Chile-Reisebericht :Fahrrad..Erde..Ein Jahr.."Runde Sache"

Chile: Santiago

Buenos dias! (Chile 13.-20.08.2009)

Nach dem kurzen NZL- Blöggchen' darf ich euch diesmal ein wenig länger in den Bann ziehen, denn die sieben Tage Chile hatten doch ein wenig mehr Abwechslung parat.

Vorweg: Eimal unter uns, glaubt ihr an einen Zeitsprung in die Vergangenheit? Glaubt mir, bislang hatte ich es nicht für möglich gehalten, doch es geht tatsächlich. Phenomenal! Und vergesst dabei alle wissenschaftliche Theorie, macht euch völlig frei, lasst euch fallen und bereitet euch mental auf einen langen Flug durch die Dunkelheit vor. Als Zeitmaschine setzt euch in eine Boeing 747 unter Quantas- Flagge. Setzt euch nicht irgendwo in den Langstreckenliner, sondern startet in Auckland nachmittags bspw. 16 Uhr in Richtung Osten über den Pazifik. Schlaft gemütlich eine Nacht und frühstückt nochmals gemütlich. Landet dann in Santiago in Chile nach 11 Stunden Flug und stellt eure Uhr nicht etwa auf den neuen Tag um, sondern stellt sie gute 4 Stunden zurück auf 11 Uhr am "gleichen" Tag. Ihr habt dann also zwei Mahlzeiten genossen, gut geschlafen und 5 Stunden zum Tag hinzugewonnen. Witzig, oder!
Spass beiseite, war schon recht überrascht, daß man wirklich nach einem Flug Zeit dazugewinnen kann, wenn man sich die Weltzeiten allerdings genauer betrachtet, erhält das Ganze Logik.
Beim Anflug auf Santiago durfte ich schon einmal einen Eindruck von der genialen Landschaft erhaschen, in der ich Blacky Freilauf versprochen hatte.

Bario Bellavista ist Santiagos Stadtteil, der einen mit dessen Gebäudearchitektur am ehesten in den Bann zieht. Die Stadt hat 4,6 Mio. Einwohner, doch zugegeben bereits nach wenigen Tagen hat man sich hier eigentlich sattgesehen.

Auch die meisten Restaursants und Bars finden sich in Bellavista, klar daß man sich seine Unterkunft am besten hier wählt.

Die Wege nach Hause sind denn auch nicht mehr so weit, wenns mal länger werden sollte.

Wenn man sich dann noch in Chiles Gruselbar Nr. 1 verläuft, ist das Bett vor dem Sonnenaufgang nicht erreicht. Zu viele nette Chilenen in doch gewöhnungsbedürftiger Atmosphäre, die einen vom Gehen hindern.

Das neue Hostelzeitalter, der Laptop gehört dazu..schade aber wahr!..vor zehn Jahren musste man noch notgedrungenermaßen miteinander kommunizieren. Heute nicht mehr vorstellbar.

Da gibt es einen Hügel mit knapp 300 m Höhe in Santiago, der wird an sonnigen Tagen von unglaublich vielen Fahrradliebenden erstrampelt, um dann zu Recht eine giantische Aussicht über die Stadt und den Anden im Hintergrund mit dem Berg "Cerro el plomo" mit über 5400m Höhe zu erhalten. Klar, daß Blacky da kaum zu halten war, nachdem er doch zuletzt am Mt. Kinabalu Bergluft schnuppern durfte.

Wäre ein wenig mehr Zeit gewesen, wäre ein Ausflug zu Chiles vom Festland mehr als 3500 km entfernter Osterinsel "isla de pascua" im Pazifik mit dessen Moai-Steinfiguren ein heißer Anwärter gewesen.

Santiagos Stadtmitte hat nur ein paar wenige wirklich attraktive Sehenswürdigkeiten, wie dem "plaza de armas" mit dessen Kathedrale zu bieten.

Ein recht attraktives Ziel von Santiago nur knapp 1,5 Busstunden entfernt ist die Hafenstadt Valparaiso.

Valparaiso zeigt, trotz der erheblich geringeren Einwohnerzahl von knapp 280 000 ,ein weitaus attraktiveres Stadtbild als Santiago.

Zusammen mit dem Amerikaner Sammy aus dem Santiagohostel ging's hierher zu späterer Stunde und wir quartierten uns für die erste Nacht notgedrungenermaßen in einem Gasthaus ein, für das der Name "Grammy's home" wohl das passendste gewesen wäre. Das Zimmer roch nach 200 Jahre alt und für Heißwasser musste zunächst nach der Streichholzschachtel gefragt werden. Das alte Päärchen dachte wahrscheinlich nicht im Traum ans Renovieren, war jetzt vielleicht auch zu spät dafür. Das alte Haus ließ in mir alte Horrorstreifen, in denen nachts eine alte Dame mit Candle vor dem Bett steht, aufblühen. Gut zumindest, Alpträume blieben mir erspart.

Das, was Valparaiso generell auszeichnet, sind die tausenden von Häuser an den steilen Hängen der Stadt, daher auch Weltkulturerbe. Unmöglich, mit nur einem Bild einen wahren Eindruck zu vermitteln.

Bei Nacht wirkt das dann wie eine riesige Invasion von Glühwürmchen.

Valparaisos Innenstadt hat vereinzelt recht gemütliches Altstadtflair, verschandelt aber auch viele Straßen durch hässliche moderne Schnellbauten.

Wäre dies hier Indien, so würde man die Hunde heilig glauben, denn wie in keiner anderen Stadt tummeln sich hier hunderte von streunenden Hunden, die sich auch mit den vorbeifahrenden Autos heiße Duelle bieten, bis der Fuß lahmt.

Eines von mehreren Häusern des Nobelpreisträgers für Literatur Pablo Nerudas, einem der größten Schriftsteller und Politiker aller Zeiten, inmitten dieser Häuserschaar. Das Auffinden hatte fast schon etwas von Schnitzeljagd bei den vielen Gässchen.

Es regnete hier in Chiles Winter des öfteren, Temperaturen lagen um die 10°C und so kam was kommen musste, ich bekam Schnupfen. In Valparaiso regnete es gar einen Tag nonstop wie aus Eimern, weshalb sich alle Hostler in der neuen Unterkunft im Haus verkrümelten. Der nächste Morgen zeigte sich denn aber wieder gnädig mit Sonnenschein, die angriffslustigen Bakterien schienen besiegt, und so machte ich Blacky mit der lange angeplanten Bergradtour die vielleicht größte Freude seines Lebens. Das ganze schien ja zunächst sehr auf der Schwebe.

Die Fahrt führte über Vina del mar , dann nach Limache gemein den Berg hinauf und nach der Bergkuppe wieder hinab nach Til Til. Das Raddress sicher nicht sexy, doch es galt, besser warm eingepackt, statt frieren.

Die Aussicht war einmalig, der Punkt auf meiner Kameralinse ärgerlich.

ab Til Til ging es nur noch flach weiter Richtung Santiago, ..

vorbei an ahtemberaubenden Kaktuslandschften..

und durch das, was aussah wie ein Fluß, sich aber Strasse nannte. Blacky ließ sich nicht wegspülen, meine neuen Neuseelandtreter hatten allerdings die erste Sintfluteinweihe.

120 km in den Beinen waren genug, die letzten 40 km zurück in Chiles Hauptstadt erledigte ein Bus.
Den nächsten Bericht gibts aus Arentinien. 10 Tage stehen dort zur Verfügung.

Viele liebe Grüße,
Peterle

© Peter Greiner, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
13 Monate Weltreise geschmückt mit unvergleichbar schönen Erfahrungen auf einer Vielzahl von Radabschnitten sowie dem Leben unter den Menschen durch Homestay, langen Busfahrten auf Reissäcken in Myanmar, Bergvölker in Laos und vieles mehr. Die Reise führt durch Ungarn nach Griechenland, Dubai, Indien, Japan, China, Myanmar,Thailand, Laos, Vietnam, Malaysia, Philippinen, Borneo, Singapur, Sydney, Chile, Argentinien, Brasilien, Florida, Mexiko und findet in Madrid ihr Ende.
Details:
Aufbruch: 28.08.2008
Dauer: 13 Monate
Heimkehr: 28.09.2009
Reiseziele: Großbritannien
Ungarn
Serbien
Griechenland
Vereinigte Arabische Emirate
Indien
China
Japan
Hongkong
Myanmar
Thailand
Laos
Kambodscha
Vietnam
Malaysia
Philippinen
Singapur
Australien
Neuseeland
Chile
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Uruguay
Brasilien
Paraguay
Vereinigte Staaten
Mexiko
Spanien
Der Autor
 
Peter Greiner berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Peter sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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