Paraguay-Reisebericht :2 Jahre lang kreuz & quer durch die Americas

Paraguay ab 22.02.2015 970km

Ziel: Von Encarnacion an den Jesuiten Reduktionen vorbei in die Hauptstadt Asuncion und dann Richtung Osten nach Ciudad del Este, dem Grenzort zu Brasilien.
Wetter: Nachts meist angenehm kühl, tagsüber sonnig, heiss, blauer Himmel> 35º, 2 mal Nachmittags/Abends heftige (Hitze-)Gewitter/ Hagelschauer.

In Posadas tanken wir nochmal voll und fahren dann zur Grenzbrücke, die Ausreise aus Argentinien gewohnt schnell, die Einreise nach Paraguay dauert ein bisschen länger (20 min), da hier das Autoeinfuhrpapier noch von Hand ausgefüllt wird. Wir dürfen 90 Tage im Land bleiben, das Auto nur 20, aber nachdem wir nur für maximal 2 Wochen gefragt haben, ist dies keine Aussage für eine eventuelle Maximaldauer. Aber ‘wir sind drin‘, fahren am malerischen Elektro-Bikini-Bekleidungs-und wer weiss was noch alles Grenzmarkt vorbei in die Innenstadt von Encarnacion, stärken uns mit einem kleine Asado Brunch (das alles für < Euro 10)

und fahren dann Richtung Nord-Osten um dort einige der 7 Paraguayanischen Jesuiten Reduktionen zu besichtigen. Wir beginnen in Misiones Trinidad (E=PYG 25.000 pP), Unesco Weltkulturerbe exzellent renoviert

mit herrlichen Steinmetzarbeiten wie an dieser Kanzel,

einem Wachturm

und den üblichen Langhäusern für die indigene Bevölkerung.

Ein paar km weiter Jesus, (E in Trinidad enthalten) die unvollendete. Jesus war noch im Aufbau begriffen,

die riesige Kirche noch eine Baustelle

geplant als die größte Kirche aller Reduktionen,

als die Jesuiten auf Befehl des spanischen Königs des Landes verwiesen wurden, die Reduktionen aufgelöst, dem Verfall preisgegeben wurden. Wir fahren weiter nach San Cosme y San Damian, (E ebenfalls in Trinidad enthalten) und erleben in diesem relativ abgelegenen Ort ein völlig neues Bild. Hier waren offensichtlich die Zerstörungen um 1810 nicht so heftig wie anderswo, unsere Führerin zeigt uns viel originale Bausubstanz, das Langhaus der Kirche wird heute noch genutzt,

originale, bemalte Holzdecken im Klosterbereich,

Jesus an der Martersäule einmal als Spanier und einmal als Indigene,

St. Michael, hier nicht als Drachentöter sondern als Teufelsbekämpfer

und da diese Reduktion auch noch das erste Observatorium hier beherbergte, bekommen wir von zwei weiteren Führern eine Führung über die Sternenwelt, das Sternenverständnis der Guarani, eine Präsentation des Planetariums und dann konnten wir an diesem phantastischen Modell mit der Erde als Mittelpunkt des Universums

eigentlich alle Fragen zu Sommer, Winter, Tag/Nachtgleiche, sehbare Sternenbilder klären. Die Theorie kennt man ja schon, aber so anschaulich, zumindest für mich ein einmaliges Erlebnis. Es ist fast 20h als wir uns verabschieden, die Nacht verbringen wir hier im Ort, am Morgen noch ein Foto vom alten Eingangsportal von San Cosme y San Damian

und dann führt uns der Weg weiter nach Santa Rosa, aber mit diesem beeindruckenden Männekken Pis,

diesem alten Glockenturm

und diesem recht gut erhaltenen indigene Langhaus in dem sich ein sehenswertes Museumbefindet.

Der Weg nach Santa Maria lohnt nur, wenn man im Museum dort die Guarani Schnitzarbeiten bewundern möchte, die den Kirchenbrand überstanden haben. In San Ignacio, dem Ausgangspunkt, der ersten der 31 Reduktionen diese heute leider verschlossenen Kirche.

Dafür dann in Yaguaron verbirgt sich in diesem unscheinbaren Kirchengebäude ein absolutes Kleinod.

Barocke Guarani Holzschnitzereien in absoluter Vollendung, geschnitzte Säulen, bemalte Deckenbalken,

diese Kanzel,

der prächtige Hochaltar,

da gibt man dem Messner auch gerne ein kleines Trinkgeld für die Beleuchtung, wenn man, so wie wir, aussehalb der offiziellen Öffnungszeiten hier erscheint . Wir erreichen Asuncion und erleben bei der Einfahrt in die Stadt einen tropischen Gewitterregen, verbunden mit Ei-grossen Hagelkörnern. Wir suche erst Unterschlupf unter einem Baum und quälen uns dann im Feierabendverkehr durch derart überflutete Strassen vor

bis zum Botanisch Garden in Asuncion in dem sich der städtische CP befindet. Toiletten und Duschen, naja, aber dafür ein eigner Wächter, der nachts für unsere Sicherheit sorgen soll. Nicht, dass wir uns hier irgendwie unsicher fühlen, ist halt einfach sein Job.
Wir stellen unser Auto beim Wächter vor dem Naturkundlichen Museum hier im Park ab, gehen die paar Meter zum Parkausgang und fahren mit dem Bus Nr. 1(PYG 2300 Einheitspreis) in die Innenstadt. Die beiden (ehemaligen??) Haupteinkaufsstrassen Palma und Estrella irgendwie nett,

doch das Warenangebot erscheint ‚beschränkt‘. Da wir haben gestern im Gewittersturm bei der Einfahrt einige moderne Shopping Malls gesehen haben, liegt die Vermutung nahe, dass sich das Einkaufsverhalten hier analog zu anderen Großstädten an die Peripherie verschoben hat. An der Plaza de los Heroes ein Kunsthandwerkermarkt in dem uns vor allem diese filigranen Nanduti Webarbeiten beeindrucken,

fein wie ein Spinnennetz und dennoch stabil, dekorativ. Zum Glück haben wir so wenig Platz im Auto, sonst…. Das Panteon de los Heroes, dem Invaliden Dom in Paris nachempfunden,

von Wachsoldaten beschützt, beherbergt neben einigen Generälen auch die unbekannten Soldaten. Das Casa de Indepencia, das Gebäude in dem in der Nacht vom 14. auf 15.Mai 1811 die Unabhängigkeit von Spanien besiegelt wurde, beherbergt heute ein kleines Museum mit vielen Erinnerungsstücken an diese damals sicher aufregenden Tage.

Im neu erbauten Parlamentsgebäude die Reste eines alten Gebäudes integriert.

Die einstigen Armenviertel am Flussufer sie die Aussicht der Parlamentarier

und vor allen des Präsidenten aus seinem, dem Louvre nachempfundenen Palast störten

wurden mittlerweile fast völlig aufgelöst, in den Park zum 200 jährigen Bestehen der Nation umgewandelt. Nur hinter dem alten Parlamentsgebäude

noch eines dieser alten Viertel von dem wir aber gemäß den Wünschen der Bewohner keine Aufnahmen machten. Die Kathedrale verschlossen,

der alte Bahnhof ohne Gleisanschluss,

Es fährt kein Zug nach Nirgendwo…

Es fährt kein Zug nach Nirgendwo…

also fahren wir mit dem Bus 38 zum Mercado 4, DEM Markt von Asuncion.

Auf gut 1-Quadrat-km überdachter Schuppen-Hütten-Budenstadt gilt die Devise: ‚Gibt’s nicht, gibt’s nicht‘. Ob 100 T-Shirts mit Krokodil oder ein paar neue Sandalen, wer sucht, wird fündig. Wir lassen einige Zeit lang dieses Warenangebot auf uns einwirken, fühlen uns nach Südostasien versetzt, finden eine ruhige Ecke, ein kaltes Bier und fahren dann mit Bus 48 zurück zum Botanischen Garten.

Am nächsten Morgen dort noch ein kurzer Besuch im Naturkundlichen Museum, ein buntes Sammelsurium aus ausgestopften Tieren wie dieser Ameisenbär,

einer riesigen Käfer- und Schmetterlingssammlung, vervollkommnet durch eingelegte Raritäten wie Hirn und Auge eines Wales, Embryonen von Missgeburten wie Zweiköpfiges Kalb, der Haut einer Anakonda und Mumie eines Indigene. Wir verlassen Asuncion auf dem ‚Golden Circuit‘, eigentlich einer Rundreise Strecke, die hier von allen Tour Anbietern vermarktet wird, die uns bei unserer Fahrt Richtung Osten zu den wesentlichen Sehenswürdigkeiten führt. Erster Halt in Aregua, einem Toepfer Dorf,

die angebotene Grob-Keramik dort aber eher Gewöhnungsbedürftig

und dann noch Garfield als Glückskatze…..

Weiter geht der Weg nach Itaugua, Heimat und Hochburg der Nanduti Webarbeiten, die uns schon in Asuncion so beeindruckten, dieses wunderschön gearbeitete Kleid wäre für PYG10.800.000 = Euro 200 zu haben gewesen,…

Mit Caacupe erreichen wir das religiöse Zentrum von Paraguay, in dieser gigantischen, vom Papst Johannes Paul II geweihten Basilika

eine Marienstatue,

am 8.Dezember jeden Jahres das Ziel von hunderttausenden von Pilgern auch aus den angrenzenden Ländern. Unsere Letzte Stadt auf dieser Rundreise ist Piribebuy, während Kriegszeiten auch mal Hauptstadt des Landes und auch hier eine von aussen unscheinbare Kirche,

die innen mit phantastischen Holzschnitzereien geschmückt ist.

Während die normale Rundreise nun über die Kirche in Yaguaron (da waren wir doch schon vor zwei Tagen) nach Asuncion zurückführt, setzen wir unseren Weg Richtung Osten fort, finden bei Campo 8 einen Stellplatz, sowieso schon wieder Zeit fürs Abendessen,…
Am nächsten Morgen nochmals 80km Richtung Osten und dann auf dem neuen Super Highway Richtung Norden bis zum Besucherzentrum vom Itaipu Damm, in den 70er Jahren erbaut, damals das weltweit größte Dammprojekt, mittlerweile vom Yangtse Damm in China, den wir vor zwei Jahren besichtigt haben aber überholt. Dafür ist alles völlig einfach hier, keine Sicherheitskontrollen, keine Flughafen-ähnliche Leibesvisitationen, keine!!! Eintrittsgebühren. Man wird der nächsten geführten Tour zugewiesen, schaut sich etwa 20 Minuten einen Film über die Bauphase an, erhält auch viele technische Informationen und wird dann in einem luxuriösen Reisebus raus zum Damm gefahren. Ein erster Halt am Mirador mit Ausblick auf den Hochwasserablass und den Damm,

dann die Fahrt über das Turbinenhaus, vorbei an den riesigen Wassereinlässen

und auf dem Weg zurück noch die Fahrt über die 8km lange Dammkrone,

ein letzter Blick auf das Turbinenhaus,

die Umspannstation

und so erreichen wir eine Stunde später wieder das Besucherzentrum. Wir fahren ins Herz von Ciudad del Este, dem Grenzort zu Brasilien, haben wir doch von dem Markttreiben hier so viel gelesen – bewundern kurz den Riesen-Nachmittags-Stau (15h) an der Grenzstation und wenden uns enttäuscht wieder ab. Fahren etwa 20km nach Süden zum Salto Monday, auf Privatgelände, daher US$6 pP für Ausländer, grrrrr….
Wir begnügen uns mit diesem Blick aus der Ferne

und fahren zum Drei-Länder-Eck. Hier überquert eine kleine Fähre stündlich den Rio Parana hinüber nach Argentinien (Auto ARS 80, Passagier ARS 30).

Da wollen wir doch sowieso hin, die Abfertigung in Paraguay dauert keine 5 Minuten, vom Boot aus ein Blick hoch zur Brücke der Freundschaft, auf der der Verkehr immer noch steht

und drüben in Argentinien, in Puerto Iguazu

verzichtet die Zöllnerin darauf unser Auto zu kontrollieren, denn wir mussten ja schon 5 Minuten auf den Ausdruck unseres Auto-Einfuhrdokumentes warten. So machen Grenzen Spass.

© Anja & Wolfgang, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach mehrmonatiger Reisepause geht es endlich wieder los. Diesmal von Kanada nach Alaska, von dort über Key West bis Feuerland und zurück nach Montevideo.
Details:
Aufbruch: Mai 2013
Dauer: 24 Monate
Heimkehr: 08.05.2015
Reiseziele: Kanada
Vereinigte Staaten
Malaysia
Mexiko
Belize
Guatemala
Honduras
Nicaragua
Costa Rica
Panama
Kolumbien
Ecuador
Peru
Bolivien
Argentinien
Chile
Uruguay
Paraguay
Brasilien
Deutschland
Der Autor
 
Anja & Wolfgang berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt. Anja & über sich:
Weltreisende aus Leidenschaft