Bolivien-Reisebericht :Mit der 2 CV-Ente auf dem Weg nach Kolumbien

Bolivien - Paraguay - Ende, Ente

Wir sind bis jetzt drei Monate und acht Tage unterwegs...
Zurueckgelegte km ca. 15200.

Wir kommen relativ spaet weg aus La Paz. Ich moechte etwas außerhalb der Stadt tanken, und so fahren wir erst mal raus. Heute gibts kein Benzin!, ist die Aussage aller Tankwarte. Und immer wieder bekommen wir die Auskunft das es wohl an einer bestimmten Tanke "in der Stadt" noch was gaebe. Wohl oder uebel muessen wir zurueck, was ich mir eigentlich ersparen wollte.
Wir finden besagte Tankstelle!, und da ging genauso zu, wie ich es ueberhaupt nicht wollte.
Geschiebe, Gedraenge, Gehupe und ziemlich agressives Geschimpfe. Des oefteren werden wir auch von diesen boesen Toyotas mit ihren Rammstosstangen leicht angetaetscht um sich vorzudraengen.
Jeder will halt noch tanken, bevor hier auch noch Schluss sein wird.
Na ja wir bekommen dann doch noch den Tank zum zweieinhalbfachen "Gringopreis" vollgetankt, und koennen wieder stadtauswaerts rollen.

Wir schaffen es an diesem Tag noch bis zum Asphaltende nach Huari, das ist da wo das beruehmte bolivianische Huari-Bier gebraut wird. Es ist fuer mich unverstaendlich das in diesem Nest, wo man glauben muss die Welt waere zu Ende, so gutes Bier gebraut werden kann.
In einer Residencial finden wir Unterschlupf. Zimmer mit einem sehr komfortablen riesigen Bett, Gemeinschaftsbad und Toiletten unten im Hof. Trotzdem war auch im Zimmer fuer alle Beduerfnisse gesorgt in Form von je einem uralten Omapisstopf links und rechts neben dem Bett.
Wir nehmen uns vor morgen sehr frueh aufzustehen, und dann nix wie weg .
Kommen aber dennoch fruehmorgens mit dem Sohn des Hauses ins Gespraech, der Schriftsteller und Historiker ist. Der junge Mann sitzt im Rollstuhl und kann uns noch sehr viel Interessantes ueber die Geschichte und Gebraeuche dieser Region Boliviens erzaehlen.
Ueber das Altiplano wollen wir heute bis Uyuni durchstarten. Hier erwarten uns 200 km ganz ganz ueble Wellblechpiste. Manchmal gehts auch ein bisschen bergauf und bergab.

Eine unscheinbare Bergkuppe bedeutet wieder mal das "Aus" fuer unsere Gordita. Es fehlen noch so 100 m um drueber weg zu kommen. Domi steigt wieder mal aus, und ich versuch mit erneutem Anlauf noch zweimal. Kurzr dem Abwuergen hilft sie noch kraeftig mit und schiebt, und das in dieser Hoehe. Jedesmal schaffen wir es so 10-15 m weiter, und irgendwann sind wir dann auch oben, und es kann weitergehen.

Spaetnachmittag sind wir dann in Uyuni. Am naechsten Tag machen wir dann die obligatorische Salar Tour. Fuer mich mittlerweile nicht mehr soooooo aufregend, fuer Domi jedoch eine ganz andere neue Welt.

Am Abend wird dann noch das Auto entsalzt, natuerlich mit jeder Menge Wassereinbruch in der Gordita, so das auch der Innenraum erst noch trocken gelegt werden muss.
Abends zuerueck in Uyuni wollen wir auch was essen, was wir dann auch tun. Jedoch geht ein Gedanke uns nicht aus dem Kopf. " Eine schoene Parilla Completa " so mit allen moeglichen Fleischsorten und Innereien auf Holzkohle am Tisch serviert. Gibts aber in Uyuni nicht.
Die naechste Parillada die so was bietet, ist noch sehr weit weg, und zwar in Villa Montes, fast schon an der paraguayischen Grenze. Hmmmm, was kann ich da nur tun, ich hatte mir ja vorgenommen meine Domi auf dieser Tour so gut wie moeglich zu verwoehnen.
Wir beschliessen doch jetzt so zuegig wie moeglich "nach Hause" zu fahren. Es reicht jetzt auch irgendwie mit diesem Zigeunerleben.
Morgens an der Tanke treffen wir dann noch Daniela und Gerd, die mit ihren zwei Motorraedern Suzuki 350 enduro unterwegs sind . Auch sie wollen Richtung Potosi-Sucre. Also fahren wir erst mal zusammen los. Wir zuerst, weil es da gleich hinter Uyuni zwei Paesse zu bezwingen gilt, vor denen ich aus frueherer Erfahrung ganz schoen Respekt habe.

Schon an der ersten laengeren Steigung kommt wieder das unweigerliche "Aus". Da ist aber nichts mit schieben, denn es geht noch etliche km so weiter, bis auf angeblich 4200 m.

Da gibst nur eins, schon mal ein Seil vorne festmachen, und den Toyofahrern mit dem anderen Ende des Seils immer kraeftig zuwinken. Endlich haelt dann auch ein vollbesetzter Toyota an und fragt nach unseren Beduerfnissen. Da er, wie er sagt ein Automatikgetriebe hat, moechte er seinem Toyo so eine Schleppaktion nicht zumuten, denn es geht dann wohl noch brutaler bergauf.
Dani und Gerd sind mittlerweile auch bei uns angelangt. Dann erbarmt sich doch noch einer um uns ueber den Pass zu zerren. Das ganze durften wir dann noch zweimal in diesem ersten Teilstueck ausgiebig ueben. Bis wir dann auf die neue asfaltierte Strasse richtung Potosi rollen durften.
Weiter geht es dann mit abwechselnd Motorraeder zuerst dann wir und so, immer abwechselnd. Hat sehr viel Spass gemacht mit den beiden, und so suchen wir uns denn gegen abend einen Uebernachtungplatz moeglichst unter der 4000 m Grenze.
Was uns dann auch gelingt, denn wir finden den absolut schoensten Platz um im Freien zu Uebernachten von unserer ganzen Reise.

Wir bereiten zusammen unser Abendessen vor in dem wir alles zusammenschmeißen, was jeder so dabei hat. Ich finde dann auch noch bei uns eine halbe Flasche Rotwein, die wir da zu viert doch ganz erfolgreich mit geringem Zeitaufwand geleert hatten. Bis in die Nacht haben wir dann an einem Feuerchen noch geplaudert. Gott und die Welt war glaub ich unser Thema. Oder nicht ?

Es war auf jeden Fall ein sehr schoener Abend, und morgen soll`s dann weitergehen Richtung Potosi.
Obwohl ich, sowie ich schon des Oefteren gesagt hatte, hier nicht mal tot ueberm Zaun haengen moechte, bleiben wir zwei Naechte hier, weil auch Gordita wieder mal ein paar Streicheleinheiten noetig hatte.

Wir treffen uns dann auch in Sucre wieder im Hostal "Pacha Mama" wie immer wenn ich in Potosi bin. Pacha Mama ist in der Stadt, und man kann hier sein Fahrzeug (sofern es kein Monstermobil ist) direkt vor dem Zimmer abstellen. Das find ich sehr angenehm und praktisch.
Hier legen wir einen Ruhetag ein. Domi geht einkaufen, und ich mach nichts.
Unsere beiden Motobiker wollen weiter ueber die Che - Rute dann Richtung Peru. Wir moechten doch moeglichst schnell zu unserer Parillada kommen, denn das Verlangen nach "richtigem Essen" wird immer staerker. Auch mal wieder runterzukommen wo es wieder dickere Luft gibt, und alles gruen ist, waere bestimmt ok. Und dann noch die angenehmen klimatischen Bedingungen in tiefer gelegenen Gegenden... Ich muss jetzt immer oefters an den Eckard denken, der zwar nicht so gerne bei groesserer Hitze verweilt, derartige Klimazonen jedoch aus bestimmten Gruenden gar nicht so schlecht findet (nur fuer Insider)
Also geht es weiter, erst mal teilweise noch schoene Asphaltstrasse und dann die ueblichen Schlagloch- und Wellblechpisten Richtung Camiri. Da hatten wir dann noch die zwei Schrauben der vorderen Motorhalter verloren, was zur Folge hatte, das auch die Befestigung des Getriebes aus seiner Halterung gesprungen war.
So drei bis vier km vor dem lang ersehnten Asphalt geht dann nichts mehr. Motor und Getriebe liegen versetzt im Motorraum und hatten dadurch die Handbremse (Trommel) festgezerrt.
Wir hatten die Piste, die in diesem Bereich sehr schmal war, komplett blockiert.
Da kommt er auch schon, der dicke LKW den wir kurz zuvor ueberholt hatten. Hupend versucht er uns vom Platz zu bewegen. Hey Mann, wenn du da vorbei willst hast zwei Moeglichkeiten:
Du machst uns einfach platt, oder du hilfst uns da weg zu kommen. Er entschied sich Gott sei Dank fuer die zweite Version, und schleppt uns dann noch die letzten 4 km bis zum Asphalt, wo wir so gegen zwei Uhr morgens totmuede in unserer Gordita Zuflucht finden...
Hatte noch unsere Lena vergessen ! Lena ein junges Maedel aus Deutschland, die uns schon ein paar mal in und um Uyuni begegnet war, radelt mit ihrem Bike auch schon einige Monate durch Suedamerika. Wir hatten sie dann noch mal in der Naehe von Padilla getroffen, wo wir dann am Wegesrand ein nettes Gespraech hatten, sie ist alleine unterwegs, und ich muss sagen Respekt, Respekt!

Also morgens dann hebele ich Motor und Getriebe wieder an seinen urspruenglichen Platz, und ersetze die beiden Motorhalterschrauben paraguayisch jeweils mit einem Stueck Draht, der niemals fehlt im Werkzeugkasten. Mittags sind wir dann in Villa Montes und duerfen uns dann den ganzen Nachmittag auf die uns bevorstehende Parilla Completo am Abend freuen.
Und die war dann wirklich ein voller Erfolg, mit ein paar Pacena-Bierchen und 32 Grad. Und dann nur noch gute Nacht.

Jetzt aber ab nach Paraguay. An der Urwaldgrenzstation Infante Ribarola machen wir noch ein paar Bilder mit den Grenzbeamten sowie mit den Militaers auf paraguayischer Seite, wo die Hauptrolle wieder mal La Gordita gespielt hatte.

Und jetzt fahren wir durch bis Concepcion wo Domi unbedingt noch frischen Flussfisch bei Peter www.pragaguay.ch einkaufen wollte. Sonntag morgen so um acht treffen wir da auch ein, und machen noch ein paar Stunden Ruhepause bevor wir uns dann auf die restlichen 400 km nach Coronel Oviedo begeben. Bei diesem Marathon hatten wir dann praktisch ohne Uebernachtung, abgesehen von ein zwei Stunden sitzend in der Ente, so 1300 km zurueckgelegt.
Ohne Ansage sind wir dann ueberraschend am Sonntag den 18.12.2011 gegen Abend wieder zu Hause gewesen, wo Domis ganze Familie wie ueblich draußen auf dem Gehsteig beim Mate versammelt war, und uns freudig begrueßte.

Hier ein Album mit einer Fotosammlung unserer Reise:
http://tinyurl.com/8hu5w4p

Hier der Link zu unserem Reiseblog:
http://ententour.over-blog.de/

© Wolfgang Glück, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Hallo liebe Freunde, Heute früh geht's jetzt endgültig los, Richtung Karibik... Ein lange gehegter Traum, über Land von Paraguay aus Richtung Venezuela und Kolumbien zu fahren... und zwar mit unserer 2cv-Ente "la gordita" beginnt jetzt endlich.
Details:
Aufbruch: 30.08.2011
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 18.12.2011
Reiseziele: Paraguay
Brasilien
Venezuela
Kolumbien
Ecuador
Bolivien
Der Autor
 
Wolfgang Glück berichtet seit 5 Jahren auf umdiewelt. Wolfgang über sich:
Hola an diese wunderbare Seite und ihre Leser. Ich schreibe hier zunächst im Namen eines Freundes, der sich mit dem Internet nicht so auskennt. Aber seine Abenteuerreisen sind es wert, publik gemacht zu werden.