Belgien-Reisebericht :Großbritannien - querbeet

Erst geht es mal nach Belgien

Wir starten bei herrlichem Wetter.

29.4. Bis 14°° nach Antwerpen. Antwerpen war im 15. und 16. Jahrhundert eine der größten Städte der Welt, zeitweise die wichtigste Handelsmetropole Europas und als bedeutendes kulturelles Zentrum Wirkungsstätte von Künstlern wie Rubens. Antwerpen gehört heute zu den wenigen zentraleuropäischen Großstädten mit weitgehend erhaltenem historischem Stadtkern. Aufgrund der vielen noch vorhandenen Bau- und Kunstdenkmale aus der Blütezeit der Stadt (Spätmittelalter, Renaissance und Barock) sowie aus der Zeit des Jugendstils ist eine Stadtbesichtigung ein Erlebnis. Problemlos finden wir unseren ersten Stellplatz (8,50€). Tram Nr.2 bringt uns in die City. Wunderbare Stadt.

Kathetrale

Kathetrale

30.4. Ab 9 Uhr nach Brügge. Besucht man Brügge merkt man sofort: Diese Stadt hat ihre architektonischen und künstlerischen Schätze von früher sorgfältig gehegt und gepflegt.
Ich könnte tagelang in dieser Stadt stöbern und immer noch etwas Neues entdecken. Über den Markplatz zieht der leckere Duft aus der Pommesbude, vermischt sich mit der Ausdünstung der Kutschenpferde und wabert bis zum Leonidas-Geschäft. Mit Leidenschaft würde ich eine Portion dieser großen, goldgelben Kartoffelstäbchen probieren. Nicht weil ich hungrig bin, sondern weil die Belgier die Erfinder der Pommes sind und ich nichts lieber tue, als landestypische Gerichte zu probieren. Aber meine Begleiter rümpfen die Nase. Weil ich nicht schon am ersten Tag als Vielfraß verfemt werden will, verzichte ich heldenhaft.

Nach zwei Stunden Stadtbesichtigung fahren wir weiter nach Calais. Einkaufen und tanken bei Auchan. Liter Diesel 1,389 €. Diese riesigen Supermärkte in Frankreich sind einfach ein Genuss für alle Sinne und der Sprit ist am Supermarkt am preiswertesten. Natürlich müssen auch zwei Cubis vin rouge mit nach UK. Dann kann man zu Hause heldenhaft auf die Mitnahme einiger Rotweinflaschen verzichten, wenn man dann hier zuschlägt... Männer! Der Womo Stellplatz ist direkt am Meer neben dem Fähr-Terminal, ohne alles 7 € pro Nacht. Campingplatz daneben ist natürlich etwas teurer.
Meer ist ein riesiger mit Wasser gefüllter Behälter an dessen Rändern die Preise noch gesalzener sind, als das Wasser. Aber hier ist es ja erst mal der Ärmelkanal. Überschaubar, wenn das Wetter mitspielt.

ob das morgen unsere Fähre wird?

ob das morgen unsere Fähre wird?

Von Frankreich nach England

01.05. Calais verzeichnet als Hafenstadt und Ausgangspunkt zu Kanalüberquerungen jährlich 30 Millionen Durchreisende. Im Zweiten Weltkrieg wurde Calais zuerst von der Luftwaffe der deutschen Wehrmacht und später von den Alliierten bombardiert. Das bereits zurückeroberte Calais erlitt im Februar 1945 zusätzlich ein schweres irrtümliches Bombardement, als britische Bomberpiloten eigentlich Dünkirchen bombardieren wollten, das noch von der Wehrmacht gehalten wurde. Ein Wiederaufbau der historischen Innenstadt von Calais hat in nennenswertem Maße nicht stattgefunden, weshalb auch unsere Besichtigung nicht wirklich lohnend ist.

02.05 Jetzt geht es früh los. Um viertel nach sechs noch mal Brauchwasser und Toilette entsorgen, dann fahren wir Richtung Fähre. Das Navi führt uns bis zum Tor. Alles andere kein Problem, nur Passkontrolle, dann auf direktem Weg zu Gate 200. Gut ausgeschildert. Eigentlich sind wir eine Stunde zu früh, werden aber ohne Worte einfach mitgenommen. Glatte Überfahrt. Leider ist es diesig und die wunderbaren weißen Kreidefelsen lassen sich erst erahnen, als wir schon ziemlich nahe sind.

Fährterminal Dover

Fährterminal Dover

Natürlich lässt sich das Navi auf der Fähre nicht einrichten, da kein SAT-Empfang, also auf gut Glück Richtung Hastings. Die Straßen sind sehr eng, es herrscht wahnsinniger Verkehr. Manfred findet sich ganz gut in den Linksverkehr, fährt allerding zweimal rechts, also muss ich auch aufpassen.

Fast überall auf der Welt herrscht Rechtsverkehr. Lediglich in 58 Ländern existiert noch der Linksverkehr. Das ist eigentlich erstaunlich, denn beim rechts und links auf der Straße gibt es kein "besser" oder "schlechter". Der Linksverkehr rührt einfach daher, dass die Ritter im Großbritannien des Mittelalters ihre Pferde mit der linken Hand am Zügel hielten. Mit der Rechten aber zogen sie ihr Schwert. Dementsprechend ritten sie immer auf der linken Wegseite, um einen möglichen Angreifer jederzeit mit der Waffe abwehren zu können. Diese Verkehrsführung wurde nie mehr geändert und schließlich 1835 im so genannten "Highway Act" gesetzlich festgeschrieben. Diesem Gesetz folgend wurden anschließend auch alle britischen Kolonien angewiesen, den Linksverkehr einzuführen.
In Europa sah das schon anders aus. Hier schaute man sich die Verkehrsführung von der schon lange existierenden Binnenschifffahrt ab. Auf dem Wasser wurde nämlich immer rechts gefahren und rechts gerudert. Damit wurde verhindert, dass sich die Paddel der Schiffe verhedderten. Da der Rechtsverkehr hier gut funktionierte, wurde er auch auf den Landweg übertragen. Und so fuhren Gespanne und Kutschen bald ebenfalls rechts. Gesetzlich verankert wurde das "Rechtsfahren" aber erst zu Zeiten von Robespierre und Napoleon ab der Mitte des 18. Jahrhunderts. Beide wollten eine einheitliche Verkehrsführung schaffen, um ihre Truppen im Kriegsfall geordnet und so schnell wie möglich verschieben zu können.

© Doris Sutter, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Wenn Wassersportler mit dem Wohnmobil unterwegs sind, kann das nur spannend werden... Begleitet uns auf unserer Reise mit dem Wohnmobil durch England, Cornwall, Wales und Schottland.
Details:
Aufbruch: Mai 2012
Dauer: circa 5 Wochen
Heimkehr: Juni 2012
Reiseziele: Großbritannien
Belgien
Frankreich
Der Autor
 
Doris Sutter berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Doris sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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