten Morgen einfach wiederkommen, ningun problema.
Als wir uns gerade auf den Weg nach Copacabana machen wollten - die auf einmal so freundlichen Grenzbeamten waren schon weg - tauchte ploetzlich aus dem Nichts ein weiterer uniformierter Typ auf, der Phil und Sivan nach Peru zurueckschicken wollte. Sie haetten schliesslich keinen Einreisestempel. Dass ihnen die Beamten gesagt hatten, sie koennten die Nacht in Copacabana verbringen, interessierte ihn nicht besonders. Dass die beiden aus Peru schon ausgereist waren und dort also genau so wenig sein durften, ebenfalls nicht. Allerdings unternahm er auch nichts, als wir alle vier einfach in ein Taxi einstiegen und losgefahren sind (Resa zum Taxifahrer: "Fahren Sie so schnell, wie Sie können!"). Der Taxifahrer versuchte dann noch, uns das Hotel seiner Wahl aufzuschwatzen (vermutlich hat er einen Vertrag, oder das Hotel gehoert irgendeinem Amigo), und verlangte einen 200%-Aufpreis fuer das Hotel unserer Wahl, weil es angeblich so weit weg waere (stimmt, ganze 200 Meter!). Um die Stimmung ein bisschen aufzuhellen, sind wir dann noch ein Touristenrestaurant gegangen, die teuren Preise waren uns in dem Moment egal. Schade nur, dass der Koch dachte, Spaghetti sind nach 20 Minuten Kochen im besten Aggregatzustand.
Am naechsten Morgen ging es dann zurueck zur Grenze, wir beide als Uebersetzer und Zeugen mit dabei. Die Grenzbeamten waren ploetzlich doch nicht mehr so freundlich und konnten sich auch an ihr Versprechen vom Vorabend seltsamerweise gar nicht mehr erinnern. Also ging die ganze Diskussion wieder von vorne los. Schliesslich konnten Phil und Sevonne den peruanischen Typen mit je 20 Dollar bestechen, ihnen den verdammten Stempel zu geben. Und all das dummerweise, bevor die isrealische Botschaft in La Paz aufgemacht hat. Die hat den beiden naemlich spaeter gesagt, es gebe keinerlei Rechtsgrundlage, ihnen die Einreise mit dem israelischen Pass zu verweigern, und man haette sie schlicht und einfach betrogen. Aber sie haetten Glueck gehabt, mit 40 Dollar waeren sie im Vergleich mit anderen echt gut weggekommen. Wir haben dann auch noch mehr Leute getroffen, die Bestechungsgelder zahlen mussten, weil sie zum Beispiel ihr Visum ueberschritten hatten. Theoretisch gibt es dafür auch legale Prozeduren, aber die dauern - wie es der Zufall so will - meist mehrere Tage.
Auf dem Weg zurück ins Dorf lernten wir dann ohne Witz den ersten freundlichen Menschen jenseits der Grenze kennen. Nach einigen Minuten Gespräches erzählte der Typ allerdings, er wäre Peruaner. Phils Reaktion: "Ach, deshalb sind Sie so nett!"
Und nach all diesen tollen Erfahrungen koennt ihr euch vorstellen, mit welch euphorischer Stimmung wir in den Bolivien-Teil unserer Reise starten. Bienvenidos a Bolivia! Qué país maravilloso!
Pilgerweg in Copacabana: Selbst von Jesus will man hier Geld (Dollars, um genau zu sein!)
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