Bolivien-Reisebericht :On the Road again - Weltreise Volume 2

Bolivien: El Camino de la Muerte - die Todesstraße

04.12.2011

Den Adrenalinkick schlechthin den man sich in La Paz holen kann, ist die World´s most dangerous Road mit dem Mountainbike zu bezwingen. Die Einheimischen nennen sie einfach nur El Camino de la Muerte - die Todesstraße. 1930 von paraguayischen Häftlingen gebaut ist sie die wichtigste Verbindung von La Paz mit dem Amazonas-Regenwald Boliviens von dem die meisten frischen Nahrungsmittel für die Metropole stammen.

Die "Straße" - Geröllpiste wäre wohl das passende Wort - ist durchschnittlich nur 3 Meter breit und führt vom Pass La Cumbre auf 4.700 Metern Seehöhe bis nach Yolosa auf 1.185 Metern Seehöhe. Sie verfügt über keinerlei Leitplanken oder sonstige Absicherungen für den Benutzer und schlängelt sich an bis zu 1.000 Meter steil abfallenden Abhängen in die Yungas hinab. Auf Grund der steilen Abhänge endet ein Absturz in einem Großteil der Fälle tödlich. Bis zum Jahr 2006 gab es im Schnitt jedes Jahr über 200 Tote - alle 1-2 Monate ist ein Bus in den Abgrund gestürzt. Seit dem schwersten Busunglück in der Geschichte Boliviens im Jahr 1983 mit über 100 Toten herrscht auf der Straße Linksverkehr weil dadurch die bergab fahrenden Autos die Nähe zum Abgrund besser einschätzen können als es die bergauf fahrenden beim davor herrschenden Rechtsverkehr konnten.

Auf Grund der vielen tödlichen Unfälle auf der Todesstraße wurde nach über 20-jähriger Bauzeit im Jahr 2007 eine neue Straße in die Yungas eröffnet, die zwar ein wenig länger aber bei weitem nicht mehr so gefährlich ist. Der Berufsverkehr findet seitdem hauptsächlich auf dieser neuen Straße statt, sodass die alte Todesstraße heute nur mehr dem lokalen Verkehr sowie den Mountainbikern dient. Das bedeutet allerdings nicht, dass es seitdem ohne Unfälle abgeht. Seit dem Jahr 1995 sind auf der Straße immerhin 29 Radfahrer tödlich verunglückt, zuletzt im Mai 2011 eine Japanerin, die viel zu schnell unterwegs war...

Bei all diesen traurigen Fakten muss man aber ganz klar sagen, dass das Befahren der Todesstraße mit Mountainbikes heutzutage sehr sicher ist - wir sind ja nicht lebensmüde oder so! Wenn Unfälle passieren dann geschieht das fast immer aus Selbstüberschätzung und Übermut. Zunächst einmal sind die Räder der empfohlenen Tourveranstalter - wir haben uns für "Overdose" entschieden - in Topzustand mit beidseitig hydraulischen Bremsen, full Suspension und extra breiten Reifen. Außerdem wird man verpackt wie ein Rennfahrer: Vollgesichtshelm, Knie- und Ellbogenschutz, Überhose und Jacke. Zuletzt sind die Guides sehr professionell, sodass wir nie den Anflug von Angst gehabt haben.

Nachdem wir sehr zeitig in der Früh mit dem Minibus zum Pass La Cumbre hinaufgebracht worden sind, gab es zunächst einmal ein kleines Frühstück zum Aufwachen. Sabina hat zusätzlich noch 10 Effortil-Tropfen von mir bekommen, weil sie den ganzen Vortag mit Brechdurchfall und Kreislaufproblemen im Bett verbracht hat - das kommt davon weil sie die Finger hier nicht von den Salaten lassen kann...! Da sie jedoch den Fitnesstest um 06:00 Uhr vor der Abfahrt bestanden hat, konnten wir die Tour an jenem Tag machen.

Gestärkt und von den Guides auf unsere Räder eingestellt ging es zunächst 24 Kilometer auf einem geteerten Teil der neuen Straße von 4.700 Metern auf ca 3.100 Meter Seehöhe. Die Berglandschaft die wir dabei passiert haben ist einfach sensationell und das Wetter war auch perfekt...

Nach einer weiteren Sicherheitsbesprechung ging es danach schließlich für 30 Kilometer die Todesstraße hinunter. Die Vorgeschichte dieser Straße kennend war das ganze vor allem eine psychische Anstrengung. Gut konzentriert und schön langsam und vorsichtig sind wir dann auch hinunter gefahren. Da es 95% der Strecke bergab geht werden uns die nächsten Tage allerdings unsere Hände sehr weh tun, weil wir die ganze Zeit mit den Händen an den Bremsen fahren mussten was wirklich sehr anstrengend für unsere zarten Hände war...

Eigentlich ist es unglaublich, dass diese "Straße" - bei uns daheim wäre das wahrscheinlich nicht einmal ein Forstweg - einmal die wichtigste Verkehrsader zwischen La Paz und den Yungas war...! Für den Mountainbiker ist sie allerdings perfekt: Es geht nie allzu steil bergab und der Untergrund war zumindest bei unserer Fahrt schön hart, sodass man eigentlich nicht ins Schleudern kommen konnte. Sabina hat sich trotzdem einmal kurz "auf den Boden gesetzt" als uns eines der wenigen Autos passiert hat. Gegenverkehr haben wir überhaupt keinen gehabt. Teilweise sind Wasserfälle direkt auf die Straße gerieselt und mussten kleine Bäche durchquert werden. Weil das alles nicht unanstrengend war, gab es ca bei der Hälfte bei traumhafter Aussicht noch einen kleinen Snack zur Stärkung.

Nach ca 4,5 Stunden hatten wir es dann geschafft und die 3.500 Höhenmeter waren überwunden! Auf unserer Fahrt haben wir fast alle in Südamerika vorkommenden Klimazonen durchfahren und sind schließlich in den Yungas angekommen - es war sehr feucht und warm und daher hat das Belohnungsbier umso besser geschmeckt... Besonderes Lob muss ich diesmal wirklich Sabina aussprechen, weil sie die Tour wirklich gut gemeistert hat obwohl sie körperlich nicht 100%-ig fit war!

Nach einem eher mäßigen Lunch ging es dann mit dem Minibus über die neue Straße zurück hinauf nach La Paz. Für die 95 Kilometer haben wir geschlagene 3 Stunden gebraucht - wir sind hier eben in Bolivien und nichts geht schell und schon gar nicht, wenn man irgendwo hinauf fahren muss...

Als Fazit können wir sagen, dass diese Mountainbiketour ein absolutes Muss für jeden La Paz-Besucher ist und mit Sicherheit eines der absoluten Highlights unserer Reise sein wird!

Erstmal gähnen und strecken - am Pass El Cumbre auf 4.700 Metern Seehöhe... Erstmal gähnen und strecken - am Pass El Cumbre auf 4.700 Metern Seehöhe...
Ready to go!!! Ready to go!!!
Sabina on the way Sabina on the way
Sensationelle Berglandschaft in den Anden Sensationelle Berglandschaft in den Anden
Der erste Blick auf die Todesstraße - ja das kleine Band da drüben ist sie... Der erste Blick auf die Todesstraße - ja das kleine Band da drüben ist sie...
... und hier kann man auch sehr gut sehen wie weit und steil es da hinunter geht falls man von der Straße abkommen sollte! Hinter Sabina geht es genauso steil bergab...

... und hier kann man auch sehr gut sehen wie weit und steil es da hinunter geht falls man von der Straße abkommen sollte! Hinter Sabina geht es genauso steil bergab...

Lieber mit dem Fuß nicht zu nahe an den Abgrund treten... Lieber mit dem Fuß nicht zu nahe an den Abgrund treten...
Unsere Gruppe am Abgrund... Unsere Gruppe am Abgrund...
Beim Snack Beim Snack
Zur Erinnerung: Hier herrschte regster GEGENVERKEHR!!! Zur Erinnerung: Hier herrschte regster GEGENVERKEHR!!!
Viele Kreuze findet man am Wegesrand... Viele Kreuze findet man am Wegesrand...
Einmal noch durchs Wasser... Einmal noch durchs Wasser...
... und dann hatten wir es alle heil ins Tal geschafft! ... und dann hatten wir es alle heil ins Tal geschafft!
Ein perfekter Sonnenuntergang zum Abschluss eines perfekten Tages Ein perfekter Sonnenuntergang zum Abschluss eines perfekten Tages
Der Lohn der harten Arbeit Der Lohn der harten Arbeit
What a cool shirt What a cool shirt
© Robert und S., 2010
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Die Reise

 
Worum geht's?:
Knapp 3 Jahre nach dem Ende unserer ersten großen Reise gönnen wir uns nun erneut eine Auszeit vom geregelten Leben! Bei unserer zweiten Weltreise wollen wir uns innerhalb eines Jahres auf die 3 Kontinente Australien, Nordamerika und Südamerika konzentrieren. Auf vielfachen Wunsch unserer treuen Leser werden wir auch diesmal unsere Erlebnisse möglichst aktuell an dieser Stelle veröffentlichen - somit wünschen wir euch viel Spaß beim Lesen und uns viele Gästebucheinträge von euch!
Details:
Aufbruch: Februar 2011
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: Februar 2012
Reiseziele:
Hongkong
Neuseeland
Australien
Vereinigte Staaten
Kanada
Mexiko
Ecuador
Peru
Bolivien
Chile
Argentinien
Spanien
Portugal
Österreich

Der Autor

 
Robert und S. berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.
Mehr von Robert und:
  • RAUS aus dem ALLTAG + REIN ins ABENTEUER - in 241 Tagen um die Welt!

    Am 09.10.2007 gehts endlich los. In knapp 8 Monaten wollen wir die 4 Kontinente Asien, Australien, Südamerika und Nordamerika bereisen und dabei so viele neue Eindrücke wie möglich sammeln und unseren Horizont erweitern. Für alle Daheimgebliebenen und Interessierten werden wir versuchen, einen möglichst aktuellen Reisebericht zu verfassen, um Euch an unseren Erfahrungen und Erlebnissen teilhaben zu lassen! Viel Spaß beim Lesen! lesen...


    Dauer: 8 MonateOktober 2007 - Mai 2008bis 2008
Aus dem Gästebuch (3/105):
Maria P. 1328639767000
Welcome home und danke, daß du nicht auf mich ver­ges­sen hast, Sa­bi­na.­
Freu mich schon auf ein Wie­der­se­hen!
Marion 1328629408000
Welcome home! Hoffe, der Kälteschock ist kein allzu großer für euch!
Lie­ben Gruß­,
Ma­rion
Christoph 1327917517000
Hallo ihr zwei! Tut mir zwar leid für euch, dass sich eure Wel­trei­se langsam dem Ende nähert, an­de­rer­seits freue ich mich schon auf eure Schil­de­run­gen bei einer gem­ütlichen Spa­reribs - Ses­sion.
LG Chris­toph