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Ecuador, Peru, Bolivien, Chile, Argentinien, Urugay, Brasilien
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Seit dem 6.5. bin ich jetzt in Guayaquil, der grössten Stadt in Ecuador. Ich wohne bei einer Gastfamilie in Horizontes del Guerrero, einem Barrio Popular (ungefähr = Slum) in einem Aussenbezirk der Stadt. Mit dem Bus braucht man eine Stunde ins Zentrum, ein Taxi braucht eine halbe, kostet aber acht Dollar.
Mein Gastvater Lerry ist der Präsident der Stiftung, bei der ich mein Praktikum mache. Seine Frau Letty studiert Lehramt im Fernstudium. Die beiden haben zwei Kinder, Stephan (5) und Tamar (3).
Lerry und Tamar
Letty
Stephan
Mit meiner Gastfamilie habe ich totales Glück. Lerry und Letty sind super nett, ich kann mit ihnen über alles reden und sie kümmern sich wirklich super um mich. Die Kinder sind total süss. Beide verehren mich sehr, Stefan hat mich sogar zu seiner Ehefrau erklärt. Er will allerdings mit mir in Ecuador leben, weil hier seine Familie lebt. Ich fürchte, da wird es noch einige Diskussionen geben... Langweilig wird es selten bei Familie Medina!
Das Leben im Barrio Popular ist - wie nicht anders zu erwarten - ziemlich anders als alles, was ich bisher so kannte. Meine Familie wohnt in einem Steinhaus und steht damit besser da als die meisten Nachbarn, die in Holzhütten wohnen. Trotzdem ist das Haus sehr einfach, die Räume sind mit Karton und Planen voneinander abgetrennt.
Essecke und Küche
Wohnzimmer
Mein Zimmer
Unser Viertel hat Stromleitungen, allerdings gibt es kein fliessendes Wasser. Wir haben eine kleine Hütte im Hof, in der ein Klo und grosse Wasserbottiche stehen. Zum Waschen schöpft man mit einer Keller Wasser aus den Bottichen. Geht eigentlich ganz einfach.
Hof mit Badehütte
"Badezimmer"
Das Haus von hinten. Auf dem Holztisch wird abgewaschen.
Blick auf die Nachbarschaft
An die Lebensverhältnisse gewöhnt man sich schnell. Es ist nur manchmal etwas anstrengend, dass die Häuser nach aussen kaum abgeschirmt sind und Staub und Lärm fast ungehindert eindringen können. Einer unserer Nachbarn hat eine Vorliebe für laute Musik, gerne auch mal nachts um Vier. An Schlaf ist dann nicht zu denken, aber hier würde man sich nie beschweren.
Schwierig auszuhalten ist es manchmal, unter was für Umständen manche Kinder hier aufwachsen. In der Nachbarschaft gibt es eine Frau, die mit 23 Jahren schon vier Kinder hat. Sie kriegen von ihrer Mutter fast nie was zu essen und kommen deshalb immer zu den Nachbarn betteln. Sie wäscht sie auch nicht oder kümmert sich sonst irgendwie um sie. Das heisst, die Kinder sind den ganzen Tag auf der Strasse unterwegs. Der Zweijährige kann Wörter, die ich glaube ich mit Zehn noch nie gehört hatte. Seine Beine sind mit eitrigen Wunden übersäht, weil sich niemand darum kümmert, wenn er irgendwo hinfällt. Oft stehen die Kleinen abends um Neun, Zehn bei uns vor der Tür und haben den ganzen Tag nichts gegessen. Niemand scheint sie zu vermissen, wenn sie stundenlang bei uns sind. Geschlagen werden die Kinder auch, und Letty vermutet dass sie sexuell missbraucht wurden. Das sind sicher Extremfälle, aber hier geht es vielen Kindern ähnlich. In der Schule von unserer Stiftung sind zum Beispiel viele, die bis zum Mittagessen nichts zu Essen kriegen. Oder deren Zähne total schlecht sind, weil ihre Eltern ihnen nicht die Zähne putzen. Solche Sachen sind manchmal schwer zu ertragen, aber durch die Armut kann man sie eigentlich nicht erklären. Die Mutter von unseren Nachbarsjungen ist zum Beispiel total dick - sie kauft sich was zu Essen und isst es dann alleine auf. Meine Gastfamilie und viele andere Familien im Viertel haben auch nicht viel Geld, aber die Eltern sind immer für die Kinder da, es ist genug zu Essen da, und es wird viel Wert drauf gelegt, dass die Kinder saubere Klamotten tragen und sich gut benehmen...
Nächste Tage berichte ich über Guayaquil, meine Arbeit und meine ersten Reisen!
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