Chile-Reisebericht :Ein Traum wird wahr - einmal um die Welt...

Chile: Puerto Varas & Chiloe

Nachdem wir so lange in Valparaiso waren, wollten wir jetzt mal ein Stueck weiterkommen und ab in den Sueden, bevor es zu kalt wird. Also mit dem Bus 14 Stunden Nachtfahrt nach Puerto Varas. Busfahren in Chile ist wirklich Luxus! Richtig moderne Busse mit Platz zum Beine ausstrecken und man bekommt sogar eine Decke und ein Kissen. Da sind wir sogar am naechsten Morgen richtig ausgeruht und ausgeschlafen in Puerto Varas angekommen. In bisschen deprimierend ist aber, wenn man sich auf der Landkarte anschaut, wie weit wir ueberhaupt gekommen sind. Chile ist einfach riesig! 4500km lang, das dauert vielleicht, bis man da von einem Fleck zum anderen kommt. Aber jetzt haben wir ja ein Stueck geschafft. Kaum aus dem Bus, wurden wir gleich auf Deutsch angesprochen. Schon ein komisches Gefuehl so mitten in Chile. Das ist uns dann in den naechsten 2 Stunden gleich noch ein paar Mal passiert. Hier in der Gegend gibt es viele deutsche Auswanderer.

Das sieht doch mal richtig deutsch aus

Das sieht doch mal richtig deutsch aus

Aber eins haben wir bei unserer Reise sowieso schon gemerkt: die Deutschen sind ueberall, man kann dem einfach nicht entfliehen. Im Hostel wurden wir auch sofort auf Deutsch begruesst, es scheint uns irgendwie auf der Stirn zu stehen: Deutsche! Man wird nicht mal mehr gefragt, ob man deutsch ist, anscheinend sieht man es uns wirklich an. Soviel dazu, dass wir unsere rudimentaeren Spanischkenntnisse verbessern wollen. Nach ausgiebigem Fruehstueck sind wir dann erstmal durch Tourioertchen geschlendert und haben uns den See und den Ausblick auf den Vulkan angeschaut.

Vulkan Osorno

Vulkan Osorno

Naechster Plan: rauf auf den Vulkan. Da man da mit oeffentlichen Verkehrsmitteln nicht wirklich hinkommt, mussten wir eine Tour buchen, aber was solls. Am naechsten Tag gings dann hoch und wir sind ein bisschen auf dem Vulkan rumgewandert. Ganz schoen oede so ein Vulkan, wenn sich nichts tut. Aber tolle Aussicht von da oben. Wir hatten echt Glueck mit dem Wetter. Mittlerweile merkt man doch, dass es Herbst geworden ist und es regnet haeufiger und nachts wird es richtig kalt. Nach der letzten Nacht im Hostel haben wir uns dann auch gleich mal eine zweite Decke besorgt, Heizung gibt es naemlich noch nicht.

Aussicht vom Vulkan

Aussicht vom Vulkan

Nachdem Jens von seinen Zahnschmerzen befreit war, hatte ich die letzten Tage immer so leichte Zahnschmerzen. Nicht wirklich schlimm, ging aber auch nicht weg. Hoffentlich sind das nicht meine Weisheitszaehne, irgendwie ein unguenstiger Zeitpunkt um das Licht der Welt zu erblicken. Also war mal wieder ein kurzer Besuch beim Zahnarzt angesagt. Auch hier wurde ich mit Kuesschen auf die Wange begruesst (das sollte man mal in Deutschland machen...) und auf den Stuhl gesetzt. Der Zahnarzt war ein unheimlich froehliches Kerlchen und oh Wunder, er konnte sogar deutsch. Er war richtig happy, mal wieder richtige Deutsche zu treffen und wollte erstmal eine Weile ein Schwaetzchen halten. War ja ganz nett, aber irgendwann wollte ich dann doch mal, dass er in meinen Mund schaut. Nebenbei hat er dann noch mit Jens weiter rumgealbert - sehr vertrauenserweckend, aber das scheint hier in Chile so zum Rahmenprogramm zu gehoeren. Nach ein paar Blicken stellte er freudestrahlend fest, dass ich ganz tolle Zaehne habe und alles bestens ist (Ich finde die guten Zaehne habe ich als Ausgleich fuer meine Blindheit auch verdient . Fragt sich bloss, wo die Schmerzen herkommen... Ja, dass koennten die Weisheitszaehne sein, aber um es genau zu wissen muesste man Roentgen und so einen Apparat hat er nicht, ausserdem kann er sie sowieso nicht rausmachen. Aha. Aber da ich erkaeltet bin (kein Wunder bei der Kaelte abends) ist es wahrscheinlich eine Entzuendung der Nasennebenhoehlen und wenn die weg ist, sollten die Zahnschmerzen auch weggehen. Auch gut. Ist mir lieber als die Weisheitszaehne. Also abwarten, ob es weggeht und dann weitersehen. Der gute Mann war richtig happy und nur am Lachen, Geld wollte er auch keins nehmen, schliesslich hat er ja nix gemacht und hat uns dann noch mit Kuesschen zur Tuer gebracht. Das ist doch mal Service!

Nachdem es zum Schwimmen am See mittlerweile viel zu kalt ist, haben wir beschlossen einen zweitaegigen Stopp auf der Insel Chiloe einzulegen. Mit 20 Minuten auf der Faehre ist das auch nicht wirklich weit vom Festland. In Ancud im Hostel wurden wir dann (Ueberraschung) auf deutsch begruesst (man sieht es uns wirklich an!). Ein echt ruhiges Fleckchen. Nach ausgiebigem Stadtbummel und Umgebungserkundung war klar, morgen mieten wir uns zwei Mountainbikes und geniessen die Natur. Wir hatten leider die Rechnung ohne das Wetter gemacht. Am naechsten Morgen regnete es in Stroemen und stuermte. Ganz toll. So gross war unser Eifer dann doch nicht. Also nach dem Fruehstueck erstmal wieder ins Bett und eine Runde lesen. Soviel wie auf dieser Reise hab ich glaube ich mein ganzes Leben noch nicht gelesen. Aber Jens hat auch das Lesefieber gepackt. Hier in Chile gibt es auch in fast jedem Hostel einen Bookexchange, so dass wir immer mit Nachschub versorgt werden. Spaeter haben wir dann noch Mark und Kristie im Hostel kennengelernt, einen Englaender und eine New Yorkerin und den ganzen Nachmittag nur gequatscht. Aber was will man auch machen bei dem Sauwetter. Immerhin haben wir abends noch mal die Fuesse vor die Tuer gekriegt und haben die Curanto gegessen, die Spezialitaet aus Chiloe. Richtig lecker und richtig viel!
Normalerweise haetten wir es ja am naechsten Tag nochmal mit der Radtour probiert, aber ausnahmsweise hatten wir mal keine Zeit sondern mussten weiter, am naechsten Tag gehts naemlich aufs Schiff!

© Jens Marion, 2006
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Bisher sind wir ganz brav und zielstrebig durch unser Leben getingelt. Jetzt wagen wir den großen Schritt und wollen ein Jahr die Welt sehen. Unsere Route: Frankfurt - Bangkok - Auckland - Santiago de Chile - Buenos Aires - Frankfurt
Details:
Aufbruch: 12.07.2005
Dauer: 9 Monate
Heimkehr: 19.04.2006
Reiseziele: Thailand
Laos
Vietnam
Halong Bay
Kambodscha
Phnom Pen
Neuseeland
Chile
Der Autor
 
Jens Marion berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Jens sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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