Kolumbien-Reisebericht :Mittelamerika und Kolumbien 2015

Cartagena, Taganga, Palomino

Cartagena ist schön. Im Gänsemarsch marschierte unsere Gruppe vom Hafen in die Innenstadt und teilte sich dort auf verschiedene Hostels auf. Abends trafen wir uns in einer Bar gegenüber vom Hostel Media Luna. Diesem Hostel habe ich zuvor noch einen kleinen Besuch abgestattet. Gemeinsam mit meinem Kollegen und unserem australischen Freund gingen wir Richtung Empfang, wo unser Australier das Personal ablenkte ("One Question: how much is this and that?"). Ich ging derweil zum Pool und zog mich in aller Seelenruhe bis auf die Unterhose aus und sprang in den Pool. Einer der Rezeptionisten rief derweil verzweifelt "Excuse me, excuse me, you can't use that pool ..."). Naja, dass ich konnte, hatte ich ja bewiesen. Meine Frage, ob sie ein Handtuch für mich hätten, ignorierten sie.

Der Abend war ganz lustig, wir freuten uns, endlich nicht mehr auf dem Trockenen zu sitzen und tranken die Happy-Hour-Cocktails. Später waren wir neben dem Media Luna noch in einer Diskothek, wo die Begabteren unter uns das Tanzbein schwangen. Mit dem Australier war ich später noch in einer Disko, wo offensichtlich die reichen Kids von Cartagena Party machen. So viele hübsche, blonde (!) Frauen habe ich lange nicht auf einem Haufen gesehen.

Am nächsten Tag haben wir alle, weil wir uns halt nicht so schnell trennen mochten, die Free Walking Tour mitgemacht, wo einen der Kollege (gegen ein Trinkgeld, aber im Prinzip "free") durch die schöne Altstadt geführt hat und eigentlich auch recht bemüht war. Auf die Festung sind wir leider nicht gekommen, weil der Besuch am eigentlich kostenfreien Sonntag leider nur für Kolumbianer umsonst war, während man von uns einen unangemessen hohen Betrag verlangt hat. Abends waren wir in Gruppe noch eine Pizza essen und haben noch einmal dieselbe Bar besucht. Dann hieß es schon langsam, von den ersten aus unserer Gruppe Abschied nehmen, was ein wenig wehmütig machte. Einige sollte ich später in Medellin wieder sehen, was ich in Cartagena noch nicht wissen konnte. Das spätere Wiedersehen war eine große Freude, weil mich mit den Leuten vom Schiff eben eine besonders intensiv erlebte Zeit verband.

Mein Kollege und ich ließen es etwas ruhiger angehen. Wir machten am nächsten Tag noch eine Schnorcheltour, die ziemlich scheiße war. Das Schnorcheln beschränkte sich nämlich auf 15 Minuten in flachem Wasser Rumpaddeln oder wahlweise für 20 US irgendein scheiß Meeresmuseum zu besuchen, eine Option, die hauptsächlich die des Schwimmens wie immer nicht mächtigen Asiaten auf unserem Boot wahrgenommen haben. Danach gab es an einem Strand noch Fisch zu essen (wie immer gut, aber eben Massenabfertigung) und man konnte sich kostenpflichtig auf einen Liegestuhl legen. Ich bin eh nicht so der große Fan vom am Strand liegen. Warum so viele Leute aber bereitwillig Geld dafür ausgeben, um von einem Strand an den anderen zu gelangen, ist mir ein Rätsel.

Die letzte Nacht verbrachten wir in einem etwas schickeren Hotel mit einem Pool auf dem Dach, weil es eben der letzte Tag meines Kollegen war, da wollten wir uns nochmal etwas gönnen. Das Hotel lag in dem etwas abseits der Altstadt gelegenen Bezirk, in dem die ganzen Hochhäuser stehen. Da war abends nicht mehr allzuviel los. Nachdem der Kollege geflogen ist, habe ich noch zwei Tage in der Altstadt relaxt und bin dann nach Taganga an der Nordküste Kolumbiens gefahren.

Pool auf dem Dach ist nie verkehrt.

Pool auf dem Dach ist nie verkehrt.

Dieses kleine Dorf hatte uns Francia empfohlen, von dort könne man einen mehrtägigen Dschungeltrek zur "Lost City" (o.s.ä., bin wie immer zu faul, das nochmal nachzuschauen) unternehmen. Die Lost City habe ihr sogar noch besser gefallen als Machu Picchu, was mich aufmerken ließ. Das Nest war wirklich recht verschlafen, mehr als ein Dorf ist es eben nicht. Von der Buchung einer Wanderung habe ich nach ein wenig Recherche Abstand genommen. Von der Lost City sei nämlich bis auf ein paar Steinstufen nicht mehr soviel übrig, das Highlight sei die Wanderung an sich. Na schönen Dank! Ich habe es dagegen vorgezogen, einfach im Hostel zu faulenzen. Mit einem australischen Pärchen und einem Mädel aus meinem Dorm habe ich einen Superabend mit Alkohol, Reisegeschichten und vielen lustigen Sprüchen erlebt. Am nächsten Tag bin ich mit einem Motorboot und den Australiern zum Nachbarstrand gefahren, das Schnorcheln dort war natürlich Grütze, aber die vielen Kolumbianer in Urlaubsstimmung, das war schon ganz nett. In Taganga hatte ich nochmal das Hostel gewechselt und hatte nun einen schönen Blick auf die Bucht und den Sonnenuntergang. Einmal war ich noch im örtlichen Fitnessstudio, habe mit einem deutsch-englischen Pärchen interessante Gespräche geführt (ich und die Pärchen immer) und dann schließlich eine Deutsche kennengelernt. Bisschen was einfaches Gemüt, aber im Job erfolgreich und klare Vorstellungen davon, was sie will.

Taganga.

Taganga.

Hervorragend.

Hervorragend.

Blick vom Dach meines Hostels.

Blick vom Dach meines Hostels.

"Palomino" hatte ich noch nie gehört, sollte aber ein ganz hübsches Nest ebenfalls an der Nordküste sein. Dort haben wir uns im superschicken Hostel "The Dreamer" eingemietet, was echt schnieke war und einen feinen Pool hatte. Nachdem ich mir den Reisetag im Pool abgewaschen hatte, hatte sich die Deutsche schon neue Freunde gemacht, sodass ich mich dann später - "Hi, I am Christian" - einfach dazusetzen konnte. Die Jungs und Mädels hatten schon gut einen getankt, und mittankend habe ich beim Kartenspielen und lautstark Blödsinn erzählen mitgemacht. Ein Superabend, wiedermal. In der geselligen Runde war auch schnell geklärt, dass man am nächsten Tag zusammen "tuben" würde. Tuben war das Highlight in Palomino. Mit den vor dem Hostel wartenden Motorradkids fährt man zunächst zu einem Liquorstore, wo wir alle tüchtig Rum und Bier eingeholt haben. Dann fahren einen die Jungs einen Waldweg hoch, so weit es eben geht. Ab da ist man dann (barfuß und mit seinem Reifen) auf sich allein gestellt. Das Prinzip sollte dem Leser verständlich sein: je höher man läuft, desto länger kann man nachher auf seinem LKW-Reifen den Fluss hinunter treiben. Die Wanderung war ein ziemlicher Akt, weil der Weg kein Ende nehmen wollte. Die Gruppe Mädels, mit denen ich kletterte, verloren kurz vor Schluss auch fast die Nerven und wollten umkehren. Irgendwann kam dann aber doch noch der Einstieg und los ging es. Auf mehreren Reifen ging es dann eine gefühlte Ewigkeit den Fluss runter. Wir fuhren mitten durch den Dschungel und sahen unterwegs keinerlei Behausung geschweige denn eine Siedlung. Mal ging es etwas schneller, die meiste Zeit aber in eher gemütlichem Tempo. Dabei haben wir uns gegenseitig mit den Füßen festgehalten und unseren Alkohol kreisen lassen. Wie überall in Central war auch hier in Kolumbien Rum das gängigste Getränk. Am Ende war ich vom Rum, der Hitze und der prallen Sonne so besoffen, dass ich am Ausstieg Schwierigkeiten hatte, meinen Kameraden zum Hostel zu folgen. Der Weg zurück zum Hostel am Strand entlang war wirklich dramatisch. Die tosenden Wellen legten einen Nebel über den kilometerlangen Strand der von dichtem Palmenwald und nur ab und zu ein paar Hostels gesäumt war.

Nach einigen Tagen Erholung in Palomino und Santa Marta im dortigen Schwesterhostel "The Dreamer" (sehr schön, die Stadt ist aber ein shit hole) bin ich mit dem Overnightbus nach Medellin gefahren. Dort wurde ich am Busbahnhof von einem freundlichen Eingeborenen schon mal darauf hingewiesen, dass es hier die schönsten Frauen von ganz Kolumbien gebe. Mit der Metro (fährt ausschließlich oberirdisch) bin ich zu der im LP ausgewiesenen party area Poblado gefahren. Wohl mit der schickste Stadtbezirk in Medellin. Absolut sicher, auch nachts, das einzige, das wirklich nervt, sind die Polizisten, die jeden jugendlich aussehenden Touristen in einer Tour filzt, um zu überprüfen, ob er auch Kokain bei sich hat. Wenn sie welches finden, pressen sie von den Übeltätern Schmiergeld ab. Zum Schluss war das dann beinahe nur noch Routine: Buenas, Arme hoch, abklopfen lassen, muchas gracias und fertig. Untergekommen bin ich im Hostel Casa Kiwi, das von der Anlage her einfach toll war. Es bestand aus einem alten und einem neuen Anbau, hatte eine große Terrasse, eine Dachterasse und einen Bereich mit Hängematten, der am Nachmittag zum gemütlichen Lesen einlud. Dass die meisten, die dort gearbeitet haben (bis auf eine Ausnahme) rotzendumm sind und die Leute in der Küche auch nicht kochen konnten, geschenkt).

Medellin aus der Seilbahn.

Medellin aus der Seilbahn.

Ausflug nach Guatape.

Ausflug nach Guatape.

Toll war's. Kolumbien, Costa Rica und Guatemala - ich komme wieder. Belize, El Salvador, Panama - eher nicht. Nicaragua - definitiv nicht.

© Christian T, 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Zweieinhalb Monate von Mexiko bis Panama, 6 Wochen Kolumbien.
Details:
Aufbruch: 17.07.2015
Dauer: 4 Monate
Heimkehr: 14.11.2015
Reiseziele: Mexiko
Belize
Guatemala
El Salvador
Nicaragua
Costa Rica
Panama
Kolumbien
Der Autor
 
Christian T berichtet seit 3 Jahren auf umdiewelt.